BR41N.IO Hackathon: Eat, Sleep, Hack, Repeat!

24 Stunden: Nur so viel Zeit haben die HackerInnen und KünstlerInnen am BR41N.I0 Hackathon von 8. bis 9. September 2018 am Ars Electronica Festival, um mit Brain-Computer-Interfaces kreative Projekte umzusetzen. Was Sie dieses Jahr am Hackathon mitten im Medienkunstfestival erwartet, erfahren Sie hier.

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Was für ein Bild: Letztes Jahr, am Ars Electronica Festival 2017, bastelten, löteten, programmierten und schraubten rund 100 HackerInnen, DesignerInnen, KünstlerInnen oder MakerInnen an circa 20 Brain-Computer-Interface-Projekten (BCI), mitten zwischen Festivalpublikum und Ausstellungen.

BCIs, also Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, stehen auch beim diesjährigen BR41N.IO Hackathon wieder im Mittelpunkt. In Hacking und Artistic Projects sollen kleine Roboter oder Haushaltsgeräte mit bloßer Gedankenkraft angesteuert, Traumbilder gezeichnet, Social Media Kanäle bespielt oder Headsets konstruiert werden – und das alles in nur 24 Stunden!

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Wer sich der Herausforderung stellt, hat die Chance auf einen der drei BR41N.IO Preise – oder den IEEE Brain Prize, der mit einer Reise nach San Diego zum IEEE Brain Initiative Workshop lockt. Teilnehmen können von ProgrammiererInnen und EntwicklerInnen über KünstlerInnen und DesignerInnen bis hin zu MakerInnen Personen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen.

Organisiert wird der BR41N.IO Hackathon von der Firma g.tec medical engineering GmbH. Was uns dieses Jahr erwartet, haben uns Christoph Guger, Gründer und Geschäftsführer von g.tec, und Sarah Breinbauer, g.tecs Marketing- und Eventmanagerin, im Interview verraten.

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Dieses Jahr findet der BR41N.IO Hackathon zum zweiten Mal am Ars Electronica Festival statt. Was habt ihr euch vom letzten Jahr mitgenommen?

Christoph Guger: Wir hatten 2017 fast 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, ein bisschen mehr als die Hälfte waren Programmierer und Entwicklerinnen. Die andere Hälfte waren Designer und Künstlerinnen. Im Programmierbereich haben sich die Teams zum Beispiel mit Dingen wie Drohnen und Smart Homes beschäftigt, das Smart Home Projekt war dann am Ende auch das Gewinnerprojekt. Es war sehr witzig, das Team hatte einen Cocktail-Mixer dabei, den sie über Gehirnströme ansteuerten, und in der Früh mixten sie einen Cocktail für alle. Sie hatten auch einen Mikrowellenherd, mit dem sie am ersten Tag Popcorn machten und verteilten. Es war auch ein Team der Firma Ottobock da, die bei der Handorthese einen Daumen dazu bauten. Sie haben richtig herumgelötet und die Hardware modifiziert! Ein anderes Team programmierte Virtual Reality Spiele mit Unity und baute Geheimtüren mit Geheimlogos ein, die man nur mit dem BCI öffnen konnte. Das war eine richtig coole Idee, wie man BCI-Systeme in Spielen einsetzt. Es ist normalerweise sinnlos, Joysticks mit BCIs zu ersetzen, weil man nie schneller als ein Joystick ist. Geheimtüren bringen aber einen ganz neuen Aspekt in das Spiel mit BCI. Es gab auch Teams, die EEG-Headsets bauten, da kamen total kreative Sachen raus.

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Sarah Breinbauer: Es war zum Beispiel eine Gruppe der HBLA Lentia da, von der Modeschule, die mit den Headsets arbeitete.

Christoph Guger: Das waren acht Schüler und Schülerinnen, die die Arbeit anschließend ein halbes Jahr lang als Schulprojekt weiterführten. Sie designten sogar Headsets für unsere Firma, weil das Unicorn, also das EEG-Headset, das wir bei den Hackathons verwenden, jetzt am Markt erscheint. Wir möchten es in verschiedenen Designs anbieten und das haben die Schüler und Schülerinnen designt. Bei den Headset-Projekten am Hackathon gab es auch noch andere Gruppen, der Gewinner hat zum Beispiel eine Ameise designt, von der jeder Fuß eine EEG-Elektorde hielt. Die konnte man einfach auf den Kopf setzen, das sah sehr lustig aus.

Credit: Martin Hieslmair

Die Projekte waren aufgeteilt in Hacking und in Artistic Projects. Gab es da auch Überschneidungen?

Christoph Guger: Die Leute gingen natürlich herum und sahen sich an, was die anderen machten. Was wir dieses Jahr noch etwas verstärken wollen ist, dass die künstlerischen Headsets von den Programmierern und Programmiererinnen verwendet werden. Damit es da ein direktes Feedback gibt und wir Teams zusammenschließen können.

Was wird dieses Jahr noch neu beim BR41N.IO Hackathon am Ars Electronica Festival?

Sarah Breinbauer: Wir wollen heuer auch Firmen motivieren, dass sie am Hackathon teilnehmen. Sie können zum Beispiel als Sponsoren auftreten, aber auch mit eigenen Ideen oder Prototypen zum Hackathon gehen und diese dort testen. Sie können auch gewisse Dinge beisteuern, mit denen die Hacker und Hackerinnen dann arbeiten können, so wie Wacker Neuson letztes Jahr. Damals konnte man einen ihrer Bagger mit einem BCI ansteuern. Solche Projekte wollen wir noch mehr in den Hackathon integrieren.

Credit: Martin Hieslmair

An welchen Projekten können die Hacker und Hackerinnen heuer basteln?

Christoph Guger: Bei den Programmierprojekten gibt es wieder robotische Projekte. So kann man zum Beispiel einen Sphero ansteuern, das ist ein kleiner Ball, der leuchtet und sich bewegt. Man kann damit entweder Spiele entwickeln oder etwas zeichnen. Bei einem BR41N.IO Hackathon in Valencia letztes Jahr gab es damit ein sehr cooles Projekt: Ein Team erzeugte mit Sphero ein Augmented Reality Game, in dem virtuelle Panzer am Fußboden eingeblendet wurden. Der BCI-User oder die Userin musste mit dem Sphero die Panzer zerstören, indem er oder sie dagegen fährt.

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Dieses Jahr gibt es auch wieder ein Projekt mit Unity. Da entstand bei einem BR41N.IO Hackathon in Kanada ein sehr lässiges Projekt, in dem das Team neurochirurgische Anwendungen realisierte. Ein virtueller Neuro-Chirurg operierte einen virtuellen Patienten, mittels BCI konnte man ihm das passende chirurgische Instrument zuweisen. Es war ziemlich cool, dass das Team das Spiel in nur 24 Stunden realisieren konnte! Es gibt auch wieder Projekte mit medizinischem Hintergrund, wo man Orthesen ansteuern kann, um etwa bei Locked-In-Patienten und Patientinnen oder querschnittgelähmten Patienten und Patientinnen Bewegungen zu erzeugen. Es gibt auch ein Projekt mit funktioneller Elektrostimulation, wo man Muskeln stimuliert, damit sie sich bewegen. Es war in der Vergangenheit immer sehr lustig, wenn jemand mit BCI einen anderen Menschen steuert.

Man kann auch die BCIs wieder dazu verwenden, um zu zeichnen oder künstlerisch etwas zu schaffen. Zum Beispiel kann man hier EEG-Daten analysieren und daraus Bilder erzeugen, oder auch Social Media mit BCI ansteuern. Für die Artistic Projekts gibt es auch dieses Jahr wieder 3D-Drucker und Ähnliches, mit denen man selbst Headsets designen kann.

Credit: Tom Mesic

Welche Vorkenntnisse braucht man, um beim Hackathon mitzumachen?

Christoph Guger: Für die Programmierprojekte muss man sich entweder mit C oder C# oder MATLAB Simulink auskennen, oder auch mit Unity. Die BCI-Systeme sind grundsätzlich vorgefertigt und funktionstüchtig, man kann sie aber noch modifizieren. Man kann den Control-Output vom BCI in andere Applikationen umleiten. Wenn man sich zum Beispiel schon mit Mikrocontroller oder Smart-Home-Steuerung auskennt, kann man das BCI anschließen, wenn man sich mit Internettechnologien oder Java auskennt, kann man die Kontrollinputs dorthin legen und Applikationen steuern, oder man kann mit der Signalverarbeitung arbeiten. Für die 3D-Druck-Projekte ist man entweder hochkreativ und tut sich mit jemandem zusammen, der eine 3D-Rendering-Software bedienen kann, oder man hat selbst Erfahrung mit 3D-Design-Softwarepackages. Im 3D-Druck hat sich von den Materialien einiges getan, man kann jetzt etwa sehr elastische Kunsttsoffarten drucken, also ist es sicherlich gut, wenn man sich mit Materialien gut auskennt. Bei den Nähmaschinenprojekten ist es geschickt, wenn man schneidern oder designen kann.

Credit: Tom Mesic

Wie setzen sich die Teams dann zusammen?

Christoph Guger: Es tun sich Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Wenn jemand in einem Programmier-Team zum Beispiel Unity kann und noch jemand kennt sich mit BCIs aus und jemand mit Usability, dann ist das eine gute Ergänzung für ein Team. Wenn alle programmieren können, wäre es hingegen auch wieder sinnlos! Genauso wie wenn alle kreativ sind. Die Teams müssen sich so zusammenfinden, dass von jeder Expertise jemand dabei ist, weil dann kommt etwas viel Kreativeres zustande.

Sarah Breinbauer: Es ist ein richtiger Produktionskreislauf, von der Idee bis zur Konzeption bis zur Umsetzung stecken ganz verschiedene Qualifikationen und Know How dahinter. Das ist richtig cool, wenn man so in 24 Stunden etwas erschaffen kann.

Christoph Guger: Letztes Jahr waren zum Beispiel Schüler und Schülerinnen vom Gymnasium dabei, die normalerweise nicht programmieren. Sie haben sich beim Brain Painting eingeschaltet, Roboter gesteuert und danach Kunstwerke damit erzeugt. Es waren auch Therapeuten da, die haben sich vor allem die medizinischen Applikationen und Orthesen angeschaut. Es sind Leute aus ganz unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen.

Credit: Tom Mesic

Der Hackathon war mitten im Festival-Geschehen. Habt ihr davon etwas gespürt?

Sarah Breinbauer: Es war total cool, weil die Leute richtig rundherum gehen konnten! In der Mitte war der Hackathon mit zwei Bahnen sozusagen, rundherum konnte das Publikum zuschauen und auch nachfragen. Es war sehr offen und man konnte gut sehen, was gerade fabriziert und gebastelt und gebaut wird. In der Früh haben ein paar Teilnehmer und Teilnehmerinnen teilweise noch geschlafen, als schon Menschen durchgegangen sind! Sie haben auch nachgefragt und die Hacker und Hackerinnen haben erzählt, was sie da machen und was überhaupt ein Hackathon ist. Sie haben sehr nett vermittelt, was das alles soll.

Christoph Guger ist Gründer und Geschäftsführer der Firma g.tec medical engineering GmbH. Er studierte Bio-/Medizintechnik an der Technischen Universität in Graz und der Johns Hopkins University in Baltimore, USA, wo er das erste Brain-Computer Interface entwickelte, das in Echtzeit Gehirnsignale aufnimmt und verarbeitet. Christoph genießt die ländliche Ruhe und die Berge, weswegen g.tec heute seinen Firmensitz in Schiedlberg hat. Daher freut es ihn umso mehr, dass der BR41N.IO Hackathon in der POSTCITY einen Alpenblick hat.

Sarah Breinbauer ist ein echtes Stahlstadtkind. Sie studierte berufsbegleitend Gesundheits-, Sozial- und Public Management an der Fachhochschule Linz und ist heute für Marketing und Events der Firma g.tec zuständig. Ihre berufliche Vergangenheit lässt sich von Argentinien bis ins Ars Electronica Center zurückverfolgen, wo sie erstmals mit den kreativen Aufgaben des Marketings und den unzähligen Anwendungsmöglichkeiten von Brain-Computer Interfaces in Berührung kam.

Der BR41N.IO Hackathon findet von Samstag bis Sonntag, 8. und 9. September 2018, am diesjährigen Ars Electronica Festival in der POSTCITY Linz statt. Das Rahmenprogramm des Hackathons startet am Samstag um 10:00 Uhr, ab 13 Uhr darf gehackt werden. Das gesamte Programm und das Anmeldeformular finden Sie auf der BR41N.IO Website. Hackathon-TeilnehmerInnen erhalten einen gratis Festivalpass für alle Ausstellungen und Events des Ars Electronica Festivals 2018.

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