Der Himmel über Atacama: Chilenische Künstler*innen beim Ars Electronica Festival 2022

Das Zusammenspiel zwischen dem Himmel und den Wolken über der Atacamawüste und dem lokalen Publikum in Linz: Diese chilenischen Künstler*innen werden ihr Heimatland beim Ars Electronica Festival 2022 vertreten.

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Unendliche Landschaften, der Kreislauf des Lebens und die Sprache der Bäume… Erinnert ihr euch noch an unsere virtuelle Reise in die Atacama-Wüste im letzten Jahr? Nun, es geht wieder los, von Linz nach Atacama und wieder zurück zum Ars Electronica Festival 2022 in Linz!

Seit 2018 sind ausgewählte Medienkunstwerke chilenischer Künstler*innen fester Bestandteil des Programms des Ars Electronica Festival: In den letzten beiden Jahren waren auch chilenische Institutionen mit sogenannten „Ars Electronica Gardens“ vertreten, das heißt mit Ausstellungen, Konferenzen, Performances, Konzerten und Workshops, die sich an das jeweilige lokale Publikum richteten – an 120 Orten rund um den Globus, organisiert von Universitäten, Museen, Galerien, Vereinen, Gemeinden und Unternehmen. Dieses Jahr konzentrieren wir uns auf die Ausstellungen hier in Linz und laden Medienkünstler*innen aus Chile ein, ihre Werke bei uns auszustellen. Die Teilnahme von Künstler*innen aus Chile ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Ars Electronica mit dem Ministerio de las Culturas, las Artes y el Patrimonio und dem Ministerio de Relaciones Exteriores | Gobierno de Chile. Nachfolgend stellen wir Ihnen die Gesichter und Kunstwerke vor, die den diesjährigen Open Call gewonnen haben und somit beim Festival Ars Electronica vom 7. bis 11. September vertreten sein werden.

LIQUID SKY / Mauricio Lacrampette (CL), Santiago Valdivieso (CL), Diego Gajardo (CL), Lucas Margotta (CL)

Mauricio Lacrampette ist ein chilenischer Architekt und Medienkünstler mit Sitz in Santiago. Seine Arbeit und Forschung basiert auf einem transdisziplinären Ansatz und einer Methodik, die ursprünglich aus der architektonischen Praxis stammt, kombiniert mit einem autodidaktischen Zugang zu Technologie und Medien sowie einer Faszination für das Okkulte. Seine Arbeit enthüllt verborgene Interaktionen und moduliert neue Begegnungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten, mit einem besonderen Schwerpunkt auf ätherischen und zähflüssigen Medien wie Licht, Luft, Wolken, Energie, Daten und dem Raum selbst als Akteur.

Für diesen Open Call reichte er das Projekt „LIQUID SKY“ ein, das in Zusammenarbeit mit Santiago Valdivieso (CL), Diego Gajardo (CL) und Lucas Margotta (CL) sowie Sebastián De Andraca als Softwareentwickler und dem La Wayaka Current Residency Program entstanden ist. In der Atacama-Wüste fängt eine Videokamera das Bild des Himmels ein, der sich in einem Wasserspiegel reflektiert, und überträgt es während des Festivals live nach Linz: die Öffnung eines Portals zwischen den Hemisphären, das sich auf die Technik der Inkas bezieht, den Himmel durch seine Reflexion auf Wasser über gemeißelten Steinen zu betrachten.

Eine feste Struktur trägt einen sich drehenden Wasserspiegel und einen Mast, über dem die Kamera angebracht ist. Ein Elektromotor dreht das Artefakt, um die Oberfläche des enthaltenen Wassers zu verformen, wodurch ein Drehparaboloid entsteht und somit ein konkaver Spiegel, bei dem die Winkelgeschwindigkeit direkt mit der Verformung des Spiegelbildes zusammenhängt. Ein Projektor in Linz empfängt das live gestreamte Bild und projiziert es auf den Boden eines dunklen Raums, während eine Reihe von Bewegungssensoren die Bewegungen der Assistenten erfasst und in Daten umwandelt. Diese Daten werden in Echtzeit von einer cloudbasierten Datenanalysesoftware verarbeitet und zurückgeschickt, um die Winkelgeschwindigkeit des Spiegelbeckens in Atacama zu beeinflussen, was zu Schwankungen auf der parabolischen Oberfläche des Wasserspiegels führt. Das in Linz projizierte Bild des Atacama-Himmels wird dann durch die Verschränkung dieser entfernten, physikalischen Verhaltensweisen verformt.

LIQUID SKY präsentiert sich als ein Ritual, in dem die Interaktion zwischen dem lokalen Atacama-Himmel, den Assistenten und einer Reihe von Maschinen, mechanischen Gesten und Datenströmen in einer rhizomatischen, translokalen Feedback-Schleifen-Assemblage verschmilzt, in der die Unterscheidung zwischen Beobachter*in und Beobachtetem in einem Kontinuum verschwimmt und die Möglichkeit einer kollektiven Tele-Kontemplation entsteht, die den Himmel als Medium für eine globale Begegnung nutzt.

The Fallen Clouds / Josefina Buschmann (CL), in collaboration with: Daniela Camino (CL, Nicole L’Huillier (CL), Francisca Sáez (CL), Melisa Miranda (CL)

Selfies, Memes, Tweets – sie alle leben in der „Cloud“, einer undurchsichtigen Metapher unserer Zeit. Wo sind diese „Clouds“, diese Wolken? Welche Fußabdrücke hinterlassen sie auf dem Boden? Wie können wir ihre Materialität und Geografie sichtbar machen? fragt Josefina Buschmann in ihrer Arbeit „The Fallen Clouds“, die in Zusammenarbeit mit Daniela Camino (Produzentin), Nicole L’Huillier (Soundkünstlerin), Francisca Sáez (Kamera) und Melisa Miranda (Filmeditorin) realisiert wurde. Josefina Buschmann ist Wissenschaftlerin und Medienmacherin, die in ihrer Arbeit die Wirkung von Mediendarstellungen, digitalen Infrastrukturen und deren Auswirkungen auf die Umwelt erforscht. Sie hat einen MSc in vergleichenden Medienwissenschaften am MIT absolviert. Die Arbeit wurde produziert von Mimbre Films und teilweise finanziert von CreaTures.

Das Projekt ist eine spekulative, forschungsbasierte Installation, die sich mit den sozio-ökologischen Auswirkungen digitaler Infrastrukturen in Chile beschäftigt, um den großen Mythos des Cloud Computing zu widerlegen. Die Erzählung folgt einer digitalen Cloud auf der Suche nach ihrem Körper und ihrem Ursprung, der sich von Unterseekabeln im Pazifik über Rechenzentren in Santiago bis hin zur Lithiumgewinnung in der Atacama-Wüste erstreckt. Auf ihrer Reise verstrickt sie sich mit menschlichen und übermenschlichen Wesen, mit Mythen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese Erkundung nimmt die Form einer atmosphärischen Installation an, die aus 9 schwebenden Skulpturen aus akustischem Material und einer digitalisierten 16-mm-Filmprojektion besteht, um eine immersive Erfahrung zu schaffen, die ein Portal zu einer tiefen Zeitlichkeit öffnet, in der die zukünftige Heilung in der Vergangenheit liegt.

The Fallen Clouds / Josefina Buschmann (CL), in collaboration with: Daniela Camino (CL, Nicole L’Huillier (CL), Francisca Sáez (CL), Melisa Miranda (CL), photo: Josefina Buschmann

Alle aufgeführten chilenischen Medienkunstwerke und Gardens findet ihr vom 7. bis 11. September 2022 im Rahmen des Ars Electronica Festivals „Welcome to Planet B“. Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Chile

Der Open Call ist eine Kooperation von der Ars Electronica Linz GmbH & Co KG mit dem Ministerio de las Culturas, las Artes y el Patrimonio und dem Ministerio de Relaciones Exteriores de Chile.