CyberArts Exhibition

CyberArts 2020 – Interactive Art +

OÖ Kulturquartier

Exhibition Tour

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Golden Nica

SOMEONE

Lauren Lee McCarthy (US)

Für wie viel Komfort sind wir bereit, unsere Privatsphäre auf- und die Kontrolle über unser Leben an ein Künstliche Intelligenz-System abzugeben? SOMEONE ist eine interaktive Installation, die das Spannungsverhältnis zwischen Intimität und Privatsphäre sowie Bequemlichkeit und selbstständigem Handeln beleuchtet. Statt einer Maschine nimmt hier SOMEONE („jemand“) die Wünsche der teilnehmenden Smart-Home-Bewohner*innen entgegen. Die Dokumentation des Projekts zeigt, wie diese „menschlichen Alexas“ von einer Kommandozentrale aus die eigens entworfenen intelligenten Haushaltsgeräte ihrer Auftraggeber*innen bedienen können – und sie zugleich beobachten, abhören und überwachen können.

SOMEONE, Lauren Lee McCarthy (US)

Project Credits / Acknowledgements

lauren-mccarthy.com/SOMEONE
With support from Harvestworks and Google Artists and Machine Intelligence

 

 

Award of Distinction

Google Maps Hacks

Simon Weckert

Im Schritttempo zieht Simon Weckert in einem Handwagen 99 Secondhand-Smartphones, auf denen die Routen-Funktion von Google Maps aktiviert ist, eine Straße entlang. Die App interpretiert dieses langsame Vorwärtskommen der Geräte als Verkehrsstau und ändert dementsprechend die Darstellung der Straße von Grün auf Stauwarnungsrot. Darüber hinaus leitet Google Maps seine Nutzer*innen nun automatisch auf eine andere Route um, wodurch der rein virtuelle Stau sich auf die reale Welt auszuwirken beginnt. Diese und andere Aktionen des Künstlers zeigen, welchen Einfluss Navigationssysteme wie Google Maps oder Apps wie Airbnb und Tinder auf unsere Wahrnehmung der Welt haben und wie sie (unbemerkt) unsere Handlungen beeinflussen.

Google Maps Hacks, Simon Weckert

Project Credits / Acknowledgements

simonweckert.com/googlemapshacks.html

 

 

Award of Distinction

Shadow Stalker

Lynn Hershman Leeson (US)

Unsichtbare Überwachungssysteme berauben Menschen ihrer Bürgerrechte: Speziell entwickelte Algorithmen und Data-Mining-Systeme definieren Menschen nach Rasse, Wirtschaftsfaktoren oder Geschlecht. Lynn Hershman Leeson sieht eine dringende Notwendigkeit darin, diese Taktiken aufzudecken, um damit den globalen Schaden, den sie verursachen, abzuwenden. Ihre Arbeit Shadow Stalker besteht aus einem Film, der die Geschichte der vorhersagenden Polizeiarbeit („Predictive Policing”), des digitalen Identitätsdiebstahls („Digital Identity Theft“) und die Gefahren des Data-Minings skizziert. Im interaktiven Teil der Installation wird der „digitale Schatten” der Besucher*innen öffentlich gemacht – in Echtzeit generierte persönliche Informationen, die allein über die E-Mail-Adresse aus Internet-Datenbanken abgerufen werden können.

Lynn Hershman Leeson, Shadow Stalker, 2019, Photo: Dan Bradica. Courtesy The Shed.

Project Credits / Acknowledgements

lynnhershman.com/project/shadow-stalker
Commissioned by: The Shed with additional funding from VIA Art Fund

 

 

Honorary Mention

Algorithmic Perfumery

Frederik Duerinck (NL)

Dieses multisensorische Projekt stellt das Konzept der Massenproduktion in Frage, indem es die mögliche Zukunft einer individualisierten Parfümerie entwirft. Algorithmic Perfumery wertet ausgefüllte Fragebögen aus und generiert auf Basis dieser Daten einen entsprechenden einzigartigen Duft. Die Rückmeldungen der Proband*innen auf dieses Parfum werden wiederum in das Programm eingespeist, um die vom Algorithmus entwickelten Kompositionen zu verfeinern. Durch die Interaktion mit der Maschine bekommen die Benutzer*innen die Macht, aktiver Teil des kreativen Prozesses zu sein: Die Maschine lernt von ihren persönlichen physischen Erfahrungen und ihrem subjektiven (Geruchs-)Empfinden.

Algorithmic Perfumery, Frederik Duerinck (NL)

Project Credits / Acknowledgements

algorithmicperfumery.com
Design: Vincent Soffers, Mark Meeuwenoord

 

 

Honorary Mention

Appropriate Response

Mario Klingemann (DE)

Mario Klingemann hinterfragt in Appropriate Response („Angemessene Antwort“) die Bedeutung, die dem geschriebenen Wort per se beigemessen wird. Mit dem Niederknien auf einem „Betstuhl“ beginnt ein Künstliche Intelligenz-System eine einzigartige Folge von Wörtern zu generieren – eine „Botschaft“, die an Aphorismen, Zitate oder Sprüche in Glückskeksen erinnert und nur einmal, also vermeintlich einzig und allein für die jeweilige Teilnehmer*in, erstellt wird. Der Künstler spielt hier mit den Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten, die Worte in uns hervorrufen können, selbst wenn sie nur ein Computerprogramm erstellt hat. Mit seiner Inszenierung der Interaktion erinnert er bewusst an religiöse Rituale und eine zutiefst menschliche Sinnsuche.

Appropriate Response, Mario Klingemann (DE)

Project Credits / Acknowledgements

onkaos.com/mario-klingemann
With support from: Colección SOLO

 

 

Honorary Mention

Center for Technological Pain

Dasha Ilina (RU)

Das Center for Technological Pain (CTP) ist eine von Dasha Ilina gegründete Scheinfirma, die Abhilfe bei Gesundheitsproblemen anbietet, die durch digitale Technologien wie Smartphones und Laptops verursacht werden. Ihr Angebot umfasst selbst gebaute Objekte, Selbstverteidigungstechniken, Yogaübungen oder Workshops. Die vorgeschlagenen Open-Commons- und DIY-Praktiken sind eine humorvolle Annäherung an ein durchaus ernstzunehmendes zeitgenössisches Problem: den immer größer werdenden Raum, den digitale Technologien in der Gesellschaft einnehmen, und die negativen Auswirkungen, die sie auf unseren Körper haben können.

Center for Technological Pain, Dasha Ilina (RU)

Project Credits / Acknowledgements

centerfortechpain.com

 

 

Honorary Mention

Machine Auguries

Alexandra Daisy Ginsberg (GB)

Allzu leicht sehen wir über die Auswirkungen hinweg, die wir Menschen auf das Ökosystem haben. Beispielsweise beeinflussen Licht- und Lärmverschmutzung in dicht besiedelten Gebieten das Verhalten der Vögel massiv. Um sich anzupassen, singen sie mittlerweile früher, lauter, länger oder in einer höheren Tonlage. Alexandra Daisy Ginsberg möchte auf derartige vom Menschen verursachte Veränderungen hinweisen: Mit ihren Machine Auguries („Maschinen-Prophezeihungen“) schafft sie eine immersive Umgebung, in der das Publikum in je nach Tageszeit wechselnden Lichtstimmungen den dazu passenden Vogelgesang erleben kann. Reale Vogelaufnahmen werden dabei von trainierten neuronalen Netzen gespiegelt, die den Gesang unmittelbar erlernen und nachahmen. Letztendlich ist nur noch rein künstlich generierter Vogelgesang zu hören, der nicht mehr von einem echtem „Dämmerungschor“ zu unterscheiden ist.

Machine Auguries, Alexandra Daisy Ginsberg (GB), Photo: Luke Andrew Walker

Project Credits / Acknowledgements

Commissioned by Somerset House and A/D/O by MINI.
With additional support from Faculty and The Adonyeva Foundation.

 

 

 

Honorary Mention

The Intimate Earthquake Archive

Sissel Marie Tonn in collaboration with Jonathan Reus (DK)

Diese Arbeit ist sowohl ein laufendes Forschungsprojekt als auch eine interaktive Installation, die sich mit von Menschen verursachten Erdbeben in der niederländischen Provinz Groningen befasst. Um auf die Probleme der Region – eines der größten Gasfelder Europas –, aber auch auf die generellen Auswirkungen der Ausbeutung fossiler Brennstoffe hinzuweisen, lädt The Intimate Earthquake Archive („Intimes Erdbebenarchiv“) zu einem „vertiefenden Zuhören“ ein. Dafür macht Sissel Marie Tonn die durch Erdbeben hervorgerufenen Erschütterungen am eigenen Körper sinnlich erfahrbar. Für die Präsentation in der Ausstellung hat der Klangkünstler Jonathan Reus eine zehnminütige, taktile Komposition aus den seismischen Daten eines aufgezeichneten Erdbebens geschaffen, die über eine tragbare „Tastweste“ hör- und spürbar ist.

The Intimate Earthquake Archive, Sissel Marie Tonn in collaboration with Jonathan Reus (DK), photo: Stella Dekker

Project Credits / Acknowledgements

jonathanreus.com/portfolio/the-intimate-earthquake-archive
Hardware design/Interaction: Marije Baalman & Jonathan Reus, Carsten Tonn-Petersen
Vest design: Gino Anthonisse and Christa van der Meer
Graphic Design: Márton Kabai
With support from: Theodora Niemeijer Fund, Van Abbemuseum, TNO – Innovation for Life, KNMI, Artefact festival, Stroom Den Haag, Stimuleringsfonds NL

 

 

Honorary Mention

Trickle Down, A New Vertical Sovereignty

Helen Knowles (GB)

In der hier dokumentierten Installation, die ursprünglich aus einer Vierkanal-Videoprojektion, einem transparenten Münzautomaten und einer generativen Klanglandschaft besteht, macht Helen Knowles subtil die Mechanismen technologischer und finanzieller Machtstrukturen sichtbar. Jeder Münzeinwurf bewirkt automatisierte Zahlungen in Kryptowährung an alle Personen, die in das Projekt involviert sind, von Auktionsteilnehmer*innen und Künstler*innen bis hin zu Personen, die halfen, die Installation zu realisieren. Gemeinsam bilden sie eine „Trickle-Down-Gemeinschaft“, in der jede/r gleich viele Anteile des Kunstwerks als Anerkennung für die geleistete (unsichtbare) Arbeit bekommt.

Trickle Down, Helen Knowles (GB)

Project Credits / Acknowledgements

helenknowles.com/index.php/work/trickle_down
Supported using public funding from Arts Council England. The artwork is produced by FutureEverything with additional support from Whitworth Gallery, The University of Manchester, arebyte Gallery, FACT and One London Bridge.