Noch mehr tolle Ideen

Der STARTS Prize der Europäischen Kommission animiert seit 2017 zu innovativen und interdisziplinären Projekteinreichungen. Nicht von ungefähr sind sie denn auch ungewöhnlich und finden beim Festival eine würdige Präsentationsfläche.

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Im Rahmen des Ars Electronica Festival finden die STARTS-Projekte eine spannende Ausstellungsfläche. Weil es mit der reinen Ausstellung aber nicht getan ist, steht der gesamte Freitag unter dem Motto Innovation. Wir laden herzlich zum STARTS Day und stellen vorab die zweite Ladung Anerkennungen vor.

Arte Eletrônica Indígena

Thydêwá

Es könnte aktueller nicht sein: Die Amazonas-Region brennt in ungeahntem Ausmaß, um finanzielle Begehrlichkeiten zu erfüllen, die indigene Bevölkerung versucht an ihrer gesellschaftlichen Marginalisierung vorbei zu retten, was zu retten ist und das auch durch die Erhöhung ihrer Sichtbarkeit. Es geht dabei aber weniger um das folklorehafte Bild, das mit dem Gedanken an Indigene im Urwald oftmals einhergeht, sondern um ein beiderseitiges Verständnis und gegenseitiges Lernen durch kulturelle Vielfalt.

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Arte Eletrônica Indígena ist ein gutes Beispiel dafür, wie Technologie Menschen oder sogar Völkern zu besserer Kommunikation verhelfen kann. Durch die Kollaboration verschiedener indigener Völker im Nordosten Brasiliens ist eine Öffentlichkeit entstanden, die genutzt werden kann, um bessere Einsicht in die Lebensumstände zu bekommen.

Die NGO Thydêwá fördert den interkulturellen Dialog auch, indem sie die Nutzung digitaler Technologien fördert. Bei diesem Projekt wurde eine Reihe von zehn künstlerischen Residencies in indigenen Gemeinschaften im brasilianischen Nordosten durchgeführt – mit ganz unterschiedlichem, aber durchwegs faszinierendem Output. Angesichts der engen Beziehung zwischen indigenen Gemeinschaften und der natürlichen Umwelt setzt sich Thydêwá auch für die Förderung der Regeneration natürlicher Ressourcen auf der Grundlage indigener Prinzipien ein.

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Biocomputer Rhythms

Eduardo Reck Miranda

In Zeiten, wo sich alles um Künstliche Intelligenz dreht, ist die Suche nach einer ganz speziellen natürlichen Intelligenz das große Interesse des brasilianischen Komponisten Eduardo Reck Miranda. Mit seinem „Biocomputer Rhythms“ hat er ein Duett für ein Piano und einen interaktiven Biocomputer geschaffen. Der Biocomputer hört auf das Klavier und generiert Antworten in Echtzeit.

Der Biocomputer, ein Hybrid aus Mikroorganismen und Siliziumchips, funktioniert ähnlich wie eine Künstliche Intelligenz – nur, dass es keiner komplizierten Programmierung bedarf. Vielmehr erzeugt der Biocomputer elektronische Komponenten aus biologischen Organismen, die
intelligentes Verhalten erzeugen. Eine musikalische Schleimzellenkultur quasi. Und genau die erzeugt elektrische Impulse bei der Nahrungsaufnahme, die der Künstler nutzt.

Nennen tut Eduardo Reck Miranda das Ganze „Natural AI“, also Natürliche Künstliche Intelligenz. Selbstverständlich im vollen Bewusstsein, wie absurd das klingt. Sein Ansatz ist, KI-Systeme nicht nach der Natur zu modellieren, sondern das Ganze umzudrehen und die Natur in die Speicherchips zu integrieren. Kleiner Nebeneffekt: Weil es sich ja hier nicht um fix fertig programmierte Sequenzen, sondern vielmehr um lebende Organismen handelt, ist nie so ganz klar, wie genau sie reagieren werden. Insofern ist auch jede Aufführung quasi ein Einzelstück.

Im Versuch, der Natürlichkeit mehr Raum zu geben, ist Eduardo Reck Miranda damit nicht allein – auch das nächste Projekt bemüht sich um alternative, natürliche Herstellungsarten von Materialien.

This is grown.

Jen Keane

Um Antworten im Bereich von Materialien ist Jen Keane bemüht. Bei so viel neuen Technologien und Errungenschaften gäbe es immer noch sehr wenige Lösungen in Bezug auf Stoffe oder deren Herstellung. Dabei ist die Zukunft von Materialien ein wirklich interessantes Thema, das unsere Denkweise verschiebt.

Credit: Tom Mannion

Ursprünglich im Bereich Sportdesign tätig, tauscht sie diese vielversprechende Karriere und untersucht nun, wie neue digitale, materielle und biologische Technologien unseren Umgang mit Design und Herstellung verändern können. Die Herangehensweise ist dabei keine vorgefertigte Lösung, das Ziel war, von einem lebenden Organismus zu lernen. Sie begann, Bakterien selbst zu züchten und neue Werkzeuge zu entwickeln, um den natürlichen Wachstumsprozess zu manipulieren und nutzt eine Form des Bakteriums, das wir eigentlich vom Kombucha Tee kennen.

In diesem organisch gesteuerten Ansatz der Materialgestaltung manipuliert Keane den Wachstumsprozess der K. rhaeticus-Bakterien, um diese in einer neuen Form des „mikrobiellen Webens“ einzusetzen. Das Verfahren optimiert die natürlichen Eigenschaften der bakteriellen Cellulose, um eine neue Kategorie von Hybridmaterialien zu weben, die stark und leicht sind und keinen bzw. wenig Abfall erzeugen. Das Ergebnis ist ein einteiliges Produkt ohne Nähte und ein kontinuierliches Garn, das durch die von den Bakterien produzierte Zellulose gehalten wird.

„Aber wenn wir anfangen, unser neues Wissen über die Natur anzuwenden, um unsere materiellen Probleme zu lösen, müssen wir hinterfragen, was wirklich natürlich ist, und akzeptieren, dass wir vielleicht nicht mehr tatsächlich mit der Natur zusammenarbeiten, sondern sie kontrollieren.“

Credit: Adam Toth

SimCath

Fernando Bello, ICCESS & Salomé Bazin, Cellule studio

Wie Chirurgen in der Ausbildung möglichst effizient und lebensnah lernen können, hat sich das nächste Projekt zur Aufgabe gemacht. Ziel war die Entwicklung eines Prototyps eines simulierten Katheterisierungslabors. In diesen Cath Labs können minimal-invasive Verfahren aus interventionellen (Kardiologie, Gefäß-, Neurovaskulär- und Radiologie) und nicht-interventionellen (Anästhesie) Fachgebieten trainiert werden. Für angehende Ärzte bietet ein solches Simulationslabor eine einzigartige Trainingsmöglichkeit.

Credit: Swann El Mokkeddem

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt in der Kommerzialisierung. Dafür wird ein modularer Ansatz verfolgt: Die Hardware soll mittels Kleinserienfertigung entwickelt werden, die Software wird auf eine kommerziell nutzbare Plattform portiert, die für eine Erweiterung geeignet ist.

Drei Phasen des Projekts laufen parallel:

– Entwicklung von Simulationssoftware
– Neu gestaltete haptische Schnittstelle zur Unterstützung von Multiple-Access-Eingriffen
– Redesign der simulierten Cath Lab Komponenten

Besonderes Augenmerk wurde bei diesem Projekt auf die Interdisziplinarität gelegt: Um eine lebensechte Umgebung zu schaffen, die auch tatsächlich optimal genutzt werden kann, wurden Kunst-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften miteinander verlinkt. KünstlerInnen, ForscherInnen, MedizinerInnen aus den Disziplinen Ingenieurwesen, Informatik, Kardiologie, Performance, Szenografie und Produktdesign hatten hier ihre Hand im Spiel. Sehr erfolgreich, wie man sieht!

Credit: Swann El Mokkeddem

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