Klasse! Lernen. 2022: Das sind die besten Projekte

Der österreichweite Bildungspreis „Klasse! Lernen“ zeichnet Schüler*innen und Lehrer*innen aus, die digitale Tools kreativ und nachhaltig in den Unterricht integrieren. Wir haben uns den Hauptpreis und die zwei Anerkennungen näher angesehen.

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Es ist vor allem das stimmige Zusammenspiel motivierter Schüler*innen und engagierter Lehrer*innen, das die Grundlage für eine kreative, innovative und nachhaltige Nutzung von digitalen Werkzeugen in der Schule schafft.

Die prämierten Projekte des Bildungspreises „Klasse! Lernen“, der vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der nationalen Bildungsagentur OeAD und Ars Electronica ins Leben gerufen wurde, geben nicht nur einen Einblick in den digitalen Unterricht und das digitale Lernen in Österreich. Sie dienen auch als Inspirationsquellen für diejenigen, die Kinder und Jugendliche aus- und weiterbilden.

Neue Tools für Schüler*innen – und Lehrer*innen!

Gerade beim Verwenden neuer digitaler Hilfsmittel wird klar, dass das Lernen in der Schule heutzutage keine Einbahnstraße mehr ist. Viele der Pädagog*innen waren schon Pädagog*innen bevor Smartphone, Tablet, Laptop & Co. in den Schultaschen einen festen Platz gefunden haben. Die neuen digitalen Werkzeuge in der Schule sind aber nicht primär gekommen, um mögliche analoge Konkurrenten zu vertreiben, sondern als Ergänzung zum bisherigen Unterricht. Das muss aber gelernt sein – am besten gemeinsam.

So investieren engagierte und medienaffine Erwachsene im Bildungsbereich ihr persönliches Interesse und ihre Zeit, um Projekte wie diese voranzutreiben, offen an neue Aufgaben heranzutreten und sich neues Wissen dazu anzueignen – und das meist neben der im Dienstvertrag festgehaltenen Pflichterfüllung. Und wie ein erster Rundumblick zeigt, wurzeln viele der prämierten Projekte in einer von ihnen ins Rollen gebrachte und schon über mehrere Schuljahre andauernden Auseinandersetzung mit den digitalen Medien.

Natürlich gedeiht ein erfolgreiches Schulprojekt nicht ohne motivierte Schüler*innen. Auch das zeigt sich in den bei „Klasse! Lernen“ ausgezeichneten Projekten: Sie gehen mit den digitalen Tools an Aufgaben mit einer Mischung aus Neugierde und Experimentierfreudigkeit heran, die vor allem in der Gruppe für die notwendige kreative Antriebskraft sorgt.

Nachhaltigkeit hat auch in der Volksschule Platz

Der erste und mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis von „Klasse! Lernen.“ des Jahres 2022 geht in die Bundeshauptstadt Wien. Keine Armut, kein Hunger, sauberes Wasser, nachhaltiger Konsum, Frieden. Das sind nur einige der insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die in der Agenda 2030, dem Aktionsplan der Vereinten Nationen, festgelegt wurden.

Die Schüler*innen der Klasse 4e der Volksschule Bendagasse haben mit ihrem anspruchsvollen Projekt „Wir tun was für unsere Welt“ diese Zukunftsthemen aufgegriffen und durch kreativen Einsatz verschiedener digitaler Tools die Jury von „Klasse! Lernen“ eindeutig überzeugt. Dabei informierten sie sich nicht nur über die Probleme der Gegenwart, sondern erarbeiteten auch Handlungsaufforderungen und dazugehörige Lösungsvorschläge.

Nachdem sich die Volksschulkinder mit den verschiedenen Themen der Sustainable Development Goals (SDGs) auseinandergesetzt hatten, bildeten sie mehrere Gruppen und legten sich auf das digitale Tool ihrer Wahl zur Auseinandersetzung fest. So entstanden Computerspiele und -geschichten mit der visuellen Programmiersprache Scratch auf drei Notebooks, kurze Stop-Motion-Filme auf drei vorhandenen Tablets und virtuelle Modelle von Häusern mittels 3-D-Software auf dem privaten Laptop der Lehrerin.

„(…) vor allem die Vorbildfunktion überzeugt – hier zeigt eine Volksschule, was mit „digitaler Grundbildung“ gemeint ist. In ‚Wir tun was für unsere Welt‘ ist eine ideale Verbindung von Thema und Technik gelungen. Dieses Projekt wurde im Gesamtunterricht, also fächerübergreifend, umgesetzt.“ (Auszug aus dem Statement der Jury)

Kreativ in der Schule, Mülltrennen und Stromsparen zuhause

„Mich hat das unglaubliche Interesse an den Themenbereichen und die Ideen, die die Kinder hatten, überrascht. Besonders schön war, dass die Eltern zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass sie sich nun selbst viel mehr mit dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit auseinandersetzen, da die Kinder das auch zu Hause einfordern“, so die Klassenlehrerin Teresa Roschütz. Sie unterrichtet seit zehn Jahren an der Volksschule, in der Digitale Medien einen festen Stellenwert haben.

Dank vorausgegangener Workshops, so die Lehrerin, hatten die Kinder bereits das notwendige Grundwissen beim Umgang mit digitalen Tools. Und wenn das fehlte, wie zum Beispiel beim Gestalten dreidimensionaler Welten, dann haben sie sich durch ein Ausprobieren schnell zurechtgefunden oder aber direkt ihre Klassenlehrerin um Hilfe gebeten:

„Da die lustigen, aufgeweckten und interessierten Kinder meiner Klasse aber keine Angst vor Fehlern haben, war es für sie einfach, die Funktionen der Programme herauszufinden.“

„(…) Hier wird prozessorientierte Schulentwicklung vorangetrieben, wobei die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des FAB-LABs prototypisiert, getestet und reflektiert werden.“ (Auszug aus dem Statement der Jury)

Gemeinsames Werken verbindet

„Digitales und analoges Arbeiten ist im herstellenden Bereich nicht zu trennen. Es gibt digitale und analoge Phasen und wir versuchen an diesen Schnittstellen zu arbeiten“, so Matthias Schoiswohl-Szwajor. Er unterrichtet technisches und textiles Werken und hat mit seiner Klasse 3AR des Bundes(real)gymnasiums Schwechat aus Niederösterreich eine Auszeichnung und 5.000 Euro für das Projekt „Schnittstelle Werken“ erhalten.

Vor allem das fächerübergreifende Konzept hat die Jury überzeugt. „Schnittstelle Werken“ ist bereits an den verschiedensten Schulprojekten beteiligt. Durch sein Engagement haben Geräte wie 3-D-Drucker, Lasercutter, Schneideplotter oder Tiefziehmaschinen und das dazugehörige Wissen zur Bedienung der Geräte Einzug in den Werkunterricht gefunden – meist finanziert über Förderprogramme wie Erasmus+ oder aber auch über Gespräche mit Sponsoren und der Teilnahme an Wettbewerben. Natürlich haben auch die Schüler*innen ihren Teil zum Erfolg dazu beigetragen, wie uns der Lehrer berichtet:

„Meine Projektklasse ist sehr besonders. Sie harmoniert als Gruppe und kann über lange Zeiträume hinweg konzentriert arbeiten. In meinem Unterricht konnte ich so voll und ganz auf didaktische und inhaltliche Aspekte eingehen. Das war sehr ungewöhnlich und überraschend in dieser Altersgruppe – vor allem, weil unser Unterricht stets Freitagnachmittag stattfand und mich alle Schüler*innen immer wieder mit ihrer Arbeitsmotivation überraschten.“

Projekte wie diese zeigen, dass das Arbeiten in der Gruppe vor Ort für die Kinder sehr wichtig ist und jahrelang trainiert und erlernt werden muss – wenn es beispielsweise darum geht, Kompromisse zu schließen, Aufgaben aufzuteilen, Spezialist*innen anzuerkennen oder aber auch Konflikte beizulegen. „Das Schöne bei digitalen Projekten ist, dass Kinder, die vielleicht normalerweise im Unterricht wenig durch Leistungen auffallen, plötzlich Anerkennung erlangen, da sie endlich die Möglichkeit haben, in einem Bereich aufzutrumpfen, der davor nicht gefragt war.“

Positive Botschaften für alle

„(…) auf grandiose Art und Weise gezeigt, wie wirklich guter Unterricht aussehen kann. Der Prozess von der ersten Idee bis hin zum fertigen Video ist stringent und bleibt durch eine gute Dokumentation auch für Außenstehende in all seinen Phasen nachvollziehbar.“ (Auszug aus dem Statement der Jury)

Die zweite Auszeichnung mit weiteren 5.000 Euro Preisgeld geht im Jahr 2022 an die Klasse ASO1 der Allgemeinen Sonderschule Waidhofen an der Ybbs mit ihrem Projekt „Yes, we can!“. So wie bei vorhergehenden gemeinsamen Erlebnissen und Ausflügen hat sich die Klasse im Umgang mit den digitalen Tools wieder zu einem „Team“ zusammengefunden, wie sich die acht Schüler*innen, die Lehrerin und die zwei Unterrichtsbegleiter selbst gerne bezeichnen.

Im ersten Teil des Projekts machten sie sich auf die Suche nach prominenten Menschen in Österreich, kontaktierten ausgewählte davon über das Internet und konnten ihnen sogar Videobotschaften für ihr Projektvideo entlocken. Im zweiten Teil zogen sie durch die Innenstadt und projizierten mittels tragbarem Beamer Bilder mit verschiedenen positiven Botschaften an die Wände der Häuser. Mit Kamera und Drohne bestückt, dokumentierten sie ihre gemeinsame Aktion in der Öffentlichkeit. Das Team schreibt in seinem Abschlusbericht:

„Wir sind durch das Projekt noch enger zusammengewachsen, da wir versucht haben, die Stärken jeder und jedes Einzelnen bestmöglich einzusetzen. Zudem war die Arbeit eine gelungene Abwechslung zum normalen Schulalltag und hat jede Menge Spaß gemacht.“

Teamwork ist gefragt

Der Lockdown und die damit verbundenen Home-Schooling-Erfahrungen, aber auch die im Herbst 2021 durch die Initiative „Digitales Lernen“ in Österreich an Schüler*innen der 5. und 6. Klasse verteilten Tablets und Notebooks haben in kurzer Zeit für einen weiteren Boom digitaler Projekte und einen Zuwachs an Medienkompetenz gesorgt. Eine Erfahrung haben in der Zeit der Pandemie jedoch alle gemacht: Dass es gerade bei Schüler*innen ein gemeinsames Zusammenarbeiten braucht und dies am besten vor Ort funktioniert – unabhängig davon, ob es um analoge oder digitale Tools geht.

Auf ars.electronica.art/prix/klasselernen finden sich weitere Infos zum Hauptpreis, den zwei Auszeichnungen und den sieben Anerkennungen von „Klasse! Lernen“. Wir gratulieren den Gewinner*innen!