The Future of Work

Wie könnte die Arbeit in Zukunft aussehen? Und wie können wir gemeinsam an der Zukunft arbeiten, um sie für alle so fair wie möglich zu gestalten?

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Würden wir hundert Personen fragen, was Arbeit eigentlich genau ist und für sie bedeutet, würden wir mit ziemlicher Sicherheit hundert mehr oder weniger unterschiedliche Antworten bekommen – erstaunlich für eine so alltägliche Sache, der täglich Milliarden von Menschen nachgehen. Doch unser Verständnis von Arbeit gleicht einem komplexen Geflecht, das sich aus den vielfältigsten Faktoren und Erfahrungen zusammensetzt. Allgemeine Umstände wie kulturelle, wirtschaftliche und soziale Bedingungen spiegeln sich genauso darin wieder, wie persönliche Lebenssituationen, Ziele, Hoffnungen und nicht zuletzt Vorstellungen darüber, was es heißt, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Wie sie auch immer definiert wird, eine gute Arbeit trägt erheblich zur Stabilität in unserem Leben bei und stellt uns in einen sozialen Zusammenhang.

Arbeit ist also ein wesentlicher Aspekt, über den wir uns als Menschen definieren und es ist daher nicht verwunderlich, dass große Umbrüche wie die digitale Transformation eine gemeinschaftliche Herausforderung darstellen. Sie wirkt sich auf vielen Ebenen aus: Von konkreten Umstellungen, die unmittelbar im eigenen Arbeitsumfeld spürbar sind, bis hin zu allgemeinen, ethischen Fragestellungen. Wie könnte also die Arbeit in Zukunft aussehen? Und wie können wir gemeinsam an der Zukunft Arbeiten, um sie für alle so fair wie möglich zu gestalten?

Das Ars Electronica Festival unter dem Thema „A New Digital Deal„, nähert sich diesen Themen mit unterschiedlichen Formaten – von interdisziplinären Projekten über interaktive Ausstellungen bis hin zu spannungsgeladenen Konzerten. Hier nun ein kleiner Auszug aus den Projekten, welche sich mit dem Thema „The Future Of Work“ befassen.

Project for Next Cultural Producer Incubation Program
Die Agentur für kulturelle Angelegenheiten der japanischen Regierung und Ars Electronica werden in 2021 ein ganz besonderes Trainingsprogramm in Linz, Österreich, initiieren. Während einer sechsmonatigen Residency werden Teilnehmer*innen die Möglichkeit haben, die vielen Facetten der Ars Electronica zu erleben. Wie können wir “Next Cultural Producers” heranbilden, die in der Lage sind, bestehende Rahmen zu überschreiten, Menschen zur Diskussion anzuregen und mit Visionen neue Rahmen zu schaffen? Da die Ars Electronica ein einzigartiges Institut mit einem eigenen kreativen Ökosystem ist, werden die Teilnehmer*innen zwischen den folgenden vier verschiedenen Abteilungen interagieren, um den Einfluss der Kunst auf Gesellschaft, Bildung, Technologie, Wissenschaft, Industrie und Bürger*innen kennen zu lernen. Die Residency ist daher weit mehr als nur ein Blick hinter die Kulissen von Organisation, Forschung und Produktion – hier werden Kompetenzen für die nächste Generation von Kurator*innen und Kulturproduzent*innen vermittelt. Im Vordergrund steht dabei das Ausprobieren neuer Konzepte der interdisziplinären Zusammenarbeit. Maaya Makino ist Teilnehmerin im Jahr 2021 und bietet mit Unterstützung des Teams des Ars Electronica Centers einen Online-Hybrid-Workshop für japanische Oberstufenschüler*innen an.

Person speaking in front of camera
Next Cultural Producer Incubation Program, Agency for Cultural Affairs of the Government of Japan (JP) & Ars Electronica (AT)

Die diesjährige Themenausstellung „Digital && Life“, direkt Vorort in den Keplers Gardens der JKU Linz, beschäftigt sich mit den vielen verschiedenen Formen, die die Beziehung zwischen dem Digitalen und allen Lebensbereichen annehmen kann.

1HWork
1HWork fragt: „Wie schaut fairer sozialer und technologischer Wissenstransfer aus und wie kann man das attraktiv mit dem Wert von Arbeit verknüpfen?“ Kreative Gemeinschaftsproduktion braucht ein faires Modell der Synchronisation, der Hierarchie und der Entlohnung und sollte dabei cool sein. Die Künstler*innen verpassen dem Betriebssystem Produktion ein Update, schreiben Arbeit einen unverrückbaren Wert ein und eröffnen damit vielfältige Möglichkeitsräume der Wertschöpfung. Der 1HWork Index ΚΔ ist Blockchain basiert, speist sich aus zahlreichen Datenbanken und hat zum Ziel, eine gerechtere Entlohnung von Arbeit zu fördern. Mit dem CO฿IE dazu im wallet kann man dann Rapid-Prototyping – Maschinen Stunden, Werkstattzeit – Expert*innen Stunden und/oder Re-Use Komponenten einlösen. Die Prototypen dazu: arteQ als Kunst NFT Community sowie eine neue im Social Design Prozess entwickelte Recruiting-Plattform, die die Stärken von Arbeitnehmer*innen mit den Bedürfnissen von Unternehmen bei der Jobsuche matched.

1HWork, Marina Freccia (DE) Thomas Schneider (AT) Felix Zabel (AT) Tore Minte (DE) Wolfgang Fiel (AT) NANK Co:llaboratory arteq.io, Credit: NANK Co:llaboratory – Felix Zabel

Eurus
Eurus ist ein Notfall-Beatmungssystem, das leicht erhältliche medizinische Hilfsmittel in Kombination mit einem Open-Source-Elektronikmodul verwendet, das Krankenhausärzt*innen bei einem Mangel an Beatmungsgeräten einsetzen können. Es ermöglicht eine kontrollierte und unterstützende / kontrollierte Notfallbeatmung, um die Überlebenschancen von Patient*innen zu verbessern, die durch COVID-19 gefährdet sind. Das Design automatisiert einen manuellen Wiederbelebungsbeutel (Beatmungs-Beutel), der durch eine Blutdruckmanschette zusammengedrückt wird, die durch die medizinischen Luft- und Vakuumanschlüsse in jedem Patientenzimmer des Krankenhauses aktiviert wird.

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Eurus, Dr. Aisen Caro Chacin (US/ES/VE), Christopher Zahner (US), Credit: Aisen Caro Chacin

!Cartesian Shell
Im Jahr 2020 diente die !brute_force-Installation als Bühne, auf die Künstlerin Maja Smrekar und ihre hündischen Mitstreiter klettern konnten, während Algorithmen einer künstlichen Intelligenz ihre Atmung, Körpertemperatur und Herzschlag analysierten. Die Daten wurden in einer Cloud gesammelt und 2021 als Grundlage für die Entwicklung eines weichen Roboters mit netzverstärktem Silikon verwendet, der sich mithilfe von Druckluft von einer flachen 2D-Oberfläche in sich ständig verändernde dreidimensionale organische, abstrakte Formen morpht und verformt. Sein dynamisches Bewegungsverhalten reaktiviert räumlich-zeitliche Muster, die aus der verschränkten, aber isolierten menschlichen bis nicht-menschlichen kollaborativen Performance entstehen.

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!Cartesian Shell, Maja Smrekar (SI) and Jonas Jorgensen (DK), Credit: Martin Nedergaard Møller-ITU (for Jonas Jorgensen)

Infinite Nows zeigt studentische Projekte der Abteilung Interaction Design (IAD) an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Die Ausstellung befasst sich mit einer Reihe von Themen wie artübergreifende Interaktion, Selbstwahrnehmung in Deepfakes, integrative Wahlsysteme, antisoziale Medienplattformen und andere interaktive Technologien, die Momente des Teilens, der Präsenz und der Fürsorge erzeugen.

T-kit
T-kit stellt mit Hilfe einer Reihe von interaktiven Objekten einen Diskurs über Lärm, Kommunikation und Zeitempfinden im Arbeitsbereich dar. Durch eine spielerische und greifbare Erfahrung wird der Arbeitsplatz neu interpretiert.

t-kit
Zurich University of Arts (ZHdK), T-kit, Colin Lüönd (CH), Fabrice Spahn (CH), Credits: Colin Lüönd, Fabrice Spahn

RESCUE – post-industrial dynamics
RESCUE – regeneration of disused industrial sites through creativity in Europe ist ein von der EU kofinanziertes Kooperationsprojekt zwischen Italien, Slowenien, Deutschland und Österreich. „RESCUE – post-industrial dynamics“ von und mit Rupert Huber, Zahra Mani, Balasz Pandi und Mia Zabelka ist eine Uraufführung im Rahmen von Rescue während der großen Konzertnacht in der Kepler Hall. Live entsteht eine klangliche Auseinandersetzung mit möglichen Zukunftsausblicken für post-industrielle Welten. Diese Zukunftsvisionen sind hoffnungsvoll und düster zugleich – neue post-pandemische Begriffe von Arbeit und Überleben kollidieren mit dystopischen Vorstellungen, räumlichen Fragmentierungen und erzwungener Distanz

RESCUE – post-industrial dynamics, Rupert Huber (AT), Zahra Mani (AT/PK/UK), Balázs Pándi (HU), Mia Zabelka (AT) Gavino Canu (IT), Credit: Mario Egger

Wenige hundert Meter Luftlinie entfernt, direkt an der Donau gelegen befindet sich das Ars Electronica Center, wo sich eine komplette Ausstellung dem Thema „The Future of Work“ widmet. Die Kooperationsausstellung der Arbeiterkammer Oberösterreich und der Ars Electronica Die Arbeit in und an der Zukunft befasst sich mit diesem Thema in vier Bereichen. Im Foyer kannst du spannende Infos zu den Feldern Arbeit und Digitale Transformation entdecken, in den Bereichen Kooperatives Arbeiten: Von Menschen und Maschinen (UG 3), Tools der Zukunft (UG 1) und Humanizing Technology (OG 2 & UG3) können spezifische Fragestellungen und angewandte Beispiele erforscht werden. Im Deep Space 8K wird unterdessen das Kunstprojekt #rachaelisnotreal der KI Rachael präsentiert. Diese generiert seit Mai 2020 täglich ein Kunstwerk und veröffentlicht diese auf der Social Media Plattform Instagram. Ohne menschlichen Eingriff setzt die KI seither ihre Arbeit fort. Die KI ist so programmiert, dass sie Bildwerke erschafft, die den Geschmack von möglichst vielen Menschen trifft.

Seit ihrer Entstehung hat die Ars Electronica kontinuierlich daran gearbeitet, eine lebendige Community aufzubauen. Im Laufe der Jahre hat sich diese zu einem umfangreichen Netzwerk aus Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Institutionen, politischen Entscheidungsträger*innen und anderen interessierten Personen entwickelt. Aus diesen Team-Bemühungen entstanden die Festival Community Projects, ein Konzept, welches das Ziel verfolgt, Partnergärten aus der ganzen Welt in verschiedenen Veranstaltungen zusammenzubringen.

AVATAR ROBOT CAFE DAWN ver.β
Eines dieser Festival Community Projects ist das Avatar Robot Cafe, ein soziales Umsetzungsprojekt zur Entwicklung von \“OriHime, \“einem Avatar-Roboter, der von Menschen mit eingeschränkter Mobilität bedient werden kann und Menschen mit Behinderungen unterstützt, Arbeitsplätze zu haben. Es werden Fragen und Lösungen für eine Gesellschaft präsentiert, in der die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen nicht ausreicht. Begleite uns bei der Vorführung und erfahre mehr über das Cafe und seine Ursache. An dieser Stelle möchten wir nochmal auf einen unserer Partner hinweisen, der uns nicht nur mit Computern und Screens versorgt, sondern ebenfalls gut zum Festivalschwerpunkt und zu unseren Anliegen passt: Die Ars Electronica wird seit 2019 von AfB – Arbeit für Menschen mit Behinderung – mit IT-Geräten ausgerüstet. Nicht nur die Anstellung von Menschen mit Behinderung macht AfB einzigartig, sondern auch der nachhaltige Unternehmensschwerpunkt. AfB spezialisiert sich auf die Wiederverwendung von ausgemusterten Geräten unterschiedlicher IT-Betriebe. Die Geräte werden inventarisiert, zertifiziert gelöscht, getestet, gereinigt und mit einer 1-Jahresgarantie wiedervermarktet. Mithilfe dieser Strategie hat das Unternehmen dafür gesorgt, dass die Umwelt und Menschen gefährdende Rohstofftrennung von IT-Tools in Dritte-Welt-Ländern eingedämmt wurde.

a robot cafe
AVATAR ROBOT CAFE DAWN ver.β, Ory Yoshifuji (JP), Credit: Ory Laboratories Inc.

Mehr über das Ars Electronica Festival könnt ihr laufend hier auf unserem Blog, auf der Website sowie auf unseren Social Media Kanälen – auf Facebook, Instagram, Twitter und LinkedIn nachlesen.