Traumberuf Astronautin: Advanced Space Academy

Simulierte Schwerelosigkeit, Tauchtraining oder Russischkurse: Auf der Advanced Space Academy am US Space & Rocket Center in Huntsville, Alabama, können Jugendliche die Raumfahrt hautnah erleben. ESERO Austria ermöglichte auch dieses Jahr wieder zwei Schülerinnen die Teilnahme – hier berichten sie von ihren Erlebnissen.

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Einmal selbst in eine Rakete steigen, ins All fliegen, schwerelos durch das Universum schweben und weit entfernt die blaue Kugel der Erde so sehen, wie sie bis jetzt nur sehr wenige Menschen erleben konnten – als Astronaut, Astronautin ist das möglich. Der Weg zum Traumberuf Raumfahrer oder Raumfahrerin ist nicht einfach, aber die Advanced Space Academy, die jedes Jahr von NASA und dem US Space & Rocket Center in Huntsville, Alabama, am International Space Camp stattfindet, bringt Schüler und Schülerinnen aus aller Welt einen kleinen Schritt näher.

ESERO Austria ermöglichte es gemeinsam mit FFG, BMVIT und BMBWF auch dieses Jahr einer Lehrkraft und zwei Jugendlichen, zum Camp nach Huntsville zu fahren und die Workshops, Vorträge und Raumfahrt-Simulationen selbst zu erleben. Hier hat die teilnehmende Lehrerin schon von ihren Erfahrungen berichtet, im zweiten Teil unserer Interview-Serie erzählen jetzt die beiden Schülerinnen Sopie Birnbaum und Alexandra Waldherr von ihrer Zeit auf der Advanced Space Academy.

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Warum habt ihr euch für die Advanced Space Academy beworben?

Sophie Birnbaum: Als ich gesehen habe, dass es diesen Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler gibt, habe ich mich sofort informiert, was genau das Space Camp ist. Ich war total begeistert, da ich mich von klein auf für Astronomie und Astrophysik interessiere, ich sehr gerne reise und es liebe, neue Leute kennen zu lernen.

Alexandra Waldherr: Schon als kleines Mädchen träumte ich davon Abenteurerin, Entdeckerin oder Erfinderin zu werden. Keine anerkannten Berufsgruppen, aber genau das, was mir Spaß macht: Neues herausfinden, Neues lernen, neue Erfahrungen sammeln, neue Personen kennenlernen. Als der Wettbewerb für eine Woche im NASA Space Camp ausgeschrieben wurden, war für mich sofort klar: eine Astronautin zu sein würde viele meiner Träume erfüllen und einen außergewöhnlichen, besseren Ort, dem einen Schritt näher zu kommen, gibt es wohl kaum! 2017 bewarb ich mich das erste Mal – abgelehnt. Natürlich war ich natürlich sehr enttäuscht, ich wusste nun aber auch, woran ich noch arbeiten konnte. Bis zur nächsten Bewerbung in 2018 bereicherte ich mein Leben, wie man auch im Bewerbungsvideo sieht, und als ich dann den Brief mit der Zusage bekam, half mein „Training“ mir sicher zu wissen: Jetzt bin ich bereit für Huntsville!

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Was nehmt ihr von der Woche in Huntsville mit nach Hause?

Alexandra Waldherr: Viele Erinnerungen an eine unglaubliche Woche: Unser Team gewann den „Teambuilding-Award“ und ich vermisse unsere Zusammenarbeit jetzt schon. Alle waren so motiviert einen Beitrag zu leisten, mitzuhelfen, aber auch zuzuhören und andere zu schätzen. Beeindruckend, wie NASA es nicht nur in Huntsville schafft, in einer Zeit, in der viele gerne stärker, besser und klüger als alle anderen sind, ein dankbares, anerkennendes, produktives Arbeitsumfeld aufzubauen. Und zwar aus gutem Grund: Alleine erreicht kein Mensch den Mond.

Die Abenteuer mit meinem Team werde ich vermissen. Zum Glück gab Jack – unser Australier – jedem einen kleinen Plüschkoala mit auf die Reise. Jetzt erleben wir die Abenteuer von überall auf der Welt virtuell zusammen: Auf unserem gemeinsamen Instagram-Account teilen sich unsere Koalas mit, was sie in Costa Rica, Norwegen, Canada, Neuseeland, den USA und anderen Orten der Welt erleben. Es war wirklich eine internationale Woche, danke nochmal an ESERO Austria , dass wir Österreich dort vertreten durften!

Credit: Alexandra Waldherr

Sophie Birnbaum: Auf jeden Fall nehme ich viele neue Freundschaften aus der ganzen Welt mit nach Hause. Beeindruckt hat mich, wie schnell wir als Team zusammengewachsen sind und wie unterschiedlich jede Person ist, obwohl wir uns alle für den gleichen Bereich interessieren. Das war eine super Möglichkeit, sich gegenseitig bei den verschiedenen Tätigkeiten zu helfen, bei denen jemand anderer besser ist. Ich zum Beispiel wusste bis vor dem Space Camp nicht, wie man einen Legoroboter programmiert, jetzt weiß ich wenigstens ungefähr, wie so etwas geht. Dazulernen konnte man aber nicht nur von den anderen Trainees, sondern natürlich auch bei jeder Aktivität.

Credit: Sophie Birnbaum

Welche Programmpunkte haben euch am meisten Spaẞ gemacht?

Alexandra Waldherr: Auf jeden Fall das Scuba Diving: angelehnt an das Astronautentraining im „Neutral Buoyancy Lab“ durften wir mit voller Tauchmontur für 45 Minuten Unterwasser, „schwerelos“, lernen, Schalter zu betätigen und Kunststoffraketen mit Luft aus unseren Atemlufttanks abzufeuern. Nicht nur ein außerordentliches Erlebnis, sondern auch wunderschön – mit den ganzen tanzenden Luftblasen. Neben den ganzen Simulationen, G-Force Attraktionen, dem leckeren Essen und den gruppenbildenden Außenaktivitäten waren vor allem die „Engineering Challenges“ richtig spannend für mich.

Sophie Birnbaum: Jeder einzelne Programmpunkt war auf unterschiedliche Art aufregend und herausfordernd. Am aller besten gefielen mir jedoch die drei Missions, die man während der Woche macht. Jeder muss sich auf seine Arbeit konzentrieren und trotzdem den anderen helfen. Man muss mit dem kompletten Team zusammenarbeiten und unsere Gruppengemeinschaft wurde dadurch enorm gestärkt. Egal ob die Mission am Ende geglückt ist oder nicht, wir waren immer alle extrem stolz, dass wir es gemeinsam geschafft hatten. Mein persönliches Highlight war die erste Mission, bei der ich Mission Specialist war und gemeinsam mit einem anderen Jungen aus meinem Team in Raumanzügen mit Schnüren hochgezogen wurde und wir schwebend wie echte Astronauten unsere Aufgaben erledigten.

Credit: Sophie Birnbaum

Wie werdet ihr das gelernte Wissen in eurem Leben verwenden?

Sophie Birnbaum: Wir haben in den Space History Stunden sehr viel gelernt und ich überlege, meine Vorwissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich zu schreiben. Auch hat es mir gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, einen Berufswunsch wie Astronautin oder andere nicht so häufige Berufe auszuüben. Vor allem die Astronautin Dottie Metcalf, die während des Camps eine Rede gehalten hat, in der sie oft erwähnt hat, wie wichtig es ist, an sich zu glauben und seinen Träumen nach zu gehen, war eine Inspiration für mich. Außerdem möchte ich nächsten Sommer nach Neuseeland fahren, um eine Freundin aus dem Camp zu besuchen.

Credit: Alexandra Waldherr

Alexandra Waldherr: Vor allem die „Engineering Challenges“, also in einem vorgegebenen engen Zeit- und Budgetrahmen eine Lösung zu einer weltraumrelevante Aufgaben – Hitzeschilder, Miniraumanzüge, Raketen, Roboter, etc. zu finden und zu bauen, zeigte mir, dass mehr möglich ist, als man schätzen würde! Wir hatten einen sehr straffen Zeitplan, anfangs schien vieles unrealistisch: Einen Roboter in 40 min bauen? Ein Hitzeschild aus Lasagnenudeln und Alufolie? Zwischen Abendessen und Schlafen gehen noch drei Aktivitäten? Aber wir lernten im Prozess – und im Endeffekt hat alles riesigen Spaß gemacht! Unsere Lösungen waren vielleicht nicht 100% perfekt – aber fast immer funktionierten sie und auf einen Prototyp kann aufgebaut werden – meistens sogar nur aus sehr geringem Vorwissen heraus.

Deshalb: Ich werde das Wissen als Basis verwenden, um als Grundlage darauf aufzubauen: The sky is NOT the limit – there is always more to know! Nach zum Beispiel 40 Minuten Russisch lernen, blieb auch nicht mehr viel mehr, als „один“ („odin“) eins. Die wichtigste Lektion: Es geht nicht darum, alles gleich zu wissen, es geht darum lernen zu wollen, Probleme aktiv anzugehen und als Team Lösungen zu finden. Und vor allem: Zeit ist relativ! Wir sind viel zu schnell wieder im Flieger gesessen.

Sophie Birnbaum ist 16 Jahre alt und wohnt in Salzburg. Sie besucht das Musische Gymnasium und kommt nächstes Schuljahr in die 7 Klasse.

 

 

Alexandra Waldherr ist eine wissenschaftlich begeisterte Schülerin der HBLVA17 Rosensteingasse – einer höheren Lehranstalt für Chemische Industrie. Neben der theoretischen und praktischen Laborarbeit an der Schule, engagiert sie sich außerschulisch im STEM-Field: Sie werkt und lötet gerne, war Teil des Vienna Open Lab-Jugendbeirates, nahm an der Wiener Physikolympiade und anderen Wettbewerben teil und gestaltet einen Blog – spezialisiert auf Mikroben – mit. Im Ausgleich genießt sie viel Zeit an der frischen Luft, schwimmt, wandert und läuft gerne Eis.

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