Meet me später

In einer Ära, in der das Konzept der Freundschaft möglicherweise neu interpretiert werden muss, erweckt das NEXTCOMIC Festival Beziehungen zu digitalem Leben.

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Ihre Affinität zu mobilen Endgeräten macht es ihr mühelos möglich, sich mit Menschen aller Kontinente zu vernetzen. Wie keine andere Generation vor ihr ist die „Gen Z“ mit den Möglichkeiten der Digitalisierung vertraut. Digital ist dabei nicht nur ein wichtiger Teil ihres Lebens; die Grenzen zwischen ihrer realen und virtuellen Umgebung verschmelzen im Alltag dieser jungen Generation. Auch ihre Treffunkte, ihr Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung verlagert sich zunehmend in eine maximal digitalisierte Realität. Stets darum bemüht, Beziehungen auch in sozialen Netzwerken zu generieren, ist es für sie fast notwendig geworden, das eigene Leben 24/7 online und möglichst perfekt zu präsentieren. Doch das alles setzt die junge Generation auch enorm unter Druck. Wie geht es ihr wirklich? Was bewegt sie und wie geht sie mit den gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Herausforderungen um? Aber vor allem: Was bedeutet Freundschaft in einem sich zunehmend digitalisierenden Alltag für sie?

In einer Ära, in der der Freundschaftsbegriff möglicherweise neu interpretiert werden muss, erwecken Schüler*innen der Meisterschule für Kommunikationsdesign Linz ihre Comics und Zeichnungen mit einer Augmented Reality App zum Leben. Ihre Arbeiten zum Thema „Meet me Meta“ werden von 17.3. bis 9.4. beim NEXTCOMIC Festival im Foyer des Ars Electronica Center ausgestellt. Sie widmen sich Geschichten über alte, neue und besondere Bündnisse; enge oder distanzierte, tiefe oder oberflächliche Beziehungen, die sich sowohl in der räumlichen Nähe als auch über weite Distanzen manifestieren. Ihren Wandel zwischen den Welten drückt die Gen Z dabei nicht nur mit ihrem flexiblen Einsatz von Sprache aus, sondern auch mit einer enormen Routine im Wechsel zwischen ihrer virtuellen und realen Umgebung. Mit ihrem Codewort „meet me später“ deutet sie selbst eine Verschiebung ihrer Beziehungen entlang der Zeitachse an. Doch was alles bedeuten die Umstände, unter denen Digital Natives aufgewachsen sind? Für ihre Sprache und ihre Beziehungen? Für ihre Kommunikationsdesigns, – und vor allem für „Meet me Meta“?

Strömung – Anja Diepold

Das Leben birgt Herausforderungen, die sich im Alltag oft unbewältigbar anfühlen. Freundschaft ist ein Anker, der in turbulenten Zeiten Halt geben kann – ob im echten Leben oder im Metaversum. Digital Natives können die Verbindung und die damit einhergehenden Konflikte zwischen realen und digitalen Beziehungen am ehesten nachempfinden. In ihren Comics greifen die Schüler*innen nicht nur die offensichtliche Ebene auf, wie die zwischen Realität und Fiktion. Sie versuchen, auch die zwischenmenschliche, emotionale Ebene des Internet und des Metaverse zu thematisieren. Ihre Arbeiten zeigen den Spagat zwischen nonverbalen und realen Beziehungen, den die „Gen Z“ seit ihrem ersten Kontakt mit dem Internet bewältigt. Der digitale Raum ist für sie mehr als nur eine Plattform. Er ist ein Zuhause, eine Möglichkeit, Kontakte zu wahren, die im Alltag des Älterwerdens verloren gehen würden.

„Wir sind nicht nur mit dem Internet großgeworden, sondern das Internet auch mit uns. Die Fiktion früherer Generationen ist für die „Gen Z“ Realität geworden. Unsere Generation musste sich die Agilität des World Wide Web nicht erst antrainieren. Wir Jungen sind die Entdecker des Internets. Die, die es formen und verändern.“

Anja Diepold, Schülerin – Meisterschule Kommunikationsdesign Linz

Utopie und Dystopie – Armin Reindl

Utopie und Dystopie beschäftigt sich mit der unangenehmen Wahrheit, die hinter dem Einsatz digitaler Medien der jungen Generationen liegt, sowie mit der Frage, ob das Metaverse für die Menschheit ein echter Schritt nach vorne ist. Dient es nicht vielmehr als gefährliche Ablenkung von der drohenden Klimakrise und der zunehmenden Macht großer Konzerne? Mehr und mehr Menschen lassen ihre gesamten Existenzen durch das Internet steuern, während die Realität vernachlässigt wird. Das virtuelle Leben gewinnt mit jeder Generation an Bedeutung. Ist das Metaverse also ein utopischer Ort, oder einfach nur ein Werkzeug, mit dem man von unserer sterbenden Erde ablenken will, um Profite zu maximieren?

„Das Internet ist ständig im Wandel. Anders als in der analogen Welt ist dort die Zeitspanne zwischen den „Generationen“ gering, doch jede hat andere Prioritäten und Werte: Das Mindset von Babyboomers, Millennials und Digital Natives, das der Generationen Myspace, Facebook und TikTok stehen in starkem Kontrast zueinander.“

Armin Reindl, Schüler – Meisterschule Kommunikationsdesign Linz

Strobokopf – Elena-Mirja Jäger

In ihrer Klasse hat sie beobachtet, dass viele ihrer Mitschüler*innen dem Metaverse eher kritisch gegenüberstehen: Einige der Comics thematisieren die fehlende Transparenz, die Gefahr sich in sozialen Medien zu verlieren und an Menschen zu geraten, die betrügen oder sich hinter einer Fassade verbergen. Es soll sogar vorgekommen sein, dass die Lehrkräfte dazu ermutigen mussten, das Thema auch etwas positiver zu sehen. Letztendlich sind die Arbeiten sehr unterschiedlich ausgefallen und behandeln das Thema Freundschaft eher auf einer Meta-Ebene, die nicht mehr zwangsläufig einen Bezug zum Metaverse hat. Das hat Elena-Mirja Jäger gezeigt, dass ihre Generation neue Medien zwar tagtäglich nutzt und teilweise auch abhängig davon ist, aber auch die Gefahren erkannt hat, die diese Art der Vernetzung mit sich bringt.

„Genau in jenem Moment unseres Lebens, in dem wir eigentlich tagtäglich mit unseren Freund*innen zusammen sein wollten, mussten wir fast ein ganzes Jahr lang auf persönliche Kontakte verzichten. Vielleicht ist uns auch durch diesen Entzug klar geworden, dass nichts auf der Welt analoge Freundschaften ersetzen kann.“

Elena-Mirja Jäger, Schülerin – Meisterschule Kommunikationsdesign Linz

Ihr habt auch wieder einmal Lust auf echtes Leben, erstaunliche Menschen und vielleicht sogar darauf, die eine oder andere neue Freundschaft zu schließen? Dann besucht von 17.3. – 9.4. die NEXTCOMIC Ausstellung im Foyer des Ars Electronica Center, der Eintritt ist frei! Und übrigens: Am MO 20.3. um 18:00 werden die Projekte der Schüler*innen im Deep Space 8K präsentiert. – Meet you später!