Im Jahr 2025 wird der 200. Geburtstag des weltberühmten Komponisten Johann Strauss Sohn gefeiert. Im Auftrag des Johann Strauss Festjahres 2025 Wien widmet sich das Ars Electronica Futurelab dem Jubiläum unter dem Titel „Walzersymphonie“. Die zentrale Frage des Projekts: „Wie können Künstler*innen das kreative Potenzial von KI-Technologien nutzen?“
Johann Strauss Sohn prägte mit Werken wie dem Donauwalzer und Operetten wie „Die Fledermaus“ und „Eine Nacht in Venedig“ die Musikgeschichte. Als Hommage arbeiten Studierende renommierter Musikhochschulen mithilfe kreativer KI an einer Sinfonie, die 2025 vom Brucker Orchester in Wien und Linz live aufgeführt wird. Eine Jury wählte vier Projekte von Studierenden aus, die Teil der Walzersymphonie sein werden:
Sätze der Walzersymphonie
Carolina Caballero Bastidas und Matthias Guntner von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien beleuchten die Person Johann Strauss aus der Perspektive von Tanzmusik und Dramaturgie und thematisieren zugleich das Problem der Desinformation im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
Danielle Lurie von der Hochschule für Musik und Theater München betrachtet Künstliche Intelligenz als Spiegel unserer Gesellschaft und komponiert eine humorvolle Operette zum Thema Bias und Diskriminierung, die sich mit Johann Strauss’ Operette “Die Fledermaus” auseinandersetzt und sowohl Figuren als auch Motive daraus aufgreift.
Johannes Brömmel von der Universität Mozarteum Salzburg verbindet das Phänomen des „Rauschens“ (Noise) als klangliche Überforderung mit der Musik von Johann Strauss und erforscht mittels KI die Gewohnheiten und Grenzen unserer musikalischen Wahrnehmung als Spiegel unserer alltäglichen Überforderung durch Information und Technologie.
David Bock von der Zürcher Hochschule der Künste komponiert ein Stück, das als Dialog zwischen traditioneller Komposition und Künstlicher Intelligenz fungiert. Dabei interpretiert er musikalische Phrasen der Musik von Johann Strauss als Fragestellungen oder antwortende Elemente in einem Dialog mit der KI.
Begleitprojekte
Yurii Riepin und Fabian Blum von der Hochschule für Musik und Theater München erforschen in ihrer kompositorischen Arbeit industrielle Geräusche des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart und knüpfen damit an Johann Strauss’ musikalische Auseinandersetzungen mit mechanischen und motorischen Klängen an.
Micha Fazeli Pour von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien befasst sich mit musikalischen Gegensätzen in Strauss‘ Musik und deren Parallelen zu gesellschaftlichen Gegensätzen, die durch seine künstlerische Auseinandersetzung reflektiert werden.
Arbeiten mit Johann Strauss und Ricercar
Das Kernkonzept von „Walzersymphonie“ umfasst eine Reihe von Workshops, die im Mai/Juni 2024 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Universität Mozarteum Salzburg, der Zürcher Hochschule der Künste sowie der Hochschule für Musik und Theater München stattfanden. Diese Workshops richteten sich vor allem an Studierende des Kompositionsstudiums und dienten als Diskursorte für kreative Ideen zur Nutzung von KI in der Auseinandersetzung mit der Musik von Johann Strauss.
Ausgewählte Studierende haben die Möglichkeit, mit einer speziell für dieses Projekt adaptierten und mit der Musik von Johann Strauss trainierten Version des KI-Systems Ricercar neue Kompositionen zu erstellen. Ricercar ist ein KI-basiertes Kompositionssystem, das bereits in zahlreichen künstlerischen Projekten eingesetzt wurde. Es wird seit 2019 von dem KI-Forscher und klassischen Musiker Ali Nikrang im Ars Electronica Futurelab als Forschungswerkzeug speziell für die künstlerischen Bedürfnisse der klassischen Musik entwickelt.
Aufführungen der „Walzersymphonie“ 2025
Bis zum Sommer 2025 entsteht im Auftrag des Johann Strauss Festjahres 2025 Wien innerhalb des Projekts „Walzersymphonie“ eine viersätzige Symphonie, die im September 2025 beim Ars Electronica Festival in Linz und im November 2025 in Wien mit dem Bruckner Orchester Linz aufgeführt wird. Das Projekt wird von Vorträgen, Veröffentlichungen und Studien begleitet. Das „Walzersymphonie“-Projekt dient daher sowohl der unmittelbaren künstlerischen Auseinandersetzung mit KI als auch der öffentlichen Diskussion über die Rolle von KI in der Kunst: Wie passen menschliche Kreativität und Maschine zusammen und wie können wir arbeiten, sodass KI-Systeme diese kreativen Prozesse nicht ersetzen, sondern ergänzen?
Technisch gesehen erfordert die experimentelle Auseinandersetzung mit KI eine Offenheit für neue Möglichkeiten und eine intuitive Herangehensweise, ohne klare Vorgaben zu machen. Die Interaktion mit der KI erfordert eine gewisse Freiheit und Kreativität seitens der Benutzer*innen, um die Potenziale der Technologie voll auszuschöpfen.
Ein Projekt des Johann Strauss Festjahres 2025 Wien in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab

„Walzersymphonie“: Von Menschen und Maschinen
Künstliche Intelligenz und klassische Musik fließen im Projekt Walzersymphonie nahtlos ineinander. Kompositionsstudierende erarbeiten im Austausch mit der KI-Anwendung Ricercar innovative Orchesterstücke.
Credits
Ars Electronica Futurelab: Susanne Kiesenhofer, Ali Nikrang
Im Auftrag von: Johann.Strauss-Festjahr2025 GmbH
Partner*innen: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Universität Mozarteum Salzburg, Zürcher Hochschule der Künste, Hochschule für Musik und Theater München
Komponist*innen: Fabian Blum, David Bock, Johannes Brömmel, Carolina Caballero Bastidas, Micha Fazeli Pour, Matthias Guntner, Danielle Lurie, Yurii Riepin