Next Generation JKU

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Universitätsprofessor Mag. Dr. Alois Ferscha, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz, initiierte aus diesem Grund die Vortragsreihe „Next Generation JKU“. An insgesamt fünf Terminen präsentieren junge erfolgreiche WissenschaftlerInnen der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät woran sie gerade arbeiten. Was in Österreich kaum jemand weiß, die Forschungsarbeit dieser nächsten Generation an brillanten WissenschaftlerInnen wird bereits in internationalen Fachjournalen zitiert. Mithilfe einzigartiger Visualisierungen des Deep Space im Ars Electronica Center wollen die fünf ForscherInnen ihre gesellschaftsrelevanten Ergebnisse in ihrer Heimat auch einem fachfremden Publikum zugänglich machen.

Wir haben mit Professor Ferscha über neue Wege der Wissenschaftskommunikation, der Überschneidung von Wissenschaft und Kunst und den Herausforderungen der wissenschaftlichen Forschung im 21. Jahrhundert gesprochen.

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Universitätsprofessor Mag. Dr. Alois Ferscha (Credit: Florian Voggeneder)

Die JKU Linz hat sich zum Ziel gesetzt, Wissenschaft verstärkt zu kommunizieren und an die breite Öffentlichkeit zu vermitteln – worauf kommt es dabei Ihrer Meinung nach an?

Alois Ferscha: Wissenschaftskommunikation liegt im Interesse aller Universitäten, und zwar weltweit. Sehr viele Menschen interessieren sich für Wissenschaft und ihre Ergebnisse. Wissenschaftskommunikation per Plakat, Hochglanzflyer, Fernsehspot und YouTube-Kampagne ist zu wenig, per fach- und tiefenverliebten Elfenbeinturmvorträgen zu viel. In gewissem Sinne war und ist die Gesellschaft ja eine Art „Auftraggeber“ für die Forschung, und sie fordert – oft zu Recht – gesellschaftsrelevante Forschungsergebnisse. Mit der auf die Gesellschaft ausgerichteten Präsentationsreihe „Next Generation JKU“ möchten wir eine innovative, den jeweiligen Erklärungs- bzw. Darstellungserfordernissen entsprechende und neueste Technologien nützende Form der Vermittlung von Forschungsergebnissen demonstrieren! Dabei soll es um die Forschungsergebnisse der jungen, der nächsten Generation von WissenschaftlerInnen an der JKU gehen.

Mir persönlich kommt es dabei darauf an, dass unser forschungs- und innovationsinteressiertes Publikum nicht nur Erklärungen und neue Einsichten mitnimmt, sondern sich vom Wert der Forschung für die Gesellschaft, vom Wert der JKU-Forschung für unser Land überzeugen kann. Die nächste Generation von ForscherInnen der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der JKU und die nächste Generation der Medientechnik im Ars Electronica Center bieten die beste, ja sogar eine weltweit einzigartige Grundlage dafür.

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Next Generation JKU: Daten sehen – Krebs verstehen mit Marc Streit (Informatik) (Credit: Christopher Sonnleitner)

Welche neuen Wege der Wissenschaftskommunikation können die BesucherInnen der Vortragsreihe im Deep Space 8K des Ars Electronica Center erwarten?

Alois Ferscha: Unsere BesucherInnen müssen keine Angst davor haben, mit einer detailreichen, intrinsischen Wissenschaftssprache überfrachtet zu werden. Mit „neuen Wegen“ meinen wir, dass Forschungsergebnisse der JKU für die interessierten, womöglich aber fachfremden ZuhörerInnen vollinhaltlich verständlich vermittelt werden. Fachvorträge vor Fachpublikum halten unsere JKU-WissenschaftlerInnen annähernd täglich, weltweit, mit höchstem wissenschaftlichem Anspruch und innerhalb der „Scientific Community“. Hier im Ars Electronica Center greifen sie die gesellschaftsrelevanten Aspekte ihrer Forschung heraus, artikulieren diese in einer einfachen Wort- und einer faszinierenden Bildsprache, versuchen eine Einschätzung, welche Bedeutung diese Ergebnisse für die Gesellschaft haben, und stellen sich einem Diskurs mit den LinzerInnen, den OberösterreicherInnen und allen BesucherInnen – aus allen gesellschaftlichen Schichten. Der Deep Space 8K mit seinen höchstauflösenden immersiven Visualisierungsmöglichkeiten ist weltweit einzigartig und stellt für uns die „Next Generation“ der Wissenschaftskommunikation aus technologischer Sicht dar.

Es fällt auf, dass sich die Wissenschaft (wieder) – ganz besonders in der Kommunikation nach außen – immer mehr Elementen der Kunst bedient. Worin sehen Sie die Überschneidungen von Wissenschaft und Kunst?

Alois Ferscha: In Österreich sind Wissenschaft und Kunst schon per Gesetz partnerschaftlich dazu berufen, „verantwortlich zur Lösung der Probleme des Menschen sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft“ beizutragen, wie es im Universitätsgesetz formuliert ist. Die Kunst hat es da etwas leichter, weil sie nur zu postulieren braucht, aber nichts beweisen muss. Gerade das fällt aber oft sehr schwer. Die Wissenschaft muss jede Behauptung, jede Feststellung, jede Aussage, jeden „wissenschaftlichen Satz“ beweisen, denn ohne Beweis ist er wertlos – dabei macht sie es sich oft zu leicht. Die Kunst erreicht Menschen, die wissenschaftliche Forschung möchte beobachtbar zunehmend auch mehr Menschen erreichen. Eine Protokooperation, eine symbiotische Allianz zwischen Kunst und Wissenschaft, ist also naheliegend. Eine Vereinnahmung des einen durch das andere wäre allerdings fatal.

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Next Generation JKU: Alles Leben ist Chemie mit Ian Teasdale und Wolfgang Schöfberger (Chemie und Kunststofftechnik) (Credit: Robert Bauernhansl)

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Reihe zu starten?

Alois Ferscha: Mit meinem Amtsantritt als Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät habe ich mich sehr interessiert in die wichtigsten Publikationen und Forschungsprojekte unserer ProfessorInnen in den fünf Fachbereichen eingelesen. Es war faszinierend, zu sehen, welche Forschungsleistungen an der Fakultät erbracht werden, die in den Scientific Communities weltweit höchste Wertschätzung und Anerkennung in Form von Zitationen – der Maßstab für die Wissenschaftlichkeit und Relevanz von Forschungsergebnissen – erhalten. Besonders „verhaltensauffällig“ waren dabei sehr junge, am Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere stehende ForscherInnen, die mit sehr viel Kreativität, hoher Ambition, teilweise unkonventionell, aber mit akribischer Sorgfalt Forschung betreiben. Zugleich ernüchternd dazu war der „Reality Check“, dass nämlich hier vor Ort, in Linz, in Oberösterreich, in der Gesellschaft, kaum jemand etwas darüber weiß. In meiner Verantwortung als Dekan musste ich hier handeln.

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Meinhard Lukas (Rektor JKU), Marc Streit (Institut für Informatik JKU), Alois Ferscha (Dekan Naturwissenschaftliche Fakultät JKU), Christoph Kremer (Leitung Ars Electronica Center) (v.l.n.r.) (Credit: Florian Voggeneder)

Sie sind Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der JKU Linz. Welchen Herausforderungen muss sich die wissenschaftliche Forschung im 21. Jahrhundert stellen?

Alois Ferscha: Neben absehbar sehr vielen, zwischen „absichtslosem Erkenntnisgewinn“ und „technisch machbarer Forschung“, in den Naturwissenschaften entstehenden Detailforschungsergebnissen in den jeweiligen Disziplinen wird die technisch-naturwissenschaftliche Forschung im 21. Jahrhundert sehr grundlegende Fragen der Menschheit klären. Das Jahrhundert ist noch jung, und wir starten mit Schwung: Das Higgs-Boson ist gefunden (man sagt auch, die „Ursache von Masse“ ist geklärt), das Chromosom 22 ist vollständig sequenziert, der digitale Datenbestand der Menschheit ist vermutlich auf über ein Yottabyte (1024) gewachsen. Die Europäische Union fördert ein 100 Millionen Euro Flagship-Projekt zur Erforschung der Funktionsweise des menschlichen Gehirns (Human Brain Project), ein weiteres zur Erforschung des „Wunder“-Werkstoffes Graphen, also Kohlenstoff mit zweidimensionaler Struktur. Ein drittes Flagship-Projekt, Quantentechnologien, wird gerade vorbereitet, und junge WissenschafterInnen der TNF sind daran beteiligt.

Weiter in diesem Jahrhundert zu rechnen ist mit einer Totalentschlüsselung des menschlichen Genoms und der Etablierung der Engineering Methoden, dieses beliebig zu verändern („Genome Editing“), damit verbunden, die Frage, ob Menschen „Maschinen“ sind („Physics of Life“), mit der Zyklusfähigmachung von Energie, damit verbunden sind Fragen der effizienten Transformation, Speicherung und dem Transport von Energie, mit der Entwicklung zyklusfähiger Werkstoffe und Materialien und mit einer Verlagerung von datenorientierten zu hochkomplexen algorithmischen Informatik-Systemen (bereits vor zehn Jahren hat die Geschwindigkeit des Datenzuwachses die Geschwindigkeit des Rechenleistungszuwachses überholt), und damit verbunden die Frage, wieviel an menschenähnlichen kognitiven Fähigkeiten („Intelligenz“) in Maschinen programmiert werden.

Diesen Herausforderungen wird sich die wissenschaftliche Forschung stellen. Vordergründig muss sie sich aber viel grundlegenderen Herausforderungen stellen: Mehr als 50 % aller Menschen müssen täglich mit weniger als 2 Euro überleben. Mehr als 20 % der Menschen haben keinen Zugang zu trinkbarem Wasser. Der Klimawandel ist kein Polit-Talk mehr, er ist Realität. Heute genutzte Energiequellen sind „schmutzig“ und nicht zyklusfähig – wir verbrauchen um 60 % mehr Energie als regenerierbar ist. Der ständige Verlust an Vertrauen („Trust“) führt zu gesellschaftlichen, Finanz-, Energie-, Demokratiekrisen, Rezession und Terror, usw.

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Die Vortragsserie Next Generation JKU ist eine Fünfteilige Präsentationsreihe, die hochaktuelle gesellschaftsrelevante Forschungsergebnisse der jüngsten Wissenschaftsgeneration der Johannes Kepler Universität an die interessierte Öffentlichkeit bringt.

Weitere Termine:

DO 20.4.2017, 19:00–20:00 Robert Zillich, Physik
DO 11.5.2017, 19:00–20:00 Simon Schneiderbauer, Mechatronik
DO 1.6.2017, 19:00–20:00 Christoph Koutschan, Mathematik
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