Das war die erste ArtScience Residency ermöglicht durch die Art Collection Deutsche Telekom

KI, Vorurteile, (Ab)Hörinfrastrukturen und Kunst: Laura Welzenbach, Head of Ars Electronica Export, blickt auf das erste Jahr der ArtScience Residency zurück, die von der Art Collection Deutsche Telekom ermöglicht wurde.

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Das erste Jahr der ArtScience Residency, welche von der Art Collection Deutsche Telekom ermöglicht wurde, war ein voller Erfolg. Die Residency war Künstler*innen aus Südosteuropa gewidmet, die an der Schnittstelle von Kunst/Wissenschaft/Technologie arbeiten und sich für die sozialen Auswirkungen technologischer Entwicklungen interessieren. Ein Austausch mit Wissenschaftler*innen ermöglichte ein tiefes Eintauchen in relevante Fragen rund um die Schlüsselbegriffe der Ausschreibung wie digitale Demokratie, Transformation der Gesellschaft, künstlerische Intelligenz vs. künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Humanismus sowie soziale Verantwortung.

Mit der JKU, der Johannes Kepler Universität in Linz und insbesondere mit Martina Maras Robopsychology Lab wurde ein Wissenschaftspartner gefunden. Nach dem Open Call und einer umfassenden Diskussion unter den Jurymitgliedern wurde Kyriaki Goni als erste Künstlerin im Rahmen dieser Partnerschaft gefördert.

Der online Austausch zwischen der Künstlerin Kyriaki Goni und der Wissenschaftlerin Martina Mara begann im Februar und wurde von einer Forschungs- und Produktionsphase weitergeführt. In dieser Phase arbeitete Kyriaki an ihrem Werk, das unter dem Titel Not Allowed for Algorithmic Audience beim Ars Electronica Festival im September 2021 zum ersten Mal gezeigt wurde.

In der fiktiven Erzählung von Not Allowed for Algorithmic Audiences leiht sich ein IPA (Intelligent Personal Assistant) online ein Gesicht und erscheint auf den Bildschirmen seiner Nutzer*innen. Sie geben Einblicke darüber, wie und was sie hören und was sie mit diesen Informationen anfangen können. Die folgende Kurzdoku zeigt, welche Form das Kunstwerk angenommen hat:

Not Allowed for Algorithmic Audiences ist das erste Kunstwerk, das im Rahmen der ArtScience Residency entstanden ist. Wie kam es dazu? Zunächst haben wir uns gefreut, Martina Mara, Leiterin des Robopsychology Lab der JKU Johannes Kepler Universität, als wissenschaftliche Partnerin zu gewinnen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Psychologie bei menschenzentrierter Technologieentwicklung.

Mit Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience der Deutschen Telekom, Rainald Schumacher vom Office for Art, Kerstin Pell als ArtScience Special Projects Vertreterin der Johannes Kepler Universität Linz sowie den Ars Electronica’s very own Gerfried Stocker und Martin Honzik war die Jury komplett. Nach stundenlanger Diskussion über die mehr als 120 Einreichungen wurde mit der griechischen Künstlerin Kyriaki Goni die Siegerin gefunden.

“Wir freuen uns sehr, dass unsere dreijährige ArtScience Residency mit der griechischen Künstlerin Kyriaki Goni startet. Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft und konzentriert sich insbesondere auf die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine. Ich bin zuversichtlich, dass wir der Künstlerin in Kooperation mit der Ars Electronica und dem Linzer Institut für Technologie an der Johannes-Kepler-Universität neue Erfahrungen, Wissen und Inspiration für die fortführende Recherche an dem Thema bieten können.”

Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience, Deutsche Telekom

Im Februar trafen sich Martina und Kyriaki zum ersten Mal. Aufgrund von COVID-19 konnten die Mentoring-Sitzungen nur aus der Ferne stattfinden, aber das tat dem inspirierenden Austausch zwischen diesen beiden Denkerinnen keinen Abbruch. Hier erfahren Sie, warum Martina gerne mit Künstler*innen zusammenarbeitet.

Und…

Wir teilen diesen letzten Standpunkt mit voller Überzeugung und arbeiten mit viel Leidenschaft daran verschiedene Interessengruppen mit Künstler*innen in Kontakt zu bringen. Kenza Ait Si Abbou Lyadini, Mitarbeiterin der IT-Abteilung der Deutschen Telekom, traf Kyriaki zu einem privaten Online-Gespräch, bei dem wir die Gelegenheit hatten, „heimlich“ zuzuhören.

Kritische Fragen und durchdachte Antworten formten das Gespräch.

Kenza stimmt auch mit Martina überein, was die Bedeutung von Kunst und künstlerischer Arbeit für die Vermittlung komplexer Sachverhalte und die Schaffung von Erzählungen zum Verständnis betrifft. Das vollständige Interview mit Kyriaki, Martina und Kenza finden Sie auf unserer Website.

Inspiriert von diesem Austausch entwickelte Kyriaki die spekulative Figur eines Intelligent Home Assistent, welche ein menschenähnliches Avatar-Gesicht annehmen, um nicht nur gehört, sondern auch gesehen zu werden. Mit diesem virtuellen Körper beginnen sie in sieben Monologen über ihre Vorfahren, ihre Anatomie, ihre Peripherie, ihre Stimme und ihre „listening infrastructures“ sowie darüber zu sprechen, wie man eben NICHT gehört wird.

“Was bedeutet der Titel? Nun, der Großteil des Online-Publikums ist ein algorithmisches Publikum. Algorithmen werden auf auditive Informationen trainiert, die von Menschen produziert und hochgeladen werden. Im Kunstwerk werden die auditiven Informationen von einem Algorithmus erzeugt, dem IPA, der unter dem Akronym VOICE bekannt ist. Diese Informationen, sind nicht dafür gedacht, von Algorithmen „gehört“ zu werden sondern eben ausschließlich für ein menschliches Publikum bestimmt – Not Allowed for Algorithmic Audiences.”

Kyriaki Goni

Kyriaki hat mit einer Schauspielerin und einem 3D-Designer zusammengearbeitet, um diesen 27-minütigen Film zu produzieren. Der Film ermöglicht es Ihnen als Zuschauer:in, die Rolle zu wechseln und statt eines digitalen Assistenten, der Ihnen zuhört, hören Sie dem digitalen Assistenten zu. Die IPA befindet sich in der Stadt Athen. Die Zuschauer*innen erhalten keine Informationen über das genaue Jahr dieser Erzählung, aber zu Beginn jedes Monologs erscheint kurz ein Zeitstempel mit den sehr hohen Temperaturen; zwischen 42-45 °C. Damit macht Kyriaki einen subtilen Kommentar zur aktuellen Klimadringlichkeit und ihren verheerenden Folgen. Diese Diskussion findet sich auch in anderen Teilen des Werks wieder. Der Raubbau an der Natur und insbesondere an den Peripherien der westlichen Welt hängt mit dem Einsatz von KI-Technologien und den von Ihnen verwendeten Geräten zusammen. Kyriaki reflektiert ausführlich über ihren Schaffungsprozess in dem Blogbeitrag The Voice of the Future.

Zum ersten Mal wurde die Kunstinstallation am 8. September im Rahmen der Ars Electronica Festival Themenausstellung Digital && Life der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wir freuen uns sehr, dass Not Allowed for Algorithmic Audiences von Kyriaki Goni von der Deutschen Telekom in ihre Sammlung aufgenommen wurde. Außerdem wurde das Kunstwerk bereits bei PROYECTO HÍBRIDO. ARS ELECTRONICA EN FACYL 2021, einem Kunst- und Kulturfestival in Salamanca, Spanien, gezeigt.

Und bevor wir dieses erste Jahr der ArtScience Residency abschließen, noch ein paar abschließende Worte von Kyriaki Goni, die mich – als Leiterin des Projekts – erröten lassen und gleichzeitig sehr glücklich machen.

Die ArtScience Residency wird von der Art Collection Deutsche Telekom in Partnerschaft mit Ars Electronica und mit Unterstützung der Johannes Kepler Universität in Linz, Österreich, ermöglicht.