CREATE YOUR WORLD 2017: Abenteuerspielplatz der Medienkunst

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Eine bunte Mischung aus Workshops, Do-It-Yourself-Projekten, Games, den neuesten Technologien und mittendrin die Ausstellung der Gewinnerprojekte der Kinder- und Jugendkategorie u19 des Prix Ars Electronica: Das ist das CREATE YOUR WORLD Festival, das Zukunftsfestival der nächsten Generation. Es findet auch dieses Jahr wieder als „Festival im Festival“ am großen Ars Electronica Festival 2017, von 7. bis 11. September, statt und lädt Kinder wie auch Erwachsene zum Forschen, Ausprobieren, Entdecken und Staunen ein.

Wir haben uns mit Hans Christian Merten, Leiter von CREATE YOUR WORLD, getroffen und mehr darüber erfahren, was uns im September erwartet.

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Hans Christian Merten. Credit: Tom Mesic

CREATE YOUR WORLD ist ein Überbegriff für verschiedene Projekte. Was versteckt sich hinter dem Namen?

Hans Christian Merten: Mittlerweile kann man CREATE YOUR WORLD (CYW) sehr gut mit drei Säulen beschreiben. Die erste ist die Kategorie u19 des Prix Ars Electronica, zu der Kinder und Jugendliche Projekte jeglicher Art einreichen können. Die zweite Säule ist das CYW Festival. Es hat sich zu einer Art „Festival im Festival“ beim Ars Electronica Festival entwickelt. Seit 2015 gibt es auch die CREATE YOUR WORLD Tour, in der wir direkt mit Projekten aus dem Festival oder dem Prix an Schulen gehen. Es geht vorrangig darum, einen CREATE YOUR WORLD Spirit in den Schulalltag zu bringen, aber auch, um Schülern, Schülerinnen, Lehrern und Lehrerinnen einen Input von außen ermöglicht. Das ist die dritte Säule. Die drei Standbeine spielen sich gegenseitig immer wieder Inhalte zu.

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Credit: Tom Mesic

Was passiert beim CREATE YOUR WORLD Festival am Ars Electronica Festival?

Hans Christian Merten: Das CREATE YOUR WORLD Festival ist eine Art Experimentierplattform am Ars Electronica Festival. Es zielt einerseits auf Kinder und Jugendliche ab, weil sie diejenigen sind, die neue Technologien in einer zukünftigen Gesellschaft auch wirklich nutzen werden. Wir stellen die Frage an Kinder und Jugendliche: Wie seht ihr die Welt von morgen? Wir versuchen, die Antwort sehr ernst zu nehmen. In diesem Kontext entwickeln wir das CREATE YOUR WORLD Festival, das aber andererseits durchaus auch experimentierfreudige Erwachsene dazu einlädt, die Welt aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu erleben. Das Kernstück der Festivals ist die u19 exhibit, also die Ausstellung der Gewinnerprojekte des Prix Ars Electronica in der Kinder- und Jugendkategorie u19.

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Credit: Tom Mesic

Das CREATE YOUR WORLD Festival ist also nicht nur für Kinder gedacht?

Hans Christian Merten: Nein, es ist für alle offen, von drei bis hundertsieben Jahre. CREATE YOUR WORLD ist das Zukunftsfestival der nächsten Generation. Uns ist es sehr wichtig, dass sich die Altersgruppen hier durchmischen. Es würde sonst keinen Sinn machen, Kinder und Jugendliche nach ihren Ideen zu fragen, wenn Erwachsene sie dann nicht ernst nehmen.

Das CREATE YOUR WORLD Festival steht dieses Jahr unter dem Thema „Perspektiven“. Wie wird sich das in der POSTCITY zeigen?

Hans Christian Merten: Ausgehend von dem Ars Electronica Festivalthema, das heuer „Artificial Intelligence“ ist, hat das CREATE YOUR WORLD Festival jedes Jahr einen eigenen Schwerpunkt. Dieses Mal haben wir uns überlegt: Welche unterschiedlichen Perspektiven hat Artificial Intellgence? „Perspektiven“ ist also unser diesjähriger Schwerpunkt. Wir beleuchten das Thema mit unterschiedlichen Projekten. Es geht einerseits darum, was uns Menschen individuell betrifft: Was sind die Lebensperspektiven von uns Menschen, von Kindern und Jugendlichen? Zweitens fragen wir uns hinsichtlich der Künstlichen Intelligenz: Was hat sie für ein Gewicht in unserer Lebensperspektive? Wir sehen die Perspektiven durchaus auch sehr plastisch. Wir laden Besucher und Besucherinnen dazu ein, sich zu überlegen: Wie würde eine Maschine das Leben sehen? Wie wirken wir Menschen auf Maschinen? Die dritte Perspektive, mit der wir arbeiten, sind sehr klare Blickwinkel, die wir in den Raum stellen. Dazu gibt es zum Beispiel Anamorphose-Projekte, bei denen man verschiedenste malerische Konturen in die bestehende Struktur der POSTCITY zeichnet und aus denen sich, von einem gewissen Blickwinkel, 3D-Objekt herausentwickelt.

Auch im Jugendbegegnungsprojekt geht es um Perspektiven…  

Hans Christian Merten: Unsere Grundidee war eine Art Perspektiven-Maschine, die sich jetzt im Jugendbegegnungsprojekt wiederfindet. Joseph Herscher, ein Künstler aus New York, wird das Projekt leiten. Er trifft sich beim Festival mit 20 Jugendlichen aus fünf europäischen Ländern und macht mit ihnen eine komplett analoge Maschine, die Unintelligent Machine. Diese Maschine wird ein Konglomerat aus sich gegenseitig mechanisch auslösenden Alltagsgegenständen sein –  Auslöser und Endprodukt und Fragestellung und Lösung werden immer wieder aufs Neue ausgelotet. Der Weg wird zum Ziel. Wir sind es mittlerweile gewohnt, sehr schnelle Antworten zu bekommen, wenn wir etwas wissen wollen, haben das durch Google und Co schon verinnerlicht. Wir werden schnell ungeduldig. Gemeinsam mit Joseph Herscher wollen wir eine andere Perspektive einnehmen, das heißt wir wollen dazu einladen, scheinbar völlig sinnlose Sachen zu produzieren, die aber eigentlich dasselbe Ergebnis erzielen.

Welche Highlights erwarten uns beim diesjährigen CREATE YOUR WORLD Festival?

Hans Christian Merten: Wir organisieren dieses Jahr eine Reihe von Workshops gemeinsam mit dem BFI Oberösterreich, das sicherlich ein Highlight ist. Das Projekt stellt auch eine Perspektive dar, eine nachhaltige Lebensperspektive. Es geht darum, dass man Jugendliche, die scheinbar nicht in ein bestehendes System passen, in fünf Workshops individuell betreut. Die Jugendlichen nehmen hier freiwillig teil und gestalten ein eigenes Projekt für das CREATE YOUR WORLD Festival. Sie basteln bereits an selbstfahrenden Spielzeugautos, programmieren sie und sind mit großem Spirit dabei, obwohl sie vorher mit dieser Thematik gar nichts am Hut hatten.

Beim CREATE YOUR WORLD Festival kann man jedes Jahr neueste Technologien selbst ausprobieren. Was ist dieses Jahr zum Anfassen und Probieren mit dabei?

Hans Christian Merten: Wir haben dieses Jahr wieder viele verschiedene Gaming-Projekte. FM4 wird mit einem Twitch-Programm vertreten sein, wo Jugendliche zum Beispiel „Let’s Plays“ beim Festival selbst machen können. Mit CoderDojo Linz kann man auch dieses Jahr wieder selbst Computerspiele programmieren. Vom BORG Bad Leonfelden ist wieder eine unfassbar inspirierte Gruppe da, die eigene Computerspiele im Schulbetrieb programmiert haben und am Festival präsentieren.

Wir haben auch unterschiedlichste Projekte mit Bezug auf Robotik und Künstlerische Intelligenz. Ein sehr spielerisches Beispiel ist „Tinkerbots“. Das sind Roboter, denen man allein durch einen Record-Button erklären kann, wie sie sich bewegen sollen. Das Robotersystem nimmt die Bewegung auf und kann es danach exakt wiedergeben.

Es wird wieder ein eigenes FabLab geben, wo Werkzeuge wie Lasercutter zum Einsatz kommen. Besucher und Besucherinnen können mit ihren Ideen kommen, sie selbst umsetzen und die fertigen Werke mit nachhause nehmen. Microsoft wird mit der neuen Hololens zum Festival kommen und das Projekt „Holodeck“ präsentieren. Auch im Ars Electronica Center gibt es einen neuen Virtual-Reality Schwerpunkt, das passt sehr gut zusammen.

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Seit 2013 ist Hans Christian Merten Leiter der Initiative u19 – CREATE YOUR WORLD von Ars Electronica. Er studierte Audiotechnik und – Design in Wien und absolvierte diverse Lehrgänge an der Bruckneruniversität Linz. Von 2002 bis 2010 war er Lehrender an der Fachhochschule Hagenberg (Medientechnik und Design) und an der BHS für Kommunikation und Medien in Freistadt. 2010 – 2013 war er künstlerischer Leiter des mehrfach preisgekrönten Festivals „kult – das neue Mühlfestival“ in Freistadt und ist seit 2005 selbständiger Künstler und Leiter des Projektstudios Music for Film & Media in Gutau (OÖ).

Das CREATE YOUR WORLD Festival findet am Ars Electronica Festival von 7. bis 11. September 2017 in der POSTCITY Linz statt. Um mehr über das Festival zu erfahren, folgen Sie uns auf FacebookTwitterInstagram und Co., abonnieren Sie unseren Newsletter und informieren Sie sich auf https://ars.electronica.art/ai/.

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