Interaktiv und zeitbasiert: TIME OUT .09

Wenn Professor Gerhard Funk und seine Studierenden statt an der Kunstuniversität Linz immer öfter im Ars Electronica Center anzutreffen sind, dann ist es wieder so weit: Die TIME OUT hält Einzug in das Museum der Zukunft. Am 15. November 2018 eröffnet die neueste Ausgabe der Ausstellung – und das erwartet uns.

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Es ist mittlerweile schon das neunte Mal, dass die Studierenden des Bachelorstudiengangs Zeitbasierte und Interaktive Medien ihre Arbeiten im Ars Electronica Center ausstellen. TIME OUT .09, die neunte Ausgabe der gemeinsamen Ausstellungsreihe der Kunstuniversität Linz und Ars Electronica, zeigt interaktive Installationen, die von Sound über Video bis hin zu Interfaces die unterschiedlichsten Techniken verwenden.

Licht, ganz ohne Strom

„Field“ ist eine davon – die Arbeit von Marlene Reischl besteht aus Leuchtstoffröhren und Teslaspulen. Fast zärtlich pulsiert die Installation mit Licht, und das, obwohl sie an keinerlei Stromanschluss gebunden ist. Wie ist das möglich? „Die Hochspannungsfelder der Spulen bringen die Röhren zum Leuchten“, erklärt Reischl. „Während sich die Spulen über die Skulptur bewegen, aktivieren ihre elektrischen Felder die Röhren und regen das eingeschlossene Gas dazu an, sanfte, fließende Lichtbewegungen zu erzeugen“.

Field / Marlene Reischl. Credit: Tom Mesic

Es ist nicht das erste Mal, dass „Field“ bei Ars Electronica zu sehen ist – 2017 stellte Marlene Reischl ihre Arbeit am Ars Electronica Festival aus. Genau dasselbe Bild wird sich Besuchern und Besucherinnen dieses Mal trotzdem nicht bieten, denn „Field“ verändert sich, je nachdem, wo es gezeigt wird. „Die Anzahl der Röhren und Spulen sind immer verschieden“, berichtet Reischl. „Auf der TIME OUT wird dann die fünfte Version, eine „Wolke“, zu sehen sein.“

convulsion_o1 / Clemens Niel. Credit: Robert Bauernhansl

Licht, Klang und Interaktion

Mit Licht arbeitet auch Clemens Niel – bei seiner Arbeit „convulsion_01“ öffnen und schließen sich Jalousien immerfort, sodass aus dem Alltagsgegenstand eine kinetische Installation wird. Neben Licht spielt auch Klang eine Rolle in vielen der Werke – Philipp Feichtinger nutzt mit „A story about resonance“ zum Beispiel Schallwandler, Metallplatten und Sand, um eine Klanglandschaft zu schaffen, bei der durch Schwingungen geometrische Muster in Sand gezeichnet werden, während Ute Hackl mit der „tonbrücke“ die alte Linzer Eisenbahnbrücke wieder zum Leben erweckt. Beim Berühren eines Abbruchstücks erklingt historischer Ton – ganz so, als würde die alte Brücke tatsächlich wieder existieren.

„Lass uns Tabula Rasa machen“

„Tabula Rasa“ von Angelika Wonisch erzählt ebenfalls von einem Neuanfang, nämlich dem einer langen Freundschaft. „Tabula Rasa ist ein leeres Buch, anfangs. Wenn man länger hineinblickt, werden von Hand geschriebene Texte hinein projiziert“, erklärt sie. „Es sind Ausschnitte eines Briefwechsels mit einer ehemals engen Kindheitsfreundin, die über den Zeitraum von 14 Jahren entstanden sind“. Der Briefwechsel endete in Streit, irgendwann schrieb die Freundin schließlich den entscheidenden Satz: „Lass uns Tabula Rasa machen.“

Tabula Rasa / Angelika Wonisch. Credit: Angelika Wonisch

Während „Tabula Rasa“ eine Geschichte erzählt und erlebbar macht, lädt Bene Reiters „mindFi“ Besucher und Besucherinnen unter anderem dazu ein, selbst eine solche zu schreiben. Kleine, lokale WiFi-Hotspots stellen Applikationen zur Verfügung, die nur dort funktionieren, wo man mit dem jeweiligen Hotspot verbunden ist. Jeder Hotspot, oder „mindFi“, bietet ein anderes Programm an – so kann man zum Beispiel Rätsel lösen, anderen Menschen eine Nachricht hinterlassen oder eben an einer Geschichte weiterschreiben.

Die (menschliche) Natur

Bei all der Technik, all den audiovisuellen und interaktiven Installationen, kommt dennoch auch die Natur nicht zu kurz: Moritz Rathke etwa bringt mit „[connect by nature]“ Besucher und Besucherinnen und das Wesen der Natur miteinander in Verbindung. Drei verschiedene interaktive Arbeiten zeigen hier nicht nur, wie Mensch und Natur sich manchmal in Konflikten verstricken, sondern auch die eigene Natürlichkeit der Betrachter und Betrachterinnen.

„Am I a girl yet?“ / Sophia Hochedlinger. Credit: Sophia Hochedlinger

Sophia Hochedlinger befasst sich währenddessen mit einer ganz anderen Frage: „Am I a girl yet?“ spielt mit genderspezifischen Verhaltensformen. Die Videoinstallation zeigt drei Frauen, die bestimmte Handlungen so durchführen, wie sie es „als Frau“ gelernt haben. Bewegt man ein Element auf einem Pult vor dem Video, versuchen die Frauen, dieselbe Handlung genderneutral durchzuführen.

Neugierig geworden? Die Arbeiten können ab 15. November 2018 bei TIME OUT .09 im Ars Electronica Center besucht werden.

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