openAIR, das Mischpult für alle

Radio FRO 105.0, das Freie Radio Linz, organisiert seit 2006 barrierefreie Workshops in denen Menschen mit und ohne Behinderung/Beeinträchtigung das Rüstzeug des Radiomachens lernen können. Eine der großen Herausforderungen bei der Bedienung eines Studios ist das Mischpult, die Fader, Drehknöpfe und Schalter, die teilweise gleichzeitig und präzise bedient werden müssen, stellen für alle eine große Hürde dar, wenn die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind, wird es um so schwerer. Das Ars Electronica Futurelab hat jetzt im Auftrag von Radio FRO ein Mischpult entwickelt, das ausschließlich mittels Druckknöpfen bedient wird und das Radiostudio damit um ein vielfaches zugänglicher macht.

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Radio FRO 105.0, das Freie Radio Linz, organisiert seit 2006 barrierefreie Workshops in denen Menschen mit und ohne Behinderung/Beeinträchtigung das Rüstzeug des Radiomachens lernen können. Eine der großen Herausforderungen bei der Bedienung eines Studios ist das Mischpult, die Fader, Drehknöpfe und Schalter, die teilweise gleichzeitig und präzise bedient werden müssen, stellen für alle eine große Hürde dar, wenn die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind, wird es um so schwerer. Das Ars Electronica Futurelab hat jetzt im Auftrag von Radio FRO ein Mischpult entwickelt, das ausschließlich mittels Druckknöpfen bedient wird und das Radiostudio damit um ein vielfaches zugänglicher macht.

openAIR – Accessibility in Radio Production, so lautet der Name der Soft- und Hardwarelösung, die die Bedienung eines Studios nicht nur für Behinderte um ein Vielfaches erleichtert. 10 Druckknöpfe, die ähnlich sind, wie die Knöpfe von Spielhallen-Videospielen, können eine Vielzahl an Befehlen ausführen. In der einfach und ohne Untermenüs gestalteten Software werden verschiedenste Funktionen, wie beispielsweise Einfaden, Ausfaden, Mikros scharf oder stumm schalten, zwischen Audioquellen wie CD-Player oder Plattenspieler wechseln, auf die Knöpfe gelegt. So kann man zum Beispiel mit einem Knopfdruck 4 Mikros einfaden, gleichzeitig die Musik ausfaden lassen, ein Vorgang, der an einem normalen Mischpult das Bedienen von mindestens 5 Reglern erfordern würde.

Neben dem Abspeichern verschiedenster Funktionen kann der gesamte Ablauf einer Live-Sendung vorab vorbereitet werden. Man legt die Playlists der Lieder an, die man abspielen möchte, platziert Slots für Live-Gespräche, legt fest, welche Funktionen man braucht und hat so während der Live-Ausstrahlung der Sendung vieles vorbereitet, was sonst im Stress der Produktion womöglich noch schwieriger wird, als es ohnehin schon ist.

Zusätzlich zu den Knöpfen ist ein Joystick verbaut, der als Mausersatz fungiert. Dieser wird ebenso wie die Druckknöpfe von einem Arduino-Board gesteuert und erlaubt eine sehr präzise Steuerung des Mauscursors.

Das Mischpult wird bereits in Workshops von Radio FRO eingesetzt, es wurde auch für die SozialMarie, den Preis für soziale Innovation, eingereicht. Doch nicht nur in barrierefreien Studios kann es zum Einsatz kommen, auch als Steuergerät für das ein oder andere Heimstudio ist es sicher interessant. Die Architektur des Systems ist als Open Hardware konzipiert und kann somit von Interessierten nachgebaut, modifiziert und erweitert werden, zum Beispiel könnte man MIDI-Befehle integrieren, um Softwaresynths oder ähnliches anzusteuern.

Sabina Köfler, die Projektverantwortliche bei Radio FRO, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Eine der Besonderheiten unserer Entwicklung ist, dass die Produktionskosten sehr gering gehalten werden konnten und trotzdem eine immense Verbesserung der Bedienbarkeit der Studiotechnik erreicht wird.“ openAIR ist ein weiteres Beispiel dafür, wie umfangreich Technologie unseren Alltag beeinflussen kann, Menschen mit Bewegungseinschränkungen finden so einen Zugang zur Radioproduktion, ein Zugang, der ihnen ohne solcher Entwicklungen womöglich komplett verschlossen bliebe.

Technisch umgesetzt wurde openAIR von Veronika Pauser und Michael Platz.