Ars Electronica Solutions auf dem Future Playground

Auf dem Future Playground präsentieren sich das Ars Electronica Futurelab und die Ars Electronica Solutions beim Ars Electronica Festival 2014. Michael Badics verrät uns, welche interaktiven Produkte und Dienstleistungen Ars Electronica Solutions heuer präsentieren werden.

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ZeitRaum / New York (Credit: Lois Lammerhuber, Martin Ackerl)

Auf dem Future Playground präsentieren sich das Ars Electronica Futurelab und die Ars Electronica Solutions beim Ars Electronica Festival 2014. Besucherinnen und Besucher werden dazu eingeladen, in Auseinandersetzung mit den gezeigten Arbeiten über Kunst, Technologie, Gesellschaft und Wandel – Change – nachzudenken. Dazu bietet sich eine Reihe unterschiedlicher interaktiver Exponate, Liveperformances, Vorträge und Diskussionsrunden an.

Um mehr zu erfahren, was Ars Electronica Solutions auf dem Future Playground präsentieren wird, haben wir uns mit Michael Badics, Senior Director von Ars Electronica Solutions, getroffen. Dabei hat er uns verraten, warum sich Ars Electronica Solutions und Ars Electronica Futurelab die Location am Ars Electronica Festival teilen und welche interaktiven Produkte und Dienstleistungen sie heuer präsentieren werden.

Hallo Michael! Beim Ars Electronica Festival präsentiert ihr Ars Electronica Solutions auf zwei unterschiedliche Weisen…

Michael Badics: Genau, zum einen ist Ars Electronica Solutions bei verschiedenen Workshops, Konferenzen und Vorträgen vertreten. Zum anderen wollen wir die Arbeit, die wir in den letzten Jahren geleistet haben, anhand einiger Beispiele zeigen.

Shadowgram (Credit: Martin Hieslmair)

Welche Beispiele sind das?

Michael Badics: Hauptsächlich präsentieren wir eine Auswahl aus Projekten, die wir in den letzten Jahren gemacht haben und sich in die vier großen Bereiche Brandlands & Exhibitions, Event & Show Design, Urban Media Development und Shop Experience eingliedern lassen.

Wir zeigen zum Beispiel das Shadowgram aus dem Bereich Event und Show Design. Beim Shadowgram werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzeln vor einer Lichtwand fotografiert. Das Ergebnis ist ein Schattenbild, das man als Aufkleber ausdrucken kann. Diese Silhouette kleben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit einer Sprechblase auf ein Poster oder eine Landkarte auf, wobei sie in der Sprechblase ihre persönlichen Gedanken und Meinungen zu einem bestimmten Thema zum Ausdruck bringen.

Beim Ars Electronica Festival zeigen wir aber eine erweiterte Funktionalität. Wir erweitern es um eine digitale Dimension. Die Sprechblase wird digital auf einem Screen oder einer Projektion dargestellt und einer Kategorie zugeordnet. Das kann dann in Folge viel besser ausgewertet und analysiert werden. Das Thema wird, passend zum Motto des Ars Electronica Festival 2014 „What it takes to Change“, die Veränderung sein. Was denken Bürgerinnen und Bürger gehört geändert beziehungsweise was müssen wir ändern? Hier wollen wir eine Verbindung zum Future Innovators Summit schaffen. Die jungen Future Innovators sollen mit den Gedanken der Bürgerinnen und Bürger der Stadt konfrontiert werden, um herauszufinden, welche Ideen die Köpfe der Zukunft zu diesen Gedanken und Meinungen haben.

Bienenstock

Wird es auch wieder das Bienenstock-Projekt geben?

Michael Badics: Ja, wie letztes Jahr gibt es auch heuer wieder das Bienenstock-Projekt. Der Bienenstock ist ein Experiment, bei dem Videoaufnahmen von Großereignissen – wie eben einem Festival – aus den Händen einer Vielzahl von Besucherinnen und Besuchern gesammelt und kontextualisiert werden. Dessen Hauptstation wird heuer im Akademischen Gymnasium Linz sein. Dort kann sich jeder und jede eine Actionkamera ausleihen und seinen oder ihren ganz persönlichen Eindruck vom Festival festhalten. Wir sind auch im Moment dabei, eine App dafür zu produzieren, um es mit dem eigenen mobile Device möglich zu machen. Damit jede und jeder mitmachen kann, ohne sich vorher etwas ausborgen zu müssen. Zusätzlich sind diese Videos, die dann über die App aufgenommen werden, georeferenziert. Das heißt, wir wissen genau, wo die Videos aufgenommen wurden und können so die Wege der Besucherinnen und Besucher nachvollziehen.

Wir integrieren auch noch das Solutions Projekt GeoPulse. GeoPulse basiert auf geographischen Informationssystemen und ermöglicht die Darstellung eines ausgewählten Gebiets, einer Region oder eines ganzen Landes. Das Kartenmaterial oder die Luftaufnahmen werden mit den gewünschten Dateninhalten verknüpft. Statistische oder demographische Daten, Simulationen, Echtzeitdaten, Wetterdaten, Verkehrsmeldungen – die Bandbreite an möglichen Datenquellen ist endlos. Für das Festival verwenden wir dann die Daten der Videos der Besucherinnen und Besucher und erhalten so einen ganz besonderen Blick auf Linz zur Zeit des Ars Electronica Festivals. Das finde ich höchst spannend. Man sieht quasi in einem Zeitraffer viele, viele Videos, die zu einer bestimmten Zeit am selben Ort aufgenommen worden sind. Man bekommt dadurch einen fantastischen neuen Blickwinkel in die Stadt hinein.

(In)Sights (Credit:  Ars Electronica Solutions)

Welche Projekte aus den vier Bereichen werden noch gezeigt?

Michael Badics: Um zu zeigen, wo Ars Electronica Solutions überall tätig ist, präsentieren wir im Future Playground, in der Turnhalle des Akademischen Gymnasiums Linz, verschiedene Referenzprojekte. Dafür verwenden wir ein neues Produkt, viPOS, das wir in Kooperation mit Umdasch Shopfitting entwickelt haben. Dies zeigt auch gleich die Flexibilität und Modularität des neuen interaktiven Produktes.

Es zeigt quasi die Geschichte von Solutions, nämlich die ganzen Projekte, Kooperationen und Konzepte, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben. Das ist sozusagen eine Informationsstation, die wir dort aufbauen.

Virtuelles Ohr (Credit:  Audioversum)

Wird das ein oder andere Beispiel auch ausgestellt?

Michael Badics: Der Kernbereich von Ars Electronica Solutions ist der Bereich Brandlands und Exhibitions. Nicht nur, weil wir hier ein Center haben und nicht nur weil wir wissen, wie man Ausstellungen macht und betreibt, sondern die Besonderheit besteht darin, dass wir als Solutions die gesamte dazu notwendige Prozesskette liefern können. Also von der Konzeption, über die Realisierung, bis zum Betrieb ist alles aus einer Hand, wobei wir da auch auf das Know-how der anderen Bereichen, vor allem auf das Futurelab, zurückgreifen können. Das ist schon etwas, was uns am Markt einzigartig macht. Das wollen wir natürlich auch am Festival mit Beispielen belegen.

Zwei Dinge, die wir in diesem Bereich präsentieren wollen, sind Beispiele aus der Audioversum-Ausstellung und der Ausstellung L’Oracle du papillon. Bei der Ausstellung Audioversum geht es um das Thema Hören. Wie funktioniert hören? Wie sensibilisiert man Menschen, um das überhaupt zu verstehen, was es bedeutet, wenn man einen Hörverlust hat? Wie ist es, wenn man älter wird? Um das zu vermitteln, wurden wir vom Unternehmen MED-EL, dem Weltmarktführer im Bereich Gehörimplantate, beauftragt, ein Science Center Audioversum zu konzipieren und zu realisieren. Aus diesem Bereich kommt das Exponat Virtuelles Ohr. Man kann in 3D durch ein „Virtuelles Ohr“ reisen. Über ein Mikrofon werden Geräusche, Sounds und Stimmen der Besucherinnen und Besucher abgenommen. Diese akustischen Ereignisse werden in Echtzeit in der Applikation verarbeitet und auf der Projektion visualisiert.

Solutions Center (Credit:  Ars Electronica Solutions)

Wir zeigen auch ein Beispiel einer Ausstellung, die wir in der Schweiz gemacht haben, nämlich L’Oracle du Papillon. Thema der interaktiven Ausstellung ist die Nachhaltigkeit. Die Exponate der Ausstellung machen den Besucherinnen und Besuchern mögliche kleine Einzelschritte bewusst, die sie zum Thema Nachhaltigkeit beitragen können. Dabei ermöglicht es der Ausstellungsbereich „GeoPulse“ die Veränderungen im Verlauf der Zeit auf spannende Weise zu erkunden. Wir nennen diese Einzelschritte Gesten. Gesten, die jeder Mensch eigentlich machen kann, um unsere Zukunft ein kleines bisschen zu verbessern, wie beispielsweise das Wasser beim Zähneputzen abzuschalten oder elektronische Geräte nicht auf Standby-Betrieb eingeschaltet zu lassen.

Wir zeigen am Festival eine Auswahl von unterschiedlichen Gesten und man kann als Besucherin und Besucher dann ein oder mehrere Gesten auswählen, zu der man sich verpflichten möchte. Es wird dann visualisiert, wie viele Tonnen CO2 man durch die Geste spart, wie viel es sparen würde, wenn sich alle Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Linz dazu verpflichten würden und wie viel es sein würde, wenn das ganz Österreich machen würde.

Um auch zu zeigen, wie Ars Electronica Futurelab und Solutions zusammenarbeiten, präsentieren wir, was wir am Flughafen Wien gemacht haben. Unter dem Titel „ZeitRaum“ entstand am Austrian Star Alliance Terminal Check-in mit 165 Screens eine Medienkunstinstallation des Ars Electronica Futurelabs, dessen Mittelpunkt jener imaginäre Raum ist, der alle Flughäfen dieser Welt miteinander verbindet. Auf dem gigantischen, fünfzehn Meter breiten und neun Meter hohen Display mit einer Anzeigefläche von mehr als 530 Megapixel formt sich die Topografie dieses ZeitRaums. Durch Weiterentwicklungen der Ars Electronica Solutions ist es nun auch möglich, dieses Display auch in anderen Kontexten zu verwenden, beispielsweise werden darauf fünf einzigartigen Gigapixelbilder von New York City gezeigt, die einen Bezug zur Austrian Airlines herstellen.

Bei dieser interaktiven Installation sieht man den Übergang von einer künstlerischen Arbeit hin zu einer eher kommerziellen Anwendung, die den Menschen in irgendeiner Form etwas näher bringen soll. Das ist ein sehr schönes Beispiel, um das Ineinandergreifen von Ars Electronica Futurelab und Ars Electronica Solutions zu zeigen. Das soll am Festival auch besonders demonstriert werden, dass die Ars Electronica eine Einheit ist, deren Abteilungen sich auf unterschiedliche Bereiche fokussieren, die aber ineinandergreifen und das eine zum anderen führt. Deshalb sind auch Ars Electronica Futurelab und Ars Electronica Solutions an einer Location am Ars Electronica Festival.

Rag Shopping Wall (Credit:  Ars Electronica Solutions)

Wird auch ein Beispiel aus einem anderen Bereich präsentiert?

Michael Badics: Wir zeigen auch etwas aus einem Bereich, den wir Shop Experience nennen. Das ist ein spezieller Bereich des öffentlichen Raums. Shops sehen sich zunehmend mit der virtuellen Welt konfrontiert. Man muss also überlegen, wie man Shops in Zukunft konzipieren muss, damit sie es mit der virtuellen Welt aufnehmen können. Man muss sich darüber Gedanken machen, wie man gewisse Informationen und den hohen Grad an Flexibilität, der normalerweise nur digital zu Verfügung steht, in das reale Leben bringt, ohne das haptische Erlebnis, das den großen Vorteil von Shops darstellt, zu verlieren. Beim Ars Electronica Festival zeigen wir ein Produkt, viPOS, das wir in Kooperation mit der Firma Umdasch Shopfitting, dem führenden Ladenbauer Europas, gemacht haben. Während die Expertise der Shop-Gestaltung ganz klar bei Umdasch Shopfitting liegt, bringen wir das Wissen über digitale Medien, Inszenierung und Interaktion mit den Kundinnen und Kunden mit. Wir verknüpfen die virtuelle und die reale Welt und bringen beide im Shop zusammen. Dabei werden viele Vorteile des Internets in den Shop hinein gebracht und dennoch bleiben die Vorteile des Shops erhalten.

Laser Game (Credit:  Ars Electronica Solutions)

Wird es auch etwas Neues zu sehen geben?

Michael Badics: Ja! Damit man sieht, wie Technologie noch verwendet werden kann, zeigen wir zum Ars Electronica Festival ein Lasergame, das primär das Vergnügen im Vordergrund hat. Also wirklich Spaß am Spiel zu haben. Der Hintergrund ist allerdings, dass man zeigt wie Hightech noch verwendet werden kann und ganz normalen Menschen zugänglich gemacht werden kann. Damit man Laser nicht nur als hochenergetisch wahrnimmt.

Wir werden auch noch einen interaktiven Tisch präsentieren, auf dem man mit Karten arbeiten kann. Das sind einfache Postkarten, die man dann auch mit nach Hause nehmen kann,  auf denen alle Projekte der Ars Electronica Solutions beschrieben sind, wenn man sie auf den Tisch legt. Wieder ein Beispiel, wie schön man das Analoge mit dem Digitalen verbinden kann.

Der Future Playground befindet sich im Turnsaal des Akademisches Gymnasiums Linz und ist während des Ars Electronica Festivals 2014 von DO 4.9. – MO 8.9.2014 jeweils 10:00 – 21:00 geöffnet. Nähere Informationen unter: https://ars.electronica.art/c/future-playground