Mit einem Bier durch die Zeit

Im Braumuseum Göss dreht sich alles um eines der beliebtesten Getränke der ÖsterreicherInnen – das Bier. Das Unternehmen Gösser AG hat nun gemeinsam mit Ars Electronica Solutions an einer weiteren dezenten Neugestaltung der Ausstellung gefeilt. Der Projektmanager Claus Zweythurm spricht darüber, wie sie an das Thema herangegangen sind.

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Statistisch betrachtet ist Bier in Österreich in aller Munde – 106,4 Liter pro Kopf und Jahr trinken die ÖsterreicherInnen. Historisch gesehen hat die Kunst des Brauens hierzulande eine lange Tradition, wie beispielsweise Urkunden aus mehreren Klöstern belegen. So waren es im damaligen Nonnenstift Göss vor allem Frauen, die ab dem Jahr 1010 aus Getreide „flüssiges Brot“ herstellten. Etwa 1.000 Jahre später lässt sich die Geschichte des Biers in einem Museum nachverfolgen. Pünktlich zum Tag des Biers, am 23. April 2014, eröffnete das Braumuseum Göss in der Steiermark eine weitere Ebene, die in Zusammenarbeit mit Ars Electronica Solutions neu gestaltet wurde.

Wie stellt man Bier aus? Und wie lässt sich die Firmengeschichte schmackhaft präsentieren? Schon 2013 trat Gösser an die Ars Electronica Solutions heran, mit der Bitte, einen Ausstellungsbereich neu zu gestalten. Herausgekommen ist eine schrittweise und sanfte Neugestaltung – interaktive Exponate inklusive. Hier wird nicht nur in die Vergangenheit der Marke Gösser geblickt, auch der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol ist ein Thema. Wir haben mit Claus Zweythurm, Projektmanager der Ars Electronica Solutions, über die Aufgabe gesprochen, ein Braumuseum in der heutigen Zeit neu zu gestalten.

Worauf habt Ihr bei der Neugestaltung des Museums geachtet, damit die Brücke zwischen historischen Exponaten des Brauwesens und moderner Präsentation nicht einbricht?

Claus Zweythurm: Wir haben in erster Linie versucht, die Tradition, die Gösser selbst und auch das Braumuseum vermitteln, nicht zu stören, sondern hervorzuheben. Gerade in der ersten Phase haben wir die Technik des „Projection Mapping“ verwendet, um Museumsstücke in „neuem Gewand“ erscheinen zu lassen. So wird etwa auf dem ausgedienten Berieselungskühler gezeigt, wie damals die heiße Würze über die kalten Rohre geflossen ist. An anderer Stelle – auf einer alten Flaschenabfüllstation – haben wir auf humorvolle Weise die Arbeit der Abfüllerinnen gezeigt. Durch diese visuelle Unterstützung erhalten die BesucherInnen zusätzlich zum mündlichen Vortrag auch Bilder, die zum Verständnis des Brauprozesses beitragen. Unsere Installationen ergänzen also die historischen Fakten.

Firmengeschichte, Werte und Fakten des Unternehmens werden auf einer Zeitleisten-Wand dank Lasertracking für die BesucherInnen im wahrsten Sinne des Wortes begehbar. Warum habt ihr euch für Lasertracking als Schnittstelle der Interaktion entschieden?

Claus Zweythurm: Warum Lasertracking? Hmmm. Eindeutig beantworten können diese Frage eher meine KollegInnen von Entwicklung und Technik, aber ich versuche es mal. Es ist nicht immer ganz einfach, die richtige Methode zur Interaktion zu finden. Wir wussten aber, dass wir für die Inhalte, die wir liefern möchten, Gestensteuerung wollen. Dafür gibt es zumindest drei erprobte Methoden: Kamera-tracking, das eher umständlich ist, 3-D-Tracking, wie etwa die Kinect und den Laser. Nach Besprechungen unseres Teams mit Forscherinnen und Forschern des Ars Electronica Futurelab wurde letztlich diese Lösung gewählt. Im Endeffekt war uns klar, dass wir für die Gestensteuerung im Wesentlichen nur eine Ebene (also 2-D) brauchen, und hier liefert wohl der Laser die zuverlässigsten Daten.

Ein Museum zum Thema Bier ist ja nicht gerade alltäglich. Wie seid Ihr an dieses Thema herangegangen? Gab es bereits konkrete Vorstellungen von Gösser selbst?

Claus Zweythurm: Für Gösser war klar: Das Museum soll neue Akzente erhalten und die Marke Gösser soll mit ihren Grundwerten repräsentiert werden. Dazu gehört vor allem auch der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol. Um dieses Thema aber nicht mit erhobenem Zeigefinger vorzutragen, haben wir uns für einen subtilen Weg entschieden. Es wurde von Beginn des Rundgangs an darauf geachtet, dass die Qualität der Rohstoffe und der Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe des Biers im Vordergrund stehen. Zum Beispiel geht man vom Empfangsraum durch einen Gang, der von Hopfen und Malz gesäumt ist, zum Museum. Auf der interaktiven Wand im Obergeschoß wird auf die Aktivitäten, die Gösser in Zusammenhang mit „vernünftig genießen“ setzt, Bezug genommen. Die Farbe des, nicht mehr ganz, neuen alkoholfreien Biers „Gösser Naturgold“ zieht sich durch die Ausstellung. Selbst am Ende der Führung, an dem es zur geselligen Verkostung kommt, wird darauf geachtet, dass die BesucherInnen sich des Geschmacks der unterschiedlichen Biere bewusst werden und die Vielfalt der Gösser-Sorten kennenlernen. All dies gehört zum Gesamtkonzept der Neugestaltung – genauso wie Spaß und Kurzweile, die durch Installationen wie dem Rubbelbild, wo wir uns in die Vergangenheit rubbeln, wie einem Gösser-Quiz oder wie die Aufbereitung der Gösser-Werbefilme gewährleistet sind.

Worauf sollten Unternehmen schon jetzt achten, wenn sie so wie Gösser ihre eigene Geschichte in moderner Form präsentieren wollen?

Claus Zweythurm: Dass sie rechtzeitig bei Ars Electronica Solutions anfragen. Soweit ich es beurteilen kann, dürfen wir uns regen Interesses erfreuen. Aber grundsätzlich ist es wichtig, nicht mit aller Gewalt „modern“ sein zu wollen und sich seiner eigenen Stärken bewusst zu sein. Darauf kann man dann gemeinsam ein Konzept aufbauen, das realisierbar ist und nicht aufgesetzt wirkt.

Und zu guter Letzt: Dose oder Flasche?

Claus Zweythurm: Ha! Das hängt von den Umständen ab. Grundsätzlich aber die Flasche…