Ars Electronica Animation Festival 2014

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Shave It – Fernando Maldonado, Jorge Tereso (3dar) (AR)

Das Ars Electronica Animation Festival zeigt mit einer Auswahl aus den über 840 eingereichten Filmen zum Prix Ars Electronica 2014 in insgesamt zehn Programmen einen aktuellen Querschnitt durch das Werk von Filmschaffenden aus den unterschiedlichsten Bereichen aus Kunst, Wissenschaft und Forschung ebenso wie aus dem industriellen Bereich.

Ergänzt werden die Programme des Ars Electronica Animation Festival durch das Programm Young Animations, eine Auswahl von preisgekrönten Filmen des Japan Media Arts Festival des vergangenen Jahres und ein Campus-Genius-Awards-Programm ebenfalls aus Japan.

Kuratiert wird das Ars Electronica Animation Festival jedes Jahr unter anderem von Christine Schöpf, die seit 1996 gemeinsam mit Gerfried Stocker für die künstlerische Leitung des Ars Electronica Festival verantwortlich ist. Wir haben uns vorab mit ihr getroffen, um zu erfahren worauf sich die Festivalbesucherinnen und –besucher heuer beim Animation Festival freuen dürfen.

Es gibt jedes Jahr eine riesengroße Anzahl an eingereichten Arbeiten zum Prix Ars Electronica. Nach welchen Kriterien werden die Filme daraus für das Animation Festival ausgewählt?

Christine Schöpf: Wir greifen auf jene Einreichungen zurück, die nach der ersten Juryrunde  des Prix Ars Electronica geblieben sind. Das waren heuer rund 80 Arbeiten. Wir gehen die arbeiten dann nach der Reihe durch, sehen uns alle an und überlegen gleich, was das in etwa für ein Thema sein könnte. Wenn wir dann alles durchgegangen sind und dabei die Themen festgelegt haben, dann haben wir für jede Themenkategorie eine gewisse Anzahl an Arbeiten. Die reihen wir dann noch einmal nach der Qualität. Hier beachten wir sowohl die inhaltliche, wie auch die technische Qualität und auch den Grad der Innovation. Also es ist im Prinzip eine Art kuratorischer Prozess, bei dem man zuerst entscheidet, was genommen wird und dann geht es darum, wie man die Arbeiten ordnet, dass es eine gewisse Dramaturgie bekommt, indem man die Längen und Themen  der Arbeiten  unterschiedlich anordnet. Es würde keinen Sinn machen, wenn man gleich zu Beginn ein 20 minütiges Stück spielt. Das ist besser irgendwo in der Mitte angesiedelt. Es ist aber im Grunde genommen ein sehr einfacher Prozess.

Ghost Are Dancing – Maxime Causeret, Gilles-Alexandre Deschaud (FR)

Es gibt jedes Jahr unterschiedliche Programme. Wie werden diese festgelegt?

Christine Schöpf: Die Programme werden gleich bei der Auswahl festgelegt. Es kommen in den letzten Jahren zunehmend Arbeiten aus dem Bereich des Mappings – also Projektionen auf Landschaften, Fassaden, usw. Dann ist das ganz klar, dass es ein Programm gibt, das Mapping heißt. Dann haben wir jedes Jahr wieder, obwohl es heuer wieder etwas weniger war, die narrativen Animationen – also Stücke mit der Dramaturgie einer Erzählung. Demnach gibt es dann das Kapitel Narration. Es gibt auch nach wie vor das Kapitel Abstrakt/ Experimentell.

Während wir also die Arbeiten durchschauen überlegen wir gleich welchen Titel das Programm einmal haben könnte. Da ordnen wir die Arbeiten dann ein und dann, wenn das Programm für uns steht, entscheiden wir, ob der Titel passt oder nicht.

Architectural Mapping von Bordos.ArtWorks auf der Stavanger Domkirke während des Screen City Festival 2013, Foto: Jonas Haarr Friestad

Welche Programme sind heuer gleich geblieben und welche sind neu hinzugekommen?

Christine Schöpf: Naja eigentlich in dem Ausmaß, wie heuer, ist Mapping ein neueres Programm. Comedy, Narration, Experimental, Abstract sind fast jedes Jahr vertreten. Mikro – Makrokosmos war heuer ein Thema. Wir haben das Inner Worlds genannt, weil es eine etwas andere Sichtweise zu dem Thema gehabt hat. Im Prinzip bleiben die Programme aber jedes Jahr relativ gleich.

Endtrip – Olivier Ballast, Koen de Mol, Rick Franssen (The Outpost) (NL)

Das Animation Festival zeigt auch immer einen aktuellen Querschnitt durch die Werke von Filmschaffenden. Mapping hast du gesagt ist ein besonderer Trend. Gibt es auch noch andere Trends?

Christine Schöpf:. Es gab ganz unterschiedliche Arbeiten, die diesen Mapping-Aspekt aufgegriffen haben. Bisher waren es aber immer, „traditionelle“ Mappings, wenn man so will. Also Mapping auf die Innenkuppel einer Kathedrale oder Gebäude, bewegte Wasseroberflächen, Landschaften. Ein besonders interessantes und neues Beispiel dieses Jahr ist „The Box“. Der Film ist eine Dokumentation, die zeigt, wie dieses Mapping entstanden ist: mit robotergesteuerten Projektoren auf einer bewegten Fläche. Das Ergebnis ist visuell und technologisch wirklich beeindruckend.

Dann sind auch noch andere sehr interessante Arbeiten dabei die ich als skulpturale bezeichne. Die Goldene Nica der Kategorie Computer Animation ist ein wunderbares Beispiel dafür. „Walking City“ ist eine Referenz an die avant garde Architektengruppe Archigramm und deren „bewegte“ Stadt. Eine Symbiose aus Architektur, Skulptur, Bewegung und Sound. Gedacht ist „Walking City“ nicht für den Screen sondern für eine Großprojektion in einer Ausstellung. Dafür gibt es in den letzten Jahren zunehmend Beispiele – ein weiterer interessanter Trend.

Special Effects sind wir alle schon so gewöhnt, auch wenn bei vielen dieser Filme viel technologische Neuentwicklung gemacht wird. Wir haben heuer nichts wirklich Neues gesehen und deshalb daraus auch kein eigenes Programm gemacht.  Dazu kommt: Man kann heute auf einem PC Dinge machen, wo man früher riesige Computer gebraucht hat, und dafür gibt’s im Animation Festival etliche Beispiele. Insofern glaube ich schon, dass das Animation Festival heuer ziemlich interessant ist, weil es diese neuen Wege zeigt.

Walking City – Matt Pyke (Universal Everything) (GB)

Es gibt auch den Bereich von Young Animations. Wie unterscheiden sich diese Arbeiten von jenen der Erwachsenen?

Christine Schöpf: Natürlich gibt es Unterschiede, aber es ist ganz verblüffend. Nehmen wir wiederum die Goldene Nica der Kategorie u19 CREATE YOUR WORLD. Das Mädchen hat aus Found Footage, was auch so ein Trend in den letzten Jahren ist, wirklich einen neuen Film gemacht. Klar kann das noch nicht mit einer Arbeit mithalten, die von einem Künstler, wie beispielsweise Quayola, gemacht wurde, aber es ist ganz verblüffend, wie viel die Jugendlichen bereits vom Film-machen verstehen, also Kamera, Belichtung, Gesamtdramaturgie. Das ist super! Voriges Jahr hatte ein unter 14 jähriger Bub einen Film beim Prix Ars Electronica eingereicht, bei dem wir lange Zeit gedacht haben, dass er das nicht alleine gemacht haben kann. Am Schluss, kurz vor der Entscheidung, hat die Jury ihn aber angerufen und ihm so kniffelige Fragen gestellt, die er nur beantworten konnte, wenn er auch wirklich den Film alleine gemacht hat und er konnte alle beantworten.

Land – Masanobu Hiraoka (JP)

Unterscheiden sich die Filme, die beim Japan Media Arts Festival eingereicht werden, von jenen die beim Prix Ars Electronica eingereicht werden?

Christine Schöpf:  Ja und nein. Es ist zweifelsohne so, dass unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Themen und auch unterschiedliche Macharten haben. Aber wir haben ja auch im Einreichungspool vom Prix Ars Electronica viele Arbeiten aus China und Japan. Das Japan Animation Festival unterscheidet sich also nicht so sehr vom restlichen Animation Festival. Aber die kulturellen Unterschiede sieht man durchaus bei beiden. Das beginnt oft schon bei der Story. Vor Jahren hatten wir einen großartigen Film – hervorragend gemacht, aber wir haben die Story nicht recht verstanden. Gott sei Dank hatten wir einen Japaner in der Jury. Es  ging in der Animation um das Kirschblütenfest und damit verbundene  Rituale. Er hat uns also die Story erklärt, und es wurde die Goldene Nica! Es ist aber nicht nur die Story, sondern auch Farbigkeit, Transparenz, Bewegung, Sound, der besondere Look, der asiatische Filme von denen aus der restlichen Welt unterscheidet.

Das Ars ELectronica Animation Festival findet von Donnerstag, 4.9. – Montag, 8.9. im Central Linz statt. Hier finden Sie nähere Informationen zu den Programmen und Öffnungszeiten: https://ars.electronica.art/c/ars-electronica-animation-festival-2014/

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