Was ist die Europäische Plattform für digitalen Humanismus?

Ars Electronica als Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft und von der Europäischen Union geförderte Kooperationsprojekte gehören untrennbar zusammen. Warum das so ist? Das verraten wir euch hier:

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Ars Electronica liegt mit dem Standort Linz nicht nur im geografischen Herzen Europas, sondern ist wie bereits beschrieben, auch zentrale Partnerinstitution in zahlreichen europäischen Kooperationsprojekten. Aus dieser internationalen Zusammenarbeit entstehen regelmäßig spannende Allianzen zwischen Künstler*innen, Forscher*innen und Industrievertreter*innen in multidisziplinären Projekten, die weit über die Grenzen Österreichs reichen. Als Director of European Cooperation und Managing Director der Abteilung Festival/Prix/Exhibitions ist Mag.a Veronika Liebl federführend für die Entwicklung und Realisierung europäischer Kultur-Kooperationen bei Ars Electronica unter Creative Europe, Horizon 2020 und Erasmus+ verantworlich. Wir haben mit Veronika Liebl gesprochen, die sich nach den intensiven Wochen der Festivalvor- und Nachbereitung Zeit für das Interview nahm und bereits an der Konzeptionierung neuer Kooperationsprojekte arbeitet.

Veronika Liebl, Managing Director Ars Electronica, during a press conference on the highlights of the Ars Electronica Festival 2021. Photo: Ars Electronica – Robert Bauernhansl

Woran arbeitest du gerade?

Veronika Liebl: Im Rahmen unserer Europäischen Plattform für digitalen Humanismus arbeite ich mit Partnerorganisationen an Forschungsfragen zur Digitalen Transformation, der Rolle von Künstler*innen in digitalen Innovationsprozessen, an Programmen zur Unterstützung von Kulturorganisationen im Aufbau ihrer Digitalisierungsstrategien und an der Entwicklung künstlerischer Projekte, die sich neuer Technologien thematisch oder in ihrer Präsentation bedienen. Wir realisieren diese Projekte mit Finanzierung der Europäischen Union, unter anderem über Programme wie Creative Europe, Horizon 2020/Horizon Europe und das vielleicht bekannteste, Erasmus+.

Warum beteiligt sich Ars Electronica an europäischen Kooperationsprojekten?

Veronika Liebl: Ars Electronica hat einen klaren Kultur- und Forschungsauftrag an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Diese Projekte spielen eine zentrale Rolle, um unsere Spezialgebiete und unsere internationale Expertise weiterzuentwickeln. Und sie ermöglichen, dass wir unseren Künstler*innen, Budgets für die Produktion ihrer Projekte oder künstlerischen Forschung zur Verfügung stellen können. Und natürlich ist es für uns selbst auch eine wichtige Finanzierungsquelle. Ohne die langjährigen Förderungen aus diesen EU-Projekten wären viele der Projekte, die im Ars Electronica Center oder beim Ars Electronica Festival gezeigt werden, nicht realisierbar.

Treelab / Marcus Maeder (CH), Roman Zweifel (CH), Credit: Caroline Lessire – BOZAR

Mit welchen Partner*innen arbeitest du dafür zusammen?

Veronika Liebl: Das ist ein großes Netzwerk an europäischen Partner*innen aus Forschung, Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft, Innovation und Politik. Bedeutende europäische Kulturhäuser wie BOZAR in Brüssel, CCCB in Barcelona, MAXXI in Rom oder Onassis in Griechenland sind genauso beteiligt, wie einige der renommiertesten europäischen Universitäten: King’s College London, Aalto Universität in Finnland oder Trinity College Dublin. Dazu kommen spezialisierte Innovationsagenturen wie NESTA, Forschungslabs großer Industriepartner wie Sony CSL in Paris und Unternehmen, die auf Gesellschaftspolitik oder soziale Transformationsprozesse spezialisiert sind.

Deine Highlights aus 12 Jahren europäischer Kooperationsprojekte?

Veronika Liebl: Das AIxMusic Festival im Stift St. Florian 2019 war eines meiner absoluten Highlights, aber auch die Neueröffnung des Ars Electronica Center 2019, insbesondere der *Understanding AI* Ausstellung. Besonders stolz macht es mich oft, den Werdegang der von uns prämierten oder ko-produzierten Projekte zu verfolgen: viele nutzen Ars Electronica als Sprungbrett für internationale Karrieren oder schaffen es, wegweisende Innovationsprototypen zu entwickeln. In Erinnerung bleibt aber allem voran die großartige Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen und die spannenden Jurysitzungen mit internationalen Persönlichkeiten wie z.B. der Innovationsökonomin und Expertin für Digitalpolitik Francesca Bria, die u.a. die Vereinten Nationen zu digitalen Städten und digitalen Rechten beraten hat und Präsidentin des nationalen italienischen Innovationsfonds ist.

SHOJIKI “Play Back” Curing Tapes / Muku Kobayashi (JP), Mitsuru Tokisato (JP), Credit: vog.photo

Und was kommt als Nächstes auf dich zu?

Veronika Liebl: Ich freue mich ungemein auf das nächste Kapitel, weil die europäische Kultur- und Kreativwirtschaft ein Stück weiter zusammenrückt. 50 Organisationen aus Europa haben sich im EIT Culture & Creativity zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss wird vom European Institute of Innovation and Technology (EIT) über die nächsten 15 Jahre mit über 150 Millionen Euro unterstützt. Gemeinsam wollen wir das Potential von Kunst, Kultur und Kreativität als Innovationsgemeinschaft aufzeigen und Wegbereiter für eine grüne, digitale und soziale Transformation Europas werden.

30° / Stephan Schakulat (DE), Mathias Foot (DE), Janna Nikoleit (DE), Franziska Rast (DE), Credit: Stephan Schakulat

Einen Überblick der Projekte der Europäische Plattform für digitalen Humanismus findest du hier.

Veronika Liebl ist derzeit Managing Director im Ars Electronica Geschäftsbereich Festival/Prix/Ausstellungen. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität in Linz (Abschluss 2010) mit Studienaufenthalten an der Harvard University (US) und der Université de Fribourg (CH). Seit 2011 ist sie bei Ars Electronica Linz für das Kulturmanagement und europäische Projektentwicklung zuständig und ist Mitglied des Linzer Stadtkulturbeirates und des Linzer UNESCO City of Media Arts Executive Board. Sie leitet Ars Electronica’s europäischen Kooperationsprojekte in den Bereichen Kultur, Forschung & Bildung und hat in dieser Funktion – gemeinsam mit ihrem Team – zahlreiche EU-Projekte wie den STARTS Prize, DOORS (Digital Incubator for Museums) oder das European ARTificial Intelligence Lab entwickelt, initiiert und durchgeführt.