Prix Ars Electronica 2019: Ein Wochenende, vier Goldene Nicas

Jedes Jahr eine neue Jury, jedes Jahr ein außerordentlicher Schatz an Medienkunstwerken, den es zu beurteilen gibt. Auch heuer trafen sich wieder 20 ExpertInnen aus aller Welt in Linz, um sich einmal mehr gemeinsam auf die Goldenen Nicas des Prix Ars Electronica 2019 zu einigen. Ein kurzer Streifzug durch das Jury-Wochenende.

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Wenn die Tage wieder länger werden und der Frühling sich von seiner besten Seite zeigt, dann ist es wieder an der Zeit, dass sich internationale ExpertInnen in Linz einfinden, um die PreisträgerInnen des Prix Ars Electronica zu küren. Von 11. bis 14. April 2019 haben die JurorInnen aus den Tausenden Einreichungen der insgesamt vier Kategorien – „Artificial Intelligence & Life Art“, „Digital Musics & Sound Art“, „Computer Animation“ und „u19 – CREATE YOUR WORLD“ – nun die besten Arbeiten in mühevoller Diskussionsarbeit ausgewählt. Am 22. Mai 2019 präsentieren wir die Gewinnerprojekte auf ars.electronica.art/prix – ausgewählte prämierte Medienkunstwerke sind dann in der CyberArts-Ausstellung des Ars Electronica Festival (von 5. bis 9. September 2019) in Linz zu sehen.

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Von Cyborgs bis Schuldirektoren

11. April 2019, Donnerstagabend. Die Sensoren des Ars Electronica Center erkennen die langsam eintretende Dunkelheit, das Haus, in dem sich MedienkünstlerInnen, DJs und FilmemacherInnen, KuratorInnen, WissenschaftlerInnen, ProfessorInnen, Cyborgs und Schuldirektoren aus Ländern wie Türkei, Belgien, Dänemark, USA, Japan und Österreich versammeln, beginnt in bunten Farben zu leuchten. Viele der JurorInnen kennen sich bereits, einige sind neu mit dabei und schlüpfen zum ersten Mal in diese Rolle. Das Sky Loft des Ars Electronica Center füllt sich, die Stimmung ist bestens – und das, obwohl eine Menge an Arbeit bevorsteht. Bis Sonntag haben die JurorInnen Zeit, sich auf jeweils eine Goldene Nica der vier Kategorien zu einigen, um dann wieder zu ihren nächsten Aufgaben weiterzureisen.

Die neue Kategorie: Artificial Intelligence & Life Art

Freitag, 9 Uhr. Die vier Jurys haben sich in vier Räumlichkeiten des Ars Electronica Center zurückgezogen, die sich nur mit der richtigen Zutrittskarte öffnen lassen. Die Datenbank, die seit Jahresbeginn mit Einreichungen gefüllt wurde, wird jetzt zum essentiellen Tool der nächsten Tage. Runde für Runde, Entscheidung für Entscheidung, ein Ja, ein Nein, zwei Ja, und noch eins – eine Runde weiter. Zunächst gilt es, die große Zahl an Einreichungen nach Qualität zu ordnen und dadurch zu reduzieren. Die JurorInnen, die von Ars Electronica eingeladen wurden, begeben sich gemeinsam auf die Suche nach den Perlen der Medienkunst – sie sind es, die die GewinnerInnen küren, die Ars Electronica übernimmt das Organisatorische.

Credit: Ars Electronica / Martin Hieslmair

Die JurorInnen der neu eingeführten Kategorie „Artificial Intelligence & Life Art“, die in gewisser Weise die bisherige Kategorie „Hybrid Art“ erweitert hat, haben heuer eine weitere Aufgabe zu erfüllen – neben der Beurteilung der eingereichten Werke. Sie sind es, die den Grundstein dieser Kategorie für die kommenden Jahre und Jurys legen. Und damit verbunden sind auch Grundsatzdiskussionen darüber, was eigentlich mit Intelligenz gemeint ist und was Leben bedeutet – zwei wesentliche Begriffe dieser Kategorie.

Grob gesagt, teilen sich die Einreichungen in biologische „Wetware“, traditionelle hybride Bio-Art-Arbeiten, und in siliziumbasierte Computerintelligenz mit Arbeiten rund um Künstlichen Intelligenz – wobei der Begriff hier auch von Philosophie über Neurowissenschaft bis hin zur Biologie reicht und sich immer wieder mit Politik verwebt, wenn es um Privatsphäre, Überwachung oder das Sammeln von Daten geht. Wie passen beide Bereiche, „Artificial Intelligence“ und „Life Art“ zusammen? Und soll die Goldene Nica einen Bereich davon repräsentieren oder muss sie den Bogen über beide Felder spannen? Die JurorInnen sind mit unterschiedlichen Erwartungen an dieses Bewerten herangetreten und sie haben sich auf eine gemeinsame Beurteilung geeinigt. Wir sind gespannt!

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Mensch und Maschine: Digital Musics & Sound Art

Mit einem bunten Mix an Einreichungen hat es die Jury der Kategorie „Digital Musics & Sound Art“ zu tun. Auch wenn sich die JurorInnen heuer schwer tun, echte Trends ausfindig zu machen, gibt es einige Auffälligkeiten. 2019 sind weniger interaktive Arbeiten eingereicht worden. Es geht diesmal viel mehr um Kunstwerke, die sich mit dem Umwandeln von Daten in Sounds beschäftigen. Andere KünstlerInnen wiederum entwickeln und bauen neue Instrumente. Gefehlt haben den ersten Statements der Jury zufolge Arbeiten, die sich auf das aktuelle soziopolitische Klima beziehen – und es gibt in dieser Kategorie leider auch viel zu wenig Einreichungen von Frauen. Mit dem zunehmenden Einfluss der Künstlichen Intelligenz ist es auch notwendig, dass sich die Beurteilungskriterien dieser Projekte auch den neuen Entwicklungen anpassen – in der Jury entsteht eine Diskussion, die generell in Frage stellt, wie wichtig der Input eines Klangs zu beurteilen ist, oder ob es eigentlich um den Output geht, den Mensch oder Maschine generieren. Und was bedeutet Innovation gerade im Bereich von „Digital Musics & Sound Art“? Den vielen Grundsatzfragen folgt schließlich der gemeinsame Nenner der Jury: Die Goldene Nica.

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Innerhalb und außerhalb von Bildschirmen: Computer Animations

Die Zeit, in der sich Computeranimationen nur in Bildschirmen bewegen, ist längst vorbei – spätestens bei der ersten Runde der eingereichten Animationen wird klar, dass sich diese auf Gebäuden genauso abspielen können wie in Virtual-Reality-Brillen. VR ist ein Bereich, der auch 2019 wieder eine Dimension größer geworden ist, vor allem dank der immer steigenden Verfügbarkeit von VR-Brillen. Trotzdem finden sich unter den zahlreichen Einreichungen unterschiedlichster Formate immer wieder Animationen, die mit lang etablierten Techniken wie Stop-Motion auskommen. Animation ist vielseitig, das sieht man an diesem Prix-Jury-Wochenende immer wieder. Je weiter sich hier die Grenzen von Animation öffnen, desto schwieriger wird es aber, sie ausfindig zu machen. Was gehört noch in die Kategorie, und was nicht? Und soll die Goldene Nica eher unbekannte KünstlerInnen prämieren oder kann der Preis auch an große Animationsstudios gehen? Auch in dieser Jury treten Fragen auf, die bis zur Wahl der GewinnerInnen geklärt werden müssen.

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Die junge Generation: u19 – CREATE YOUR WORLD

Kinder und Jugendliche, die beim Prix Ars Electronica teilnehmen, befinden sich nicht mehr in den Startlöchern, sondern laufen schon längst bei den Großen mit. Seien es die bis 14-Jährigen, die Young Creatives, oder die 14- bis 19-Jährigen, die Young Professionals, wie sie bei „u19 – CREATE YOUR WORLD“ genannt werden. Sie sind aufgewachsen mit den neuen Medien, die sie ganz selbstverständlich als Werkzeug nutzen, um sich auszudrücken, kritisch Themen zu hinterfragen und aufzuzeigen, oder einfach nur Spaß zu haben. Gerade das „Fridays for Future“-Movement und die zahlreich angesprochenen Umweltthemen sind ein Trend, der sich 2019 bei den Einreichungen stark widerspiegelt. Die junge Generation nimmt sich das Thema zu Herzen, das sie am ehesten betrifft: Die eigene Zukunft.

Präsentation, Ausstellung und Festakt

Sonntagnachmittag, 14. April 2019. Es ist tatsächlich wieder vollbracht, auch wenn es von Stunde zu Stunde schwieriger geworden ist, sich auf eine/n PreisträgerIn der Goldenen Nica zu einigen – es gibt sehr viele sehr gute Medienkunstarbeiten da draußen, die geehrt werden müssen. Zum Glück kann die Jury auch noch Auszeichnungen und Anerkennungen verleihen – ein kleiner Trost, der sich durch alle Juries zieht. Am 22. Mai 2019 ist es dann soweit. Wir geben an diesem Tag die PreisträgerInnen des Prix Ars Electronica 2019 bekannt, die dann beim Ars Electronica Festival von 5. bis 9. September 2019 bei der CyberArts-Ausstellung präsentiert werden und dann auch ihre persönliche Goldene Nica bei einem Festakt überreicht bekommen.