Me and the Machines

Seit September erwartet die Besucher*innen des Ars Electronica Center die neue Ausstellung „Me and the Machines“.

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In der in Kooperation mit dem Robopsychology Lab der Johannes Kepler Universität Linz durchgeführten neuen Ausstellung „Me and the Machines“ werden im Ars Electronica Center die menschlichen Beziehungen mit Künstlicher Intelligenz und Robotik genauer untersucht und die Frage gestellt, wie wir als Menschen intelligente Maschinen erleben und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten.

Anhand von wechselnden Arbeiten, kuratiert durch das wissenschaftliche Team des Robopsychology Labs, lädt die neue Ausstellung zum Mitforschen, Ausprobieren und Reflektieren ein. Fragen, die gemeinsam mit dem Publikum untersucht werden, adressieren Aspekte wie Vertrauen und Verstehen, Ablehnung und Akzeptanz, Vermenschlichung von Maschinen und Abgrenzung davon.

Künstliche Intelligenz, smarte Apps und Roboter werden zu allgegenwärtigen Interaktionspartnern. Wir nehmen ihre Empfehlungen entgegen, treffen gemeinsam Entscheidungen, kollaborieren am Arbeitsplatz und sprechen mit ihnen – manchmal beinahe wie mit echten Personen. Doch was sind diese Maschinen für uns, wie erleben wir, als menschliche Individuen mit all unseren verschiedenen Bedürfnissen und Erfahrungen, diese Maschinen? Sind sie willkommene Unterstützung oder unheimliche Konkurrenz für uns, bloßes Werkzeug oder soziales Gegenüber?

Menschliches Denken, Fühlen und Verhalten – das waren schon immer zentrale Gegenstände der Psychologie. Aufbauend darauf erforscht das Robopsychology Lab der Johannes Kepler Universität Linz seit 2018, wie Menschen intelligente Maschinen erleben, sich ihnen gegenüber verhalten und wie Bedürfnisse unterschiedlicher Personengruppen in der Technologieentwicklung Berücksichtigung finden. Partizipative und transdisziplinäre Forschungsprozesse sind dabei von großer Bedeutung.

Wir haben mit Univ.-Prof.in Dr.in Martina Mara, Leiterin des Robopsychology Labs der Johannes Kepler Universität Linz, über die neue Ausstellung im Ars Electronica Center gesprochen.

Martina Mara, Credit: Birgit Cakir

Zwischen dem Robopsychology Lab und dem Ars Electronica Center besteht bereits eine langjährige Beziehung. Warum ist ein Museum eine gute Umgebung für ein Forschungsszenario?

Martina Mara: Ich bin der Überzeugung, dass sich die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien stärker in die Breite der Gesellschaft öffnen muss und partizipativer werden muss, als das bisher der Fall ist. Wenn die Bedürfnisse und Sichtweisen von vielen unterschiedlichen Menschen – beispielsweise mit unterschiedlichem Alter, Gender oder Erfahrungshintergrund – früh in Forschung und Technologiedesign einfließen,erhoffe ich mir, dass unsere Gadgets von morgen auch besser für die heterogenen Nutzer*innenkreise, die es in der Realität ja immer gibt, funktionieren.

Im Ars Electronica Center erreichen wir mit unserer Forschung ein wirklich breites Publikum: Schüler*innen, Senior*innen, Künstler*innen, Tech-Expert*innen und viele andere mehr. Sie alle können bei Me and the Machines ihr persönliches Verhältnis zu Robotern und KI-Systemen auf den Prüfstand stellen und vor Ort an Studien teilnehmen. Dass das Robopsychology Lab diesen Satelliten im Ars Electronica Center hat, ist ein großes Privileg für uns!

Contact, Credit: tom mesic

In der neuen Ausstellung wird untersucht, wie Menschen intelligente Maschinen erleben. Wie sind die bisherigen Erfahrungen dazu?

Martina Mara: Da muss ich natürlich antworten: It depends. Es kommt auf die Art der Maschine an, es kommt auf den Nutzungskontext an, es kommt auf das Individuum an. Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob sich eine Nutzerin als kompetent und selbstsicher im Technologiebereich betrachtet oder ob sie umgekehrt das Gefühl hat, in dem ganzen Hype rund um KI und Robotik nicht mehr durchzublicken und dann eher verunsichert ist, wenn sie auf einen Roboter trifft.

Auch die Art, wie über Maschinenintelligenz in der medialen Öffentlichkeit berichtet wird, hat Einfluss auf unser Erleben. Eine Analyse des Robopsychology Labs hat ergeben, dass Künstliche Intelligenz in Medienbildern häufig als hochgradig menschenähnlicher Roboter dargestellt wird. Ich befürchte, dass solche Bilder zu einer starken Überschätzung des technisch Machbaren führen oder aber Ängste vor der Ersetzbarkeit des Menschen auslösen.

Gleichzeitig sind diese Darstellungen surreal, denn die meisten „intelligenten Maschinen“ der Gegenwart spazieren ja nicht gerade auf zwei Beinen durch die Gegend, sondern sind – wie wir auch bei Me and the Machines zeigen – entweder körperlose Algorithmen oder sehr spezialisierte, mechanisch aussehende Roboter, wie man sie aus der Industrie kennt.

By the way: Zur Wahrnehmung von Industrierobotern forschen wir seit längerem auch gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab. In unserem interdisziplinären Forschungsprojekt CoBot Studio haben wir kürzlich ein einzigartiges Mixed-Reality-Spiel im Deep Space 8K umgesetzt, in dem die Teilnehmer*innen gemeinsam mit einem physisch anwesenden mobilen Roboter in einer virtuellen 3D-Umgebung Aufgaben erledigen mussten. In Me and the Machines können wir Ergebnisse daraus künftig an das Museumspublikum zurückspielen.

Contact, Credit: tom mesic

Bei Contact kann ein erster physischer Kontakt mit einem Roboter aufgenommen werden. Wie muss ein Roboter aussehen, wie muss er sich verhalten, damit Menschen ihn eher akzeptieren?

Martina Mara: Ein Beispiel: Roboter, die niedlich und comicähnlich aussehen, etwa durch rundliche Formen oder durch freundliche Augen vorne drauf, stoßen häufig auf Sympathie. Gleichzeitig zeigen Studien, dass wir uns durch niedliche Maschinen auch leichter manipulieren lassen, also beispielsweise schneller persönliche oder sogar passwortrelevante Daten rausrücken, wenn uns solch ein Roboter danach fragt. Danach zu streben, durch spezifische Designs die Nutzer*innen-Akzeptanz zu steigern, ist daher oft ein zu simples Ziel; zumindest können sich
dadurch auch ethische Fragen auftun.

Bei Contact treffen Besucher*innen auf eine andere Art von Roboter, nämlich einen klassischen industriellen Roboterarm, der sich auf ganz bestimmte Weise bewegt und dem die Künstler*innen Emanuel Gollob und Magdalena May ein neues Interaktionswerkzeug verpasst haben. Fragen, die diese Installation aufwirft, lauten: Nehme ich den Roboter trotz seines maschinenhaften Aussehens als soziales Gegenüber wahr? Und falls ja, woran könnte das liegen? Solche Prozesse interessieren uns in der psychologischen Forschung zurzeit sehr.

The Schwammerl Hunting Game, Credit: tom mesic

Im AI Forest – The Schwammerl Hunting Game begibt man sich auf digital-analoge Schwammersuche. Eine künstlich intelligente App unterstützt bei der Frage, ob die gefundenen Pilze giftig oder essbar sind. Unterscheidet sich unser Vertrauen in intelligente Maschinen, wenn es um Leben oder Tod geht?

Martina Mara: Grundsätzlich ist die Frage nach dem Vertrauen in jemanden, der mir eine Empfehlung gibt – sei es Mensch, sei es Maschine – überhaupt nur dann relevant, wenn etwas auf dem Spiel steht. Wenn eine Situation keinerlei Risiko enthält, ist sie auch nicht vertrauensdiagnostisch. Die KI-gestützte Schwammerlsuche ist aus dieser Sicht ein sehr brauchbares Szenario für unsere Forschung, weil sich viele Menschen gut in die Situation hineinversetzen können und verstehen, dass es hier klarerweise um etwas geht. Selbst wenn es keine Frage von Leben und Tod ist, möchte ich ja nicht unbedingt ungenießbare Pilze einsammeln, von denen mir ein paar Stunden nach dem Genuß des Schwammerlgulaschs übel wird.

Was wir am Beispiel des Schwammerl Hunting Game mit den Besucher*innen diskutieren möchten, ist, wie sehr sie der Pilzidentifikation durch eine künstliche Intelligenz, die wir im Vorfeld mit tausenden Fotos von Waldpilzen gefüttert haben, vertrauen. Nicht jede Person trifft dabei auf die gleiche KI-Variante, denn aus wissenschaftlicher Perspektive wollen wir anhand des Spiels systematisch untersuchen, von welchen Faktoren unser Vertrauen in KI-Systeme abhängt und – vielleicht besonders wichtig – wie wir potenziell ungerechtfertigtem Übervertrauen entgegenwirken können. Je öfter wir in unserem Alltag mit KI-Systemen konfrontiert sind, die uns Vorschläge und Handlungsempfehlungen unterbreiten, desto praxisrelevanter werden solche Aspekte.

Martina MaraMartina Mara hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und an der Universität Koblenz-Landau bei Prof. Markus Appel zur Nutzerakzeptanz menschenähnlicher Maschinen in Psychologie promoviert. Nach langjähriger Forschungstätigkeit im außeruniversitären Bereich, unter anderem am Ars Electronica Futurelab, wurde sie im April 2018 als Professorin für Robopsychology an das Linz Institute of Technology (LIT) der JKU berufen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen psychologische Bedingungen einer menschenzentrierten Technologieentwicklung und interdisziplinäre Forschungsstrategien. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie untersucht sie unter anderem Effekte simulierter Emotionalität bei maschinellen Agenten oder Kommunikationsdesigns autonomer Fahrzeuge und kollaborativer Roboter. Mara ist Mitglied des Österreichischen Rats für Robotik und Künstliche Intelligenz (ACRAI). Als Zeitungskolumnistin kommentiert sie das technologische Zeitgeschehen regelmäßig für ein breites Publikum. Im Jahr 2018 wurde sie mit dem BAWAG Frauenpreis sowie dem Futurezone Award in der Kategorie „Women in Tech“ ausgezeichnet.