Ein Blick hinter die Kulissen der Spaxels

Seit 2012 forschen und entwickeln die Mitglieder des Ars Electronica Futurelabs nun schon an den sogenannten Spaxels (Space Pixel). Im Rahmen der Spaxels Concept Demos wird Einblick in die Funktionsweise der Spaxels gegeben und beispielhaft aufgezeigt was bisher realisiert wurde.

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Seit 2012 forschen und entwickeln die Mitglieder des Ars Electronica Futurelabs nun schon an den sogenannten Spaxels (Space Pixel). Dabei handelt es sich um einen mit LED Lichtern ausgestatteten Drohnenschwarm, der im Formationsflug dreidimensionale Figuren in den Himmel „zeichnen“ kann. Im Rahmen der Spaxels Concept Demos wird am sogenannten Future Playground beim Ars Electronica Festival 2014 Einblick in die Funktionsweise der Spaxels gegeben und beispielhaft aufgezeigt was bisher realisiert wurde.

Wir haben uns mit drei Mitgliedern des Spaxel Teams, Horst Hörtner, Chris Bruckmayr und Andreas Jalsovec getroffen und mit ihnen über das Programm der Spaxels Concept Demos gesprochen.

Könnt ihr bitte einen Überblick über das Programm der Spaxels Concept Demos geben?

Horst Hörtner: In einem ersten Teil präsentieren Andreas und Chris das Konzept der Spaxels. Hier geht es um die Geschichte der Spaxels und darum worauf es uns inhaltlich, konzeptionell und künstlerisch eigentlich ankommt.

Beim zweiten Teil geht es dann um die mittelbare Interaktion mit den Drohnen.  Wir arbeiten mit einer Gestensteuerung, auf die die Drohnen dann reagieren.

Der dritte Teil ist dann die unmittelbare Interaktion. Man greift die Drohnen an, man bewegt sie von Hand und die anderen Drohnen reagieren dann darauf. Es geht also darum mit einem Schwarm – oder besser noch einem, durch den Schwarm geformten, Objekt – zu interagieren.

Damit geben wir Einblick in die aktuell laufenden Forschungsfragen im Zusammenhang mit den Spaxels und zeigen absolute Prototypen an denen wir gerade arbeiten. Das passiert während des Ars Electronica Festival  von Freitag, 5.9. bis Sonntag 7.9., jeweils um 11:00 und 17:00 Uhr und am Montag 8.9., um 11:00 Uhr.

Andreas Jalsovec: Die drei Dinge passieren immer nacheinander. Das Ganze beginnt immer mit einem generellen Überblick über die Spaxels, danach werden zwei Spiele aus dem Forschungsprojekt CADET [Center for Advances in Digital Entertainment Technologies] vorgeführt und im Anschluss daran werden die sogenannten Smart Atoms präsentiert.

Horst Hörtner: CADET – das Center for Advances in Digital Entertainment Technologies – ist ein 3 jähriges Forschungsprojekt mit der Fachhochschule Salzburg. Und einige der Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten – speziell die im Hinblick auf die Gestensteuerung etwa – werden hier mit den Entwicklungen der Spaxels zusammengeführt.

Was wird beim ersten Teil, bei den Spaxels Präsentationen, gemacht?

Andreas Jalsovec: Da geht es in erster Linie darum die Spaxels und deren Konzept zu erklären. Wir beginnen mit einem Indoorflug. Drei Drohnen, also drei Spaxels werden zum Soundtrack von unserem Futurelab Kollegen Michael Mayr fliegen und wir werden grundsätzlich einmal das Konzept der Spaxels vermitteln beziehungsweise die Idee davon, weil sie ja normalerweise im Freien fliegen. Dann geben wir einen Einblick in die Historie der Spaxels. Vom ersten Konzept der Spaxels, das Horst vor der Klangwolke 2012 geboren hat, über sämtliche Shows, die wir bisher geflogen sind, bis hin zu Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo wir den letzten Outdoor Auftritt hatten. Wir geben auch einen kurzen Einblick „Behind the Scenes“ auf den letzten Test in Krailling in Deutschland, wo wir erstmals einen Test mit 60 Drohnen gemacht haben.

Chris Bruckmayr: Im ersten Teil geht’s eben darum erst einmal zu erklären, was ein Spaxel überhaupt ist und was das Medienkunst-Konzept dahinter ist, nämlich programmierbare Lichter auf Drohnen zu setzen, in einem Schwarm zu fliegen und ein dynamisches Display am Himmel zu erzeugen. Wir demonstrieren das anhand kurzer Filme diverser Shows und Entwicklungsschritte, die wir dabei gemacht haben. Dann leiten wir durch den letzten Test, den wir im Juli mit Daimler gemacht haben, über zu den beiden CADET-Spielen, wo dann der Indoorflug mit einer Interaktion gestartet wird.

Worum geht es bei den beiden CADET-Spielen?

Andreas Jalsovec: Das erste Spiel nennt sich Just Fly. Das ist angelehnt an das PlayStation Spiel Just Dance. Wir haben Gebrauch davon gemacht und es für unsere Drohnen umfunktioniert. Das heißt, man wird aufgefordert verschiedene Gesten oder Posen einzunehmen und die Drohnen tanzen dann dazu. Das Nette dabei ist, dass die 7bit Heroes den Soundtrack dazu gemacht haben, die auch schon einmal den Sound für ein Event in Brisbane, in Australien, wo wir mit den Spaxels geflogen sind, beigesteuert haben. Das ist eine interaktive Popband, die genau in diese Kerbe schlägt und relativ viele interaktive Performances auf der Bühne machen.

Das zweite Spiel nimmt Bezug auf das virtuelle Spiel Pong, das man dann mit den Spaxels spielen kann.

Dann gibt es auch noch die Smart Atoms Präsentation. Was wird hier präsentiert?

Horst Hörtner: Es geht bei „Smart Atoms“ um die Frage, wo in der menschlichen Wahrnehmung ganz bestimmte Wahrnehmungsgrenzen liegen. Konkret: Welches Schwarmverhalten dieser Fluggeräte führt beim Menschen zur Wahrnehmung des Schwarmes als „ein Ganzes“, als ein Objekt.  Wo genau befindet sich die Trennlinie in der Wahrnehmung zwischen „Ich interagiere mit vielen einzelnen Objekten“ zu „Ich interagiere mit einem Objekt aus vielen Teilen“.  Und welche Interaktionsstrategien und Metaphern ergeben sich daraus.

Wie sehen die Smart Atoms aus?

Horst Hörtner: Im Indoor Flug – auch weil man viel näher an den Spaxels dran ist – wird das Spaxel nicht mehr als Lichtpunkt wahrgenommen,  sondern als  Objekt im Raum. Das ist eigentlich der Gedanke dahinter. Die Spaxels hier sind weiße, fliegende Würfel. Es geht nicht mehr um die Abbildung eines Objektes, sondern um eine physische dreidimensionale Nachbildung eines Objektes. Da diese nachgebildeten Objekte aus mehreren „Smart Atoms“ – also fliegende Würfel, oder Bausteine –  bestehen und daher  veränderlich sind, stellen sich eine Unmenge an Fragen. Nicht nur aus dem Bereich der Technologie, sondern vor allem  im Hinblick auf neue Interaktionsstrategien mit diesen Objekten. Wobei wir derzeit  noch ganz am Beginn der Arbeiten stehen, aber hier erstmals versuchen dieses Konzept zu demonstrieren.  In diesem Sinne – und nicht nur dem Namen nach – nehmen die „Smart Atoms“ auch Bezug auf die, durch Hiroshi Ishi angestoßene Diskussion zu den „Radical Atoms“.

Die Spaxels Concept Demos finden während des Ars Electronica Festival von Freitag 5.9. bis Sonntag 7.9.2014, 11:00 – 12:00 und 17:00 – 18:00 und Montag 8.9.2014, 11:00 – 12:00 am Future Playground, im Turnsaal des Akdademisches Gymnasiums statt.