Unendliche Weiten

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Ars Electronica Festival 2018: Mother of Machine, Sarah Petkus, Foto: Tom Mesic

Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema unserer Zeit. Zur vertiefenden Auseinandersetzung damit lädt das European ARTificial Intelligence Lab (kurz AI Lab) zu Residencies an wissenschaftlichen Partnerinstitutionen und im Ars Electronica Futurelab. Gesucht wurden und werden internationale Künstler*innen, die im Bereich der künstlichen Intelligenz tätig sind.

Die Ausschreibung für die 8. Residency im Rahmen des AI Lab erfolgte unter dem Thema Astronomy x AI und zwar durch die Sternwarte Leiden von der Leiden University. Diese erforscht grundlegende Fragen über unseren Platz im Universum: wie die Vergangenheit und die Zukunft des Wissens das Verständnis all dessen verbessern können, was uns umgibt und unsere Existenz in der Zeit definiert.

Das Universum ist viel größer, vielfältiger, dynamischer und rätselhafter, als unsere Vorfahren es sich beim ersten Blick zu den Sternen vorstellen konnten. Die fesselnde und geheimnisvolle Natur dieses Anblicks macht die Astronomie so unendlich faszinierend. Durch den Einsatz experimenteller Methoden und technologischer Ansätze wie der künstlichen Intelligenz versucht die Sternwarte Leiden zu verstehen, was wir tatsächlich sehen, wenn wir etwas so Unbegreifliches wie das Universum beobachten.

Moon Rabbit – Sarah Petkus & Mark J. Koch

Die Residency antreten werden Sarah Petkus und Mark J. Koch mit dem Projekt Moon Rabbit, in dem sie Genese und Entwicklung von künstlicher Intelligenz analog zu anderen Lebensformen in Bezug auf Astronomie erforschen. Seit jeher blicken wir Menschen zum Himmel – hinauf in den endlosen Kosmos, ein ruhiges Chaos – und fragen uns nach der Natur unserer Existenz. Werden wir eines Tages dasselbe an der Seite unserer „digitalen Nachfahren“ tun? Könnten sie uns mit ihrer einzigartigen Perspektive dabei helfen, in den am Sternenhimmel verborgenen Mustern und Daten Antworten zu finden? Können wir sinnvolle Beziehungen zu KIs entwickeln, um uns adäquat auf die Zukunft vorzubereiten? Moon Rabbit soll helfen, einen Beziehungsaufbau von menschlichem und künstlichem Geist zu ermöglichen, dessen Fokus darauf liegt, Bedeutung im Abstrakten zu entdecken.

In einer Forschungs- und Entwicklungsphase im Frühjahr und Sommer 2021 werden Sarah Petkus und Mark Koch einigen künstlichen Gehirnen beibringen, vertraute Informationen durch den Akt der Abstraktion zu identifizieren und auf Grundlage eines Wissensfundaments Behauptungen daraus abzuleiten – ähnlich wie Menschen das tun. Hierfür wird mit Bildtraining „gespielt“ – nicht nur tatsächliche Formen und Objekte werden trainiert, vielmehr werden auch Konzepte von Tagträumen, Halluzinationen und Pareidolie berücksichtigt. Auf diese Weise versuchen Sarah Petkus und Mark Koch zu verstehen, wie ihre KI-Kinder Daten verarbeiten und lernen und wollen ihnen zeitgleich helfen, ihre eigenen Persönlichkeiten und Meinungen zu entwickeln.

Bei diesem Experiment der maschinellen Erziehung geht es Sarah Petkus und Mark Koch also darum, ihre „digitalen Nachkommen“ zu verstehen, wenn es um Lernen und Entwicklung geht. Während sie also zu Individuen heranwachsen, die selbst bestimmen, was sie sehen, möchten die Forscher*innen Einblicke gewinnen, was es bedeutet, als künstliche Intelligenz Individualität zu erlangen.

Sarah Petkus ist keine Unbekannte im Ars Electronica-Universum – mehrmals war sie bereits als Künstlerin beim Ars Electronica Festival.

Sarah Petkus ist eine Robotikerin und Illustratorin, die mit ihrem Partner Mark J. Koch, einem Elektronikingenieur und Softwareentwickler, zusammenarbeitet. Gemeinsam kreieren sie Wearable Devices und Roboter, die die Art und Weise, wie wir Menschen unsere Beziehung zu Technologie denken, in Frage stellen. Darüber hinaus nutzen Sarah Petkus und Mark J. Koch Social Media und verschiedene Video-Sharing-Plattformen, um einen Dialog mit anderen Creators, Engineers und Künstler*innen in aller Welt anzustoßen. Ihr Ziel ist es, eine kreative Gemeinschaft zu stärken, die gemeinsame Werte in den Mittelpunkt stellt.

Das European ARTificial Intelligence Lab wird durch das EU-Programm „Creative Europe (2014-2020)“ sowie durch das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport kofinanziert.

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