Gaming trifft Racing: Rotax MAX Dome

Im alten Schlachthof in Linz drehen ab heute E-Karts im neuen Rotax MAX Dome ihre Runden – und zwar durch eine Rennstrecke, die außer scharfen Kurven auch noch Games, virtuelle Welten und digitale Technologien bereithält. Was das Ars Electronica Futurelab damit zu tun hat? Das haben wir im Interview herausgefunden.

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Von außen sah man es schon länger – im alten Schlachthof in Linz wird umgebaut. Was genau in die alte Halle mit ihren knallroten Stahlträgern kommen sollte, war allerdings noch ein Rätsel. Bis jetzt! Ab heute ist nämlich der neue Rotax MAX Dome eröffnet. Was sich dahinter versteckt? Eine zweistöckige Rennstrecke für die neuen E-Karts von BRP Rotax, scharfe Kurven, Games und rasante Fahrten durch virtuelle Welten. Kurz: ein Fahrerlebnis, wie man es sonst nirgendwo bekommt.

Dahinter steckt eine Zusammenarbeit vom Motorenhersteller BRP Rotax und dem Ars Electronica Futurelab. Christopher Lindinger, Director of Research & Innovation am Ars Electronica Futurelab, verrät im Interview, was die Racer und Racerinnen im neuen Rotax MAX Dome in Linz erwartet – und warum Gaming einen großen Teil dabei spielt.

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Christopher, verrate mal – was hat sich in den letzten Monaten hinter der Fassade des Alten Schlachthofs in Linz getan?

Christopher Lindinger: Ziemlich viel. Der Alte Schlachthof, in dem früher einmal der Linzer Fleischmarkt stattfand, ist schon so etwas wie ein Wahrzeichen in Linz. BRP Rotax hat jetzt dieses historische Gebäude genommen und innen komplett verwandelt – und zwar in eine E-Kartbahn! Die Firma arbeitet momentan verstärkt im Bereich der E-Mobilität und das betrifft eben auch Rennkarts. Was in Linz beim neuen Rotax MAX Dome entstehen sollte, ist ein Erlebnis, dass nicht nur für klassiche Racer oder Racerinnen spannen ist, sondern darüber hinaus viele Menschen begeistert. Deshalb haben wir uns gemeinsam überlegt, was jungen und junggebliebenen Menschen Spaß machen könnte, und landeten beim Gaming. Mit eigens entwickelten Gaming-Elementen und spielerischen Ergänzungen zum E-Kart-Rennen wollen wir einerseits also diese Eintrittsbarierre in den Kartsport senken und andererseits eine neue Dimension von Spaß hinzufügen.

E Kart Rotax MAX Dome

Credit: Vanessa Graf / Ars Electronica

Was man jetzt also erlebt, wenn man den Rotax MAX Dome besucht, ist nicht nur ein aufregendes E-Kart-Rennen, sondern eine Experience, die an dem Moment anfängt, in dem man sein Ticket kauft. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich selbst in einem kurzen Video aufzunehmen und damit einen eigenen Renn-Avatar zu schaffen, der im Anschluss auf den Scoreboards und Anzeigen erscheint. Wir entwickelten unterschiedliche Achievement-Levels, sehr ähnlich zu Karrierestufen, aber eben spielerischer, die Punkte anzeigen und verschiedene Auszeichnungen verteilen. Wer war zum Beispiel heute die schnellste Rennfahrerin aus Linz? Wer war der langsamste Racer aus Gramastetten? Wer löste die meisten Extra-Aufgaben? Es geht nicht nur darum, die schnellste Person auszuzeichnen – alle können Achievements freischalten.

Zu diesem Zweck gibt es sogar eine kleine App…

Christopher Lindinger: Genau. Man kann entweder mit dem herkömmlichen, analogen Ticket am Rennen teilnehmen, oder eben die App verwenden. Sie funktioniert wie eine Art Führerschein, den Racer und Racerinnen für den Rotax MAX Dome brauchen, zeigt aber darüber hinaus auch die eigenen Achievements und Punkte an.

Tunnel Rotax MAX Dome

Credit: Vanessa Graf / Ars Electronica

Wie kann man denn über das übliche Rennen hinaus diese Punkte sammeln?

Christopher Lindinger: Innerhalb eines Rennens passiert das vor allem in dem architektonischen Highlight in der großen Halle – unser Signature Building, ein Tunnel, der mit seinen ungewöhnlich gestalteten Höckern sofort alle Blicke auf sich zieht. Über zwei Stockwerke hinweg fährt man hier durch verschiedene Games, die mit Projektionen auf den Boden gespielt werden. Jede Runde ändert sich das Spiel – man sieht aber, bevor man in den Tunnel fährt, welches Spiel gerade an der Reihe ist. Einmal geht es beispielsweise darum, über möglichst viele Münzen zu fahren, die sich dadurch umdrehen – während man gleichzeitig vermeiden muss, über Münzen zu fahren, die schon von anderen Racern oder Racerinnen umgedreht wurden! Man kann aber auch Slalom fahren oder Hindernissen ausweichen, je nach Modus. Die Punkte, die man hier sammelt, werden zu den Renn-Scores gerechnet und beeinflussen das Endergebnis.

Zusätzlich gibt es noch ein zweites Erlebnis, das man buchen kann – den Team Room. Das funktioniert in etwa so wie ein Escape Room: Man wird als Gruppe auf einen fremden Planeten gebeamt und muss verschiedene Aufgaben lösen. Das Spiel im Team Room entstand in Zusammenarbeit mit Polycular, die im Bereich Gamification und Game Design tätig sind. Ein Teil des Spiels ist es auch, ein Rennen mit den E-Karts auf der Bahn zu fahren. Hier gilt eigentlich dasselbe Prinzip, die Punkte aus dem Team Room und die des Rennens machen zusammen das Endergebnis aus.

Gaming Rotax MAX Dome

Credit: Vanessa Graf / Ars Electronica

Das klingt sehr aufwendig. Was war dabei die größte Herausforderung?

Christopher Lindinger: Auf jeden Fall die Sensorik. Die E-Karts rasen mit einer wirklich beeindruckenden Geschwindigkeit über die Bahnen, wir müssen sie aber sehr präzise tracken können, um die Spiele zu ermöglichen. Das ist auf flachen Umgebungen sehr viel leichter, im Tunnel, der ja über zwei Ebenen geht, war das gar nicht so einfach.

Aber auch über den Tunnel und den auch sehr anspruchsvollen Team Room hinaus war es herausfordernd. Es war sehr wichtig, dass alle Screens und Displays zusammenarbeiten und ein geschlossenes System ergeben. Es gibt die Green Box, in der man wie vorhin schon erwähnt ein Video von sich selbst aufnehmen und einen Avatar erstellen kann, eine Wall of Fame, wo man sein Ticket scannt und den eigenen Rang abfragen kann, und natürlich Rennanzeigen – wir wollten, dass alle diese Elemente eine gemeinsame ästhetische Sprache sprechen. Das war viel Arbeit, aber sehr wesentlich.

Rotax MAX Dome Racer

Credit: Vanessa Graf / Ars Electronica

Diese digitalen Elemente sollten auch nahtlos in die physische Rennumgebung einfließen…

Christopher Lindinger: Es sind wirklich zwei Welten, die hier zusammentreffen. Auf der einen Seite ist BRP Rotax mit unglaublicher Erfahrung im Kart- und Maschinenbau, auf der anderen Seite sind wir, die wir uns mit digitalen Technologien und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen befassen. Die gemeinsame Arbeit am Rotax MAX Dome hat diese beiden Welten miteinander verschmolzen. Aus Erfahrung wissen wir auch, dass das nicht immer so leicht ist – hier war aber einfach eine solche Dynamik, eine solche Wissbegierde, eine Offenheit zur Innovation da, dass die Zusammenarbeit wirklich gut funktioniert hat.

Du hast selbst schon ein paar Runden im neuen Rotax MAX Dome gedreht – wie war das Fahrerlebnis für dich?

Christopher Lindinger: Ja, ich bin gefahren – und ich bin extrem schlecht. Ich würde nicht sagen, dass ich ein typischer Zielkunde für Kartbahnen wäre, ich fahre ja schließlich auch sehr zurückhaltend Kart. In Kombination mit den spielerischen Elementen und dem Gaming-Aspekt macht das aber gar nichts! Das ist genau das, was wir erreichen wollten: Dass sich auch Menschen, die normalerweise nicht Kart fahren, für das Erlebnis hier begeistern können.

Christoper Lindinger studierte Informatik an der Johannes Kepler Universität Linz und Kulturmanagement in Salzburg. Christopher arbeitete als Wissenschaftler im Bereich der Supercomputervisualisierung in Chicago und freiberuflich für die Computerspiele-Industrie. Aufgrund seiner Aktivitäten im Bereich der neuen Technologien, digitalen Kultur und Kunst ist er seit 1997 in die Ars Electronica involviert. Derzeit leitet er den Bereich Forschung und Innovation im Ars Electronica Futurelab und ist neben Beratungstätigkeiten für die Industrie und Regierungseinrichtungen auch als Lehrbeauftragter an verschiedensten Universitäten tätig

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