Uhrzeit und Termine auf einen Blick

Der 15-jährigen Schüler, Jonas Bodingbauer, entwickelte eine Uhr, auf der man nicht nur die Zeit, sondern auch alle anstehenden Termine, ablesen kann. Mit seiner Erfindung bekam er eine Auszeichnung in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD.

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Smart Clock (Credit: Jonas Bodingbauer)

Uhrzeit und Termine auf einen Blick bekommt man mit der Smart Clock von Jonas Bodingbauer. Der 15-jährigen Schüler aus Linz hat eine Uhr entwickelt, die nicht nur die Zeit, sondern gleichzeitig auch aktuelle Termine, die über den Google Kalender eingetragen wurden, anzeigt. Hinter dem Ziffernblatt befinden sich LEDs, die genau zu der Uhrzeit leuchten, zu der die Termine stattfinden. Dabei kann zwischen einer 12-Stunden- und einer detaillierteren 1-Stundenansicht gewechselt werden, so kann genau abgelesen werden, wann ein Termin beginnt und wie lange er dauert. Der Betreff des Termins wird unter dem Ziffernblatt, auf einem LCD-Display, angezeigt.

Die Smart Clock ist ein gelungenes Beispiel für ein Objekt, das aus einem DIY-Gedanken, unter Verwendung von OpenSource-Technologien, heraus entstanden ist,

meint die Jury des Prix Ars Electronica 2014 und vergab eine Auszeichnung in der Kategorie u19 – CREATE YOUR WORLD. Im Interview spricht Jonas über die Hintergründe der Smart Clock und woher er diese ausgezeichneten Hard- und Softwarekenntnisse hat.

Hallo Jonas! Wie bist du auf die Idee der Smart Clock gekommen?

Jonas Bodingbauer: Obwohl ich einen Kalender in der Cloud hatte, habe ich trotzdem manchmal wichtige Termine vergessen. Der Kalender am Computer und am Smartphone half also leider nicht sehr viel. Deswegen überlegte ich mir, wie ich die Termine besser visualisieren könnte, damit ich sie immer im Blick habe und künftig keinen Termin mehr versäumen würde. Da kam ich auf die Idee zur Smart Clock.

Hast du auch schon andere Dinge erfunden oder programmiert?

Jonas Bodingbauer: Ich habe immer wieder kleinere Dinge mit der Arduino-Plattform programmiert und mit meinem Lego Mindstorms Roboter habe ich einen Drucker gebaut, der Bilddateien bis ca. 100*100 Pixel drucken kann. Etwas so aufwendiges wie die Smart Clock, habe ich aber noch nie gebastelt.

Woher hast du diese guten Hard- und Softwarekenntnisse?

Jonas Bodingbauer: Ich habe mit etwa 12 Jahren angefangen die Programmiersprache C++ zu lernen, habe damals allerdings noch nicht wirklich viel davon verstanden. Durch meinen Lego Mindstorms NXT bin ich dann zur Mikrocontroller-Programmierung und der Arduino-Plattform gekommen. Momentan beschäftige ich mich wieder hauptsächlich mit C++. Außerdem gehe ich nun seit zwei Jahren in die HTL Leonding, in den Zweig Elektronik / Technische Informatik. Dort lerne ich auch viele grundlegende Dinge im Bereich Hardware.

Hattest du bei der Smart Clock einen Plan nach dem du vorgegangen bist?

Jonas Bodingbauer: Ich hatte eigentlich keinen genauen Plan. Natürlich habe ich schon vorher gewusst, wie die Uhr im Endeffekt aussehen sollte und habe mir dazu ein paar Skizzen gezeichnet, doch was die Hardware und vor allem die Software angeht, hatte ich nur grobe Vorstellungen.

Wie lange hast du für die Realisierung der Smart Clock gebraucht?

Jonas Bodingbauer: Ungefähr zwei Monate, wobei da aber auch drei Wochen Wartezeit auf die Bauteile inkludiert sind, während denen ich wenig am Projekt arbeiten konnte. Ich habe auch nicht jeden Tag daran gearbeitet. Es hat Wochen gegeben, in denen ich maximal eine Stunde mit dem Projekt verbracht habe, und dann wieder Tage, an denen ich vier oder mehr Stunden gewerkelt habe.

Was war die größte Herausforderung dabei?

Jonas Bodingbauer: Die größte Herausforderung war, die Uhr wirklich das tun zu lassen, was ich wollte. Es gab auch einige Probleme mit dem WLAN und der Verbindung vom Server zur Uhr. Auch die Datenverarbeitung wollte lange nicht richtig klappen. Im Endeffekt funktioniert sie jetzt aber fast fehlerfrei.

Die Jury lobte vor allem den Do it yourself-Gedanken, aus dem heraus die Smart Clock entstanden ist – was würdest du anderen raten, die ebenfalls etwas selber machen wollen?

Jonas Bodingbauer: Es gibt viele Informationen im Internet, um etwas über Hardware und Software zu lernen. Da vieles davon auf Englisch verfasst ist, sollte man sich nicht davor scheuen auch mal englische Texte zu lesen oder sich englische Videos anzusehen. Fachbücher sind natürlich eine sehr wichtige Informationsquelle, die zwar manchmal sehr umfangreich und teuer sind, sich aber schlussendlich bezahlt machen.

Glaubst du, dass sich der momentan sehr starke Do it yourself-Trend auch in Zukunft weiter fortsetzen wird?

Jonas Bodingbauer: Ich denke schon. 3D-Drucker werden sich immer weiter verbreiten und damit auch die Möglichkeiten für „SelbermacherInnen“ erweitern.

Die Smart Clock holt die Daten aus dem Google-Kalender in die analoge Welt. Glaubst du, dass es auch in der analogen Welt künftig immer mehr solcher „Multifunktionsgeräte“ geben wird?

Jonas Bodingbauer: Ich glaube, es wird in Zukunft immer mehr Gadgets geben, wie man heute schon am Beispiel von Smartwatches und auch dem Google Glass erkennen kann. Vor allem glaube ich aber, dass sich Smartphones noch sehr stark weiterentwickeln werden.

Warum hast du dich dazu entschieden die Smart Clock beim Prix Ars Electronica einzureichen?

Jonas Bodingbauer: Ich habe schon im Vorjahr beim Prix Ars Electronica mitgemacht und dachte mir, dass ich es ja mit diesem Projekt wieder probieren könnte.

Planst du schon dein nächstes Projekt?

Jonas Bodingbauer: Ich habe immer wieder Ideen, aber derzeit kein fixes Projekt vor Augen. Zurzeit widme ich mich der Spieleprogrammierung, vielleicht entwickle ich ja als nächstes ein – kleines – Spiel.

Wer die Smart Clock einmal selbst testen möchte, kann das während des Ars Electronica Festivals von 4. – 8. September im Rahmen der u19-Exhibit, die heuer in der Linzer Spittelwiese stattfinden wird, machen. Zusätzlich werden dort die besten 15 eingereichten Projekte des Prix Ars Electronica 2014, aus der Kategorie u19 – Create Your World, ausgestellt sein.