Festival University – Studieren (in) der Zukunft

Im Zuge des Ars Electronica Festivals findet dieses Jahr erstmals in Kooperation mit der JKU die Festival University statt.

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„Transform your world“ – unter diesem Thema steht die erste Ausführung der Festival University, einem Kooperationsprojekt zwischen der Johannes Kepler Universität Linz und Ars Electronica. Sie findet heuer von 30. August bis 19. September statt. In dieser „Universität der Zukunft“ werden 100 Studierende aus mehr als 40 verschiedenen Ländern über die 3 Wochen hinweg über diverse kontemporäre Themen diskutieren und sollen durch ihre Diskussionen Konzepte entwickeln, um globale Herausforderungen in der Zukunft bewältigen zu können. Begleitet und unterstützt werden die Teilnehmer*innen während des Projekts von Mentor*innen aus diversen Bereichen.

In der Festival University befasst man sich nicht nur damit, wie Lernen im 21. Jahrhundert aussieht, sondern setzt sich vielmehr damit auseinander, wie durch Kreativität und Ko-Kreation die wichtigen Fragen unserer Zeit behandelt und vielleicht sogar beantwortet werden können. Im Rahmen des Ars Electronica Festival wird stets an neuen Projekten gearbeitet – die Festival University signifiziert als ein solches Projekt ganz nach dem Motto des heurigen Festivals „A New Digital Deal“  ebenfalls einen Schritt Richtung digitale Transformation, Richtung Zukunft und Wandel. Wir haben uns mit Karin Gabriel, einer Organisatorin dieses Projekts und Leiterin der Future Thinking School, getroffen, um mehr über die Festival University zu erfahren.

Credit: vog.photo

Die Festival University findet heuer zum ersten Mal statt. Wie ist die Idee dazu entstanden, so ein Projekt ins Leben zu rufen?

Karin Gabriel: Die Grundidee dieses neuen Projektes ist die Frage „Wie können Studierende Transformation anstoßen und somit die Welt verändern?“. Gerade in den letzten Jahren hat die junge Generation vermehrt durch Aktionen, wie z.B. Fridays for Future, gezeigt, dass sie die Notwendigkeit von Umdenken und Veränderungen in verschiedenen Bereichen sehen und auch ihren Beitrag leisten wollen. Durch diese Festival University wollen wir den Teilnehmer*innen Tools vermitteln, damit sie ihren Beitrag leisten können. Bei diesen Werkzeugen handelt es sich einerseits um neue Denkweisen und Blickwinkel sowie Wissen in bestimmten Bereichen, aber auch ein globales Netzwerk, welche sie durch die Teilnahme an der Festival University erhalten. Das Ars Electronica Festival bringt ja bereits seit 1979 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Designer*innen und Aktivist*innen aus der ganzen Welt zusammen und bezieht durch Ausstellungen und diverse Aktivitäten die Bevölkerung rund um die Fragen des digitalen Humanismus mit ein. Somit ist diese Plattform die optimale Ausgangsbasis für dieses neue Projekt. Die Kooperation wird außerdem vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung und vom Land Oberösterreich unterstützt.

Was genau ist das Neue am Projekt Festival University beziehungsweise worin unterscheidet es sich von anderen Programmen, die es bereits gegeben hat?

Karin Gabriel: Einerseits unterscheidet es sich in der Internationalität: wir haben Studierende zwischen 16 und 24 Jahren aus der ganzen Welt eingeladen, sich zu bewerben. Aus den über 230 Bewerber*innen wurden die Top 100 aus über 40 verschiedenen Ländern ausgewählt.  Das Programm ist besonders spannend, weil die erste Woche für alle online stattfindet, in der zweiten Woche aber erwartungsgemäß 80 Teilnehmer*innen nach Linz kommen und nur der Rest für zwei Wochen online teilnimmt. Die Studierenden erhalten Inputs durch „Inspirational Talks“, durch Workshops mit Expert*innen und haben die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. Sie werden in Gruppen arbeiten und sollen die Frage „Wie können wir die Welt durch X verändern?“ beantworten. X ist hierbei Künstliche Intelligenz, Kunst, Drohnen, Investigativer Journalismus, Autonome Fahrzeuge etc. An vier Nachmittagen nehmen die Gruppen an verschiedenen Workshops zu den diversen Themen teil – zum Beispiel auf der Johannes Kepler Universität oder bei uns im Ars Electronica Center. Am Ende des dreiwöchigen Programms, genauer gesagt am Freitag, den 17. September, präsentieren die Studierenden dann ihre Transformationskonzepte, welche sie gemeinsam in Gruppen erarbeitet haben. Es handelt sich also nicht um eine klassische Akademie, sondern um eine neues innovatives Konzept eines akademischen Programms.

Credit: Philipp Greindl

Jetzt haben wir bereits einiges über den Ablauf des Programmes gehört. Könnten Sie mir vielleicht noch einmal einen kurzen Überblick geben?

Karin Gabriel: Die Festival University 2021 steht unter dem Thema „Transformation“ und jede Woche ist einem speziellen Motto gewidmet. In der ersten Woche lautet das Motto „Challenge your thinking“, und die Teilnehmer*innen lernen neue Konzepte kennen, wie man sich Problemstellungen nähert und neue Lösungswege definiert. Hier findet z.B. ein Workshop zu Thema „Art Thinking“ statt, ein neuer Denkansatz der vom Ars Electronica Futurelab entwickelt wurde. Die zweite Woche steht unter dem Thema „Expand your horizon“ und die teilnehmenden Studierenden tauchen in neue Themenfelder ein. Während dieser Woche findet auch das Ars Electronica Festival statt und somit werden z.B. auch Programmpunkte mit Künstler*innen organisiert. Die dritte Woche widmet sich dem Thema „Co-Creating the Future”. An diesen Tagen werden die Studierenden auch an ihrem gemeinsamen Transformations-Konzept arbeiten, welches sie dann am 17. September während dem Abschlussevent präsentieren werden. Prinzipiell sind die Tage immer so eingeteilt, dass am Vormittag ein „Inspirational Talk“ zu unterschiedlichen Themen stattfindet. Wir haben sehr spannende Vorträge auf der Liste: vom Bereich Journalismus über Mindset bis zu Corporate Innovation und auch aus dem humanitären Feld. An vier Nachmittagen finden dann Workshops statt, bei denen die Teilnehmer*innen in Gruppen arbeiten. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Kennenlernen von Linz und der Umgebung und somit haben wir auch eine Exkursion u.a. zur Voestalpine Stahlwelt sowie ins Stift St. Florian eingeplant. Auch die soziale Komponente darf nicht zu kurz kommen und somit haben wir hier ebenfalls spannende Aktivitäten eingeplant, damit sich die Teilnehmer*innen untereinander besser kennenlernen.

Credit: Philipp Greindl

Sie haben nun das Festival bereits angesprochen – könnte man sagen, dass zwischen der Festival University und dem diesjährigen Festival auch thematisch ein Zusammenhang besteht?

Karin Gabriel: Absolut, das Thema vom aktuellen Festival wird natürlich miteinbezogen. Wir haben geplant, dass die Studierenden an bestimmten Workshops und Vorträgen vom Festival teilnehmen und Ausstellungen besuchen und – das ist ganz toll – dass sie persönlich Kontakt zu den Künstler*innen haben. Das gleicht einem „VIP Treatment“, weil sie wirklich Zeit mit ihnen verbringen können. Das Festival greift außerdem stets Themen auf, die wichtige Fragen stellen und provokativ zum Nachdenken anregen, ebenso werden aber durch die Ausstellungen auch Lösungsansätze aufgezeigt. Genau das soll auch den Student*innen vermittelt werden – Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Wenn man hinter die Kulissen blickt – was braucht es, um ein derartiges Projekt zu ermöglichen?

Karin Gabriel: Dieses Projekt wird, wie erwähnt, gemeinsam zwischen der Johannes Kepler Universität und Ars Electronica durchgeführt. Und diese tolle Kooperation ermöglicht auch, dass so ein komplexes Programm überhaupt zustande kommen kann. Die Johannes Kepler Universität ist ja auch ein wesentlicher Partner und Austragungsort für das Ars Electronica Festival und somit reiht sich die Festival University als neues Gemeinschaftsprojekt gut in die langjährige Kooperation ein. Wir arbeiten also Hand in Hand mit unseren Kolleg*innen von der Johannes Kepler Universität, um ein eindrucksvolles und wirksames Programm für die Teilnehmer*innen zu erstellen und ihnen die Möglichkeit und Plattform zu geben, um langfristig die Welt zu verändern.

Credit: vog.photo

Und es ist auch geplant, dass die Festival University ein längerfristiges Projekt wird?

Karin Gabriel: Absolut. Das Projekt findet heuer zum ersten Mal statt. Unser Ziel ist aber nicht, es nur einmalig durchzuführen, sondern unser Fokus und der der Johannes Kepler Universität ist durchaus längerfristig. Die Erfahrungen von der Festival University 2021 sollen auch in die Erstellung von zukünftigen akademischen Projekten miteinfließen.

Können Sie mir abschließend vielleicht noch einen kurzen Einblick geben, wer aller Teil von dem Projekt sein wird?

Karin Gabriel: Wir sind gerade dabei, alle Vortragenden aus Österreich und dem Ausland zu finalisieren. Das Programm steht unter dem Titel „Transformation“ und somit haben wir neben Professor*innen der JKU sowie Künstler*innen vom Festival sowie Partner*innen von Ars Electronica auch Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen aus dem In- und Ausland eingeladen. Wichtig ist uns auch, Frauen und Männer gleichermaßen einzuladen und internationale Vertreter*innen. Es wird also nicht nur Sprecher*innen aus Europa geben, sondern wirklich vom ganzen Globus.

Karin Gabriel leitet seit September 2020 die Future Thinking School by Ars Electronica. Ihr professioneller Weg hat sie von Österreich nach Bangalore, Indien sowie Dubai, VAE gebracht. Karin hat 10+ Jahre internationale Erfahrung in der Entwicklung und Leitung von Programmen fokussiert auf Innovation, Emerging Technologies und Start-ups für Entscheidungstragende im öffentlichen sowie privaten Sektor.