LIT Exhibition

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Mittwoch, 7. September 2022, 13:00 - 19:00
Donnerstag, 8. September 2022, 10:00 - 19:00
Freitag, 9. September 2022, 10:00 - 19:00
Samstag, 10. September 2022, 10:00 - 19:00
Sonntag, 11. September 2022, 10:00 - 18:00
Alle Termine werden in der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ / UTC+2) angegeben.
KEPLER'S GARDENS

What if we embrace uncertainty?

Christopher Lindinger (AT)

Unbekannt, mannigfaltig und unscharf liegt sie vor uns, unsere Zukunft. Mögen auch viele Versuche gelingen, sich ihr Stück für Stück ein bisschen anzunähern, Entwicklungen vorherzusehen und deren Auswirkungen zu deuten, sie bleibt dennoch eine große Unbekannte und verbirgt ein undurchsichtiges Netz an möglichen Verzweigungen und Optionen. Die Klimakatastrophe, der Krieg in der Ukraine oder die nicht enden wollende Corona-Pandemie können, verstärkt durch die Medien, einen zermürbenden, angstvollen oder mutlosen Blick auf die neuen Zeiten nähren. Eine entscheidende Unbekannte in der Gleichung zur Vermessung unserer Zukunft dürfen wir aber nicht außer Acht lassen: uns selbst. Wir selbst sind das X, welches jede Vorhersehung, möge sie noch so präzise sein, bloß zur Annäherung, zu einer Wahrscheinlichkeit macht. Unsere Einstellung gegenüber dem, was kommt, unsere Entscheidungen und Handlungen haben Auswirkungen darauf, wohin wir uns in Zukunft bewegen, welche Entwicklungen befeuert bzw. verhindert werden, ob die Gleichung am Ende aufgeht oder nicht.

Als Universität ist es unserer DNA eingeschrieben, das Unbekannte nicht zu scheuen, sondern sich kühn und mutig darauf einzulassen, sich ihm zu stellen und es zu durchdringen. Die Vielschichtigkeit der aktuellen Herausforderungen bedingt eine Verzahnung unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen. Es gilt, Verbindungen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen zu ziehen, zwischen der Wissenschaft und der Kunst sowie der Gesellschaft. Transdisziplinarität in Forschung und Lehre muss das Credo einer zeitgenössischen Universität sein. Nur gemeinsam können wirkungsvolle Veränderungen angestoßen und umgesetzt werden. Aus diesem Grund ist es für uns selbstverständlich, Partnerschaften zu schließen, Mitstreiter*innen zu finden und ein starkes Netzwerk aufzubauen.

Eine pulsierende Verbindungslinie zwischen JKU und Ars Electronica wurde bereits vor drei Jahren gezogen. Die enge Kooperation speist sich aus der gemeinsamen Zielsetzung, Kunst und Wissenschaft nachhaltig stärker zu verweben, einen offenen Wissenstransfer mit der Gesellschaft anzustreben und einen Technologiebegriff zu fördern, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Projekte des Institute of Technology (LIT) und der Ars Electronica verweben Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft auf eindrückliche Art und Weise und bilden die sichtbare Ebene eines gemeinsamen, kreativen Strebens nach Neuartigem. Das gleiche Ziel verfolgen auch die zum zweiten Mal stattfindende Festival University, der Campus als Festivalstandort oder themenspezifische Art und Science-Residencies.

Eine weitere starke Verbindungslinie führt weiter nach Osten, zur Universität für Angewandte Kunst Wien und zur ehemaligen Wiener Postsparkasse, in der gemeinsame Räume angemietet wurden. Das 2019 verfasste Manifest „Innovation durch Universitas“ definiert die inhaltliche Stoßrichtung der Kooperation. Auf Worte folgen seitdem Taten und eine Vielzahl von gemeinsamen Projekten. Im Wintersemester 2023 startet ein gemeinsames Bachelorstudium, welches Transformationsprozesse ins Zentrum rückt und Antworten sowie Annäherungen in den Wissenschaften wie auch in den Künsten sucht. Ein erster Prototyp dafür ist die Lehrveranstaltung „What if … Shaping our future“, die im Sommersemester 2022 in Linz, Wien und in der Internationalen Akademie Traunkirchen stattgefunden hat. 25 Studierende beider Universitäten aus 19 verschieden Studienzweigen wurden in dem Kurs eingeladen, ausgehend von wissenschaftlichen Fakten spekulative Zukunftsszenarien und Prototypen zu entwickeln. Durch die Neugier und Lust am kreativen Prozess entstanden in kürzester Zeit fünf bemerkenswerte interdisziplinäre Gruppenarbeiten, die Themen wie Künstliche Intelligenz, Empathie und menschliche Kommunikation, Ernährung und Nachhaltigkeit sowie Bildungsgerechtigkeit aufgriffen und alternative Antworten formulierten.

Auf europäischer Ebene freuen wir uns sehr, als Johannes Kepler Universität Lead-Partner im Gewinner-Konsortium für die neue und neunte Knowledge and Innovation Community (KIC) zum Thema Kultur und Kreativität zu sein. Gemeinsam mit über 50 Institutionen und Partnern aus Wissenschaft, Gesellschaft, Industrie und Wirtschaft — darunter Frauenhofer, Goethe-Institut, Stadt Amsterdam oder Industry Commons Foundation — können auf europäischer Ebene wirkungsvolle Veränderungen für ein nachhaltiges und lebenswertes Europa herbeigeführt werden. Österreich hat mit JKU, Kreativwirtschaft Austria, Ars Electronica und der Universität für angewandte Kunst eine starke Stimme im Konsortium. Als JKU liegt unser Fokus klar auf Hochschulbildung, Innovation und Forschung. Gemeinsam mit dem europäischen Netzwerk wollen wir die Verschränkung verschiedener Disziplinen und Sektoren, die Brücke zur Gesellschaft und Kunst ins Zentrum zukünftiger Hochschulbildung rücken und fördern.

Mit dem Ziel, europäische Universitäten, Forschungs- und Kultureinrichtungen ausfindig zu machen, die sich der Verschränkung von Kunst und Wissenschaft verschrieben haben, wurde vor einem Jahr eine Mapping-Studie durchgeführt. Um das Thema insgesamt zu stärken und der Dynamik steter Veränderung gerechter zu werden, die Institutionen sichtbar zu machen und die Vernetzung untereinander zu fördern, wurde die Recherche auf die digitale Plattform artsciencemap.org übertragen. Entstanden ist ein exemplarischer Atlas, der die Vielfalt europäischer Art & Science-Impulse widerspiegelt, Agglomerationen abbildet und Verbindungen aufzeigt.

Im Zusammenwirken von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft und gemeinsam mit einer Vielzahl von Mitstreiter*innen wollen wir uns weiterhin optimistisch und voller Neugier über den Rand der eigenen Disziplin wagen und unbekannten, neuen Zeiten entgegenblicken und nicht aufhören, gemeinsam an einer lebenswerten und nachhaltigen Zukunft zu bauen.