Live-OP am Herzen im Deep Space 8k

Mehr als 100 Besucherinnen und Besucher waren am 4. April im Deep Space des Ars Electronica Center mit dabei und konnten eine Herz-OP im Kepler Universitätsklinikum live mitverfolgen.

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Dass der Deep Space ein toller Ort ist, um außergewöhnliche Bildwelten zu erleben, ist bekannt. Dass diese Bilder stets kommentiert und erklärt werden von ExpertInnen, die sie geschaffen haben, die mittendrin waren und sind, die sich auskennen, ebenfalls.

„Cinematic Rendering“ ist ein Paradebeispiel dafür. Das von Siemens Healthcare entwickelte Verfahren eröffnet fotorealistische Einblicke in den menschlichen Körper, die sensationell sind. Die eigens für den Deep Space entwickelte 3D-Version, sorgt selbst bei MedizinerInnen für leuchtende Augen und offene Münder. Werden diese Bilder dann noch von einem international renommierten Experten wie Prof. Prim. Dr. Franz Fellner erklärt und präsentiert, wandelt sich der Deep Space zum Anatomiesaal der Zukunft.


Credit: Robert Bauernhansl

Doch es geht noch besser. Mit einer Live-Verbindung in den Operationssaal am Kepler Universitätsklinikum, wo Univ.-Prof. Dr. Andreas F. Zierer, Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie eine Herz-OP durchführt und dabei Fragen des interessierten Publikums beantwortet.

Donnerstag, 4. April 18 Uhr, im Deep Space:

Prof. Prim. Dr. Franz Fellner begrüßt mehr als 100 interessierte Laien und Studierende und erläutert anhand der Bilder von „Cinematic Rendering“ das, was gleich kommen wird. Er erzählt davon, dass in der Herzscheidewand eines Patienten ein etwa zwei Zentimenter großes Loch klafft, durch das Blut von einer Herzkammer in die andere strömen kann. Die Folgen: Atemnot und verringerte Belastbarkeit. Unvermeidlich deshalb: ein medizinischer Eingriff. Operiert wird endoskopisch, das heißt minimalinvasiv. Ein einziger, drei Zentimeter langer Schnitt reicht aus. Das Herz des Patienten steht währenddessen still. Möglich ist das durch eine Herz-Lungen-Maschine, die Blut des Patienten abpumpt, extern mit Sauerstoff anreichert und dann wieder rückführt.


Credit: Martin Hieslmair

18:15 Uhr, im Operationssaal am Kepler Universitätsklinikum:

Bei der ersten Live-Schaltung ins Ars Electronica Center ist der Patient bereits an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, das EKG zeigt eine Nulllinie. Univ.-Prof. Dr. Andreas F. Zierer stellt zunächst das Team und die Ausstattung des Hybrid-Operationssaals vor, dann erläutert der die bereits erfolgten Schritte. Er führt eine kleine Kamera ins Herz des Patienten ein, das Publikum im Deep Space sieht jetzt das Loch, das in den nächsten Minuten geschlossen werden wird.


Credit: Robert Bauernhansl

18:25 Uhr, zurück im Deep Space:

Detailliert, in 2D und in 3D, erläutert Prof. Prim. Dr. Franz Fellner Anatomie und Funktionen des Herzens und seine Abläufe. Durch die visuelle Anschaulichkeit des Cinematic Rendering können Formen und Funktionen des Körperinneren von allen Seiten betrachtet und herangezoomt werden.

18:45 Uhr, OP im Kepler Universitätsklinikum:

Jetzt gilt es. Wir begeben uns mitten ins Herz des Patienten. Dort ist zwischenzeitlich ein Perikardpatch vorbereitet – quasi ein Flicken, der über das Loch genäht wird und es schließt. Während Univ.-Prof. Dr. Andreas F. Zierer das Loch vernäht, stellt das Publikum im Deep Space Fragen. Nach wenigen Minuten ist das Loch zu, die Operationsanordnung wird nach und nach zurückgefahren. Die Herz-Lungen-Maschine übergibt die Arbeit wieder an den Menschen – nach der vorherigen Nulllinie am EKG ist nun, neben dem schlagenden Herzen als eindeutiges Indiz, ein lebhafter Ausschlag zu sehen.


Credit: Martin Hieslmair

Kurz nach 19 Uhr wird die Live-Schaltung in den Hybrid-OP des Kepler Universitätsklinikums beendet. Die Kombination aus Live-Übertragung und Cinematic Rendering hat faszinierende, Einblicke in die Arbeitsabläufe der Chirurgie geboten und lässt ein staunendes Publikum zurück.

Sprung in die Zukunft: Der Patient ist wohlauf und möchte sich die Operation an seinem eigenen Herzen bei der Wiederholung im Deep Space des Ars Electronica Centers unbedingt ansehen.


Credit: Martin Hieslmair