Zuerst die Frage, dann die Antwort

Kazuhiko Washio, Kreativdirektor und Produzent bei der japanischen Werbeagentur Hakuhodo und Jury-Mitglied beim diesjährigen Prix Ars Electronica, ist sich sicher: Bevor wir beginnen, nach den richtigen Antworten zu suchen, müssen wir uns zunächst auch die richtigen Fragen stellen.

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Kazuhiko Washio

Foto: Tom Mesic

Wer nach der nächsten Idee und den Antworten für die Zukunft sucht, sollte sich zuallererst die Fragen dazu gut überlegen – davon ist Kazuhiko Washio, Kreativdirektor und Produzent bei der japanischen Werbeagentur Hakuhodo überzeugt. Schon 2014 war er bei der Jury des Prix Ars Electronica mit dabei, um in der Kategorie „[the next idea] voestalpine Art and Technology Grant“ noch nicht verwirklichte Ideen von KünstlerInnen zu prämieren, von der die Gesellschaft in naher Zukunft auch tatsächlich einen Nutzen ziehen kann. Auch heuer wird er wieder zum Jury-Team gehören, das nicht nur nach möglichen Lösungen sondern auch nach zentralen Fragestellungen für die Zukunft Ausschau halten wird.

Fragen für die Städte im 21. Jahrhundert

Gemeinsam formulierte Fragen waren auch das Ergebnis des „Future Innovators Summit“ während des Ars Electronica Festivals 2014 in Linz. Dabei trafen 27 Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt aufeinander – mit ihren eigenen Erfahrungen und Hintergründen –, um sich in Gruppen rund um das Festivalthema „C… what it takes to change“ Gedanken zu machen und eher Fragen zu stellen als Antworten zu suchen.

FIS 2014

Foto: Tom Mesic

Am 22. März 2015 kommen nun in Tokyo bei „CREATIVE QUESTIONS to design your CITY“ erneut verschiedene BürgerInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen zusammen, um in Gruppen nach kreativen und inspirierenden Fragen für unser zukünftiges – urbanes – Zusammenleben zu suchen. Denn eines ist klar: Uns Menschen zieht es immer mehr in die Städte und wir rücken immer mehr zusammen. So leben schon jetzt 54 Prozent der Weltbevölkerung in Städten.

Das Forum in Tokyo ist aber nur eine von weiteren Diskussionsplattformen, die Hakuhodo und Ars Electronica organisieren. Unter dem Motto „POST CITY – Lebensräume für das 21. Jahrhundert“ wird es auch beim kommenden Ars Electronica Festival 2015 in Linz (3.-7. September 2015) einen weiteren „Future Innovators Summit“ geben.

Wir haben mit Kazuhiko Washio kurz darüber gesprochen, wie wichtig es für Unternehmen und auch KünstlerInnen ist, sich intensiv mit der Formulierung einer Frage zu beschäftigen.

Als Kreativdirektor und Produzent bei Hakuhodo sind Sie laufend in Kontakt mit Unternehmen. Was denken Sie: Nach welchen Ideen suchen Unternehmen im Jahr 2015?

Kazuhiko Washio: Jeder weiß, dass Unternehmen natürlich in erster Linie nach Ideen suchen, die positive finanzielle Effekte mit sich bringen. Wie auch immer gibt es aber auch Unternehmen, die laufend versuchen, im Mittelpunkt dieses starken Wirbels zu stehen, der die Regeln und die die Business-Strukturen wie wir sie kennen neu schreibt. Es sind genau diese Firmen, die nach Ideen suchen, die ihnen auch neue Geschichten für ihre Wirtschaftsgüter oder Technologien liefern können.

Man könnte auch sagen, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die nach „kreativen Fragen“ suchen, die ihre bestehende Denkweise verändern.

Genau diese Ziele verfolgen die Firmen, die mit uns bei „Future Catalysts“, einem gemeinsamen Projekt von Hakuhodo und Ars Electronica, zusammenarbeiten.

Kazuhiko Washio

Foto: Florian Voggeneder

Was genau macht eine “next idea” eigentlich aus?

Kazuhiko Washio: Von einer „next idea“ erwarte ich, dass sie vielleicht eine bestehende Regel in der Gesellschaft ändern kann, wenn sie tatsächlich auch verwirklicht wird. Diese Ideen spielen eine große Rolle für unsere Zukunft.

Welchen Ratschlag würden Sie einer Künstlerin oder einem Künstler geben, um den wahren Problemen dieser Welt auf die Spur zu kommen oder nach einer „next idea“ zu suchen?

Kazuhiko Washio: Ich denke, es ist auf jeden Fall wichtig, sich mit diesen kreativen Fragen auseinanderzusetzen, aus denen schließlich die eigentlichen Ideen hervorkommen. Wir sollten uns ein System oder eine Methode überlegen, um genau diese kreativen Fragen zu finden. Das ist etwas, an dem auch ich arbeite.

Fotografie ist ihre Leidenschaft. Was inspiriert Sie?

Kazuhiko Washio: Die Fähigkeit, etwas von den Dingen zu lernen, die ich sehen und nicht sehen kann. Das Fotografieren erlaubt mir, Dinge zu verstehen. Es hilft mir, verschiedene Zusammenhänge zu begreifen – wie Menschen und Technologie, Menschen und Natur, oder auch zwischen Menschen und anderen Menschen.

Kazuhiko WashioKazuhiko Washio ist Kreativdirektor/Producer bei Hakuhodo Inc., einer großen Werbeagentur in Japan, und wissenschaftlicher Leiter am Institute of Media Environment von Hakuhodo DY Media Partners Inc. Derzeit arbeitet er gemeinsam mit der Ars Electronica an der kreativen Plattform „Future Catalysts“. Sein Ziel ist es, „eine neue Lebenserfahrung aus einer Zukunftsperspektive zu entwickeln“ und soziale Innovation in Japan und Asien zu unterstützen. Er ist Autor des Buches „Branding for Empathy“ und publizierte darüber hinaus als Fotokünstler eine Reihe von Fotobänden und -publikationen.