Universum Mensch – Cinematic Rendering

Durch die technischen Neuerungen im Deep Space 8K ist es nun möglich, hochkomplexe Programme anzuwenden. Eines davon ist die Softwareapplikation Cinematic Rendering. Dadurch können fotorealistische Bilder des menschlichen Körpers dreidimensional und überlebensgroß präsentiert werden.

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Mit der Eröffnung des neuen Ars Electronica Center wurde 2009 die Idee geboren, auch medizinische Themen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seit Beginn manifestieren sich diese Themen in den verschiedenen Bereichen der Hauptausstellung, wie dem RoboLab, dem BrainLab und dem BioLab. Seit August 2015 gibt es mit dem neuen Deep Space 8K einen weltweit einzigartigen Raum für Vorträge und Präsentationen, der sich auch exzellent für die Darstellung und Vermittlung medizinischer Inhalte eignet. Da die BesucherInnen von den ersten Präsentationen zu diesem Thema so begeistert waren, entwickelte sich daraus eine Serie mit regelmäßig stattfindenden medizinischen Veranstaltungen im Deep Space 8K.

Der Deep Space 8K ist nicht nur ein Raum für hochauflösende Projektionen auf einer Fläche von 16 mal 9 Metern auf Wand und Boden, sondern es besteht zusätzlich die Möglichkeit, stereoskopisch 3-D-Bilder, 3-D-Filme und interaktive 3-D-Echtzeitgrafiken zu präsentieren. Mittels 3-D-Shutter-Brillen haben die BesucherInnen ein eindrucksvolles dreidimensionales Erlebnis. Seitdem im Sommer 2015 ein Generationswechsel sämtlicher Hardware-Komponenten stattfand, bringen die modernsten Projektoren, Hochleistungsrechner und Glasfaserkabel zusätzlich Bildwelten in unglaublicher 8K-Auflösung hervor.

Durch die technischen Neuerungen ist es nun auch möglich, im Deep Space 8K hochkomplexe Programme anzuwenden. Eines davon ist die Softwareapplikation Cinematic Rendering. Dadurch können fotorealistische Bilder des menschlichen Körpers dreidimensional und überlebensgroß präsentiert werden. Der Radiologe Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Fellner vom Kepler Universitätsklinikum spricht über die neuen Möglichkeiten, die menschliche Anatomie zu vermitteln.

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Credit: Florian Voggeneder

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher bei „Universum Mensch – Cinematic Rendering“ im Deep Space 8K?

Franz Fellner: Es ist eine völlig neue Art, Anatomie zu erlernen, nämlich erstmals mit einem Anatomiestudium an Lebenden. Was wir hier zeigen, sind Untersuchungsdatensätze der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT). Diese Datensätze können einzigartig im Deep Space 8K dreidimensional auf den riesigen Projektionsflächen dargestellt werden. Vor knapp zwei Jahren hat Siemens Healthcare in Princeton begonnen, diese Software zu entwickeln. Die Idee kam aus der Animationsfilmindustrie. Ziel war, ein Programm zu entwickeln, das medizinische Bilddaten aus CT und MRT so fotorealistisch darstellen kann wie in Hollywood-Animationsfilmen. Dadurch auch der Name „Cinematic Rendering“. Dieses Programm ist bisher noch ein Prototyp und es wird noch dauern, bis die Zulassung da ist, aber was dieses Programm heute schon leisten kann, ist unfassbar.

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Credit: Magdalena Leitner

Im Sommer wurde mir angeboten, diese neue Software zu testen. Meine Idee war sofort, sie im Deep Space 8K zu nutzen, um sie auch der Allgemeinheit öffentlich zugänglich zu machen. Damit haben wir jetzt die Situation, dass wir durch diesen Prototyp in Linz – und zwar weltweit einzigartig – solche hochinteressanten Bilder der menschlichen Anatomie zeigen können: in dieser Qualität und Größe, bei dieser hervorragenden Lichtstärke, in 8K-Auflösung und vor allem in 3-D-Stereoskopie.

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Credit: Florian Voggeneder

Die Plätze bei Ihren Veranstaltungen im Deep Space 8K sind immer heiß begehrt. Warum, glauben Sie, ist das Thema Medizin so beliebt?

Franz Fellner: Medizin ist ein Thema, das immer alle brennend interessiert. Die Anatomie des Körpers in 3-D schichtweise ansehen zu können – von der Hautoberfläche startend bis ins tiefste Innere zu den Blutgefäßen, den inneren Organen und Knochen –, das ist für jeden interessant, weil jeder weiß, dass er selber genauso aussieht. Wenn dann faszinierende Daten und Fakten hinzukommen, wie die Leistungsfähigkeit der Organe – beispielsweise, dass das Herz hunderttausend Mal am Tag schlägt und im Laufe eines Lebens mehr als dreieinhalb Milliarden Schläge ausführt, dass es pro Tag siebentausend Liter Blut pumpt und dass die Lunge eine Oberfläche von hundert Quadratmetern haben kann –, dann wird es für die Besucherinnen und Besucher noch einmal spannender.

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Credit: Florian Voggeneder

Nicht nur die Besucherinnen und Besucher – auch die Vortragenden – sind von den Möglichkeiten, die der Deep Space 8K bietet, begeistert. Was macht den Deep Space für medizinische Vorträge so interessant?

Franz Fellner: Ich denke, es ist die Möglichkeit, in diesem Ambiente und in dieser Größe so hochauflösende realistische Bilder darstellen zu können. Was mir persönlich außerdem im Deep Space 8K besonders gefällt, ist der unmittelbare Kontakt zum Publikum. Ich glaube, das gilt auch vice versa für das Publikum – es entsteht eine interessante, sehr interaktive Beziehung zwischen Vortragendem und Publikum. Zusammen mit den technischen Möglichkeiten ist das etwas Einzigartiges!

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Credit: Florian Voggeneder

Wie können Chirurginnen und Chirurgen in ihrem Arbeitsalltag von den technischen Möglichkeiten des Deep Space 8K profitieren?

Franz Fellner: Was wir momentan machen, ist die Darstellung der Anatomie. Das wird sicherlich für die Anatomieausbildung von Interesse sein; nicht nur für Medizinstudentinnen und -studenten, sondern generell für die Ausbildung in allen Gesundheitsberufen, in denen die menschliche Anatomie gelehrt werden muss.

In der Folge wäre es natürlich auch hochinteressant, Operationen im Deep Space 8K in 3-D zu zeigen. Seit mittlerweile zwei Jahren kann Kollege Dr. Andreas Shamiyeh gering invasive, laparoskopische Operationen in 3-D aufnehmen und darstellen und das wäre im Deep Space 8K natürlich hoch interessant. Chirurgische Eingriffe stereoskopisch darzustellen, wäre eine enorme Bereicherung für die Medizin.

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Credit: Magdalena Leitner

Zur Person

Fellner_PortraitPrim. Univ.-Prof. Dr. Franz Fellner leitet das Institut für Radiologie am Kepler Universitätsklinikum. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Anatomie und den Funktionen des menschlichen Körpers sowie den Möglichkeiten ihrer bildgebenden Darstellung für die Allgemeinheit. Seit den 1990er-Jahren hält er international Vorträge und organisiert Fortbildungsveranstaltungen zu diesen Themen.

Wenn Sie die Präsentation von Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Fellner zu Universum Mensch – Cinematic Rendering live im Deep Space erleben wollen, haben Sie am DO 21.1.2016, 20:00 bei Deep Space LIVE und am SO 24.1.2016, 15:00 bei einem Deep Space LIVE am Wochenende die Möglichkeit dazu. Reservierung unter 0732.7272.51 oder center@aec.at empfohlen