Urfixed Light Animation

Das Zeitraffervideo “Urfixed Light Animation” fasziniert mit hektischen Lichtmalereien und einer heftigen Soundkulisse, die den Urfahraner Jahrmarkt von einer völlig neuen Perspektive zeigen.

| | |

Foto: Thomas Schwarz

Mit einem bunten Mix an Karussellen, Riesenrädern und Feuerwerken zieht der Linzer Urfahranermarkt im Frühjahr und im Herbst über eine Million Menschen pro Jahr an. Dem Künstler Thomas Schwarz ist es in seinem Zeitraffervideo „Urfixed Light Animation“ gelungen, dieses bunte Treiben mitsamt seinen hektischen Lichtmalereien und einer heftigen Soundkulisse einzufangen und den Urfahraner Jahrmarkt von einer bislang unsichtbaren Seite zu zeigen. Dabei wirkt es so, als würden Bild und Ton im Einklang miteinander verschmelzen. Seit der Eröffnung des neuen Deep Space 8K im August diesen Jahres können Besucherinnen und Besucher des Ars Electronica Center das Video auf einer 16 mal 9 Meter großen Wandprojektion in 8K Auflösung bestaunen.

Thomas, dein Projekt „Urfixed Light Animation“ ist mittlerweile ein fixer Bestandteil der “Best-Of-Präsentationen” im neuen Deep Space 8K. Worum geht es in deinem Video?

Thomas Schwarz: In diesem Video geht es um eine Bildwelt, die wir mit unseren Augen gar nicht wahrnehmen können. Dabei verwende ich Zeitraffer und Fotos, und schaffe durch die Langzeitbelichtung eine andere Wahrnehmung der Welt, die nur im Video sichtbar, jedoch in Realität nicht nachvollziehbar ist. Wenn ich etwas filme, dann ist das, was man im Film sehen kann, ohnehin nicht mehr die Wirklichkeit. Aber normalerweise kann man noch zu den Schauplätzen gehen und sie in Echt betrachten. Das ist aber bei „Urfixed Light Animation“ nicht möglich, denn es zeigt eine surreale Welt mit einer anderen Zeitwahrnehmung, die aber nicht durch den Zeitraffer produziert wird, vielmehr durch die Langzeitbelichtung. Das Video wirft Rätsel auf und regt die Menschen dazu an, sich zu fragen, wie so eine Bildwelt zustande kommt, oder wie man etwas sehen kann, das es eigentlich gar nicht gibt.

Urfixed@ Thomas_Schwarz (2)
Foto: Thomas Schwarz

Wieso hast du dir gerade den Urfahraner Jahrmarkt als Lichtkulisse ausgesucht?

Thomas Schwarz: Eigentlich ist es der Urfahranermarkt geworden, weil ein Freund und ich einmal nach der Uni beschlossen hatten, Zeitraffervideos zu machen. Dabei ist das Projekt entstanden. Mich haben die Aufnahmen so fasziniert, dass ich daran weiter gearbeitet habe.

Außerdem bietet sich der Urfahranermarkt sehr gut für Lichtmalereien an. Ich habe mich in meiner Kunst schon immer gerne mit Lichtmalerei beschäftigt, habe sie anfangs selbst generiert durch bewegte Lichtquellen. Später habe ich Objekte gesucht, wie beispielsweise ein Feuerwerk, die die Bewegung für mich übernehmen. Die Langzeitbelichtung eröffnet mir die Möglichkeit, ein noch viel kräftigeres Lichtschauspiel zu bekommen, als bei Echtzeit-Fotografien.

Ein weiterer Grund war, dass für mich als Kind der Urfahaner Jahrmarkt ein starker Anziehungspunkt war und ich wollte immer gerne dort hin. Als Familie haben wir nur selten den Urfahranermarkt besucht. Als ich dann älter war und den Jahrmarkt besuchte, habe ich gemerkt, dass es mir dort überhaupt keinen Spaß macht, sondern dass er lediglich von einiger Entfernung spannend aussieht. Meine kindlichen Vorfreuden wurden enttäuscht, sozusagen. Im Video wollte ich den Urfahranermarkt spannender darstellen, als er für mich in Wirklichkeit ist. So wie Werbungen, die alles besonders schön darstellen und übertreiben. Und das habe ich eben auch gemacht, mit dem Hintergrund, dass ich eigentlich eine „falsche“ Welt zeige, die in Realität nicht wirklich sichtbar ist.

Was bedeutet eigentlich „Urfixed“?

Thomas Schwarz: Der Urfahraner Jahrmarkt wird ja umgangssprachlich auch als „Urfix“ bezeichnet. Für mich ist er aber ein ziemlich unattraktiver Ort, darum wollte ich mit dem Video den Jahrmarkt „reparieren“, für mich ist er quasi „gefixt“ (lacht).

Wie hast du das Video umgesetzt? Oder anders gefragt: Wie war der technische Ablauf?

Thomas Schwarz: Das gesamte Fotomaterial habe ich im Raw-Format aufgenommen. Dieses Format gab mir sehr viel Qualität und Farbtiefe. Das erste Bild muss hinsichtlich den Einstellungen bzw. der Langzeitbelichtung eingestellt werden, danach habe ich im automatischen Intervall alle 10 Sekunden und 1 Stunde lang ein Bild von einem Standort aufgenommen. Die Einzelfotografien habe ich in einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet, manche Bilder und Sequenzen „gelooped“ bzw. hintereinander abgespielt. Anschließend habe ich die Bilder in Videosequenzen gerendert, sodass eine Stop-Motion entsteht. Zum Schluss konnte ich das Videomaterial im Schnitt passend montieren. Ich habe nur ganz wenige Effekte verwendet. Die Soundebene des Videos ist erst später entstanden. Mir war es wichtig, dass man im Video das Gefühl bekommt, als würden die Fahrgeräte die Geräusche und Töne erzeugen. Darum habe ich auch Musik mit vielen digitalen Elementen gewählt. So können Video und Musik einfach besser miteinander verschmelzen. Ich habe mit einer der billigsten Kameras und billigen Objektiven gearbeitet, die man im Amateurbereich finden kann. Eine Low-Budget-Produktion, irgendwie.

Aus wie vielen Fotos besteht eigentlich das Video?

Thomas Schwarz: Nicht ganz 6.000 Bilder. In der Videoarbeit sind es mehr als 6.000 Fotos, weil ich an manchen Stellen einige Fotos doppelt verwendet habe.

Was hast du so gemacht, während die Kamera selbstständig die Fotos aufgenommen hat?

Thomas Schwarz: Ich habe Nüsse und Schokobananen gegessen (lacht). Aber hauptsächlich habe ich darauf geachtet, dass mir niemand gegen das Stativ läuft. Das ist mir leider einmal passiert, da waren danach die Aufnahmen unbrauchbar und die Arbeit umsonst. Mich haben außerdem viele Leute angesprochen und gefragt, was ich hier mache, konnte also mit vielen Urfix-Besucherinnen und -Besuchern ins Gespräch kommen.

Thomas Schwarz
Foto: Laurin Döpfner

Wie ist es für dich, dein Projekt im Deep Space 8K zu zeigen?

Thomas Schwarz: Ich finde es spannend, wenn das Video die Zuseherinnen und Zusehern fasziniert und ich ihre Begeisterung sehen kann. Besonders freut es mich, wenn sie sich nicht erklären können, wie diese Bilder zustande kommen, und dann fragen, wie denn das überhaupt funktioniert. Ich habe außerdem auch schon von vielen gehört, dass man sogar ein bisschen ins Video „hineingezogen“ wird.

Ein besonderer Reiz am Deep Space ist für mich, dass ich mein Video ganz unterschiedlichen Menschen zeigen kann und sie mit einer heftigen Musik- und Bildwelt konfrontiere, die sie normalerweise nicht gewöhnt sind. Ich selbst nehme im Deep Space mein Video ganz anders wahr. Ein Problem beim Schnitt ist, dass man selbst immer auf die gleichen Dinge schaut. Ich kann monatelang an einem Projekt arbeiten, ich schaue immer auf dieselben Sachen. Viele Details in meinem Video sind mir erst durch die Größendimension im Deep Space aufgefallen. Es gibt so viele Informationen in einem Bild, trotzdem wird man immer vom hektischen Lichtspiel angezogen. Dass rundherum eigentlich auch noch vieles passiert, wurde mir erst durch die Präsentation im Deep Space so richtig bewusst.

Was hat dich selbst bei der Gestaltung des Videos überrascht?

Thomas Schwarz: Als ich die Bilder aufgenommen habe, habe ich selbst schon ein Bild im Kopf gehabt, wie diese etwa aussehen können, wenn ich sie langzeitbelichte. Ich habe es mir nur vorstellen können und habe dann im Nachhinein entweder das Bild bestätigt bekommen oder wurde völlig überrascht, weil es dann anders war, als ich es mir ausgemalt hatte. Das Projekt selbst hatte eine sehr lange Laufzeit. Von der ersten Aufnahme bis zu Fertigstellung dauerte es ca. 1,5 Jahre. Insgesamt habe ich an 2 Jahrmärkten intensiv gearbeitet. Der Schnitt selbst hat ca. 3 Monate gedauert.

 

Thomas SchwarzThomas Schwarz Portrait

Der Künstler Thomas Schwarz studiert „Zeitbasierte und Interaktive Medien“ an der Kunstuniversität Linz und ist nebenbei im Ars Electronica Center als Infotrainer tätig. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Fotografie und Film, 3-D-Druck, Musik, Lichtmalereien und interaktiven Installationen. Mit Zeitraffer und Stop-Motion versucht Thomas Schwarz unterschiedliche Prozesse und Mechanismen, die in Realität nur wenig sichtbar sind, einzufangen, zu entfremden und surreale Bildwelten zu entwickeln.