ArtScience Residency 2022 enabled by Deutsche Telekom

Und die Gewinner*innen der ArtScience Residency sind…

In der Jurysitzung wurden zwei Gewinner*innen für die zwei verbleibenden Artist in Residency Plätze 2022 und 2023 ausgewählt. Das Team von Ars Electronica und der Art Collection Deutsche Telekom begrüßen Irakli Sabekia und Špela Petrič als die beiden neuen Artists in Residents.

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Irakli Sabekia

Diesjähriger Stipendiat der ArtScience Residency ist Irakli Sabekia mit seinem Projekt ‚Archive of Spatial Knowledge‘. Geplant ist eine experimentelle digitale Plattform, die geographische Orte mit persönlichen Geschichten verknüpft. Dabei geht es um Orte, die aus politischen, sozialen, ethnischen oder religiösen Gründen verlassen werden mussten und um die Erzählungen und Geschichten, der Menschen, die dort lebten. Eingereicht schon vor dem Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine, hat das poetische und konzeptuell überzeugende Projekt des georgischen Künstlers außerdem eine große Aktualität.

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Špela Petrič

Aufgrund der gesellschaftlich relevanten Thematik des Projekts ‚AIxxxNOSOGRAPHIES‘ hat sich die Jury dazu entschieden, die ArtScience Residency für 2023 gleichzeitig an die slowenische Künstlerin Špela Petrič zu vergeben. Viele Anknüpfungspunkte, Fragestellungen und Zielsetzungen dieses Projekts finden ihren Widerhall im Forschungsgebiet des wissenschaftlichen Partners, dem Sustainable AI Lab in Bonn, der beide Projekte begleitet.

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Prof. Dr. Aimee van Wynsberghe ist nicht nur das Gesicht der neuen Wissenschaftspartnerschaft, sondern auch Jurymitglied und Betreuerin der ArtScience Residency. Mit ihrem Sustainability AI Lab, das an der Universität Bonn angesiedelt ist, wird sie die Forschung hinter und die Entwicklung der neuen Kunstwerke unterstützen.

“Mein Team im Bonn Sustainable AI Lab und ich freuen uns unglaublich auf die Zusammenarbeit mit Špela Petrič und Irakli Sabekia, zwei außergewöhnlichen Künstler*innen mit faszinierenden Projektideen. Ihre Vorschläge befassen sich mit zwei sehr unterschiedlichen, aber gleichermaßen dringenden und relevanten Themen – dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen und der russischen Besetzung von Gebieten in Georgien. Sie befassen sich mit den umfassenderen Fragen globaler Ungerechtigkeit und Macht und machen das Verborgene sichtbar, was eine starke Verbindung zu den Forschungen des Bonn Sustainable AI Lab darstellt. Kunst, Wissenschaft und Ethik zusammenzubringen ist eines der Hauptziele unseres Labors, daher freue ich mich auf viele inspirierende Begegnungen und den Austausch zwischen unserem Laborteam und den Künstlern.“

(Prof. Dr. Aimee van Wynsberghe)
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Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience der Deutschen Telekom, beschreibt ihre Eindrücke mit den folgenden Worten:

“Vor dem Hintergrund des Krieges mitten in Europa, hat mich das Projekt von Irakli Sabekia besonders angesprochen und berührt. Millionen Menschen sind auf der ganzen Welt von Flucht, Vertreibung und dem Verlust ihrer Heimat betroffen. Orte und Gemeinden verlieren dadurch ihre Geschichten, ‚Archive of Spatial Knowledge‘ ist eine Antwort auf die Sprachlosigkeit und den Wissensverlust. Darüber hinaus eröffnet diese digitale Plattform, auf der wirklich alle ihre persönlichen Geschichten teilen können, eine neue Dimension, wie die Digitalisierung die Kultur der Erinnerung demokratisieren und beleben kann.”

(Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience of the Deutsche Telekom)
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Nathalie Hoyos ist Kuratorin im Office for Art in Berlin und verantwortlich für die Kunstsammlung Deutsche Telekom. In diesem Jahr war sie zum ersten Mal Jurymitglied bei der Suche nach den richtigen Artists in Residents:

“Zwei tolle Stipendiaten für die ArtScience Residency! Spannend ist, dass es beiden Projekten um Teilhabe und die Stärkung der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung geht. Irakli Sabekia initiiert Geschichtsschreibung, an der jeder partizipieren kann und Špela Petrič untersucht die Auswirkungen von KI im Gesundheitswesen. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse.”

(Nathalie Hoyos, Kuratorin, Office for Art)
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Auch Martin Honzik, Chefkurator der Ars Electronica, geht näher auf die beiden Gewinner*innen ein:

„Irakli Sabekia führt uns an Orte, an denen durch militärische und gewaltsame Interventionen kulturelle Kontinuität verunmöglicht wurde. Er möchte einen digitalen Archiv-Raum schaffen, in dem kontroverse Erzählungen an einem gemeinsamen Ort koexistieren können, ohne sich gegenseitig auszulöschen. Er versucht über Räumliches und Soziales Gedächtnis von Zeitzeugen ein kollektives Gesamtbild zu rekonstruieren, um verlorenen Kulturidentitäten wieder Raum zu geben und bei der Aufarbeitung und Reflektion kulturelle Traumata behilflich zu sein. Die hohe Gegenwartsrelevanz mit seinem Fallbeispiel Georgien und die Folgen der Russischen militärischen Okkupation führt uns auch direkt in den aktuellen Krisenherd Ukraine, weist aber gleichzeitig auch auf eine global gesellschaftliche Situation hin, in der es unzählige alternative Beispiele gibt. Die gegenwärtige Relevanz dieses Projektes und die bereits in einer früheren Phase des Projektes begonnene seriöse Vorarbeit, aber auch die klare Vorstellung des Weiterentwicklungspotentiales des Projektes sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch haben die Jury überzeugt.“

„Špela Petrič hat die Jury mit ihrer Einreichung schlicht weg begeistert. Ihr kultureller Hintergrund und die hybride Persönlichkeit, die sie darstellt als Naturwissenschaftlerin und Künstlerin zusammen mit dem von ihr eingebrachten Thema, traf den Kern der Intention des Preises auf bemerkenswerte Art und Weise. Sie öffnet als Künstlerin den kritischen Diskurs, wo KI in alltäglichen Abläufen bereits eingesetzt wird – mit oder ohne Wissen der betroffenen menschlichen Umgebung. Sie führt uns in den Bereich der medizinischen Betreuung von Menschen und öffnet eine Welt, die von Technologie durchdrungen ist. Sie erschließt einen Bereich in der der Einsatz von Technologie einerseits lebensrettende Wichtigkeit hat, jedoch andererseits moralische und ethische Grenzen ausreizt und überschreitet. Zugang und Thema, als auch die Qualität des Proposals hat sowohl die wissenschaftliche als auch die künstlerische Zielsetzung und Partner im Projekt überzeugt.“

(Martin Honzik, Chief Curator at Ars Electronica)