Der Energiewender

Citizen Science hat viele Gesichter, Elias Silber ist eines davon: Sein Engagement hat binnen kürzester Zeit die Energiebilanz der Ars Electronica optimiert.

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Citizen Science passiert, wenn Wissenschaft in der Mitte unserer Gesellschaft entsteht. Zu Hause. Draußen in der Natur. Oder am Arbeitsplatz, zum Beispiel in einem Museum: In den Räumen des Ars Electronica Center wird tagtäglich geforscht. Doch nicht nur in den Labors und Ausstellungsräumen entstehen jene großartigen Beiträge, die wir von unseren Showbühnen der Wissenschaft alle gut kennen. Versteckt hinter den Kulissen des Zukunftsmuseums arbeitet Elias Silber in der Haustechnik-Crew. Er gehört zu den großen Idealisten des Teams. Als bekennender Citizen Scientist hat er sich hier nicht erst angesichts der stetig steigenden Energiekosten eine entscheidende Frage gestellt: Kann man ein Museum der Zukunft nicht viel energieeffizienter betreiben?

Mit seinen Nachforschungen und Maßnahmen hat er sich im gesamten Haus innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht, denn seit er im Ars Electronica Center als Haustechniker arbeitet, konnte er den Stromverbrauch des Museums um 35 bis 40 Prozent senken. Ihm, sowie vielen weiteren Nicht-Wissenschaftler*innen, DIY-Scienctists und Amateurforschenden wollen wir hiermit und demnächst eine Bühne geben, – mit den Citizen Science Days im Ars Electronica Center. Mit uns hat der Elektriker über seine Forschung gesprochen, weil wir wissen wollten, wie genau ihm dieses Zukunftsprojekt gelungen ist.

Elektriker, Forscher und Visionär

Elias Silber ist ein stiller Typ, in T-Shirt und Arbeitshosen von Engelbert Strauss. Sein Reich liegt verborgen hinter der LED-Fassade, in den Sicherungskästen, zwischen Rohren und Kabeln, im Techniker-Büro und manchmal sogar auf dem Dach. Als gelernter Elektriker hat er 10 Jahre für die Firma E-Tech gearbeitet. Danach war er 11 Jahre lang Haustechniker und Stellvertreter des Brandschutzbeauftragten in der Landes Frauen- und Kinderklinik in Linz. Seit 2021 ist er Teil des Ars Electronica Teams. „Den hohen Stromverbrauch habe ich persönlich genommen“, lacht der 34-jährige Mühlviertler. „Eigentlich war es gar nicht so schwer.“

„Technisch ist natürlich vieles möglich“, überlegt er dann weiter, „doch Energieeffizienz ist immer auch ein unternehmensweiter Lernprozess. Als Haustechniker spielt man da eine entscheidende Rolle im Team. Wenn man eine technische Infrastruktur schaffen kann, um die Energie vernünftig zu nutzen, ist das die beste Voraussetzung. Aber wenn nicht alle gemeinsam umdenken, werden wir das Potential nicht voll ausschöpfen können. Es ist ja nicht die Technik allein, die unser Problem mit dem hohen Energieverbrauch löst. Es ist vor allem auch das Bewusstsein der Mitarbeiter*innen, das viel dazu beiträgt, wie energieeffizient eine Institution oder ein Unternehmen funktioniert.

An ihrem Arbeitsplatz verhalten sich die Menschen anders als zu Hause: Man dreht das Licht auf und denkt nicht mehr daran, es wieder abzudrehen. Oder man öffnet die Fenster, um kurz zu lüften, und vergisst danach, sie wieder zu schließen. Wenn Räume von vielen Menschen gemeinsam genutzt werden, fühlt sich am Ende des Tages oft niemand wirklich verantwortlich.

Großes Einsparungspotential liegt aber auch in den organisatorischen Rahmenbedingungen: Wenn am Montag, zum Beispiel, das Ars Electronica Center für Besucher*innen geschlossen ist, finden Schulungen für die Infotrainer*innen statt. Oft wird trotzdem das gesamte Haus in den Betriebsmodus versetzt.“

Die nötige Infrastruktur für einen energieeffizienten Museumsbetrieb

Um die Stromfresser im Ars Electronica Center gezielt zu identifizieren, hat der Techniker ein Gerät angeschafft, mit dem man Energieverbrauch und Leistung messen und aufzeichnen kann: Wenn man weiß, wie man den Power & Energy Logger sowie die mitgelieferte Software gezielt einsetzen kann, haben sich die Anschaffungskosten von ungefähr tausend Euro schnell amortisiert. „Natürlich gibt es auch viel teurere Geräte, die noch viel genauere Aufzeichnungen liefern. Diese können dann zum Beispiel auch Spannungsschwankungen messen, die teure Maschinen kaputt machen würden. Auch das mag in manchen Häusern durchaus Sinn machen und zur Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit beitragen. Vor allem dann, wenn High-Tech-Maschinen dadurch gefährdet wären“, meint der gelernte Elektriker dazu. Doch schon mit der günstigsten Variante, die er im Ars Electronica Center nutzt, konnte er offensichtlich schon eine ganze Menge bewegen.

Schon während der Analyse des Status Quo hat er sich viele weitere Fragen gestellt: „Warum ist in der Nacht diese eine Stromspitze da? Und warum benötigt man dort und da überhaupt so viel Strom? Mit diesem Gerät konnte ich herausfinden, dass die Beleuchtung am Main Deck bereits um vier Uhr nachmittags eingeschalten war. In der Zentrale der Technik haben gewisse Pumpenkreise rund um die Uhr durchgearbeitet, was auch nicht notwendig war.“

Seit nun auch die Medienfassade des Ars Electronica Center bereits um 23 Uhr, statt um 24 Uhr erlischt, kann noch mehr eingespart werden: „Abhängig vom Programm, das dort läuft, werden für den Betrieb der LEDs ungefähr 25.000kWh Energie im Jahr verbraucht. Das entspricht dem Stromverbrauch von ungefähr 120 haushaltsüblichen Gefrierschränken“. Doch es sind nicht die großen Projekte und Ausstellungen, die für den Haustechniker die wichtigste Rolle spielen: „Oft stecken dort gar nicht so viele Möglichkeiten drin. Es sind die ganz kleinen Faktoren, die am Ende des Tages viel Einsparungspotential in sich bergen – die Durchgangs- und Sicherheitsbeleuchtungen, oder das Licht im WC“.

Jeder Weg zum Ziel beginnt mit großen Visionen

Trotz seines großen Erfolges im vergangenen Jahr fühlt sich Elias Silber noch längst nicht am Ziel. Denn Einsparungspotentiale sieht er noch immer und fast überall. Die zeitlose Architektur des Gebäudes täuscht manchmal über dessen wahres Baujahr hinweg: Das Mitte der 90er Jahre errichtete Ars Electronica Center ist in vielen wichtigen Fragen der Nachhaltigkeit längst nicht mehr am neuesten Stand. Aktuell forscht er an Möglichkeiten zur Errichtung einer PV-Anlage, denn die üblichen Installationsoptionen am Dach stoßen auf bauliche Hindernisse. Auch den Betrieb der Kältemaschine will Elias möglichst bald optimieren: „Die Maschine ist notwendig, um die Abwärme der Geräte, zum Beispiel die der Projektoren des Deep Space 8K, oder die der Rechner in den Serverräumen, zu kompensieren. Bereits jetzt wird sie durch ein raffiniertes System mit „Brunnenkälte“ versorgt, das die warme Luft mit dem Wasser der Donau auf 11 bis 13 Grad temperiert.“ Doch der Techniker denkt bereits über Möglichkeiten nach, die Abwärme der Geräte vielleicht besser nutzen zu können. Und im Ars Electronica Center wartet man bereits neugierig auf seine nächste Idee.

Falls ihr nun selbst Lust auf Citizen Science bekommen habt, seid ihr herzlich bei den Citicen Science Days am 18.2., 18.3. und 15.4. im Ars Electronica Center willkommen. Als „Warming up“ zur 8. Österreichischen Citizen Science Konferenz 2023 der Johannes Kepler Universität, wollen wir eure Neugier auf ein spannendes Zukunftsthema wecken. Erfahrt mehr zum unserem umfangreichen Programm im Ars Electronica Center. Auch das OeAD-Zentrum für Citizen Science lud am 14. 12. zu einer Online-Podiumsdiskussion zum Thema „Forschen(d) lernen“ ein, um die praktische Wissenschaftsvermittlung für Kinder und Jugendliche zu diskutieren. Seid dabei!