Die Tokens

Der junge niederländische Designer Marco van Beers hat sich eingehend mit dem Thema Krankheit und Kommunikation auseinandergesetzt und versucht dieses komplexe Feld aus einer sozio - technischen Perspektive zu beleuchten. Herausgekommen ist ein Projekt mit dem Namen "The Tokens", das versucht mit hilfe non-verbaler Kommunikation die Interaktion zwischen schwer kranken Menschen und ihrer sozialen Umwelt aufrecht zu erhalten.

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von Marco van Beers

Die Diagnose einer schweren Krankheit verändert das Leben der betroffenen Person fundamental und schon alltägliche Aktivitäten wie die Zubereitung eines Abendessens oder ein Spaziergang mit dem Hund können, im schlimmsten Fall, nicht mehr bewältigt werden. Ebenso in Mittleidenschaft gezogen ist das soziale Leben der betroffenen Personen und es kann der Kontakt zu beträchtlichen Teilen der sozialen Umwelt verloren gehen. Doch warum verliert man seine Freunde?

Oft liegt es daran, dass die soziale Umwelt nicht weiß wie sie auf die Diagnose einer Krankheit reagieren soll, was gesagt werden soll. Das resultiert darin, dass entweder Nichts gesagt wird oder Dinge die sehr schmerzhaft für die betroffene Person sind. Kommentare wie: “Du schaust gut aus! Dir geht es sicher bald wieder besser.” sind zwar voller guter Intentionen, aber sobald die betroffene Person weiß, dass die Behandlung nicht greift und sich der Zustand weiter verschlechtert, können diese Worte verletzend sein.

Auf der anderen Seite sind es nicht nur Probleme die die Kommunikation, ausgehend von der sozialen Umwelt der betroffenen Person, betreffen. Oft sind Menschen mit einer schweren Krankheit auch einfach zu schwach oder nicht in der Lage über die eigene Krankheit zu sprechen. In diesem Fall fühlen sich Leute im sozialen Umfeld oft vernachlässigt.

Aber das muss nicht so sein. Und um diesen Konflikt aufzulösen muss man ganz an den Anfang gehen, zu dem Moment nachdem die schwere Krankheit diagnostiziert wurde und die betroffene Person dem sozialen Umfeld diese schlechten Nachrichten kommuniziert. In diesem Moment kann die kranke Person zu speziellen FreundInnen und Familienmitgliedern sagen: “Hör zu, ich bin sehr krank und ich weiß nicht ob ich diese Krankheit überleben werden. Aber ich will, dass du weißt, dass du ein wichtiger Mensch für mich bist. Ich will dass du weiter an meinem Leben und dem was ich durchmache teilnimmst.”

In diesem Moment kann einer der Tokens (siehe Bild) an die jeweilige Person übergeben werden. Diese Gegenstände gibt es immer in zweifacher Ausführung und sie sind miteinander verbunden. In dem Moment in dem einer dieser Tokens übergeben wird, werden sie automatisch eine physische Repräsentation und ein Symbol der Beziehung zwischen den jeweiligen Personen. Wenn zum Beispiel ein spezieller Freund oder eine spezielle Freundin an die kranke Person denkt, kann er oder sie den Token nehmen und daran reiben. Nachdem man eine Weile mit dem Token interagiert hat, beginnt er langsam immer intensiver zu leuchten und zur gleichen Zeit beginnt auch der Token bei der kranken Person zu leuchten und repräsentiert so die spezielle Beziehung der beiden Menschen. Da die Interaktion auch in die umgekehrte Richtung funktioniert, kann auch die kranke Person den Token nehmen und so mit einem Familienmitglied oder einem Freund/Freundin kommunizieren.

So werden die Tokens zu einem Täger der gemachten Erfahrungen und Emotionen in einer Beziehung und auch der Erfahrungen und Beziehungen die noch gemacht werden. Gleichzeitige sollen die Tokens, durch den Verzicht auf Worte, auch die Angst vor Interaktion nehmen und der kranken Person nicht zu viel Kraft rauben.

Insgesamt eröffnen die Tokens eine neue Dimension der Kommunikation für schwer kranke Menschen.

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