Der Mensch im Fokus

Das BMEIA und Ars Electronica haben heuer erstmals einen gemeinsamen Award for Digital Humanity ausgeschrieben. Der Mensch steht dabei im Fokus.

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Mit 10.000 Euro ist der heuer erstmals und ab jetzt jährlich ausgeschriebene Ars Electronica Award for Digital Humanity dotiert, gestiftet wird er vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Dieser besondere Preis konzentriert sich auf künstlerische Projekte, die sich mit sozialen, kulturellen und humanitären Fragen in unserer digitalen Gesellschaft auseinandersetzen. Die Gewinner*innen werden aus den beim Prix Ars Electronica oder STARTS Prize1 der Europäischen Kommission eingereichten Projekten von einer Fachjury ausgewählt und jetzt, Anfang Juni, im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert.

Warum fördert das BMEIA diesen Preis? Welche Bedeutung hat dieser manchmal ominös anmutende „Digitale Humanismus“ für Österreich und darüber hinaus? Welche Rolle spielt dieses Land bei der Vermittlung ebendieses Digitalen Humanismus und wo kommt dann die Kunst, die Künstler*innen ins Spiel? Darüber haben wir mit Teresa Indjein, Leiterin der Sektion für Internationale Kulturangelegenheiten im Österreichischen Außenministerium, gesprochen.

Kunst, Technologie, Gesellschaft und Außenpolitik – wie gehören diese Themen zusammen?

Teresa Indjein: Dialog, Kommunikation und Vernetzung spielen in allen Bereichen eine große Rolle. Gemeinschaft, Gesellschaft und internationales Miteinander können nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, wirklich zu kommunizieren und einen bedeutsamen Austausch zu pflegen. Die Kunst steht dabei für unser tieferes Menschsein, die Technologie in ihrem lichten Feld, für innovatives Potenzial. Beides betrifft auch die österreichische Außenpolitik in ihren Gestaltungsmöglichkeiten. Der Digitale Humanismus sollte in vielen Bereichen der Außenpolitik seine Rolle bekommen.

Das Außenministerium und Ars Electronica schreiben heuer erstmals einen gemeinsamen Award for Digital Humanity aus. Warum?

Teresa Indjein: Mit dem rasanten Wachstum von Technologien und dem immer breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz müssen wir uns die Frage stellen, wie der Mensch im Fokus bleiben kann und digitale Möglichkeiten zu seinem Wohl genutzt werden können. Der Award, der heuer erstmals gemeinsam durch das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und das Ars Electronica Festival vergeben wird, reflektiert diese Fragestellungen.

Doing Nothing with AI / Emanuel Gollob (AT), Credit: Jürgen Grünwald

Vor allem in Europa wird der Begriff des „Digitalen Humanismus“ immer populärer. Was ist damit gemeint und worin besteht die Rolle Österreichs, wenn es um die Vermittlung eines Digitalen Humanismus ausgehend von Europa geht?

Teresa Indjein: Wie in anderen europäischen Staaten ist auch in Österreich das Thema Digitaler Humanismus ein Anliegen. Es ist ein Lernprozess zur Bewusstseinsbildung und vor allem ein Gestaltungsfeld!  Auch Programme der Ars Electronica zeugen von der Dringlichkeit des Themas. Ich denke zum Beispiel an die Workshopreihen zu „Data Humanism“. Die Bedenken über den gigantischen Einfluss und die Wirkungsweisen von Technologien von morgen prägen die politischen Debatten von heute. Das heißt, wir müssen uns damit auseinandersetzen. Die Zukunft der Arbeit. Die Kluft zwischen den wenigen Profiteuren der Digitalisierung und dem Großteil der Bevölkerung wächst. Der Schutz der Privatsphäre. Die neue Ausbeutung und Manipulation des Menschen durch intransparente Algorithmen. Das „Wiener Manifest für Digitalen Humanismus“ von 2019 konstatiert zu recht, dass technologische Innovation soziale Innovation erfordert und diese wiederum ein breites gesellschaftliches, demokratisches Engagement.

Wie können wir einen solchen „Digitalen Humanismus“ Wirklichkeit werden lassen? Wen braucht es dazu und welche Rolle sollte Österreich dabei spielen?

Teresa Indjein: Um Digitalen Humanismus real werden zu lassen, müssen unterschiedlichste Akteure und Akteurinnen eingebunden werden. Einige Institutionen in Österreich und insbesondere die Stadt Wien versuchen sich als ein globales Zentrum für den digitalen Humanismus zu positionieren, womit auch im Inland zahlreiche Anknüpfungspunkte und mögliche Partner zur Verfügung stehen. Auch in multilateralen Foren und internationalen Organisationen, der UNO und der UNESCO, die sich mit neuen internationalen Rechtsinstrumenten, Normen, Standards und ethischen Prinzipien für neue Technologien beschäftigen, könnte Österreich sich für den Digitalen Humanismus als Vorreiter einsetzen und international Verbündete finden.

Clara Blume (AT) at Bias Research European ARTificial Intelligence Lab at POSTCITY, Credit: Jürgen Grünwald

Ars Electronica steht mit für ein globales Netzwerk an Künstler*innen. Welchen Beitrag können Künstler*innen – und im Speziellen Medienkünstler*innen – leisten, wenn es um eine breite Debatte rund um unseren Umgang mit neuen Technologien geht?

Teresa Indjein: Die Kunst kann viel. Sie ist eine Sphäre der Freiheit, sie kann uns auf ungeahnte Weise sehend machen, sie kann den Blick schärfen, ihn auf das lenken, was zuvor unsichtbar war, sie verfeinert die Wahrnehmung und verbindet uns mit tiefen Gefühlen. Dort ist auch eine Quelle der Inspiration für neue Gestaltung. KünstlerInnen bringen essentielle andere Sicht-, Denk- und Herangehensweisen in der Auseinandersetzung mit neuen technologische Entwicklungen ein. Wir brauchen sie.

Außenpolitik und Außenwirtschaft liegen oft eng beieinander. Welchen Stellenwert hat Kunst und Technologie hier?

Teresa Indjein: Mit der Gründung des Open Austria Büro in San Francisco vor einigen Jahren wollte das Außenministerium zeigen, welche große Bedeutung diesem Thema beigemessen wird. Es ist Österreichs Repräsentation im Silicon Valley, die Wirtschaft, Kunst, Technologie und Tech Diplomacy miteinander verbindet. Mehr Informationen über Open Austria findet man auf deren Website.

European Platform for Digital Humanism

Letzte Frage: Was erwarten, was erhoffen Sie sich vom ersten „Ars Electronica Award for Digital Humanity“?

Teresa Indjein: Wir freuen uns auf die Einreichung vieler innovativer Projekte und hoffen, dass dieser Preis dazu beitragen wird, die notwendige Verbindung von Digitalisierung mit humanistischen Werten stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Teresa Indjein, geboren in Wien, Studium der Rechtswissenschaften, Sprachen und Musik. Berufliche Stationen in Frankreich, Polen, den USA, Deutschland und Italien. Sie ist Leiterin der Sektion für Internationale Kulturangelegenheiten im Österreichischen Außenministerium.  

 

 

 

 

 

1 The STARTS Prize has received funding from the European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme under grant agreement No 956603.