Pianographique – Piano Music meets Digital Images

Maki Namekawa (JP), Dennis Russell Davies (AT/US), Cori Oʼlan (AT)

Montag, 9. September 2019, 19:00 - 21:00
Alle Termine werden in der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ / UTC+2) angegeben.
POSTCITY, Gleishalle

Den Abschluss des Festivals bildet in diesem Jahr eine weitere Zusammenarbeit der beiden Pianisten Maki Namekawa und Dennis Russell Davies mit dem Visual Artist Cori O’lan. Sie ist Teil eines mehrjährigen Ars Electronica-Projekts, das sich der visuellen Interpretation von musikalischem Ausdruck und Wahrnehmung sowie der direkten Begegnung zwischen analogem Klang und digitalen Bildern widmet.

Das Musikprogramm des Abends umfasst einen „Klassiker“ und eine Premiere. L’Oiseau de feu (Der Feuervogel) von Igor Strawinsky ist ein Referenzstück der Musikgeschichte und Dennis Russell Davies hat es für Klavier zu vier Händen bearbeitet. Der zweite Teil ist die Österreichische Erstaufführung der ersten Klaviersonate von Philip Glass, die er Maki Namekawa widmete. Die Klaviersonate, die 110 Jahre nach Der Feuervogel komponiert wurde, ist ein gemeinsamer Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr, der Philharmonie de Paris und der Ars Electronica. Die Uraufführung fand im Juli 2019 im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr statt und sowohl der Komponist als auch Maki Namekawa wurden begeistert aufgenommen.

Programm

Igor Stravinsky / arr. für Klavier 4-händig Dennis Russell Davies „Feuervogel“ (Österreich-Premiere)
Klavierduo: Maki Namekawa & Dennis Russell Davies
Digitale Echtzeit-Visualisierung: Cori O’lan

– intermission –

Philip Glass: Piano Sonata (Österreich-Premiere)
Movement I
Movement II
Movement III

Klavier: Maki Namekawa
Digitale Echtzeit-Visualisierung: Cori O’lan

Im Auftrag von:
Klavier-Festival Ruhr, Ars Electronica und Philharmonie de Paris

Über die Musik:

L’Oiseau de feu (Der Feuervogel), Igor Stravinsky, 1910
Transkription für Klavier zu vier Händen: Dennis Russell Davies

Als Igor Strawinsky 1909 begann, an der Musik für das Ballett Der Feuervogel zu arbeiten, das Sergej Diaghilew für seine Ballets Russes in Auftrag gegeben hatte, war er noch ein junger und wenig bekannter Komponist. Die Premiere von Der Feuervogel 1910 in Paris, die von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert wurde, machte den 27-jährigen Igor Strawinsky plötzlich international bekannt.

Strawinsky schuf mit seinen komplexen Rhythmen und außergewöhnlichen klanglichen Effekten des großen Orchesters eine überraschende und packende Charakterisierung der mystischen Geschichte von Ivan Zarevich, der den bösen Zauberer Kaschej und seine Dämonen mit Hilfe des Feuervogels besiegt.

Dennis Russell Davies baute sein Arrangement für Klavier zu vier Händen auf Strawinskys Klavierstimme auf und es ist erstaunlich, wie vielfältig und sensibel es ihm gelingt, die Wirkung der überwältigenden, bunten Fülle der Orchesterklänge in die Zerbrechlichkeit des Klavierklangs zu übertragen. Reduziert auf den elementaren Klang eröffnet es einen überzeugenden Weg zur Essenz von Strawinskys großer Komposition.

Piano Sonate No. 1, Philip Glass, 2019

“Die Sonate ist bunt, wild, aufregend sprunghaft….“ – mit diesen Worten beginnt Malte Hemmerich seine Rezension der Uraufführung des neuesten Werkes von Philip Glass beim Klavier-Festival Ruhr am 4. Juli 2019 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Er fährt fort „…. es ist ein Paradebeispiel für Philip Glass‘ Klaviermusik mit ihren gegensätzlichen Rhythmen, und es gibt auch viele andere bekannte Elemente aus den Etüden und Einzelwerken des Komponisten. In einem so wilden Kaleidoskop tauchen sie jedoch zum ersten Mal hier auf.“

„Es ist das bisher anspruchsvollste Klavierwerk von Glass; die schnelle Abfolge virtuoser Oktavsprünge nähert sich der Grenze der Spielbarkeit. Namekawa atmet diese Musik, das Stück ist ein Beispiel dafür, wie aus der engen Zusammenarbeit zwischen Komponist und Interpretin eine unvergleichliche Einheit entstehen kann.“

Credits:

  • Piano Sonata by Philip Glass
  • Commissioned by Klavier-Festival Ruhr,
  • Festival Ars Electronica, Philharmonie de Paris,
  • World Premiere Performance July, 2019.
  • Supported by Yamaha

 

Über die KünstlerInnen:

Maki Namekawa zählt zu den führenden Pianistinnen der heutigen Zeit und hat sich neben dem klassisch-romantischen Repertoire einen besonderen Ruf durch ihr großes Engagement für die Klaviermusik zeitgenössischer Komponisten erworben. Sie konzertiert regelmäßig auf internationalen Podien wie der Suntory Hall Tokio, der Carnegie Hall und dem Lincoln Center New York, der Davies Symphony Hall San Francisco, dem Barbican Center und der Cadogan Hall London, der Cité de la Musique Paris, Concertgebouw Amsterdam, Musikverein Wien, den Salzburger Festspielen, Klangspuren Schwaz, der Ars Electronica Linz, Musik-Biennale Berlin, dem Rheingau Musik Festival, Eclat Festival Stuttgart und dem Klavier-Festival Ruhr.

Maki Namekawa arbeitete u.a. mit dem Concertgebouw Orkest Amsterdam, den Münchener Philharmonikern, Bamberger Symphoniker, der Dresdner Philharmonie, dem Stuttgarter und Münchner Kammerorchester, dem Bruckner Orchester Linz, American Composers Orchestra und Seattle Symphony sowie mit Dirigenten wie Mario Venzago, Howard Griffiths, Kaspar de Roo und Dennis Russell Davies zusammen. Rundfunkaufnahmen entstanden für Radio France, den WDR, BR, SR, HR, SWR Stuttgart und Karlsruhe, bei ARVO Klassiek und dem Schweizer Radio.

2013 präsentierte Maki Namekawa erstmals den gesamten Zyklus der Klavieretüden von Philip Glass unter Mitwirkung des Komponisten beim International Arts Festival in Perth. Seitdem war sie mit den Glass-Etüden erfolgreich in Dänemark, Schweden, Finnland, Island, Irland, England, Schottland, Polen, der Slowakei, Deutschland, Mexiko, Brasilien, Japan und den USA zu Gast. 2014 entstand eine Doppel-CD bei Orange Mountain Music, die große Anerkennung der Presse sowie die höchste Punktzahl der Kategorien „Performance“ und „Recording“ des BBC Music Magazine erhielt. 2017 präsentierte Maki Namekawa den Etüden-Zyklus erstmals beim Festival Ars Electronica in Österreich. Im September 2018 folgte dort als weiterer Höhepunkt ihrer engen Zusammenarbeit mit Philip Glass die Uraufführung der Klavierfassung von Philip Glass‘ „Mishima“, die sie jüngst auch auf CD vorlegte und dafür den Pasticcio Preis von Ö1 erhielt. Im Mai 2019 wirkte Maki Namekawa u.a. mit Katia und Marielle Labèque sowie dem Komponisten selbst bei der erfolgreichen Gesamtaufführung der Piano Etudes von Philip Glass in der Pariser Philharmonie mit. Ein weiteres Konzert mit Glass-Etüden folgte im Palau de la Música Catalana in Barcelona. Im Juli 2019 schließt sich im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr in der Zeche Zollverein in Essen die Uraufführung von Philip Glass‘ Piano Sonata an, einem Auftragswerk des Klavier-Festivals Ruhr, der Cité de la Musique sowie der Ars Electronica.

Seit 2005 bildet Maki Namekawa mit ihrem Ehemann Dennis Russell Davies ein erfolgreiches Klavierduo, das regelmäßig in Europa und Nordamerika auftritt, u.a. Klavier-Festival Ruhr, Radialsystem Berlin, Salzburger Festspiele, Ars Electronica Festival, Lincoln Center Festival, Morgan Library und Roulette in New York City, Philips Collection in Washington, D.C. und Other Minds Festival in Kalifornien. Bedeutende Werke wurden für das Klavierduo Namekawa-Davies geschrieben, darunter Philip Glass‘ “Four Movements for Two Pianos”, “Chen Yi’s „China West Suite” sowie Glass‘ “Two Movements for Four Pianos“ (mit Katia und Marielle Labèque), alle drei Auftragswerke des Klavier-Festivals Ruhr. Im Juli 2017 wurden Maki Namekawa, Dennis Russell Davies und Philip Glass mit dem Preis des Klavier-Festivals Ruhr ausgezeichnet. Im März 2018 gastierte das Duo auf Einladung des Abu Dhabi Festivals erfolgreich im Emirates Palaca in Abu Dhabi.

Maki Namekawa studierte an der Kunutachi Musikhochschule in Tokio bei Mikio Ikezawa und bei Henriette Puig-Roget. 1994 gewann sie den Leonid Kreutzer-Preis. Sie setzte ihre Ausbildung 1995 an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe bei Werner Genuit sowie Kaya Han fort und legte das Solistenexamen mit Auszeichnung ab. Anschließend vertiefte sie ihr Studium im klassisch-romantischen Repertoire bei Edith Picht-Axenfeld und György Kurtág, im Bereich der Neuen Musik bei Pierre-Laurent Aimard, bei Stefan Litwin und bei Florent Boffard.

Dennis Russell Davies wurde in Toledo (Ohio) geboren und studierte Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School. Seine Tätigkeit als Dirigent in Oper und Konzert, als Pianist und Kammermusiker ist gekennzeichnet durch ein breit gefächertes Repertoire, das vom Barock bis zur jüngsten Moderne reicht, durch spannende und durchdachte Programm-Konstellationen und durch eine enge Zusammenarbeit mit Komponisten wie Luciano Berio, William Bolcom, John Cage, Manfred Trojahn, Philip Glass, Heinz Winbeck, Laurie Anderson, Philippe Manoury, Aaron Copland, Hans Werner Henze, Michael Nyman und Kurt Schwertsik.

Nach seinen ersten Positionen als Chefdirigent des Saint Paul Chamber Orchestra (1972-1980) und des American Composers Orchestra, New York (1977-2002) übersiedelte er 1980 nach Deutschland und Österreich. Es folgten Generalmusikdirektoren-Posten am Württembergischen Staatstheater Stuttgart (1980-1987) und beim Orchester der Beethovenhalle, dem Internationalen Beethovenfest und der Oper Bonn (1987-1995).  1997-2002 war er Chefdirigent des Radio Symphonie Orchesters Wien, wurde 1997 als Professor an die Universität Mozarteum Salzburg berufen und war von 1995 bis Saisonende 2006 Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters, mit dem er von 1998 bis 2009 alle 107 Sinfonien Joseph Haydns auf CD aufnahm, weltweit die dritte Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt.

Ab 2009 war Davies für sieben Spielzeiten Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Von 2002 bis 2017 war Dennis Russell Davies Chefdirigent des Bruckner Orchester Linz und Opernchef am Landestheater Linz. 2014 wurde ihm dort der Titel „GMD“ verliehen.

Als Gast dirigierte Davies u. a. Cleveland und Philadelphia Orchestra, Chicago, San Francisco und Boston Symphony, das New York Philharmonic Orchestra, und das Yomiuri Nippon SO, in Europa u.a. das Concertgebouworkest Amsterdam, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Bamberger Symphoniker, die Münchner Philharmoniker, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Orchestra Filarmonica della Scala Milano, die Accademia di Santa Cecilia di Roma, das Orquesta Nacional de España und die St. Petersburger Philharmoniker.

Nach seinem Debut bei den Bayreuther Festspielen (1978-1980) gastierte er mit einem vielfältigen Opernrepertoire u.a. bei den Salzburger Festspielen, dem Lincoln Center Festival New York, an der Houston Grand Opera, der Hamburger und der Bayerischen Staatsoper, der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan Opera New York, der Opéra National de Paris, dem Teatro Réal in Madrid und an der Wiener Staatsoper.

In seine Zeit als GMD in Linz fällt die Eröffnung des neuen Musiktheaters im April 2013, anlässlich derer Dennis Russell Davies die Weltpremiere von Philip Glass’ »Spuren der Verirrten« ebenso leitete wie Richard Strauss’ „Rosenkavalier“. Weiters leitete er im neuen Haus Neuproduktionen aller „Ring des Nibelungen“-Teile ebenso wie u.a. „Pelléas et Mélisande“, „Falstaff“, „Salome“, die europäische Erstaufführung von „McTeague“ sowie Uraufführungen von Moritz Eggert und Michael Obst.

Auch im Konzertbereich prägte er das Bruckner Orchester Linz nachhaltig, u.a. durch eine Öffnung zur Moderne und zu neuen Publikumsschichten, durch rege Tourneetätigkeit, aber auch durch die beständige Arbeit am Kernrepertoire – abgebildet u.a. in der Einspielung aller Bruckner-Symphonien in allen Fassungen.

Seit Beginn der Spielzeit 2018/19 ist Dennis Russell Davies Künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Filharmonie Brno.

Dennis Russell Davies ist seit 2009 Mitglied der „American Academy of Arts and Sciences“. Im Dezember 2014 wurde ihm der Titel „Commandeur des Arts et des Lettres“ verliehen, im Juli 2017 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

 

Über die Visuals:

Wie immer in der Zusammenarbeit von Cori O’lan mit Dennis Russel Davies und Maki Namekawa handelt es sich bei den Visualisierungen um reine Echtzeit-Grafiken, d.h. es gibt keine vorbereiteten Videos oder Bildsequenzen, die mit der Musik synchronisiert sind. Lediglich der Klang des direkt über zwei Mikrofone aufgenommenen Klaviers wird am Computer analysiert und liefert so die Parameter, mit denen die Grafiken erzeugt, animiert und verändert werden – live im Moment der Aufführung.

Die sehr tänzerischen Animationen der grafischen Elemente, die dem Feuervogel Ballett und seinen Figuren entsprechen sollen, stammen ausschließlich aus dem Klangspektrum und der Dynamik der Musik, ohne Motion-Tracking oder Keyframe-Animation. Die aus der Musik abgeleiteten Parameter werden direkt verschiedenen Parametern von physikalisch basierten Simulationsmodellen, Partikelsystemen sowie den Geometrien, Farben und Leuchten zugeordnet.

 

Synopse des Balletstücks:

Der junge Prinz Ivan jagt den Feuervogel und betritt den Garten des Magiers. Am Wunderbaum fängt er den Vogel, der um seine Freiheit bittet. Wenn der Prinz ihm diese Freiheit gewährt, erhält er eine Feder, die magische Kräfte hat und im Gefahrenfall den Feuervogel beschwört.

Dreizehn Jungfrauen, die von dem Zauberer Kaschej gefangen gehalten werden, kommen in den Garten und tanzen um den Baum herum. Unter ihnen ist die Prinzessin Zarevna, in die Ivan sich unsterblich verliebt.

Bedrohliche Signale kündigen das Erscheinen von Kaschej und seinen Dämonen an. Sie belästigen Ivan Zarevich und wollen ihn töten. In seinem Moment der größten Not ruft er den Feuervogel mit der Feder. Der Feuervogel erscheint und zwingt Kaschej und die Dämonen, zu magischer Musik zu tanzen und singt sie dann in einen tiefen Schlaf.

Der Feuervogel enthüllt Ivan eine Höhle unter den Wurzeln des Wunderbaums, es ist das Versteck eines riesigen Eis, in dem Kaschej seine Seele bewahrt. Der Prinz zerschlägt das Ei, die Kraft des Magiers verschwindet und er stirbt. Seine gefangenen Opfer sind nun frei und Prinzessin Zarevna und Ivan Zarevich sind vereint.

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