Team EcoSat auf den Azoren: Europäischer CanSat Wettbewerb 2018

Mit ihrem selbstgebauten Minisatelliten konnte das Team EcoSat beim ersten österreichischen CanSat-Wettbewerb im April 2018 das Rennen um den besten „CanSat“ für sich entscheiden, im Sommer durften sie schließlich zum europaweiten Bewerb auf die Azoren fliegen. Was die Jungs und ihr Lehrer auf der Insel erlebten, erfahren Sie im Interview.

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Den besten Satelliten (Sat) in Getränkedosenformat (Can) zu bauen, das ist das Grundprinzip des international stattfindenden CanSat Wettbewerbs. Im April 2018 kam es dank ESERO Austria, dem Bildungsbüro der European Space Agency (ESA) am Ars Electronica Center, erstmals auch zum Wettbewerb in Österreich: Auf einem Flugfeld bei Schärding hob eine Rakete des TU Wien Space Teams die Satelliten der drei Schüler-Teams hoch in die Lüfte, bevor sie im Sinkflug ihre Primär- und Sekundärmissionen ausführten.

Das Team EcoSat, also Klemens Fischl, Maximilian Hierner, Florian Leonhartsberger, Alexander Fraisl und Tobias Strondl von der HTL Ybbs, ging als Gewinner hervor – und durfte deshalb im Sommer mit ihrem Minisatelliten beim europaweiten Wettbewerb auf den Azoren teilnehmen. Klemens Fischl und Stefan Zauner, begleitender Pädagoge an der HTL Ybbs, hab uns im Interview von ihren Eindrücken berichtet.

Credit: Team EcoSat

Klemens, was waren eure Erwartungen an den europäischen CanSat Wettbewerb?

Klemens Fischl: Wir sind mit sehr hohen Erwartungen zum europäischen CanSat Wettbewerb gereist. Einerseits erhofften wir uns, durch unsere harte Arbeit am CanSat einen der vorderen Plätze zu belegen, andererseits freuten wir uns auf eine Reise an einen Ort, den man so schnell nicht mehr besuchen wird.

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Wie sind die Tage auf den Azoren verlaufen, was habt ihr erlebt?

Klemens Fischl: Die Tage auf den Azoren vergingen wie im Flug. Nach der langen Anreise waren alle am ersten Tag sehr erschöpft und nach dem Abendessen und den letzten Vorbereitungen für den kommenden Tag gingen alle rasch ins Bett. Der zweite Tag war durchgeplant mit Drop Tests, Technischen Abnahmen und einer Startpräsentation. Dank unserer umfangreichen Vorbereitung in Österreich konnten wir uns den ganzen Tag über auf die Startpräsentation vorbereiten. Einen kurzen Schock erlitten wir während des Drop-Tests, als die Drohne mitsamt unserem Dummy und Fallschirm vom Wind außer Sichtweite getragen wurde. Zum Glück hatten wir einen Reserve-Fallschirm dabei. Am dritten Tag fand das Highlight des Events statt: Der Raketenstart. Unser CanSat wurde dabei auf circa 800 m befördert und ausgeworfen. Während des Falls erhielten wir durchgehend Daten. Durch den starken Wind wurde unser CanSat zwar um einige Meter verweht, dank unseres GPS Moduls konnte er aber rasch gefunden werden. Am vierten Tag fanden die Endpräsentation und die Preisverleihung statt. Dabei konnten wir einige sehr interessante Ideen anderer Teams kennenlernen. Leider gingen wir bei der Preisverleihung leer aus. Die Bewertung der Jury wurde leider nicht veröffentlicht und es gab sehr starke Konkurrenz durch die anderen Teams. An diesem Abend wurde im Hotel noch etwas Musik gespielt, alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernten sich näher kennen und hatten einen netten Abend. Die Reise wurde am fünften Tag mit einer Inselrundfahrt, einem Besuch bei den ESA Stationen auf den Azoren und dem Heimflug abgerundet.

Credit: Team EcoSat

Was habt ihr mit der Teilnahme am österreichischen und dann am europäischen Wettbewerb gelernt?

Klemens Fischl: Wir haben sehr viel von beiden Wettbewerben gelernt und mitgenommen und möchten uns auf diesem Weg nochmals für die Möglichkeit, diese Erfahrungen mitzunehmen, bedanken. Einerseits das Planen einer „Mission“, bei der von der Robustheit der Dose bis an die Übertragungsart der Daten an alles gedacht werden muss. Andererseits den Zusammenhalt im Team und das Reagieren auf auftretende Probleme. Ein anderer wichtiger Punkt, den wir mitnehmen, war das Treffen vieler verschiedener gleichaltriger Europäer und Europäerinnen, und somit die Unterschiede, aber auch die vielen Gemeinsamkeiten, die wir miteinander haben.

Credit: Team EcoSat

Herr Zauner, wie empfanden Sie als Begleitlehrer den österreichischen und dann europäischen Wettbewerb?

Stefan Zauner: Beide Bewerbe habe ich als gut vorbereitet erlebt. Das ESERO Team Österreich hatte gemeinsam mit dem Space Team der TU Wien viel Energie in den Vorbereitungsaufwand gesteckt, um einen sehr angenehmen und reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Es waren äußerst spannende Tage für uns in Linz und Schärding! Das Klima war produktiv, fördernd und fordernd. Wir wurden von verschiedenen Seiten gut unterstützt, um die Missionsziele der Schüler zu erreichen. Herzlichen Dank nochmals für die wirklich gut gelungene Durchführung des österreichischen Bewerbes!

Der CanSat Contest der ESA fand dieses Jahr auf den Azoren statt. Die Vorbereitungsarbeiten dafür waren durchaus intensiv. Nach einer langen Anreise auf vier Teilflugstrecken landeten wir auf der Insel Santa Maria. Wir wurden bereits am Flughafen herzlich in Empfang genommen und zum Hotel begleitet. Am nächsten Tag konnten die Schüler noch Abschlussarbeiten durchführen. Der Jury wurden der CanSat und ein Missionsüberblick präsentiert, weiters erfolgten an diesem Tag die technische Abnahme und verschiedene Drop-Tests.

Am darauffolgenden Tag waren nach einer Sicherheitsunterweisung die Raketenstarts geplant. Wegen stärkeren Windes war die Anspannung bei unserem Team sehr groß. Wir haben uns für den Einsatz des kleinstmöglichen Fallschirmes entschieden, um das Risiko eines zu weiten Abdriftens zu minimieren. Unmittelbar vor dem Countdown war die Spannung dann wirklich außerordentlich hoch. Der Raketenstart selbst hat gut funktioniert, allerdings ist die Trägerrakete rasch in einer tief hängenden Wolkenschicht aus unserem Sichtfeld verschwunden. Zu unserer großen Erleichterung erhielten die Schüler während des Steigflugs und während des Sinkflugs Messdaten vom CanSat in den Bodenstationen. Aufgrund der schlechten Sicht hat ihnen ein RSSI-Meter für die Führung einer Empfangsantenne geholfen. All die Unsicherheiten, der Druck, so lange an einem Projekt gearbeitet zu haben, die lange Reise und dann die kritischen Momente… und dann doch alles gut… das sorgte für ein unglaublich emotionales Auf und Ab. Wieder zurück im Zelt ging es an die Arbeit. Die Schüler werteten die Daten aus und bereiteten die Abschlusspräsentation vor, welche am nächsten Tag der Jury und dem Publikum vorgestellt wurde.

Am Abschlusstag durften wir den RAEGE VLBI Stützpunkt zur Erfassung geodynamischer Daten unter Einbindung eines Radioteleskopes und eines Gravimeters besuchen. Diesen Besuch empfand ich persönlich als sehr interessant. Weiters durften wir die ESA Tracking Station besichtigen. Hier sind bei früheren ESA Missionen von Raketenstarts vom Spaceport Kourou aus (Französisch Guyana) Telemetriedaten empfangen worden. Anschließend konnten wir mit einer Busrundfahrt die Insel Santa Maria genießen. Wir bedanken uns herzlich für die außergewöhnliche Möglichkeit der Teilnahme an dieser Reise!

Credit: Team EcoSat

Was ist Ihrer Meinung nach der Mehrwert für Schüler und Schülerinnen, am europäischen Wettbewerb teilzunehmen?

Stefan Zauner: Beim CanSat Contest der ESA wird es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, technische Projekte auf hohem Niveau umzusetzen. Hier spielen je nach Vorlieben unterschiedlichste Fachdisziplinen mit hinein. Aufgrund der Vielseitigkeit möglicher Missionen sind Entwicklungstätigkeiten in ganz verschiedene Richtungen denkbar.

Unser Schülerteam konnte Projektmanagement, Software- und Hardwareentwicklung, Naturwissenschaften und das Erstellen von Berichten in englischer Sprache anwenden. Weiters kamen erworbene Fähigkeiten in den Bereichen 3D-Design, Datenbanken, Webdesign, Präsentationstechnik und Öffentlichkeitsarbeit hinzu. All das hat aus meiner Sicht einerseits die Teamfähigkeit, aber auch die Selbstständigkeit der einzelnen Mitglieder gesteigert. Jedes Teammitglied hat hier wertvolle Arbeit geleistet, die in ein tolles Gesamtprojekt eingeflossen ist.

Der Mehrwert für mich ist also das Zusammenlaufen verschiedenster Disziplinen in einem spannenden Projekt. Ein weiterer möglicher Vorteil der zukünftigen Absolventen ist aus meiner Sicht auch die Erwähnung des CanSat Contests im Lebenslauf für spätere Bewerbungen.

Credit: Team EcoSat

Konnten auch Sie etwas dazulernen?

Stefan Zauner: Auch ich habe viel dazulernen können. Aufgrund der verschiedenen involvierten Fachbereiche war auch für mich viel Neues dabei, zum Beispiel bei der Hardware- und auch bei der Softwareentwicklung. Die wichtigste Lektion war die Sinnhaftigkeit der Implementierung von Redundanz, insbesondere bei der Datenübertragung und Speicherung. Weiters war ein möglichst kompakter und stabiler mechanischer Aufbau vom CanSat von Vorteil.

Ich möchte mich nochmals herzlich bei ESERO Österreich, beim Ars Eletronica Center, bei der FFG, bei dem TU Space Team, bei der Austrospace, sowie bei dem ENTA Team der Azoren und all den involvierten Personen der ESA für diese beiden außergewöhnlichen Events bedanken und für das Vertrauen, das in unsere Schüler gesteckt worden ist!

Sie wollen mehr über den CanSat Wettbewerb erfahren? Hier lesen Sie ein Interview mit ehemaligen Teilnehmern, hier sehen Sie einen Besuch beim Raketenbauteam des TU Wien Space Teams, im bilderreichen Feature gibt es Eindrücke und Impressionen vom österreichischen Wettbewerb 2018 und hier lesen Sie mehr über den Besuch der Teams bei RUAG Space AG.

Auch dieses Jahr findet wieder ein CanSat Wettbewerb in Österreich statt – Einreichungen sind noch bis 23. Novermber 2018 möglich. Alle Informationen erfahren Sie auf der Webseite von ESERO Austria.

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