CyberArts 2020: Die aktuellen Trends der Medienkunst

Seit über drei Jahrzehnten zählt der Prix Ars Electronica weltweit zu den begehrtesten Auszeichnungen digitaler Medienkunst. Mit der CyberArts-Ausstellung widmet sich das OK als Teil der neu am 1. April gegründeten OÖ Landes-Kultur GmbH während des Ars Electronica Festival 2020 in Linz einmal mehr den preisgekrönten Arbeiten internationaler Künstler*innen. Wir zeigen euch, was es diesmal zu sehen gibt!

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Sie ist das Festival-Highlight der Linzer Innenstadt und verleiht dem Prix Ars Electronica – als Trendbarometer der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft – den unverzichtbaren Raum: die CyberArts-Ausstellung im OK im OÖ Kulturquartier in Linz, die von 9. bis 15. September 2020 zugänglich sein wird.

Natürlich ist die CyberArts des Ars Electronica Festival 2020 eine andere CyberArts, als wir sie kannten. Die Pandemie hat auch Spuren in der Medienkunst hinterlassen – so ist es heuer teilweise nicht möglich, Kunstwerke und ihre Künstler*innen aus weit entfernten Ländern nach Linz zu holen.

Genoveva Rückert, Kuratorin der Ausstellung: „Es ist jedoch sehr spannend zu sehen, wie Künstler*innen auf diese neue Situation reagieren – inhaltlich zumal der Lockdown mit der Einreichfirst zusammengefallen ist, aber auch organisatorisch. Sehr viele von ihnen antworteten nicht nur ziemlich schnell auf unsere Anfragen, sie geben mit ihrem Engagement vor allem ein eindeutiges Zeichen: Wir sind hier, wir möchten darüber sprechen. Es ist eine Krise, die uns direkt ins Herz trifft.“

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Vier Kategorien auf drei Stockwerken

Trotz erschwerter Rahmenbedingungen wird es eine CyberArts im OK im OÖ Kulturquartier geben, die sich den vier Kategorien des Prix Ars Electronica widmen wird: Digital Communities, Interactive Art +, Computer Animation und Visionary Pioneers of Media Art. Werfen wir doch gleich einen kurzen Blick auf die Kunstwerke der Ausstellung!

Digital Communities – das gemeinsame Miteinander

In Anspielung auf den Vergleich, so beweglich wie Wasser zu sein, um sich jederzeit jeder Situation anpassen zu können, unterstützten die Organisator*innen von „Be Water by Hong Kongers“ die Bemühungen der pro-demokratischen Proteste der in Hong Kong beheimateten Bürger*innen. Es ist das erste Mal, dass der Prix Ars Electronica eine anonyme Bürger*innenbewegung für ihren innovativen und kreativen digitalen Aktionismus mit einer Goldenen Nica in der Kategorie „Digital Communities“ auszeichnet. Die Demonstrant*innen nutzen digitale Medien, um sich zu organisieren, zu dokumentieren und sich der Überwachung Chinas zu entziehen, und setzen gleichzeitig auf die wichtige Rolle von Künstler*innen in ihrem Einsatz für eine offene Gesellschaft. In Linz richten die Hongkonger*innen dazu eine typische beengte und mit Inhalten gespickte Wohnung direkt in der CyberArts-Ausstellung ein. Aber auch die anderen Preisträger*innen dieser Kategorie, wie die „Algorithmic Justice League“ oder das „Habaq Movement“ werden hier vorgestellt.

Be Water by Hong Kongers / Dedicated to the Hong Kong protesters by Eric Siu & Joel Kwong, Credit: Collected online, Designed by Eric Siu

Interactive Art+ – Technologie und wir

Wer findet es nicht bequem, wenn ein digitaler Assistent wie Alexa nach einem kurzen Sprachbefehl das Licht im eigenen Schlafzimmer ausknipst? Aber was würde man dazu sagen, wenn sämtliche Geräte in dem überwachten Smart Home nicht von einem Computer, sondern von Menschen bedient werden? Mit „SOMEONE“ hinterfragt die Künstlerin Lauren Lee McCarthy einmal mehr die Rolle des Menschen im Zeitalter intelligenter Maschinen und schärft damit unser Bewusstsein im Umgang mit digitalen Kommunikationstechnologien, die wir meist unhinterfragt tagtäglich in unserem Alltag nutzen.

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Neben dieser Goldenen Nica werden noch einige weitere prämierte Arbeiten der Kategorie „Interactive Art +“ zu sehen sein. Mit seiner Performance „Google Maps Hacks“ zeigt Simon Weckert welchen Einfluss Navigationssysteme oder Apps auf unsere Wahrnehmung der Welt haben. In seinem kleinen Bollerwagen hat er 99 Smartphones durch die Stadt Berlin gezogen und damit auf Google Maps einen erheblichen Stau ausgelöst.

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Die Filmkünstlerin Lynn Hershman Leeson ist als Special Featured Feminist Media Artist mit gleich zwei Arbeiten in der CyberArts vertreten: Für „Shadow Stalker“ bekam sie eine Auszeichnung beim Prix Ars Electronica. Das Projekt macht Methoden wie das Predictive Policing sichtbar, die zunehmend von staatlichen Justizbehören genutzt werden und damit zur einer rassistischen Profilerstellung führen. Gleich nebenan beschäftigt sich ihr Dokumentarfilm „! W.A.R. – ! Women Art Revolution“ mit Künstlerinnen, Kuratorinnen und Kritikerinnen, die die Kunstwelt seit den 1960er-Jahren verändert haben.

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Selbst auszuprobieren ist „Algorithmic Perfumery“ von Frederik Duerinck, eine interaktive Installation, die nach der Beantwortung von Fragen durch die Besucher*innen individuelle Duftkombinationen kreiert.

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Nach Linz kommt auch „Appropriate Response“ von Mario Klingemann, eine mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Anzeigetafel, wie wir sie von Flughäfen und Bahnhöfen vergangener Zeiten kennen, und die für alle Besucher*innen eine andere, einzigartige Lebensweisheiten, gestützt auf GPT-2 von OpenAI, parat hält.

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Computer Animation – Bewegtbilder, die uns Augen öffnen

In ihrer emotional eindringlichen, traumähnlichen und bildlich eindrucksvollen Reise widmet sich Miwa Matreyek der durch uns Menschen verursachten Klimakatastrophe. „Infinitely Yours“ ist eine Kombination aus Live-Performance, Skulptur und Animation, eine bewegende visuelle Expedition, bei der uns die Künstlerin an die Hand nimmt und uns als Schattenfigur an die vielen Schandflecken der Zerstörung unseres Blauen Planeten führt. Für die Art und Weise, wie sie uns den komplexen Schaden, den die Menschheit bisher der Welt zugefügt hat, vor Augen führt, hat sie die Goldene Nica des Prix Ars Electronica 2020 in der Kategorie „Computer Animation“ erhalten.

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„Infinitely Yours“ wird in der CyberArts-Ausstellung ebenso zu sehen sein wie „Underground Circuit“ von Yuge Zhou, eine visuelle und im wahrsten Sinne des Wortes „vielseitige“ Reise in die New Yorker U-Bahn, und „The Sky is on Fire“ von Emmanuel van der Auwera, eine Installation, die uns die Zerbrechlichkeit der analogen Welt vor Augen führt. Max Hattler zeigt bei „Serial Parallels“ wiederum ein schwindelerregendes Porträt der städtischen Umgebung Hongkongs.

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VALIE EXPORT – Visionary Pioneer of Feminist Media Art

Die in Linz geborene Medienkünstlerin VALIE EXPORT zählt zu den wichtigsten und erfolgreichsten internationalen Pionierinnen einer feministischen Medienkunst und wird 2020 nicht nur mit einer Goldenen Nica und einer Präsentation in der CyberArts geehrt. Im „FC – Francisco Carolinum“, dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst der neuen Landes-Kultur GmbH unter der Direktion von Alfred Weidinger, findet zeitgleich die Sonderausstellung „VALIE EXPORT. COLLECTION CARE“ statt. Und das Filmfestival CROSSING EUROPE zeigt ein „VALIE EXPORT Tribute“, das während des Ars Electronic Festivals im Moviemento-Kino im OÖ Kulturquartier zu sehen ist. Eine gute Gelegenheit für alle, die schon mal in Linz sind und sich dem künstlerischen Schaffen der Medienkünstlerin auseinandersetzen möchten.

VALIE EXPORT. Credit: Herta Hurnaus

Animationen und Prix-Foren, vor Ort und im Web

Wer die besten 15 Computeranimationen des heurigen Jahres sehen will, dem ist der Besuch des „Electronic Theatre“ sehr zu empfehlen. Die Animationen werden im KUNSTKINO am Dach des OK im OÖ Kulturquartier gezeigt, von 9. bis 15. September 2020, von 20:30 bis 23:00 bei Schönwetter. Eine Auswahl davon wird während des Festivals im Deep Space 8K des Ars Electronica Center gezeigt. Und für alle, die heuer nicht nach Linz reisen: Es wird am Samstag, 12. September 2020, ab 20:30 CEST einen einmaligen Livestream dieses „Electronic Theatre“ auf ars.electronica.art/keplersgardens geben.

„Da das länderübergreifende Reisen in Zeiten der Pandemie nicht möglich ist und das internationale Publikum nicht nach Linz reisen kann, wird das Ars Electronica Festival 2020 heuer den Fokus besonders stark auf Online-Content legen“, so Emiko Ogawa, Organisatorin des Prix Ars Electronica. „Wir werden traditionelle Formate wie das Prix-Forum, bei der die Preisträger*innen persönlich zu Wort kommen, diesmal ins Netz verlagern und die Diskussionen als Livestreams auf ars.electronica.art/keplersgardens anbieten. Dabei blicken wir auf jede einzelne Kategorie und unterhalten uns darüber, welche Gedanken sich die Künstler*innen über ihre Projekte gemacht haben, wie ihnen die Realisierung gelungen ist und welche Trends sie in ihrem Genre erkennen.“

Auf ins Wolkenkuckucksheim, CyberArts-Besucher*innen!

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Zusätzlich zur CyberArts-Ausstellung haben die Besucher*innen die Möglichkeit, mit ihrem Ticket das „Wolkenkuckucksheim“ zu besuchen – die aktuelle Ausstellung am Dach, einem künstlerischen Sehnsuchtsort nach antikem Vorbild mitten in der Linzer Innenstadt, dem Ort des legendären Höhenrausch.