Mehr Medienkunst für Leoben!

Von einer Bank, die plaudert, bis hin zum Gigapixelbild auf der Aussichtswarte Maßenburg: Die Ars Electronica Solutions konnte für die Kunsthalle Leoben mehrere Installationen umsetzen, die das Museum mit der Stadt verbinden. Wir haben im Interview mehr erfahren.

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Am Stadtkai von Leoben steht eine Bank wie keine andere – denn diese hier kann plaudern. Legt man einen der vielen Steine auf eine eingebaute Waage, beginnt die Bank, den Menschen Geschichten zu erzählen oder Lieder vorzusingen. Je nachdem, wie schwer der Stein ist, wird etwas anderes abgespielt; gemeinsam zeichnen die Hörproben Leobens Oral History ab.

Die Plauderbank, so ihr offizieller Name, ist nur eines der Projekte, die Ars Electronica Solutions für die Kunsthalle Leoben umsetzen konnte. Susanne Leitner-Böchzelt, Leiterin der Kunsthalle Leoben, und Ina Badics, Projektmanagerin bei Ars Electronica Solutions, erzählen im Interview mehr von den Installationen und der Zusammenarbeit.

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Wie kam es dazu, dass Ars Electronica Solutions mehrere Projekte für die Kunsthalle Leoben umsetzen konnte?

Susanne Leitner-Böchzelt: Wir hatten schon vor vier Jahren das erste Mal Kontakt, damals haben wir uns angesehen, was in Linz alles passiert. Einmal waren wir auch beim Ars Electronica Festival und waren beeindruckt davon, was in der ganzen Welt geschieht. Seitdem wollten wir unbedingt in diese Richtung gehen.

Die Kunsthalle Leoben wurde bereits 2004 eröffnet, wir waren also auf der Suche nach einer Aufwertung, wollten neue Attraktionen schaffen. Es war uns auch wichtig, damit ein bisschen in die Öffentlichkeit hinauszugehen. Uns ging es um eine Attraktivierung der Innenstadt. Wir haben uns also in einer kleineren Arbeitsgruppe zusammengesetzt und darüber nachgedacht, was uns gefallen würde. Dann kamen die Ideen der Ars Electronica Solutions, die wir jetzt im Rahmen eines Projektes umsetzen konnten.

Credit: Vanessa Graf

Welche Projekte sind das genau?

Ina Badics: Eines davon ist die sogenannte Plauderbank. Es ist eine Bank, die mitten im Zentrum von Leoben steht, am Stadtkai. Die Idee dahinter ist, dass auf der Bank Geschichten aus Leoben erzählt werden, aber auch alle die eigenen Geschichten aus Leoben erzählen können. Auf der Bank ist eine Waage, die die man Steine legen kann – je nachdem, welches Gewicht der Stein hat, wird eine andere Geschichte aus Leoben abgespielt. Darüber hinaus kann man in die Kunsthalle Leoben kommen und bei einer Aufnahmestation die eigene Story aufnehmen, die später auf der Plauderbank abgespielt werden kann. Eine weitere Installation ist der GeoPulse Raum. In diesem Raum kann man Leoben entdecken und erkunden. Man sieht Sehenswürdigkeiten, Kirchen, Wanderwege oder auch Rundwege in Leoben, digital. Schließlich gibt es noch das Gigapixel, wo man Leoben ganz hautnah erleben kann, indem man ganz nah auf jede Sehenswürdigkeit zoomt. Gewisse Sehenswürdigkeiten sind auch verortet, man kann draufklicken und sieht Details. Auch die Stories der Hörstation sind in diesem Raum abspielbar.

Credit: Vanessa Graf

Susanne Leitner-Böchzelt: Wesentlich war uns dabei immer die Verbindung von Außen und Innen und dass wir nicht nur die Vergangenheit darstellen, sondern auch die Gegenwart. Was die Plauderbank auch abdecken soll, ist, dass wir ein bisschen etwas von dieser Oral History miteinbinden. Wir haben im Vorfeld sehr viele Gespräche mit Menschen aus Leoben geführt und aufgezeichnet. Sie erzählen aus den letzten fünfzig oder sechzig Jahren, von denen es im Museum keine Objekte gibt, sondern nur Geschichten. Diese Geschichten gehen verloren, wenn man nicht jetzt mit den Leuten spricht. Es war uns wichtig, dass die Bevölkerung einerseits damit konfrontiert und andererseits vielleicht auch dazu animiert wird, etwas zu erzählen. Man kann auch alte Lieder, Bergmannslieder und unterschiedliche andere Dinge bei der Plauderbank hören.

Credit: Vanessa Graf

Wie schlagen die umgesetzten Projekte eine Brücke zwischen der Kunsthalle und der Stadt Leoben?

Ina Badics: Es wurden wie gesagt in Leoben nicht nur in der Kunsthalle Installationen umgesetzt, sondern es gibt auch Outdoorinstallationen, die auf die Kunsthalle Leoben aufmerksam machen! Die Plauderbank ist beispielweise durch ihre Lage mitten am Stadtkai ein zentraler Treffpunkt und Begegnungszone in Leoben geworden. BesucherInnen der Bank können einerseits den Leobner Geschichen lauschen, andererseits werden sie aber auch selbst eingeladen, in die Leobner Kunsthalle zu kommen und ihre eigene Geschichte bei der Aufnahmestation zu erzählen. Ist die Geschichte aufgenommen, wird sie auch bei der Plauderbank zu hören sein. Somit können alle ein Teil der Leobner Geschichte werden!

Und wie schafft man es, dass so technologisch hochentwickelte Projekte in einer kleinen Stadt in den Bergen nicht fremdartig wirken?

Ina Badics: Ein Ortsbezug ist dabei immer wichtig. Gerade die Plauderbank wurde speziell für eine Stadt wie Leoben entwickelt. Zauber dabei ist, die Technologie nicht in den Mittelpunkt zu rücken. Die Interaktion passiert haptisch mit Steinen. Legt man diese auf die Waage, werden Geschichten zu Leoben abgespielt. Welche Geschichte abgespielt wird, ist abhängig vom Gewicht des Steines!  Auch die sonstige äußerliche Gestalt der Bank erinnert durch Materialien wie Steine, Holz und Eisen an die Umgebung von Leoben.

Credit: Vanessa Graf

Gibt es bereits Reaktionen auf die Installationen?

Susanne Leitner-Böchzelt: Ja, es gibt positive Reaktionen! Was ich mir noch mehr wünsche, ist, dass die Leute aktiv werden. In der ersten Phase haben wir einfach versucht, gewisse Bereiche in der Stadt zu attraktivieren. Der Ort, an dem die Plauderbank steht, ist ja doch ein Platz, der nicht auf den ersten Blick ins Auge springt, wo sich die Leute aber trotzdem mit einem Eis hinsetzen oder vorbeigehen. Die Maßenburg, auf der der zweite Teil des Gigapixels ist, ist eine kleine Ausflugswarte. Damit wollen wir zeigen, was es rund um die Stadt zu entdecken gibt. Und der GeoPulse-Raum bringt etwas Gegenwärtiges in das Museum. Es animiert dazu, in der Stadt herumzugehen, auf eine moderne Weise. Es ist der erste Einstieg ins Museum und vielleicht sagen manche beim Ausgang dann noch: Na schau, das könnte ich mir ja noch anschauen.

Credit: Vanessa Graf

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen der Kunsthalle Leoben und Ars Electronica Solutions?

Susanne Leitner-Böchzelt: Es war sehr unkompliziert und nett, muss ich sagen. Wir waren von Anfang an immer relativ gut in Kontakt, ich hoffe, das bleibt auch so, gewisse Sachen ergeben sich wahrscheinlich erst. Ich denke, gewisse Sachen sind bei Ars Electronica Prototypen, aus dem Grund ist es für uns nicht immer einfach und für Ars Electronica wahrscheinlich auch nicht.

Warum passt eine so zukunftsorientierte Organisation wie Ars Electronica Solutions gut zur Kunsthalle Leoben?

Susanne Leitner-Böchzelt: Es war uns wichtig, wir haben das Museum 2004 eröffnet und ich glaube, man sieht ihm die Jahre trotzdem nicht an. Wir wollen für die Bevölkerung immer wieder Anreize schaffen, damit sie gerne ins Museum hinein gehen. Ob es Ausstellungen sind oder irgendwelche anderen Aktionen oder attraktive Dinge, das muss man einfach machen.

Die Installationen der Ars Electronica Solutions können in der Kunsthalle Leoben und an mehreren Orten in der Stadt Leoben besucht werden.

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