„Ich liebe es, wenn mich eine Idee überrascht“

Rikke Frisk, Jury-Mitglied der Kategorie “[the next idea] voestalpine Art and Technology Grant” des Prix Ars Electronica 2015, erzählt, wie sie sich inspirieren lässt und warum das Reisen bei der Suche nach Lösungen so wichtig ist.

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Foto: Florian Voggeneder

Wenn Mitte April die Jurymitglieder des Prix Ars Electronica 2015 nach Linz kommen, um die GewinnerInnen der Goldenen Nica zu wählen, ist auch die Dänin Rikke Frisk wieder mit dabei. Sie wird gemeinsam mit Yamina Aouina, Hort Hörtner, Michael Sterrer-Ebenführer und Kazuhiko Washio die nächste Idee der Kategorie “[the next idea] voestalpine Art and Technology Grant” nicht nur mit einem Preis auszeichnen – die Gewinnerin oder der Gewinner erhält auch ein Stipendium in der Höhe von 7.500 Euro und die Möglichkeit, mit Unterstützung des Ars Electronica Futurelab die Umsetzung der Idee voranzutreiben. Wie Rikke Frisk selbst auf gute Ideen kommt, wie sie sich inspirieren lässt und warum wir unsere eigenen vier Wände verlassen und mehr verreisen müssen, um gute Lösungen zu finden, darüber spricht sie im folgenden Interview.

Was sind Ihre persönlichen Zutaten für eine “next idea”?

Rikke Frisk: Ich liebe es, wenn mich eine Idee überrascht. Entweder wegen ihrer Originalität, genau die Fragen zu verdrehen, die wir uns immer stellen, oder wegen der Einfachheit, in der sie all diese Fragen auch beantwortet. Und natürlich suche ich nach Ideen, die tatsächlich etwas für jemanden verändern wollen.

Sie sind jetzt das zweite Mal Jurymitglied in der Kategorie “[the next idea] voestalpine Art and Technology Grant” – gab es im vergangenen Jahr irgendwelche Gemeinsamkeiten bei den Einreichungen?

Rikke Frisk: Die Bandbreite der Einreichungen war sehr groß. Aber ich erinnere mich an viele Werke, die sich ganz konkret mit der Kritik an der digitalen Kultur und ihren Einfluss auf unser Leben beschäftigten. Oft griffen sie soziale Fragen auf, die Bedrohung der Natur, und so weiter. Es wurden eher mehr herausfordernde Fragen formuliert als lösungsorientierte technische Innovationen skizziert. Ich bin schon sehr gespannt, worauf sich die Einreichungen in diesem Jahr fokussieren werden.

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Foto: Tom Mesic

Als Organisatorin von Musik- und Kunstfestivals in Skandinaven, wie lassen Sie sich inspirieren?

Rikke Frisk: Ich versuche die Dinge jedes Mal ein klein wenig anders zu machen. Ich versuche Ja zu sagen, wenn ich nach Sachen gefragt werde, die ich vorher noch nie gemacht habe. Vor allem werde ich von anderen inspiriert, beim Sprechen und Diskutieren mit den Menschen, mit denen ich arbeite und die ich treffe. Ich versuche mit vielen verschiedenen Menschen zu arbeiten, und lade auch Fachleute ein, daran teilzunehmen. Außerdem steuere ich selbst kleine Festivals in etwas abgelegenen Orten gerne an, wo Menschen gemeinsam mit den Einheimischen in der Region an lokalen Lösungen arbeiten. Wie zum Beispiel beim Træna Festival auf einer Insel, zwei Stunden von der Nordküste Norwegens entfernt. Oder beim G-festival am Strand eines 200-Seelen-Ortes auf den Färöer-Inseln.

Die Musik ist bei diesen Ausflügen meist Nebensache. Aber ich liebe es, herumzuspazieren und zu sehen, wie Alltagsprobleme gelöst werden oder wie ästhetische Entscheidungen getroffen werden.

“[the next idea] voestalpine Art and Technology Grant” sucht nach Lösungen oder Annäherungen an zentrale gesellschaftliche Fragestellungen, die sich die Welt heute stellt. Müssen wir mehr verreisen, um die echten Probleme zu erkennen?

Rikke Frisk: Hmmm, wenn man an unsere Abhängigkeit von Transportmitteln denkt, ist das auf jeden Fall ein Problem. Aber meist führt die physische Bewegung selbst zu neuen Gedanken – und ich bin mir sicher, dass man in einem von Informationen überlasteten Alltagsleben oft sehr nahe an die Themen und die betroffenen Menschen kommen muss, um etwas zu fühlen. Und vielleicht auch, um mögliche Lösungswege zu erkennen und selbst mögliche Handlungen zu setzen. Wenn man zuhause sitzt, Zeitung liest oder fernsieht, bleibt meist eine Art von Gleichgültigkeit zurück, die nur die Wahl lässt, entweder etwas Geld zu spenden oder mehr Bio-Lebensmittel einzukaufen. Also, ja, vielleicht müssen wir etwas mehr verreisen, um die echten Probleme zu erkennen, aber ich denke, wir müssen auch mehr verreisen, um Lösungen zu sehen.

rikkeRikke Frisk (1970) ist Gründerin und eine der Leiterinnen des Community-orientierten Unternehmens für Kulturplanung Indgreb in Kopenhagen. Indgreb ist spezialisiert auf teilnehmerzentrierte Veranstaltungen und initiierte unter anderem das internationale Festival für Innovation und Kunst Afsnit I. Rikke Frisk ist Mitbegründerin und mehrjährige Leiterin des führenden Festivals für elektronische Musik in Skandinavien Strøm und war danach Leiterin des Sekretariats der Kopenhagener Ausgabe der WOMEX (World Music Exhibition) – der weltgrößten Messe für Weltmusik mit angeschlossenem Festival. Durch ihr Hintergrundwissen in Architektur und Kommunikation ist sie eine erfahrene und kreative Impulsgeberin mit hoher Beziehungskompetenz, die sie einsetzt, um die Fähigkeiten und Ideen von Menschen zu entfalten.