u19 – CREATE YOUR WORLD 2018: Alternatives Lehren und Lernen

u19 - CREATE YOUR WORLD, das Zukunftsfestival der nächsten Generation, zeigt jährlich am Ars Electronica Festival, mit welchen Ideen und Technologien Kinder und Jugendliche unsere Welt verändern. Im Interview erfahren Sie, was man dieses Jahr von 6. bis 10. September alles sehen, ausprobieren und erforschen kann.

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Es ist jedes Jahr wieder ein buntes Gewusel und geschäftiges Getümmel, wenn in die sonst so leere große Halle der POSTCITY Linz das u19 – CREATE YOUR WORLD Festival einzieht. An fünf Tagen – während des Ars Electronica Festivals von 6. bis 10. September 2018 – wird hier gebastelt, gespielt, experimentiert und probiert, was das Zeug hält.

Wir haben uns mit Hans Christian Merten, Leiter von u19 – CREATE YOUR WORLD, getroffen, und mehr über das Thema und die Highlights der diesjährigen Ausgabe erfahren.

Unter welchem Thema findet dieses Jahr das Festival im Festival, u19 – CREATE YOUR WORLD, statt?

Hans Christian Merten: Die thematische Ausrichtung ist Lernen. Sie entstand als logische Konsequenz auf das Festivalthema Error – the Art of Imperfection. CREATE YOUR WORLD (CYW) muss sich hier dieses Jahr nicht verbiegen, das Thema ist genau das, was CYW schon seit Anbeginn anbietet: Eine Plattform für alternative Lehr- und Lernmodelle, wo die Akzeptanz von Fehlern immer schon ein immens wichtiger Teil war. Wir haben durch unsere Experimentierplattform die Leute in der Vergangenheit stets dazu eingeladen, Fehler zu machen. Mit dem Schwerpunkt Lernen versuchen wir, das Produktive nach vorne zu kehren und nicht dieses scheinbar Negative. Wir machen das allen voran für pädagogische Institutionen wie Schulen, aber auch für Familien, Eltern und Kinder und verschiedene Generationen. Wir wollen sie einladen, die Akzeptanz und Definition von Fehlern immer wieder neu zu hinterfragen. Fehler sind eigentlich immer eine Definitionssache, zumindest, wenn es um gesellschaftliche oder soziale Themen geht. Was ist falsch und was ist richtig im Umgang mit neuen Technologien, im Umgang in der menschlichen Beziehung zueinander, was können Eltern ihren Kindern erlauben oder verbieten, was können Lehrer und Lehrerinnen erlauben oder verbieten, was können Erzieher und Erzieherinnen zulassen?

https://www.youtube.com/watch?time_continue=31&v=ixpn_gkf5pM

Das u19 – CREATE YOUR WORLD Festival plädiert also für einen anderen Umgang mit Fehlern?

Hans Christian Merten: Nein. Wir laden ein, zu reflektieren. Wir wissen nicht, ob der aktuelle Umgang mit Fehlern richtig oder falsch ist! Das haben wir uns bei CYW auch noch nie angemaßt. Wir laden ein, genau das gemeinsam mit uns neu zu entdecken. Das ist ein sehr individueller Prozess. Wir planen zum Beispiel ein Projekt, wo sich alle ganz individuell eintragen können, wo im Leben oder im Entwicklungsverlauf vielleicht einmal ein Punkt kam, der als Fehler oder Wendepunkt erkennbar war. Das gehört auch zu diesem Lernprozess oder dieser Fehlerdefinition dazu: Man erkennt oft, dass man gewisse Dinge vor 10 Jahren ganz anders gesehen hat als man sie jetzt sieht. Manchmal sind es sehr klare Ereignisse, die vielleicht Fehler waren, ein Unfall, eine Katastrophe oder auch etwas Gutes, manchmal ist es hingegen so, dass man nicht sagen kann, warum man das jetzt anders sieht als früher. Es liegt ein bisschen an der Lebenserfahrung, es hängt davon ab, mit wem man sich regelmäßig trifft, mit wem man redet, und so weiter. Da sehe ich sehr viele unterschiedliche Definitionen von Lernen, von Fehlerdefinition und von dem, was richtig und falsch ist. Es existieren Milliarden von Wahrheiten im Lauf des Lebens eines Individuums. In Wirklichkeit ist das ein regelmäßiges Aha-Erlebnis für uns alle. CREATE YOUR WORLD hat immer schon versucht, hier zu sagen: Man muss keine Angst haben, man kann positiv denken, alternative Lebens- und Lernmodelle suchen und finden, gemeinsam an etwas arbeiten, basteln, experimentieren und eben auch manchmal hinzufallen und zu scheitern. Es ist wichtig, Fehler einfach zu erleben. Im Gegensatz zum richtigen Leben gibt es bei CYW aber keine Fehlerkonsequenzen, weil man eben experimentieren darf.

AI Music. Credit: Florian Voggeneder

Was wird also dieses Jahr bei u19 – CREATE YOUR WORLD zu erleben sein?

Hans Christian Merten: Wir setzen genau da an, wo wir angefangen haben und können unsere Arbeit dank dem Thema super fortsetzen. Dafür gibt es heuer natürlich wieder jede Menge Highlights! Wie immer ist die Basis die Prix Exhibition, also die Ausstellung der Gewinnerprojekte des Prix Ars Electronica in der Kategorie u19. Das ist wirklich das Herzstück, um das sich das CYW Festival bildet. Was man sonst noch verraten kann, ist, dass das Thema Lernen zu dem Versuch führt, Generationen noch verstärkter zueinander zu führen. Sie sollen gegenseitig voneinander lernen können. Dazu passend veranstalten die Pädagogische Hochschule Oberösterreich und die Arbeiterkammer Oberösterreich auch dieses Jahr wieder das Symposium Perspektiven Politischer Bildung. Das Zielpublikum hier sind Lehrer und Lehrerinnen, dieses Jahr sind wir aber sehr stolz darauf, auch Jugendliche miteinzubeziehen. Es gibt exklusiv für dieses Symposiums-Format ein bezahltes Auftragsprojekt für eine Jugendliche im Sommer, einen Sommerjob also, das beim Symposium präsentiert wird. Es gibt beispielsweise auch eine Keynote von Jugend Hackt, die darüber hinaus ein eigenes Open Lab gestalten. Wir versuchen immer gleich, Projekte zu verzahnen, damit sich Leute und Ideen vermischen.

Credit: Tom Mesic

Welche Highlights erwarten uns außerdem bei den Open Labs?

Hans Christian Merten: Ich finde es schwer, Highlights zu nennen, weil alle cool sind! Sehr schön ist auf jeden Fall, dass wir dieses Jahr einige längerfristige Kooperationen präsentieren werden. Konkret zu erwähnen ist hier zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Landestheater Linz. Gemeinsam organisieren wir eine Mischung aus Open Lab und Event, bei dem wir unter Einbeziehung der Festival-Besucher und –Besucherinnen das Format Fernsehen untersuchen. Wir wollen einen Ausblick in die Zukunft geben und fragen, wie sich ein TV-Programm weiterentwickeln kann. Das Projekt nennt sich Bug TV und beschäftigt sich inhaltlich mit dieser doch sehr brennenden Thematik zwischen Real News und Fake News. Wir arbeiten mit Improvisations-Schauspielern und –Schauspielerinnen, einem großen Team vom Landestheater und einer Gruppe Jugendlichen. Sie werden betreut und für Sonntag, den 9. September 2018, entsteht auch wirklich ein eigenes TV-Programm. Das kann man sich dann auch per Livestream ansehen – wo, geben wir noch bekannt. ´So viel kann man, glaube ich, jedoch schon verraten: Man wird sich nie ganz sicher sein dürfen, was stimmt und was nicht. Es wird auch eine Liveschaltung zur Kinderklangwolke geben.

Weil die Kinderklangwolke dieses Jahr am Festival-Sonntag ist, haben wir außerdem die Ehre, ein bisschen mitzugestalten. Es gibt eine eigene Bühne, wo uns eine jugendliche Komponistin aus Steyr vertreten wird, indem sie die Beteiligung der Ars Electronica an der Kinderklangwolke kuratiert. Dieses Projekt zeigt sehr gut, was sich alles ergeben kann, wenn man beim Prix Ars Electronica einreicht – auch, wenn man nicht gewinnt. Genau so war es nämlich in diesem Fall, die Komponistin hatte bei uns eingereicht und nicht gewonnen, dafür konnte die Zusammenarbeit mit der Kinderklangwolke entstehen.

Auch für Oberösterreich Tourismus gibt es ein Projekt, für das Jugendliche einen Sommer lang beauftragt werden. Die Zwischenpräsentation findet am Ars Electronica Festival statt, bevor das Endresultat bei den Tourismustagen im November gezeigt wird. Wir sind sehr stolz darauf, insgesamt drei Sommerjobs für Jugendliche aus dem Boden gestampft zu haben.

Auf welche künstlerischen Projekte kann man sich freuen?

Hans Christian Merten: Ganz besonders freuen wir uns auf das Tagtool Festival. Das Künstlerkollektiv OMAi lädt hier ungefähr fünfzehn verschiedene Künstler und Künstlerinnen aus der ganzen Welt ein, um ein großes Open Lab in der oberen Rutschenhalle zu gestalten. Zusätzlich dazu wird es sich auch auf verschiedene Performances und Nachtaktionen ausweiten.

Wir haben auch wieder eine Kooperation mit dem BFI Oberösterreich. Hier gab es letztes Jahr erste Annäherungsversuche, es freut mich also ganz besonders, dass aus der letztjährigen Zusammenarbeit ein Projekt entstand, das die Jugendlichen des Ausbildungsprogramms bei BFI selbst vorgeschlagen haben. Es ist ein sehr graphisches Projekt mit Graffiti-Elementen, das wir gemeinsam mit AURO umsetzen werden. Wir freuen uns schon sehr darauf, weil die Jugendlichen sehr motiviert sind und sich sehr engagieren.

Animation:Lab / OMAi, Remo Rauscher, Barbara Heinzl. Credit: Tom Mesic

Welche bekannten Fixstarter findet man auch dieses Jahr wieder bei u19 – CREATE YOUR WORLD?

Hans Christian Merten: Es gibt wieder eine Kooperation mit dem Virtual Office von FAB, die dieses Jahr mit der Hardware der Firma g.tec zusammenarbeiten. Das wird ein sehr spritziges, lebensbejahendes Projekt. Es gibt wieder einen Music Summit geben, sowie einen Ableton Education Day geben. Hier wird für Musiklehrer und –Lehrerinnen ein eigener Tag gestaltet, wo sie lernen können, wie man die Software noch einfacher in den Unterricht einbauen und wie das Lernen mit einer Musiksoftware verbessert oder erleichtert werden kann.

Es freut mich auch sehr, dass Rebecca Gischel mit dem Kollektiv PICAROON wieder da sein wird, mit dem Projekt Surface X. Sie war auch schon 2013 bei CREATE YOUR WORLD, mit dem Projekt Global Sounds. Dieses Projekt wurde bei einem Transport beschädigt, daher machen wir jetzt mit Jugendlichen gemeinsam einen Repair Workshop, in dem das Projekt wieder repariert wird, damit es bei der Kinderklangwolke als Installation zum Einsatz kommen kann. Auch sehr nennenswert ist die wiederauflebende Kooperation mit Otelo, die ihren „Futurespace – the Digital Playground“ am Festival zeigen. Insgesamt ist es wirklich wieder ein sehr durchgemischtes, buntes Programm!

Seit 2013 ist Hans Christian Merten Leiter der Initiative u19 – CREATE YOUR WORLD von Ars Electronica. Er studierte Audiotechnik und – Design in Wien und absolvierte diverse Lehrgänge an der Bruckneruniversität Linz. Von 2002 bis 2010 war er Lehrender an der Fachhochschule Hagenberg (Medientechnik und Design) und an der BHS für Kommunikation und Medien in Freistadt. 2010 – 2013 war er künstlerischer Leiter des mehrfach preisgekrönten Festivals „kult – das neue Mühlfestival“ in Freistadt und ist seit 2005 selbständiger Künstler und Leiter des Projektstudios Music for Film & Media in Gutau (OÖ).

Das u19 – CREATE YOUR WORLD Festival findet am Ars Electronica Festival von 6. bis 10. September 2018 in der POSTCITY Linz statt.

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