Besuch aus dem Weltraum

Am 5. Oktober kommen Raumfahrtinteressierte jeden Alters voll auf ihre Kosten! Im Rahmen des 29. Planetary Congress der Association of Space Explorers (ASE) bietet der Community Day die Möglichkeit Astronautinnen und Astronauten, wie den zweiten Menschen am Mond – Buzz Aldrin – hautnah zu erleben.

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100 RaumfahrerInnen aus aller Welt reisen zum 29. Planetary Congress nach Österreich. Herzstück der Konferenz ist der Community Day am 5. Oktober, an dem die AstronautInnen in fast allen österreichischen Bundesländern unterwegs sein werden, um Jung und Alt für die Themen Wissenschaft, Forschung und Technologie zu begeistern.

In Oberösterreich werden die RaumfahrerInnen neben zahlreichen Schulen auch oberösterreichische Technologieunternehmen sowie öffentliche Veranstaltungen besuchen. Mit dabei ist auch das Ars Electronica Center! Unter dem Titel „Besuch aus dem Weltraum“ kommen die vier internationalen Astronauten Michael Fincke (NASA Bordingenieur/Copilot), Oleg Germanowitsch Artemjew (russischer Kosmonaut/Bordingenieur), Kimiya Yui (JAXA Testpilot/Forscher) und Nikolai Michailowitsch Budarin (ehemaliger russischer Kosmonaut) ins Museum, um von ihren Besuchen im Weltall zu berichten.

Organisiert wird dieser Kongress vom bislang einzigen österreichische Astronauten Franz Viehböck und dem Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF). Wir haben mit Oberösterreicher Clemens Plank, Flugdirektor und ÖWF Mitglied, gesprochen.

Sie haben Raumfahrttechnik und Nukleartechnik an der TU München studiert und Ihre Abschlussarbeit am MIT geschrieben – haben Sie, wie viele andere, als Kind davon geträumt Astronaut oder Weltraumforscher zu werden?

cplank_portraitClemens Plank: Ganz klar: Ja! Aber ich wollte auch Feuerwehrmann werden… Und wenn man den Visionen mancher Pioniere unserer Zeit über Kolonien am Mars glauben schenkt, dann könnten wir ja sogar vielleicht schon bald einen Feuerwehrmann am Mars benötigen.

 

Im August 2015 waren Sie Flugdirektor für die AMADEE-15 Mission. Können Sie uns darüber mehr erzählen?

Clemens Plank: Es war meine erste Analog-Marsmission am ÖWF, welcher ich nach meinem Studium und einer kleinen Weltreise beigetreten bin. Die zweiwöchige Mars Simulation auf Eis- und Blockgletschern im österreichischen Kaunertal war eine sehr spannende und neue Herausforderung für mich, aber genauso eine große Ehre als junges Mitglied gleich so viel Verantwortung übertragen zu bekommen. Ich habe dabei bestimmt sehr von meinen Reiseerfahrungen und somit im Umgang mit Menschen verschiedenster Kulturen profitiert. Aber natürlich auch von der professionellen Führung durch erfahrene ÖWF-Mitglieder und der perfekten Zusammenarbeit mit meiner Flightdirector-Kollegin Laura Zanardini.

… und was ist Ihr nächstes großes Projekt?

Clemens Plank: Als nächstes wird kommendes Jahr eine sehr kleine Simulation stattfinden, bei der wir diverse Systeme und Abläufe testen wollen, die wir anhand der Erfahrungen aus der AMADEE-15 Mission letztes Jahr verbessert haben.

Danach wird voraussichtlich wieder eine größere Mission – ähnlich der vierwöchige Mars-Feldsimulation in Marokko 2013 – stattfinden. Unser hoher wissenschaftlicher Anspruch benötigt aber sehr viel Vorbereitung (und Nachbereitung), weshalb wir leider nicht jedes Jahr so eine große Mission mit den gegebenen Ressourcen durchführen können.

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Michael Fincke, NASA Bordingenieur/Copilot (Credit: ASE)

Der ÖWF organisiert gemeinsam mit dem bislang einzigen österreichischen Astronauten Franz Viehböck den 29. Planetary Congress, bei dem 100 internationale AstronautInnen nach Österreich kommen werden. Was bedeutet das für Österreich?

Clemens Plank: Ich denke es ist eine große Ehre für unser Land so viele Pioniere der Raumfahrt bei uns begrüßen zu dürfen! Aber auch die wissenschaftlichen und industriellen Einrichtungen in Österreich können von dem großen, weltweiten Netzwerk der Raumfahrer profitieren. Vor allem glaube ich auch, dass es eine gute Möglichkeit ist, um unserer ganzen Gesellschaft ein Stück Kreativität für neue Visionen zu vermitteln, um alternative Lösungswege für anstehende Herausforderungen aufzuzeigen und um uns selbst zu motivieren diese erfolgreich meistern zu können.

Große Herausforderungen wie z.B. die Energiewende, ein weltweit nachhaltiger Anbau von Nahrungsmitteln, die Heilung von Krebs, etc. scheinen heute vielleicht genauso undenkbar zu sein wie vor 60 Jahren die Mondlandung. Und trotzdem werden wir den zweiten Menschen am Mond, Buzz Aldrin, zu Gast in Österreich begrüßen dürfen.

Und genau aus diesen Erfahrungen der Raumfahrt können wir für neue Herausforderungen lernen. Dass dabei die Raumfahrer von Heute kaum mehr waghalsige Piloten, sondern die Grundlagenforscher oben genannter Herausforderungen sind, ist ebenfalls eine wichtige Botschaft um den Nutzen der Raumfahrt(-abenteuer) vor Augen zu führen.

Der 5. Oktober hat also das große Ziel um aus den kleinen Träumern von Heute Visionäre von Morgen und Macher von Übermorgen zu machen.

Highlight des Kongresses ist der Community Tag am 5. Oktober, an dem die RaumfahrerInnen zahlreiche Schulen, Technologieunternehmen und öffentliche Veranstaltungen besuchen. Warum ist es wichtig, Jung und Alt für die Themen Wissenschaft, Forschung und Technologie zu begeistern?

Clemens Plank: Ich denke, dass jedes Kind mit einem gewissen Entdeckergeist geboren wird – eine meiner Meinung nach grundlegende Eigenschaft des Homo Sapiens Sapiens. Ob das nun immer für Alle gut ist, ist eine andere Diskussion. Aber ich habe das Gefühl, als ginge den meisten von uns dieser kindlich-natürliche Forschergeist im Laufe der Jugend, aus verschiedensten Gründen, verloren. Das ist nicht nur schlecht für die weitere technologische Entwicklung unseres Landes und der Erfindung neuer Innovationen, sondern weil man dadurch ebenfalls verlernt selbstständig nachzudenken um auch nichttechnische Dinge kritisch zu beurteilen.

Ich befinde mich im Moment auf Reisen am ehemaligen Ende der Welt zwischen Gibraltar und Lissabon. Hätten Christoph Columbus und Co damals nicht den Entdeckergeist gehabt um von hier aus zu ihren monatelangen Seereisen mit ungewissem Ausgang aufzubrechen, wäre Amerika vielleicht bis heute unentdeckt und wir würde immer noch glauben die Erde sei eine Scheibe. Unvorstellbar oder?! Was werden die Menschen vielleicht im Jahre 2492 über uns sagen?

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Oleg Germanovich Artemyev, russischer Kosmonaut/Bordingenieur (Credit: ASE)

Im Ars Electronica Center werden die vier Astronauten Michael Fincke, Oleg Germanowitsch Artemjew, Kimiya Yui und Nikolai Michailowitsch Budarin von ihren Besuchen im Weltall berichten. Was erwartet die BesucherInnen?

Clemens Plank: Die BesucherInnen erwartet im wahrsten Sinne des Wortes eine hautnahe Begegnung mit dem Weltall. Die Veranstaltung ist nicht darauf ausgelegt nur eine typische Vorlesung mit Fotos und Erzählungen aus dem Weltall zu sein, sondern sich interaktiv mit den Raumfahrern auszutauschen. Philosophische, technische, persönliche Fragen zu stellen ist ebenso möglich wie vielleicht ein kurzes Selfie mit den „Außerirdischen“. Und vielleicht erwartet uns ja auch noch ein weiterer Überraschungsgast…

Dipl.-Ing. Clemens Plank

geboren 1987 in Linz. Studium Raumfahrttechnik und Nukleartechnik an der TU München mit Abschlussarbeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Teilnahme an der 57.ten ESA Parabelflugkampagne mit dem „Hydronauts2Fly“ Team. 2011 Forschungsaufenthalt am NASA Johnson Space Center (JSC) in Houston, Texas. Seit Herbst 2014 ÖWF Mitglied und designierter Flugdirektor für die AMADEE-15 Mission im August 2015.

Mehr Infos zum „Besuch aus dem Weltraum“ am 5. Oktober im Ars Electronica Center finden Sie hier: https://ars.electronica.art/center/ase-tag/