Ars Electronica Gardens: NORDAMERIKA

Viele Gärten, die beim Ars Electronica Festival 2020 als Guckloch in den Rest der Welt dabei sind, wurden am Blog bereits vorgestellt. Nun machen wir einen Sprung über den Atlantik und präsentieren Institutionen, Projekte, Künstler*innen und Visionen aus dem Norden Amerikas – genauer gesagt aus Kanada, den USA und Mexiko

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Montreal

Phi ist eine multidisziplinäre Kunst- und Kulturorganisation in Montreal, die sich der Kunst in all ihren Formen verschrieben hat und an der Schnittstelle von Kunst, Film, Musik, Design und Technologie beheimatet ist. Im PHI GARDEN können Besucher*innen virtuell durch die aktuelle Ausstellung „Emergence & Convergence“ schlendern, die unsere Menschlichkeit in Beziehung zu unserem Planeten und allen Lebewesen untersucht. In der Ausstellung thematisieren kanadische und internationale Künstler*innen unsere Wahrnehmung der Welt und wie sich Enge auf unser kollektives Bewusstsein auswirkt. „Emergence & Convergence“ schlägt komplexe Erkundungen einer Zukunft vor, in der die Verschmelzung von Natur und Technologie zu einer neuen Ökologie werden könnte.
Neben der Ausstellung werden Interviews gezeigt, die Einblicke in den kreativen Prozess und die Visionen dahinter offenlegen. In einer Diskussion mit den Künstler*innen kann mehr über das kuratorische Konzept der Ausstellung in Erfahrung gebracht werden.

Cambridge

Der Cambridge Garden der Tangible Media Group / MIT Media Lab widmet sich am Beispiel legendärer Medienkunstwerke und brandaktueller Forschungsprojekte dem Spannungsverhältnis von Präsenz und Absenz als grundlegende Zustände des Seins. Der Garten stellt die neuesten Forschungsergebnisse zu einer „Tangible Telepresence“ vor, genau wie dynamische Computermaterialien, die als „Radikale Atome“ völlig neue Formen der Mensch-Material-Interaktion eröffnen könnten. Sie erleben hier „Beyond Being There“ von Jim Hollan aus dem Jahr 1997, „inTouch“ von TMG von 1998 oder „Mirror Fugue“ von Xiao Xiao aus 2013.
Mit „Space has arrived“ der Initiative zur Weltraumforschung sind wir mittendrin in der Entwicklung von Weltraumtechnologie – von astrobakteriellen Wearables über frei zugängliche und gemeinsam nutzbare Kubuskonstellationen bis hin zu Musikinstrumenten für unsere Weltraumreisen und schwimmenden Weltraumhabitate. In Workshops wird der Frage nachgegangen, ob die – weltliche – Gesellschaft etwas aus dem Umgang von Astronaut*innen mit der Extremsituation im All lernen kann, wie eine neue Reise auf den Mond vonstatten gehen wird und wie die Menschen für die Zukunft lernen können. Die digitale Ausstellung „Sojourner“ zeigt die spannendsten Vorschläge von Künstler*innen zur Gestaltung eines spannenden ISS-Starts.

Garden Cambridge: Mirror Fugue,Xiao Xiao, Hiroshi Ishii, Tangible Media Group, MIT Media Lab

Chicago

1969 fand an der School of the Art Institute Chicago (SAIC) ein Kurs an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie statt – und genau dieser war ausschlaggebend für die Gründung der Abteilung für Kunst- und Technikstudien. Seit seiner Gründung hat das Programm kontinuierlich Pionierarbeit beim Einsatz neuer Technologien in der zeitgenössischen Kunst geleistet, neue Modelle der künstlerischen Praxis entwickelt und diese Modelle in den Lehrplan einer der einflussreichsten Kunst- und Designschulen der Welt integriert.
Im Rahmen des Ars Electronica Garden Chicago ist [Dis]position zu sehen, ein virtueller Ausstellungsraum, der digitale und physische Kunstwerke und Umgebungen verschmilzt. Die Kunstwerke in der Ausstellung versinnbildlichen die Dringlichkeit, unsere kollektive Realität neu zu denken. Die Vorsilbe „dis-“ macht die Kunstwerke der Ausstellung zu einer umkehrenden Kraft und findet sich in allen Teilen wieder: [Dis]possess, [Dis]location, [Dis]place, [Dis]connect, [Dis]content, [Dis]orient

Berkeley

Das Center for New Music and Audio Technologies (CNMAT) widmet sich dem kreativen Einsatz von Klang und verbindet den Konzertsaal mit dem Labor, indem es an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Musik forscht und schraubt. Die im Ars Electronica Garden Berkeley präsentierten Projekte drehen sich um maschinelles Hören, die Umsetzbarkeit von Musik in Daten und komponierbare Algorithmen.
ALICE, ALICES UNCHAINED und THE FLOWER MATRIX ist ein langfristiges Gemeinschaftsprojekt der Medienkünstlerin Claudia Hart und des Komponisten Edmund Campion. Sie arbeiten seit 2013 an ALICES, einer Reihe von Arbeiten inspiriert von Alice im Wunderland. Dieser Film dokumentiert die Geschichte des laufenden Projekts mit Ausschnitten aus einigen der Werke sowie Interviews mit den Künstler*innen und Mitarbeiter*innen.

Silicon Valley

Das Silicon Valley als IT- und Hightech-Mekka wirkt allzu oft wie eine sich geschlossene Gesellschaft. Mit einem neuen Format – The Grid: Exposure – soll interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit geboren werden, die festgefahrenes und isoliertes Denken überwindet. Das neue jährliche Festivalformat ist eine Art + Tech Expo in San Francisco, die das enorme kreative Potenzial des Silicon Valley zeigt, indem sie die globale Gemeinschaft mit ihren Ideen konfrontiert. Hinterfragt wird etwa die Grenze, die Künstler*innen von Maschinen trennt, kann doch durch jüngste Fortschritte Kunst vollständig von Algorithmen geschaffen und ausgeführt werden. Aber ist die Maschine damit Künstler? Nur die Eröffnungsfrage in einem Reigen spannender Ereignisse.
The Grid ist zudem ein wichtiger Garden für das diesjährige AIxMusic-Festival, das 2019 zum ersten Mal stattfand und in der großartigen Kulisse des Stifts St. Florian ein voller Erfolg wurde. In diesem Jahr konzentriert sich das AIxMusic-Festival auf einen tiefen Einblick in die neuesten Forschungsergebnisse und künstlerischen Praktiken, die in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz entwickelt wurden.
Bei der Opening Ceremony sind nach den Keynotes von Gerfried Stocker und Robert Viola Performances von Edmund Campion, Andrew Blanton und Laetitia Sonami zu sehen sowie eine Panel Discussion zum Thema „Die Zähmung der Technologie“. Darüber hinaus gibt es auch einen Hackathon, eine Diskussionsrunde zu Differenzen und Überschneidung zwischen Künstler*in und Maschine sowie eine zu KI und Literatur.

Garden Silicon Valley: THE GRID, Foto: Dockyard

Los Angeles

In Los Angeles besuchen wir die berühmte UCLA. Das hier situierte ArtSci Center lädt in einen Garten für Kunst, Technologie und Gesellschaft, der sich Netzwerk-Ökologien verschreibt. „Telluric Vibrations“ präsentiert eine Ausstellung, Workshops und ein Symposium in einem Botanischen Garten und natürlich im virtuellen Raum. Von diesem Ort aus sollen neue und ungewöhnliche Wege beschritten werden – wie eine Pflanze sowohl nach oben in die Atmosphäre wächst als auch nach unten Wurzeln schlägt, gilt es Knotenpunkte für Interaktionen zu schaffen, die die Kluft zwischen Arten, Technologien und Kulturen überbrücken.

Long Beach

„Returning the Gaze“ von Behnaz Farahi ist eine interactive 3D-Online-Ausstellung, die sich mit dem Blick und der Maskerade als Strategie beschäftigt. Dies geschieht entweder durch Exponate, die den Blick und die Stimmen marginalisierter Gruppen illustrieren, oder durch Projekte, die untersuchen, wie Masken Identitäten verbergen oder offenbaren können. Die Idee besteht darin, Kunst und Technologie in Kombination mit kritischem Denken zu nutzen, um eine starke politische Botschaft zu vermitteln.
So ist etwa die neueste Ausstellung „Can the Subaltern Speak?“ von historischen Masken inspiriert, die Frauen im Südiran tragen. Sie wurden während der portugiesischen Kolonialherrschaft kreiert, um die Trägerin vor den Blicken der Sklavenherren zu schützen, die auf der Suche nach hübschen Frauen waren.

Garden Long Beach: Returning the Gaze, Behnaz Farahi

Tequila

Tech-ila ARTesano Coolture ist eine Zusammenarbeit verschiedener Institutionen unter der Leitung von MAD MACHINA, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Einblicke in die Region Tequila zu gewähren und diese unter Wahrung ihrer Identität und im Sinne der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Vom 9. bis 13. September wird die Region zu einem Zentrum der Forschung, des Wissens, der Biodiversität und der Hacks werden. Ziel dieser Aktivitäten ist es, trotz der physischen Distanz nach Lösungen für die gegenwärtige Realität zu suchen, einander mit Widerstandsfähigkeit zu begegnen, Gedanken für den Aufbau der Identitäten durch Vielfalt, ein besseres Verständnis für die Produkte des Landes und eine nachhaltige Wirtschaft zu entwickeln.

 

Mehr zum Ars Electronica Festival könnt ihr auf dieser Website nachlesen, außerdem haben wir unter dem Motto „Inside Festival“ jede Woche spannende, neue Videobeiträge aus aller Welt für euch und auch auf unseren Social Media Kanälen geben wir laufend Ausblicke und Einblicke, was euch heuer erwarten wird.