Er lässt Mini-Roboter musizieren

Ein Interview mit dem diesjährigen EMAP Residency Artist: Moritz Simon Geist!

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Die European Media Artist Plattform (EMAP) vergibt jährlich Produktionsstipendien an herausragende europäische Medienkünstler*innen und unterstützt Forschung, Produktion, Präsentation und Vertrieb von Medienkunst in Europa und darüber hinaus. Die Plattform wurde 2017 gegründet und bietet Stipendien in 11 Mitgliedsinstitutionen an, darunter auch im Ars Electronica Center. Das EMAP-Programm ist die größte internationale Plattform für künstlerische Austausch- und Aufenthaltsprojekte für Medienkünstler*innen in Europa, ausgerichtet ist sie für die Jahre 2017 – 2021.

Ziel des Programms ist die Ermächtigung europäischer Künstler*innen, an Projekten mitzuwirken und so engere Verbindungen zwischen europäischen Medienorganisationen herzustellen. EMAP bietet Künstler*innen die Möglichkeit, ihre eigenen Projekte in einem neuen Kontext zu entwickeln und damit ihrer Gastorganisation etwas zurückzugeben.

Über Moritz Simon Geist

Für die diesjährige – und damit auch letzte – EMAP Residency im Rahmen der Ars Electronica wurde ein besonderer Künstler ausgewählt: Moritz Simon Geist. Was aber macht ihn so besonders? Er ist ein Performer, Musiker und Robotik-Ingenieur. Er lässt Mini-Roboter musizieren. Sein Wunsch ist es, die Zukunft der elektronischen Musik zu beeinflussen, und zwar mit Robotern! Wir haben mit ihm über seine Residency gesprochen, damit ihr euch einen Einblick in dieses Programm verschaffen könnt. Auch über sein EMAP Werk, welches schließlich am Ars Electronica Festival erstmals präsentiert wird, hat er uns Spannendes erzählt!

Was hat dich dazu gebracht, an der EMAP Residency teilzunehmen?

Moritz Simon Geist: Ich kannte einige Leute, die das schon gemacht hatten und hab das quasi über Freunde und Bekannte erfahren. Abgesehen davon kenn ich die Ars Electronica und Werkleitz, das andere Festival sowie zwei, drei andere Festival, und dann kam noch der Newsletter; also über Newsletter und Freunde. Es hat sehr gut reingepasst, weil ich ohnehin grad dieses Projekt angefing – „Vibrations“. Dafür suchte ich noch einen Aufhänger, um die Kompositionsarbeit umzusetzen. In diesem Rahmen konnte ich also die Komposition ausarbeiten und das in Zusammenarbeit mit Ars Electronica.

Du bist der letzte Residency Artist des Programms. Hattest die EMAP etwas besonderes für dich?

Moritz Simon Geist: Durch die Pandemie konnte ich nicht viel vor Ort sein und so lief Vieles über Zoom Calls. Das kann manchmal cool sein, in dem Fall war es aber nicht so cool. Ich hätte ehrlich gesagt gerne die zwei oder drei Wochen in Linz verbracht, um da zu arbeiten oder auch länger zu bleiben. Aber das ging nicht und jetzt ist die Residency Zeit fast abgelaufen. Insofern ist es natürlich nicht wie geplant abgelaufen und die Ars Electronica hat mich nach Möglichkeiten unterstüzt, aber halt im Rahmen der Möglichkeiten online und das war auf jeden Fall das Bestimmende der Residency.

Wann hat die Residency gestartet?

Moritz Simon Geist: Ich hatte das Glück, viel Kontakt mit Ali Nikrang zu haben, einem der Programmierer vom Ars Electronica Futurelab. Das fing Anfang des Jahres an, Jänner oder sogar schon Dezember, und seither hatten wir unzählige Gespräche und Diskussionen online. Er hat auch versucht, mir online ein paar Dinge zu zeigen, was sich mitunter schwierig gestaltete, aber er hat mir Computer-Algorithmen nähergebracht und wie ich sie nutzen kann. Das war ein fortwährender Austausch mit den Mitarbeiter*innen der Ars Electronica.

Erzähl uns ein wenig über deine Residency Kunstwerke.

Moritz Simon Geist: Die Installation nennt sich „Vibrations“ und ist ein Musik-Roboter oder ein Klang-Robotik-System, das Klänge aufgrund von Sinustönen erzeugt. Es sind 36 Klangstäbe, die im Raum hängen. Sie erzeugen Töne, weil sie von kleinen Mini-Robotern angeschlagen werden. Meine Idee war, einen kontemplativen, beruhigenden Klangraum zu schaffen, der auf Serial Music und Minimal Music aus der Klassik zurückgreift. Da gibt es zwei oder sogar drei Komponisten – Steve Reich, Harry Partch und Terry Riley -, die ich sehr schätze und die in den 60er, 70er und 80er Jahren klassische Musik experimenteller machten. Wir haben verschiedene Instrumente benutzt, unter anderem das Vibraphon, weswegen ich mich dazu entschieden habe, dieses Vibraphon auseinanderzunehmen und zu einer sehr futuristischen Klanginstallation zu machen. Durch die technischen Aspekte ist es ein sehr umfangreiches Projekt, weswegen ich es in verschiedene Teile aufgeteilt habe.

Bei der EMAP Residency geht es darum, dem Roboter, der in einem anderen Projektraum gebaut wurde, einen Algorithmus zur Seite zu stellen. Meine Arbeiten bestehen immer aus zwei Teilen. Zum einen dem Körper, also dem eigentlichen „Musik-Roboter“, der die Klänge spielt. Das ist das Haptische, Physische. Zum anderen ist da noch der Geist – also Körper und Geist. Es ist somit alles da, was es kontrolliert: die Komposition, ein Algorithmus oder ein Mensch, der das komponiert oder spielt. Die Idee ist die Gestaltung dieser Dualität aus einerseits den physischen Bewegungsmechanismen, andererseits einem KI Algorithmus, ein Kompositionsalgorithmus, der im Stile von Terry Riley und Steve Reich komponiert und dann zu untersuchen, ob das überhaupt möglich ist. Serial Music oder Minimal Music eignen sich gut dafür, weil sie wiederholende Patterns haben und viel Ambiente.

Gab es während der Arbeit irgendwelche Hindernisse oder Schwierigkeiten?

Moritz Simon Geist: Ja, ich habe gemerkt, dass die Arbeit mit KI-Algorithmen weitaus schwieriger ist als ich dachte. Besonders, wenn es darum geht, zu guten Ergebnissen zu kommen. Die geschaffenen Kompositionen die waren musikalisch einfach nicht schön genug. Ich hatte mir vorgestellt, dass das einfacher funktioniert. Das ist ein richtiger Brocken, die bisher existierenden Algorithmen so in eine Bahn zu lenken, dass sie „schöne“ Dinge produziert.

War das deine erste Erfahrung mit Künstlicher Intelligenz?

Moritz Simon Geist: Generative Kompositionen, die ein anderer Bereich sind, kannte ich, das sind aber teilweise ganz einfache Sachen. Das gibt’s auch schon seit den 50er oder 60er Jahren. Damals haben die Leute zum Beispiel gewürfelt, um Noten zu erzeugen. Aber mit den heutigen Algorithmen und gerade mit diesen auf GPT 3 basierenden Frameworks, die Ali Nikrang benutzt, da gibt man dem Algorithmus einen Anfangsteil und dann generiert er daraus weiter. Das kann dazu führen, dass es ein bisschen langweilig und unschön klingt. Man muss herumprobieren und sich die besten Sachen raussuchen, bevor man eine richtig schöne Komposition hat.

Hat dir das Programm was gebracht und würdest du es weiterempfehlen?

Moritz Simon Geist: Auf jeden Fall! Die Struktur, die dieses Residency Programm bietet, auch mit Werkleitz, da hab ich den ersten Prototypen vorgestellt, den ich innerhalb dieser Residency mitentworfen habe. Diese Struktur ist wirklich gut, um Arbeiten zu vollenden oder einfach weiterzuarbeiten. Auf der anderen Seite steht natürlich die Verbindung zu Spezialist*innen. In meinem Fall war es Ali Nikrang – und so einen Kontakt zu haben, das hat mir schon ziemlich viel geholfen.

 

 

Moritz Simon Geist ist Performer, Musikwissenschaftler und Robotik-Ingenieur. Er hat diesen Weg eingeschlagen, weil er die Zukunft der elektronischen Musik erfinden will – mit Robotern! Geists Projekte reichen von robotischen Musikperformances bis hin zu robotischen Klanginstallationen. Seine Arbeiten waren in den letzten Jahren auf zahlreichen europäischen Festivals und Ausstellungen zu sehen. Er hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.

 

 

This project is presented in the framework of EMAP/EMARE, which is co-funded by the Creative Europe Programme of the European Union.