(e)motion-mirror: Ein Spiegel der Gefühle

Gefühle sind menschlich. Kein Computer der Welt kann Gefühle besser deuten und besser auf sie reagieren, als wir Menschen selbst. Aus diesem Grund hat Richard Sadek den (e)motion-mirror erfunden. Er spiegelt die Gefühle seiner Betrachters wider, indem er stimmungsgeladene Gesichtsbewegungen erkennt und in Klaviertöne umwandelt.

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Einen Award of Distinction in der Kategorie u19 – Create Your World gewann der Steirer Richard Sadek beim Prix Ars Electronica 2014. Er konstruierte einen (e)motion-mirror im Rahmen des Wahlpflichtfachs „Experimentelle Mediengestaltung“ am BRG Kepler in Graz. Die Idee dahinter: einen Spiegel zu entwickeln, der Emotionen in Töne umwandeln kann. Wie das funktioniert? Hinter einem halbdurchlässigen Spiegel filmt eine Webcam das Gesicht des davorstehenden Betrachters und analysiert mittels eins eigens programmierten (e)motion-analysis-Algorithmus stimmungsgeladene Gesichtsbewegungen. Ein Computer wandelt diese Daten dann in Klaviertöne um und gibt das akustische Feedback über externe Lautsprecher aus. Wobei diese Klänge allerdings nicht unbedingt auf die jeweiligen Gefühle schließen lassen oder anders gesagt, ein Lächeln ruft hier nicht unbedingt heitere Musik hervor. Genau deshalb ist der (e)motion-mirror dann also auch als ein Spiegel zu sehen, der Gefühle widerspiegelt und nicht deutet.

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Im Interview spricht Richard mit uns über die Relevanz des richtigen Deutens von Emotionen und warum er sich bewusst dafür entschieden hat, die Klänge des Klaviers nicht mit den Gefühlen des Betrachters übereinstimmen zu lassen.

Seit wann interessiert du dich für Musik und Technik?

Richard Sadek: Das begann schon früh. Musik hatte ich immer schon gerne gehört – laut meinen Eltern schon als Baby. In der Volksschule habe ich dann mit dem Gitarrenspielen angefangen, im Gymnasium mit dem Chorgesang. Außerdem war ich auch immer sehr wissbegierig und wollte – und will noch immer – verstehen, wie technische Geräte funktionieren. Als ich dann lesen konnte, hat mir meine Mutter dann immer ganz schlaue Bücher (die stehen noch immer in meinem Zimmer herum!) parat. Zum Ende der Volksschule war ich vom Computer ganz hingerissen. Besonders faszinierte mich, dass der Computer (fast immer) genau das machte, was ich mir vorgestellte!

Du verbringst deine Freizeit gerne mit Programmieren. Hast du neben dem (e)motion-mirror auch schon andere Projekte gemacht?

Richard Sadek: Ja, einige Projekte! Die meisten waren aber mehr eine Programmierübung für mich selbst, als dass sie einen bestimmten Zweck erfüllten. Ungefähr mit 12 hatte ich übrigens schon meinen ersten „Programmierauftrag“. Ich sollte ein Kassenprogramm für den Verkauf von Süßigkeiten beim Feriensinglager der „Grazer Keplerspatzen“ machen. Zwei Jahre später setzte ich mir in den Kopf, eine „Cloud“ zu machen, die aber leider nie ganz fertig geworden ist.
Im vergangenen Jahr sind meine Projekte dann aber produktiver geworden. Ich stieg auf das Entwickeln von Apps um. Auch meine VWA, das ist die Abschlussarbeit für die neue Reifeprüfung, hat mit Programmieren und Physik zu tun. Der (e)motion-mirror ist aber mein erstes künstlerisches Programmierprojekt.

Das Projekt entstand in der Schule im Rahmen des Wahlpflichtfachs „Experimentelle Mediengestaltung“. Hattet ihr da eine bestimmte Aufgabenstellung?

Richard Sadek: Wir konnten aus 20 verschiedenen Aufgabenstellungen auswählen. Zum Beispiel hätte ich einen Kurzfilm drehen, einen Stop-Motion Comicfilm erstellen, ein interaktives Kunstwerk machen, ein futuristisches Gebäude mit einem 3D Programm designen, eine neue optische Täuschung erfinden oder eine App programmieren können. Ich habe mich aber für ein interaktives Kunstwerk entschieden.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Musik und Technik miteinander zu verbinden?

Richard Sadek: Das ist von ganz von alleine passiert. Die Idee ist wahrscheinlich deshalb so schnell entstanden, weil Technik und Musik eben die zwei Dinge sind, mit denen ich mich hauptsächlich beschäftige.

Wie viel Zeit hat das Projekt in Anspruch genommen? Ich habe gehört, dass du auch viel außerhalb des Unterrichts gearbeitet hast…

Richard Sadek: Ich hatte zwar fast jede Wochen zwei Stunden „Experimentelle Mediengestaltung“, aber dort konnte ich eigentlich nicht so viel machen, weil ich keinen eigenen Laptop hatte, und den von meinem Bruder (das ist übrigens der fesche Junge, der im Kurzfilm vorkommt) verwenden musste. So hat sich die Programmierarbeit über Monate hingezogen. Die praktische Ausführung des Spiegels selbst ging dann aber relativ schnell.

Warum hast du dich dafür entschieden, dass die Klänge des Klaviers nicht mit den Gefühlen übereinstimmen sollen?

Richard Sadek: Auf dieser Entscheidung basiert meine Grundidee zum (e)motion-mirror. Die Klavierklänge, die aus den Lautsprechern kommen, würde man vielleicht nicht mit den Gefühlen, die man vor dem Spiegel zeigt, verbinden, weil jeder Bewegung einer Gesichtsregion ein bestimmter Ton zugeordnet wird.
Außerdem sagt ja niemand, dass die Musik fröhlich ist, wenn Dur-Dreiklänge darin vorhanden sind, oder traurig ist, wenn Moll-Harmonien dominieren. Diese Regel gilt nur in der westlichen Musik.

Wie wichtig findest du es, dass man die Emotionen von anderen Menschen richtig deutet?

Richard Sadek: Sehr wichtig! Ein Großteil der Kommunikation findet ja auf der nonverbalen Ebene statt. Wenn wir also die Emotionen unseres Gesprächspartners nicht verstehen, kann es sein, dass wir in eine ganz falsche Richtung ausholen und die andere Person kränken oder uns selbst in eine sehr peinliche, unangenehme Situation bringen. In SMS und Chatnachrichten versucht man ja auch durch die verschiedensten Smileys die fehlenden Emotionen zu übermitteln.

Glaubst du, dass es Computern jemals möglich sein wird die Gefühle des Betrachters nicht nur zu spiegeln, sondern auch zu deuten?

Richard Sadek: Ich glaube, dass Computer das in naher Zukunft schon machen können. Computer werden immer schneller und die Forschung in diese Richtung schreitet auch voran. Eindeutige Gefühle, wie zum Beispiel ein Lachen oder Weinen können ja schon „gedeutet“ werden. Was Computer aber sicher noch lange nicht können werden, ist Gefühle selbstständig zu lernen. Es braucht immer Millionen an Datensätzen, die ein Mensch eingeben muss, anhand derer das Gesicht dann objektiv analysiert werden kann.

Hast du ein Vorbild, wenn es um interaktive Kunstwerke geht?

Richard Sadek: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich vor dem Wahlpflichtfach „Experimentelle Mediengestaltung“ nicht wirklich mit interaktiver Kunst beschäftigt habe. Meine Inspiration und Vorbild war mein Werklehrer in der Unterstufe und späterer Lehrer für „Experimentelle Mediengestaltung“ Christof Neugebauer, der uns Schülern einige seiner Erfindungen und interaktiven Kunstwerke zeigte. Besonders toll fand ich seine „Laserharfe“.

Hast du schon Pläne für die Zukunft?

Richard Sadek: Wahrscheinlich werde ich technisch bzw. naturwissenschaftlich weitermachen und Informatik, Mathematik oder Physik studieren. Ich könnte mir einen Beruf als Softwareentwickler oder Lehrer vorstellen. Konkrete Pläne habe ich aber noch keine.

Richard Sadek

Richard Sadek, geb. 1996 in Graz. Derzeit besucht er die siebente Klasse des BRG Kepler. Er spielt klassische Gitarre, betreibt Chorgesang und verbringt einen großen Teil seiner Freizeit mit Programmieren. Als Vereinigung seiner beiden Leidenschaften entwickelte er eine Liebe für das Erstellen von interaktiven Kunstwerken. So schuf er im Zuge des Wahlpflichtfaches „Experimentelle Mediengestaltung“ am BRG Kepler den (e)motion-mirror.

Der (e)motion-mirror kann im Rahmen der u19 Exhibit beim Ars Electronica Festival 20014 von 4.-8. September besichtigt und getestet werden. Dort werden jedes Jahr die besten 15, der eingereichten Projekte der Kategorie u19 – Create Your World, ausgestellt.