Satellite Landscape

Jenny Odell (US)

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Ein Großteil der bizarrsten Architektur, die mit der Menschheit assoziiert wird, ist infrastrukturell. Seien es riesige Anordnungen von rostenden Zylindern, Ölplattformen, die wie einsame Insekten über Ödland verstreut sind, juwelenfarbene Teiche mit chemischen Abfällen oder graue, terrassenförmig angelegte Mülldeponien, hohe Abwasserkläranlagen und gestreifte Flächen in der Wüste, die aussehen, als wären sie falsch gerendert, bis wir erkennen, dass die Linien in Wahrheit tausende Solarpanels sind. Was diese Strukturen beunruhigend macht, ist vielleicht, dass sie einerseits zutiefst menschlich und andererseits aber unverkennbar technologisch sind. Sie sind unsere Prothesen, verarbeiten unseren Müll oder verteilen unseren Strom, halten uns am Leben und erzählen gleichzeitig auch die Geschichte der Unvermeidlichkeit, die in so vielen seltsam geformten Strukturen zum Ausdruck kommt. Im Alltag spielt die Entfernung eine Rolle, denn meist liegen Mülldeponien hinter Hügeln, die Rohre verlaufen unterirdisch, das Kohlekraftwerk ist weit weg oder das Abwasser fließt in eine andere Stadt. Diese versteckten Orte bilden zu allen Zeiten ein abstraktes Gefühl der Endlichkeit, außer vielleicht für die Menschen, die dort arbeiten. Selbst als Zeugnisse bester Ingenieurskunst haben die Bauwerke etwas Tragisches an sich: sie sind Denkmäler einer Zeit in der die Welt auf die totale ökologische Verantwortungslosigkeit zusteuert, in der immer mehr gegen eine verschwindende Zukunft geliehen wurde und wir alle es wussten. Sie sehen jetzt schon wie Dinosaurier aus, wie Relikte einer gescheiterten Zeit aus der Perspektive einer Zeit, in der wir es besser wissen werden – oder wenn wir nicht mehr da sind.