Vom Operations- in den Konferenzsaal

Es ist ein internationaler Chirurgie-Kongress mit einem ganz besonderen Highlight: Gleich mehrere Live-Operationen aus drei Operationssälen des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz werden direkt in das Ars Electronica Center übertragen.

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Foto: Martin Hieslmair

Die technologischen Entwicklungen im medizinischen Bereich machen es immer notwendiger, dass sich Ärztinnen und Ärzte laufend mit der eigenen Fortbildung und der Weiterentwicklung ihres Fachbereichs beschäftigen müssen. Im Rahmen eines internationalen Chirurgie-Kongresses von 12. bis 14. November 2014 versammelt die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz unter der Leitung von Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Emmanuel eine internationale Elite an ChirurgInnen im Ars Electronica Center in Linz.

Zu den Highlights des Kongresses zählen gleich mehrere Live-Operationen, die direkt aus drei Operationssälen des Krankenhauses in den Veranstaltungsraum des Ars Electronica Center übertragen und vor Ort von international renommierten Spezialisten kommentiert werden. Wir haben uns mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Emmanuel getroffen, um über seine Erwartungen dieser Präsentationsform und den heutigen technischen Möglichkeiten in der operativen Behandlung von Bauch-Organen zu sprechen.

Eine Besonderheit, die den Kongress auszeichnet, ist nicht nur die Teilnahme von international renommierten Spezialisten – es werden auch Live-Operationen direkt vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in das Ars Electronica Center übertragen und kommentiert. Was erwarten Sie sich von dieser Präsentationsform?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Diese Präsentationsform ist eine gute Möglichkeit, einfach bei Operationen anderen Kollegen live über die Schulter zu schauen, natürlich auch einer etwas größeren Gruppe von Spezialisten zuzuführen und in regem Austausch bei Gesprächen auch verschiedene Punkte zu diskutieren. Dabei geht es um Fragen wie: Wann macht man welche Operation? Wie sollen diese Operationstaktiken vorgenommen werden? Und so weiter. Auf der anderen Seite gibt es ein hochspezialisiertes Update, was ist im Moment der internationale Standard ist, sowohl für bösartige als auch für gutartige Erkrankungen, die Magen und Speiseröhre betreffen. Wir haben dazu auch, weil man heutzutage natürlich immer ganz hochspezialisierte Gruppen auf der Welt hat, Leute eingeladen, die ganz spezielle OP-Techniken beherrschen. So ist beispielsweise Prof. Lee Swanstrom aus Portland zu Gast, Herr Dr. Joerg Zehetner aus San Diego, oder aber auch deutsche Professoren wie Univ.-Prof. Dr. Hubert Stein oder Prof. Dr. Dr. h.c.mult Jörg Rüdiger Siewert, die ganz maßgeblich auch in der Entwicklung der Speiseröhren- und Magenchirurgie beteiligt waren, sowie Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolph Pointner aus dem KH Zell am See.

Ist trotz der Möglichkeit von Telekonferenzen dieses “physische“ Zusammenkommen heute immer noch notwendig?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Man könnte dies natürlich überall auf der Welt gleichzeitig übertragen, müsste aber dann vor Ort in den einzelnen Städten oder Lokalitäten natürlich auch wieder Leute zusammenführen. Das hängt einfach damit zusammen, dass in der heutigen Zeit der Einzelne – aus dem täglichen Alltag heraus – in aller Regel nicht bewerkstelligen kann. Man braucht eine Plattform, wo man sich aus dem täglichen Leben des Klinikalltags herausnehmen kann, um sich dann wirklich der Fortbildung zu widmen.

Foto: Martin Hieslmair

Sie sind Spezialist für die operative Behandlung der Bauch-Organe, welche technischen Entwicklungen zeichnen sich bei den Operationstechniken ab – oder anders gefragt: Was ist in Ihrem Bereich technisch heute möglich, das vor ein paar Jahren nur Theorie war?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Technisch und operationstechnisch hat sich natürlich enorm viel getan in den letzten Jahren. Es ist zum einen durch moderne Narkose- und Operationsverfahren viel mehr möglich geworden als vor einigen Jahren. Was jetzt dazu kommt ist, dass wir wahnsinnig viel in der Bauchhöhle oder in der Brusthöhle schon mit minimalinvasiven Vorgehen machen können. Das gibt es jetzt aber schon ein paar Jahre. Das ganz Neue, das wir jetzt beginnen, ist die Durchführung verschiedener Operationen durch natürliche Körperhöhlen oder Körperöffnungen. Das sind Operationen durch den Mund, durch den Darm, aber auch Operationen durch die Vagina. Also das ist ein Trend, der kommt, zwar schon ein paar Jahre existiert und kritisch angesehen wird, aber bei immer wieder besser werdenden technologischen Instrumenten einfach dazu führt, dass immer mehr und mehr möglich wird.

Weil dadurch weniger Komplikationen verbunden sind?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Die Komplikationen sind dadurch nicht unbedingt weniger, die halten sich auch mittlerweile auf Grund der hohen Erfahrungen in den anderen Verfahren in Grenzen, aber diese Operationen sind einfach schonender.

Foto: Martin Hieslmair

Bilder erhalten in der Medizin eine viel höhere Bedeutung als je zuvor. Welche bildgebenden Verfahren würden Sie sich für den chirurgischen Bereich in Zukunft noch wünschen?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Das, was wir uns wünschen würden, ist eine wirklich komplexe dreidimensionale Darstellung des menschlichen Körpers und die Fusion von verschiedenen Bildsystemen. Sei es ein Kernspin, eine Art Computertomographie, seien es Ultraschallbilder und so weiter. Wenn man diese Bilder in ein dreidimensionales System bringen könnte, und dann auch noch bei der Operation analog simulieren könnte, zu den uns vorliegenden Organstrukturen, dann wäre uns bei manchen Eingriffen vor allem in der Leberchirurgie sehr sehr geholfen.

Warum haben Sie das Ars Electronica Center als Veranstaltungsort dieses dreitägigen Kongresses gewählt?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel: Das Ars Electronica Center haben wir aus verschiedenen Gründen ausgesucht: Erstens hat es eine zentrale Lage hier in Linz, auch eine schöne Lage an der Donau. Wir wissen, dass die Übertragungen der Live-Operationen aus dem Operationssaal technisch gut möglich und erprobt sind, da sie bereits für andere Kongresse stattgefunden haben. Und das Ars Electronica Center hat eine Größe, die ausreichend ist, um 100 bis 150 Fachkollegen zu beherbergen und gleichzeitig aber von den Räumlichkeiten her ein angenehmes und gemütliches Ambiente anbietet, wo man in guten Gesprächen in den Pausen auch etwas davon hat und es sich nicht alles verläuft.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Emmanuel ist Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Thoraxchirurgie sowie Vorstand und Primar der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz, dem onkologischen Leitspital für Oberösterreich. (Foto: BHS/W. Harrer)

Informationen, wie auch Sie die Räumlichkeiten des Ars Electronica Center für Ihre Veranstaltungen nutzen können, erhalten Sie beim Eventservice des Ars Electronica Center.