Mensch-Maschine-Musik: Ein Klassiker der Zukunft?

Zukunftsweisender Auftakt zum Ingolstädter Wissenschaftskongress mit KI-Kompositionen des Ars Electronica Futurelab, aufgeführt mit dem Georgischen Kammerorchester.

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Die erste bayerische Universität, aus der die heutige Ludwigs-Maximilians-Universität München hervorgegangen ist, wurde vor 550 Jahren in Ingolstadt gegründet. Unter dem Motto „Künstliche Intelligenz – Innovationen für die Stadt von morgen“ fand von 30. Juni bis 1. Juli anlässlich dieses Jubiläums ein hochkarätiger Wissenschaftskongress statt. Zum Auftakt begeisterte das traditionsreiche Georgische Kammerorchester Ingolstadt am 29. Juni das staunende Publikum unter der Leitung von Timo Handschuh mit einem zukunftsweisenden musikalischen und technischen Konzept aus dem Ars Electronica Futurelab: Die dort aufgeführten Kompositionen wurden mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz komponiert und von den Musiker*innen des Kammerorchesters gemeinsam mit einem selbstspielenden Klavier und Live-Visuals von Cori O’lan aufgeführt.

Die Musik für die audiovisuelle Performance lieferte das KI-Kompositionssystem Ricercar, das von KI-Forscher und Künstler Ali Nikrang im Linzer Zukunftslabor entwickelt wurde. Sie sollte die Verbindung zwischen Kunst, Technologie und Wissenschaft und den Stand der Technik KI-komponierter Musik repräsentieren, um dem verwunderten Publikum das ungeheure kreative Potential dieser Zukunftstechnologie vor Augen zu führen. Begleitet von den lebendigen, organischen Formen der Live-Visualisierungen von Cori O’Lan präsentierte das Konzert auch den visuellen Ausdruck der KI-generierten Musik und die unterschiedlichen Ebenen, auf denen die Mensch-Maschine-Interaktion im Auftrag von Kunst und Kultur stattfinden kann.

Für ein selbstspielendes Klavier komponiert und wie von Geisterhand von einem Steinway Spirio Flügel gespielt, demonstrierte das erste Stück AI-Reflection #1 den aktuellen Stand der Technologie, – in Form einer direkten Wiedergabe des musikalischen Outputs der KI ohne menschliche Begleitung. In einer gemeinsamen Performance, zusammen mit drei menschlichen Musikern aus dem Georgischen Kammerorchester und dem selbstspielenden Klavier, zeigte AI-Reflection #2 danach eine weitere Qualität dieser kreativen Kollaboration: Musik, die im harmonischen Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine entsteht. Das dritte Stück AI-Reflection #3 schließlich stellte eine gemeinsame Aufführung des Orchesters und des selbstspielenden Klaviers dar, wobei die Komposition der KI, wie beim zweiten Stück, von Menschenhand für diese Instrumentierung arrangiert wurde. Als Vorlage diente der künstlichen Intelligenz ein musikalisches Thema eines der ersten Schüler der Universität: Petrus Tritonius (1465-1525) war Schulmann, Humanist und Musiker mit einem breiten Spektrum an Interessen. In Ingolstadt studierte er bei Conrad Celtis, einem der berühmtesten Humanisten der damaligen Zeit.

Sowohl die KI-Kompositionen als auch die Aufführung des selbstspielenden Klaviers zeigten die sich zunehmend intensivierende Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen im Bereich der Musik. Die eindrucksvolle Performance ließ bereits erahnen, wieviel Zukunft für die Kreativität schon heute in der Anwendung von künstlich intelligenten Systemen steckt.

Erfahre hier mehr über Ali Nikrang und seinen Forschungschwerpunkt Creative Intelligence.