Interaktiv und zeitbasiert: Der Deep Space als Plattform für junge Künstler*innen

Der Bachelorstudiengang “Zeitbasierte und Interaktive Medienkunst“ an der Kunstuniversität Linz lässt junge Künstler*innen ihr eigenes interaktives Programm für den Deep Space 8K entwickeln.

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Einzigartige Bildwelten, eine Projektionsfläche von 16 mal 9 Metern, 8K Auflösung, 3-D-Lasertracking — der Deep Space 8K ist eine perfekte Spielweise für junge Künstler*innen, die mit immersiven Bildwelten arbeiten. Seit dem Wintersemester 2014/2015 bietet der Bachelorstudiengang “Zeitbasierte und Interaktive Medienkunst“ an der Kunstuniversität Linz deshalb die Lehrveranstaltung „Ars Electronica Deep Space 8K – Kooperative Ästhetik“ an. Unterstützt von Studiengangleiter Univ. Prof. Dr. Gerhard Funk und Senior Artist Mag. Holunder Heiß entwickeln die Studierenden dabei ihr eigenes interaktives Programm für den Deep Space 8K.

Cooperative Aesthetics / Village of Forbidden Dreams at the Deep Space.
Cooperative Aesthetics / Village of Forbidden Dreams, Photo: tom mesic

Auftakt des künstlerischen Experimentierens ist stets ein Kennenlernen des Orts und der bereits vorhandenen Arbeiten aus früheren Semestern. Gerhard Funk lädt seine Studierenden in den Deep Space 8K und zeigt ihnen, was der Raum kann. Er erklärt welche technische Infrastruktur hier verbaut ist, welches Potential aber auch welche Herausforderungen das bedeutet. “Man muss sich bewusst sein, dass die Auflösung im Deep Space 8K mit der kombinierten Boden- und Wandprojektion ein Vielfaches jener Auflösung bedeutet, die der eigene Laptop bietet. Ein Programm kann also nicht wirklich 1:1 getestet werden — man muss mit Skalierungsfaktoren arbeiten, um es am eigenen Bildschirm sehen zu können. Anhand einfacher Beispiele gehen wir das gemeinsam durch.”

Mit der eigens für Künstler*innen entwickelten Programmiersprache Processing geht es dann Schritt für Schritt an die Umsetzung. „’Processing’ ist keine hohe Hürde in Sachen Programmierung, dennoch ist es eine sehr mächtige Programmiersprache. Unsere Studierenden lernen sie ab dem ersten Semester, in Fortgeschrittenenkursen können sie dann ihr Wissen vertiefen. Es reicht aber eigentlich schon ein Grundwissen in dieser Programmiersprache, um Arbeiten für den Deep Space 8K entwickeln zu können.”

Cooperative Aesthetics / RGB-Spaceflight at the Deep Space.
Cooperative Aesthetics / RGB-Spaceflight, Photo: Ars Electronica – Robert Bauernhansl

Nach rund einem Monat kommen die Studierenden wieder in den Deep Space 8K – auf dem Programm stehen erste Tests kleiner, einfacher Programme. Jetzt sind die Studierenden so weit, konkrete Ideen zu entwickeln und zu entscheiden, was im Laufe des Semesters machbar ist. Insgesamt vier Mal werden sie noch in den Deep Space 8K kommen, um ihr Projekt zu testen und zu experimentieren. Danach kommt die Abschlusspräsentation.

Das Ende des Semesters bedeutet aber nicht, dass das Abenteuer vorüber ist. Eine weitere Qualität der Kooperation zwischen Kunstuniversität und Ars Electronica liegt darin, dass der Deep Space 8K nicht nur Spielweise, sondern auch Bühne für die Studierenden ist. Seit 2014 werden deren Projekte im Rahmen der Ausstellungsreihe TIME-OUT im Ars Electronica Center gezeigt, die allerbesten darunter werden sogar ins laufende Programm aufgenommen und sind das ganze Jahr über im Deep Space 8K zu sehen. Wenn Ars Electronica Anfang September dann das alljährliche Festival ausruft, wird es für die Studierenden besonders spannend: Sie haben die Chance, ihre hier in Linz erarbeiteten Projekte einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren und sich mit Künstler*innen und Kurator*innen aus aller Welt auszutauschen.

Gerhard Funk (AT), Photo: tom mesic

Doch was macht den Deep Space des Ars Electronica Centers, als Raum für interaktive Spiele und Kunstwerke, so besonders? Für Gerhard Funk ist es die völlig neue Möglichkeit, Kunst zu machen. “Es ist für mich faszinierend, sich Konzepte zu überlegen, wie man nur durch Bewegung des menschlichen Körpers im Raum Dinge steuern kann. Das ist ein ganz besonderes Interface, das man hier zur Verfügung hat und sich wesentlich von einem Touch- oder Maus-Interface unterscheidet. Für mich ist vor allem der Aspekt des Zusammenarbeitens und Kooperierens ein großer Anreiz, wenn ich Arbeiten für den Deep Space 8K programmiere.”

Gerhard Funk, geboren 1958, studierte Mathematik und Kunstpädagogik in Linz und promovierte in Theoretischer Computer Science am RISC Linz. 1993 wechselte er an die Kunstuniversität Linz, wo er das Lehrangebot für alle Studierenden der Universität im Bereich der digitalen Medien aufbaute. Seit 2004 ist er Professor am Institut für Medien und leitetet bis Oktober 2021 das von ihm konzipierte Bachelorstudium „Zeitbasierte und interaktive Medienkunst“. In den letzten Jahren entwickelte er für den Deep Space des AEC das Konzept der „Kooperativen Ästhetik“. Dabei können die Besucher*innen durch ihre Bewegungen und durch Kooperation ein gemeinsames ästhetisches Raumerlebnis schaffen.