Die Raumfahrt und ich: International Space Camp 2018

Jedes Jahr laden die NASA und das US Space & Rocket Center in Huntsville, Alabama, zum International Space Camp. ESERO Austria ermöglichte es auch dieses Mal wieder einer Lehrkraft und zwei SchülerInnen, dabei zu sein. Hier berichtet Lehrerin Julia Schleritzko von ihren Erfahrungen.

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Fortbildungen, Unterrichtsmaterialien und vor allem sehr viel Action: Das erwartet die teilnehmenden Lehrkräfte des jährlich stattfindenden International Space Camp. Dank ESERO Austria, FFG, BMVIT und BMBWF konnte dieses die Wiener Lehrerin Julia Schleritzko zum US Space & Rocket Center in Huntsville, Alabama, fahren und sich den Herausforderungen des Weltraums stellen. Wie es war? Das haben wir im Interview herausgefunden.

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Warum haben Sie sich für die Teilnahme am International Space Camp beworben?

Julia Schleritzko: Zunächst bin ich ein riesiger Fan von Star Trek! Außerdem übt für mich das Leben im All generell eine ungeheure Faszination aus. Nicht nur die Frage, ob es außer dem Leben auf der Erde noch andere Lebensformen in dieser unendlichen Weite gibt, sondern auch, wie der Mensch in dieser unwirtlichen Umgebung überleben beziehungsweise leben kann.

Um diese Begeisterung auch an meine Schüler und Schülerinnen weiterzugeben, habe ich gemeinsam mit einem Physik-Kollegen an unserer Schule den Astronomieprojekttag ins Leben gerufen, an dem die Schüler und Schülerinnen der 8. Klassen gemeinsam mit einer dritten Klasse mit Hilfe von Workshops in Astronomie und Astrobiologie eingeführt werden. Dieser Tag hat mittlerweile Tradition an unserer Schule und die Schüler und Schülerinnen wollen ihn nicht missen.

Da ich gerne mein Fachwissen vertiefe, habe ich 2012 an der ESA Summer School for teachers in den Niederlanden teilgenommen und es war einfach großartig. Ich lernte viel Neues und Spannendes kennen, was ich mit meinen Schülern und Schülerinnen teilen konnte.

Dass die NASA beziehungsweise das U.S. Space and Rocket Center eine ähnliche Fortbildung anbietet, habe ich erst vor ein paar Jahren erfahren und mich letztes Jahr das erste Mal beworben. Meine Erwartungen waren, dass ich auch hier engagierte Kollegen und Kolleginnen aus aller Welt kennenlerne, und mit Ihnen meine Faszination für die unendlichen Weiten des Weltalls teilen kann, sowie neue Inspirationen für meinen Unterricht, insbesondere unseren Astronomieprojekttag finden kann.

Credit: Julia Schleritzko

Was nehmen Sie von der Woche in Huntsville mit nachhause? Was hat Sie am meisten beeindruckt, wo konnten Sie etwas dazulernen?

Julia Schleritzko: Am meisten beeindruckt hat mich die Organisation vor Ort. Insgesamt waren wir fast 90 Lehrer und Lehrerinnen und knapp 800 Schüler und Schülerinnen aus aller Welt auf dem Gelände des U.S. Space and Rocket Centers in Kleingruppen zu circa 15 Personen mit exakt abgestimmten Stundenplänen unterwegs. Es hat nie Staus oder Wartezeiten bei den einzelnen Übungen gegeben, auch nicht beim Essen in der Mensa. Das war wirklich unglaublich.

Von der Ausbildung her hat mich am meisten die Space Shuttle-Mission beeindruckt. Von der Gestaltung, über die Planung bis zur Umsetzung mit original nachgebauten Modulen. Dabei wurde die Gruppe aufgeteilt: Ein Teil übernahm die Mission Control, ein Teil übernahm die Tätigkeit als Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen und Techniker und Technikerinnen auf der ISS und ein Teil flog das Space Shuttle. Dann wurde eine mögliche Mission durchgespielt: Auf der ISS wurden Experimente durchgeführt, das Space Shuttle brachte Cargo und eine neue Crew zur ISS und die Mission Control überblickte das Ganze und gab die Befehle. Als Hilfestellung gab es für jeden ein eigenes Regieskript. Zunächst durften wir die Mission eine Stunde lang üben und mit den Aufgaben vertraut werden. Zu einem anderen Zeitpunkt wurde die Mission durchgeführt und natürlich passierten „Anomalien“. Das heißt, zum Beispiel fingen bei mir im Cockpit kurz vor dem Landeanflug sämtliche Lichter an zu blinken und Alarmsignale ertönten. Mit dem berühmten Satz „Housten, we have a problem“ informierte ich die Mission Control über das Problem und diese versuchte nun herauszufinden, was das Problem war, und sollte uns Anweisungen geben, es zu lösen, bevor wir abstürzen würden. Wir steigerten uns richtig in das Szenario hinein, und es war einfach unglaublich lustig und nervenaufreibend trotz der offenen Ladeluke, das Space Shuttle sicher zu landen.

Am meisten dazugelernt habe ich bei den einzelnen Workshops für uns Lehrer und Lehrerinnen. Die sind wirklich gut konzipiert und man kann sie fast eins zu eins in den Unterricht einbauen, sofern man sich mit den Themen beschäftigen möchte oder kann. Zum Beispiel sollten wir mit einfachsten Materialien einen Lander und einen Rover bauen. Im Rover sollte ein Ei verstaut sein, der Rover musste in den Lander passen. Der Lander wurde schließlich aus dem ersten Stock geworfen und anschließend musste der Rover über eine Rampe fahren. Ziel war es, dass das Ei heil blieb. Das Ei meiner Gruppe „verstarb“ leider. Weitere tolle Workshops waren das Bauen und Zünden einer Modellrakete, ein Solarsegel, das sich entfalten sollte, und ein Hitzeschutzschild.

Credit: Julia Schleritzko

Welche Programmpunkte machten Ihnen am meisten Spaß?

Julia Schleritzko: Am meisten Spaß machte natürlich die Space Shuttle Mission, aber auch das „Astronautentraining“: Wir durften uns zum Beispiel 45s lang im Multi-Axis-Chair drehen lassen, im Force Accelerator 3G erleben, im ⅓-Anti-Gravity-Chair über die „Mondoberfläche“ springen, einen „Hubschrauber-Crash“ erleben und mit dem Flying Fox im See landen.

Credit: Julia Schleritzko

Und konnten Sie in Huntsville Inspirationen und Anstöße sammeln, die Sie in Ihrer Unterrichtspraxis jetzt anwenden möchten, um SchülerInnen den Weltraum und die Naturwissenschaften noch näher zu bringen?

Julia Schleritzko: Auf alle Fälle. Ich werde sicher einige der praktischen Beispiele aus den Workshops nicht nur am Projekttag selbst, sondern auch im regulären Unterricht, wie zum Beispiel im Wahlpflichtfach Science oder in den Naturwissenschaftlichen Übungen einsetzen: Das Bauen eines Hitzeschildes, einer Taschenlampe, eines Landers und Rovers. Theoretisch werde ich die Informationen zum Leben auf der ISS und die Aussagen von Dottie Metcalf, der Astronautin der Space-Shuttle-Mission STS-131, in meinen Unterricht mit Sicherheit einbauen.

Julia Schleritzko unterrichtet am GRG II Zirkusgasse 48 im 2. Bezirk in Wien. Ihre regulären Fächer sind Chemie und Biologie und sie unterrichtet auch mit Begeisterung das Wahlpflichtfach Science für die Oberstufe, die Naturwissenschaftlichen Übungen für die ersten und zweiten Klassen, sowie die Chemieolympiade. Am meisten Spaß bereitet es ihr, wenn ihre SchülerInnen Freude an der Chemie und dem wissenschaftlichen Arbeiten entwickeln. Daher betreut sie auch gerne SchülerInnen beim Schreiben Ihrer VWA und gestaltet naturwissenschaftliche Projekttage. Ihre liebsten Projekte in der Schule sind nicht nur der Astronomieprojekttag, sondern auch die Science Show beim Schulfest, die sie gemeinsam mit einer Chemie-Kollegin leitet, und die Kriminacht, die sie gemeinsam mit einem Deutsch-Kollegen entwickelt. Privat liest sie ebenfalls sehr gerne Krimis und Thriller, ihr derzeitiger Lieblingsautor ist Marc Elsberg. Auch geht sie sehr gerne Klettern, sowohl am Seil, als auch am Klettersteig und ihre ganz große Leidenschaft gehört dem Tauchen. Dabei kann man immer neue „Welten“ entdecken. Fast wie bei einer Reise ins All. Julia Schleritzko und ihr Mann teilen sich ihre Wohnung mit zwei schwarzen Katzen, Tesla und Murphy, und einem Terrarium voll Stabheuschrecken, die alle Groot heißen.

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