Let’s get STARTed!

Es ist wieder soweit! Die Einreichung zum STARTS Prize 2020 ist geöffnet. Ab sofort sucht die Europäische Kommission gemeinsam mit Ars Electronica, Bozar und Waag ein weiteres Mal nach zukunftsweisenden Projekten an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Wissenschaft, die zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beitragen.

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Was ihr tun müsst, welche Unterlagen gefordert sind, was die GewinnerInnen erwartet – kurzum, was es konkret braucht, dafür haben wir die Verantwortlichen des STARTS Prize an den Tisch gebeten: Veronika Liebl, stellvertretende Bereichsleiterin bei Ars Electronica, und Karla Spiluttini, Projektmanagerin von STARTS, berichten von den DOs und DON’Ts beim fünften Open Calls des STARTS Prize der Europäischen Kommission.

Erzählt doch mal, welche Art von Projekten für den Preis relevant sind. Welche Eigenschaften müssen sie haben? Aus welchen Disziplinen sollen sie sein?

Karla Spiluttini: Der STARTS Prize ist auf der Suche einerseits nach Kunstwerken und Projekten aus der künstlerischen Forschung, bei denen die Aneignung durch die Kunst großes Potenzial zur Beeinflussung und Veränderung von Technologie hat, und andererseits nach innovativen Kooperationen zwischen Industrie/Technologie und den Künsten, die neue Wege für Innovation erschließen.
Auf jeden Fall gibt es großes Interesse an sehr vielen verschiedenartigen Kollaborationen. Die Schnittstelle von Wissenschaft, Technologie und Kunst kann einen sehr großen Bereich an Disziplinen abdecken. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Human Computer Interaction, Machine Learning, Biotechnologie, Kunst & Forschung, Umwelttechnik, Materialforschung, Smart Cities, Bürgerbeteiligung und Empowerment, Robotik, Quantentechnologie und viele mehr.

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Veronika Liebl: Der STARTS Prize ist vor allem an Projekten interessiert, die unserer Gesellschaft in sozialen, ökonomischen und ökologischen Bereichen fördern können, in die Zukunft schauen und etwas dazu beitragen, dass die Menschen in Europa zuversichtlich in die digitalisierte Welt der Zukunft gehen können. Das beinhaltet nicht nur den Menschen auf einer individuellen Ebene, sondern bezieht sich auch darauf, wie sich unsere Gesellschaft zukunftsgerichtet entwickeln kann. Dabei sind viele verschiedene Fragen relevant. Was soll Europas Beitrag zur fortschreitenden Automatisierung sein und wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um? Welche erfindungsreiche und innovative Fertigungstechniken können wir der Massenproduktion gegenüber stellen? Wie sieht Europas Antwort auf die international Tech-Giants aus – wie fördern wir eine Innovationskultur, bei der Fairness und Menschlichkeit im Mittelpunkt stehen?

Könnt ihr das anhand eines Beispiels darstellen?

Karla Spiluttini: Das STARTS Prize gekürte “Project Alias” zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie man dem ungefragten Sammeln von personenbezogenen Daten durch unsere smarten elektronischen Geräte entgegenwirken kann. Das Open Source-Projekt nutzt wenige Komponenten auf eine kreative Art und Weise, um unkontrolliertes Abhören durch digitale Assistenten zu verhindern. Es schaltet sozusagen einen Filter zwischen uns und die Maschine, wobei von den BenutzerInnen genau kontrolliert werden kann, welche Information an das smarte und vernetzte System weitergegeben wird, und welche nicht. So kann quasi die Herrschaft über die eigene Privatsphäre selbst kontrolliert werden.

Wie ging es weiter mit Project Alias, nachdem es den STARTS Prize gewonnen hat?

Veronika Liebl: Zuerst werden die ausgezeichneten Projekte natürlich auf dem Ars Electronica Festival ausgestellt und dort von vielen internationalen KünstlerInnen, ForscherInnen und Expertinnen aus der Wirtschaft besucht. Aber das ist nur die erste Station für viele STARTS Prize Projekte. Nach dem Festival ging es für Project Alias gleich weiter nach Peking, wo es zur Zeit in der Ausstellung “human (un)limited” zu sehen ist. Die beiden Künstler waren auch in Peking anwesend und haben über ihre Arbeit gesprochen. Die nächste Station für das Projekt ist beim “Tokyo Midtown x Ars Electronica: School of the Future – Dappi”, das von 20. bis 24. Februar laufen wird.
Viele STARTS Prize Projekte werden international ausgestellt, die Involvierten halten Vorträge auf weltweiten Events und werden auch zu Networking- und Vertiefungsworkshops – auch im Rahmen der STARTS Initiative – eingeladen, wo das Potential ihrer Ideen und Entwicklungen noch weiter gefördert wird. Derzeit führen wir zusätzlich dazu eine Studie durch, wie es mit STARTS Prize Projekten nach dem Prize weitergeht – denn aus vielen Gewinnerprojekten werden Startups, oder es ergeben sich spannende Folgeprojekte in der Form von Industriekooperationen oder weiteren Marktlösungen. Der STARTS Prize ist also oft der erste Anstoß für spannende Entwicklungen.

Project Alias in Peking, Credit: Isabella Kartusch

Ein wichtiger Punkt von STARTS ist interdisziplinäres Zusammenarbeiten – gibt es dafür ein Beispiel?

Karla Spiluttini: Es gibt unglaublich viel Potential, viele findige Köpfe und herausragende Ideen, die die Neuerungen unserer Zeit auf vielfältigen Ebenen betrachten und sozial, ökologisch und ökonomisch neu denken. Ein wichtiger Teil von einem solchen zukunftsgerichteten Denken sind vor allem die neuen Formen von kooperativem Arbeiten, die der STARTS Prize sucht und fördert. Denn durch interdisziplinäres Zusammenarbeiten lassen sich neuartige Lösungen finden, die auf traditionellen Wegen nicht denkbar wären.

Veronika Liebl: Die Amsterdam Steel Printed Bridge zum Beispiel nutzte die Technik des 3D-Drucks weltweit erstmals für die Fertigung einer Stahlbrücke. Die Arbeit hat den üblichen Rahmen der kleinen 3D-Drucker gesprengt und auf eine industrietaugliche Größe skaliert. So werden plötzlich Gestaltungsformen möglich, die in der herkömmlichen industriellen Konstruktion undenkbar und unumsetzbar wären. Das Projekt hat durch einen gemeinsamen Diskurs zwischen DesignerInnen, TechnikerInnen, IngenieurInnen und städtischen BeamtInnen und der Entwicklung einer eigenen Software für die Maschinen den Weg für eine ganz neue Form von Innovation bereitet.

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Zurück zum Open Call: Welche Unterlagen sollen eingereicht werden?

Veronika Liebl: Da die Jury hunderte Projekte in einer relativ kurzen Zeit begutachten muss, ist es wichtig, dass das Projekt verständlich und nachvollziehbar präsentiert sind. Ein wichtiger Startpunkt kann ein – nicht zu langes – Präsentationsvideo sein, das das Projekt kurz umreißt. Ein paar schöne Fotos oder Ansichten und Illustrationen helfen auch dabei, einen guten ersten Eindruck zu schaffen. Der Projekttext sollte auch einen guten Überblick über die wichtigsten Aspekte der Einreichung geben. Wenn das Projekt sehr komplex ist, sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass die dahinter liegenden Prozesse und Konzepte deutlich erklärt sind.

Was ist ein absolutes DON’T?

Karla Spiluttini: Bei der Einreichung gibt es Felder, die auszufüllen sind und vielleicht nicht so wichtig erscheinen, aber für die weitere Begutachtung durch die Jury und im Fall des Gewinnens sehr wichtig sind. Ein Feld, das manchmal übersehen wird, sind die KünstlerInnendaten. Da die Einreichenden nicht immer gleichzeitig die Menschen sind, die die Projekte auch umsetzen, sind die Daten der Einreichenden getrennt von den KünstlerInnen, und beide Felder sind auf jeden Fall auszufüllen. “KünstlerInnen” steht beim STARTS Prize übrigens stellvertretend für alle involvierten Personen – KünstlerInnen, WissenschafterInnen, IngenieurInnen – alle sind gemeint. Je besser die Information ausgefüllt ist und je übersichtlicher sie gestaltet ist, desto leichter wird es der Jury fallen, die Projekte zu verstehen und zu begutachten.
Und das Wichtigste: Am Schluss sollte man natürlich nicht vergessen, den “Submit” Button zu drücken.
Wir freuen uns auf viele spannende Einreichungen!

STARTS Exhibition, Credit: Jürgen Grünwald

Karla Spiluttini ist Medienkünstlerin und Forschende. Ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in diffusen Orten, Materialforschung, narrativen Räumen und der Phänomenologie von Maker Kulturen, Ihre Installationen wurden u.a. mit dem Salzburger Landespreis für Medienkunst und dem Mandala Award des European Institute for the Media ausgezeichnet. Die Arbeit mit Materialien und angewandtem Experimentieren brachte sie unter anderem 2012 Research Resident an das V2_ institute for the unstable media in Rotterdam, und als Vermittlerin auf verschiede österreichische Universitäten. Derzeit arbeitet sie für das Ars Electronica Festival in Linz.

Veronika Liebl ist derzeit Direktorin für Europäische Zusammenarbeit, Organisation und Finanzen in der Abteilung Festival/Prix/Ausstellungen der Ars Electronica. Sie studierte Wirtschafts- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität in Linz (Abschluss 2010) mit Studienaufenthalten an der Harvard University (US) und der Université de Fribourg (CH) und verfügt über einen interdisziplinären Hintergrund im Non-Profit- und Innovationsmanagement. Seit 2011 ist sie für das Kulturmanagement und die europäische Projektentwicklung für die Abteilung Festival/Preis/Ausstellungen bei der Ars Electronica Linz GmbH & Co KG verantwortlich und ist Mitglied im Linzer Stadtkulturrat. Sie arbeitet seit 9 Jahren für die Ars Electronica und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Programmierung und Produktion von Kooperationsprogrammen mit Partnern aus Kunst, Wissenschaft und Industrie und unterstützt in diesem Rahmen Programme für künstlerische Produktionen bei der Ars Electronica, insbesondere Residenzprogramme. Sie leitet die europäischen Kooperationsprojekte der Ars Electronica im Bereich Kultur, Forschung & Bildung und hat in dieser Position – zusammen mit ihrem Team – zahlreiche EU-Projekte wie den STARTS-Preis oder das European ARTificial Intelligence Lab entwickelt, gestartet und durchgeführt.

This project has received funding from the European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme under grant agreement No 732019. This publication (communication) reflects the views only of the author, and the European Commission cannot be held responsible for any use which may be made of the information contained therein